Frage von klima78, 383

Wiederholter Leistenbruch trotz Netz (Rezidiv)

Wie kann ein Rezidiv auftreten? Entsteht ein Loch im Netz oder ensteht ein weiterer Bruch an einer Stelle, die nicht vom Netzt bedeckt ist oder ist das Netz nicht um die Bruchpforte festgewachsen? Kann jeder Variante auftreten? wenn ja, welche ist die häufigste? Oder gibt es noch einen anderen Grund?

Antwort
von gerdavh, 343

Hallo, da gibt es mehrere Möglichkeiten: Das eingelegte Netz war zu klein, der Patient hat ein besonders schwaches Bindegewebe, deshalb ein erneuter Bruch, der Patient hat zu schwer gehoben, der Bruch entstand an einer anderen Stelle. Das eingelegte Netz kann keinem Alterungsprozeß unterliegen, aber es kann schrumpfen oder wandern .Hier ein Link zu den möglichen Ursachen für ein Rezidiv

http://www.praxisklinik-sauerlach.de/de/leistungen/rezidivhernien.php

lg Gerda

Antwort
von DaneVanDale, 272

ja wie lang ist die OP her ? Nach welcher Methode wurde operiert ? war es ein direkter oder indirekter Leistenbruch ? Natürlich kann ein Rezidiv auftreten egal ob mit oder ohne Netz Nur mit Netz ist die Rezidivrate eher um einiges geringer als ohne Netz. Ein Leistenbruch kann genauso wieder auftreten wie vor einer Leistenbruch OP ! Oft liegt es daran, wie hebt man etwas, bei falschen heben kann es genauso zu einem Leistenbruch kommen, egal ob operiert oder nicht. Oder beim starken pressen auf der Toilette. Bei einer falschen Bewegung reicht schon das man ein Leistenbruch bekommt. je öfter es zu einem Rezidiv kommt, da kann es bei einer Bindegewebsschwäche liegen.

Liebe Grüße

Kommentar von klima78 ,

vor ca. 5 Jahren, minimal invasiv, TEPP mit Netz. Ich frag mich halt, warum ein Bruch auftreten kann, wenn ein Netz darüber liegt. Gerda hat schon darauf hingewiesen, dass das Netz schrumpfen und wandern kann, das Netz zu klein für die Bruchpforte war, aber keinem Alterungsprozess unterliegt und daher auch nicht kaputt gehen kann. Ich verstehe das nun so, dass ein Rezidiv nur an einer dem Netz umliegenden Stelle auftreten kann.

Kommentar von Nic129 ,

Lieber DaneVanDale,

wenn, dann bitte auch wirklich nur das schreiben, was tatsächlich stimmt....

war es ein direkter oder indirekter Leistenbruch ?

Uninteressant. Nach einer operativen Versorgung sowieso. Zumal sich in der Regel erst intraoperativ herausstellt, ob indirekt oder direkt. Spielt aber bei der ursprünglichen Versorgung mittels extraperitonealer Plastik überhaupt keine Rolle. Es trägt auch bei einem möglichen Rezidiv (oder Entstehung eines Rezidivs) überaupt keine Aussagekraft.

Nur mit Netz ist die Rezidivrate eher um einiges geringer als ohne Netz

Blödsinn. Erfahrungsgemäß gibt es keinen signifikanten Unterschied bei Versorgung mit oder ohne Netz. Das war früher mal, als es die modifizierte Dopplung nach Shouldice noch nicht gab. Aber da gab es auch noch kein Netz. Verfahrensanwendung liegt zum einen im Ermessen des Operateurs und zum anderen bemessen an der Größe des Bruches und am Alter des Patienten.

Einem z.B. 16-jährigen Patienten würde ich bei einer erstmaligen Leistenhernie niemals ein Netz einlegen, sondern generell eine Fasziendopplung in Erwägung ziehen. Das hat aber nichts mit der Rezidivrate zu tun.

Oft liegt es daran, wie hebt man etwas, bei falschen heben kann es genauso zu einem Leistenbruch kommen, egal ob operiert oder nicht. Oder beim starken pressen auf der Toilette. Bei einer falschen Bewegung reicht schon das man ein Leistenbruch bekommt.

Auch das ist falsch. Eine Leistenhernie hebt man sich im eigentlichen Sinne überhaupt nicht. Das ist mittlerweile schon mehrfach erwiesen.

Ein Leistenbruch ist entweder seit der Geburt vorhanden (das trifft vor allem auf Männer zu, da sich in der Entwicklung die Hoden durch drücken und in das Skrotum "fallen". Genau an diesem Punkt hat der kleine Junge einen Leistenbruch, der aber in aller Regel verklebt - oder auch nicht). Oder, man hat eine erworbene Hernie aufgrund eines schwachen Bindegewebes. Und genau dieses schwache Bindegewebe ist bei fast allen erworbenen Hernien der Grund.


@klima78:

Auch ein Netz kann kaputt gehen und seine ursprüngliche Funktion verlieren. Das ist keine Seltenheit. Vor allem ältere Netze haben dieses Problem. Wie überall, ist der Unterschied in der Verwendung gravierend. Manche Häuser halten an alten Modellen fest, andere Häuser nutzen hingegen hochmoderne Netze, deren Erscheinung noch nicht lange her ist. Mittlerweile gibt es auch Netze, die sich in der bildgebenden Diagnostik (CT/MRT) darstellen lassen, was bei Älteren in der Form nicht so funktionierte.

Es besteht die Möglichkeit, dass sich die unter dem Netz liegende Bruchpforte vergrößert hat und nun über den Rand des Netzes hinausgeht. Heißt, das Netz ist nun kleiner als die evtl. vorliegende Bruchpforte. Die Gefahr läuft man immer. Das lässt sich auch nicht vermeiden. Da man aber das Netz großzügig schneidet und einlegt - also deutlich um die Bruchpforte herum -, ist die Häufigkeit eines Rezidivs an dieser Stelle recht gering, aber nicht auszuschließen.

Typische Vorgehensweisen bei Leistenhernien gestaltet sich im Regelfall folgendermaßen:

  1. Leistenhernie => Leisten-OP nach Shouldice (ohne Netz)
  2. Leistenhernie (Rezidiv) => z.B. TEP (mit Netz)
  3. Leistenhernie (Rezidiv) => umsteigen auf Verfahren ohne Netz

usw.usw.usw.

Die Reihenfolge kann auch umgekehrt erfolgen. Also erst Netz, dann Rezidiv ohne Netz. Mit dieser Reihenfolge versucht man, ein neues Rezidiv zu verhindern. Macht Sinn, denn wenn das erste Verfahren versagt, wäre es unlogisch, es bei der erneuten OP wieder zu verwenden.

Letztendlich, zur Kernfrage zurück:

Ja, bei jedem Verfahren (egal ob Shouldice, Lichtenstein, TEP, TAP, ect.) kann es zu einem Rezidiv kommen. Wenn Sie wirklich ein schwaches Bindegewebe haben, kann es im schlimmsten Falle häufig zu einem Rezidiv kommen. Aber meistens hat man es nach einem Rezidiv (spätestens nach dem 2. Rezidiv) im Griff.

Begünstigt wird ein Rezidiv übrigens auch durch zu frühe Belastung. Wenn die Naht (bei Verfahren ohne Netz) oder das Netz noch nicht ausreichend verwachsen ist. Denn auch ein Netz braucht eine gewisse Zeit. Bis es vollständig verwachsen ist, können gut und gerne bis zu 6 Monate vergehen.

Viele Grüße

Kommentar von klima78 ,

Ihre Antwort war sehr hilfreich, meine Fragen wurden umfassend und erschöpfend beantwortet. Würde gerne Ihrer Antwort als hilfreichste Antwort kennzeichnen. Anscheinend kann man das aber bei einem Kommentar auf eine andere Antwort nicht...

Antwort
von Nic129, 255

Hallo,

zu einem Rezidiv kann es immer kommen. Egal welches Verfahren angewandt wurde. Die Rezidiv-Raten sind bei allen Verfahren recht gering, dennoch lässt sich es nicht ausschließend und schon gar keine sichere Statistik finden.

Ob direkt oder indirekt spielt bei einem Rezidiv keine Rolle. Auch präoperativ ist das vollkommen egal. Denn es zeigt sich in fast allen Fällen erst intraoperativ, ob es sich um einen indirekten oder direkten Leistenbruch handelt.

Ich verstehe Sie richtig. Sie hatten eine Leistenhernie, diese wurde erst ohne Netz versorgt. Dann kam es zu einem Rezidiv, mit anschließender TAPP. Dann wäre das nun das zweite Rezidiv. Richtig?

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten