Frage von atreju, 173

Wie unterscheiden sich ACE-Hemmer und Beta-Blocker in ihrer Wirkweise?

Wegen Bluthochdruckes nehme ich zur Zeit einen ACE-Hemmer, den ich aber nicht gut vertrage und der auch nicht die gewünschte, blutdrucksenkende Wirkung bringt. Nun möchte meine Hausärztin auf einen Beta-Blocker (Metoprolol) ausweichen. Scheinbar betrachtet sie ihn als für mich verträglicher und erhofft sich auch mehr Wirkung. Könnt ihr mir sagen, wie sich die beiden Medikamententypen in ihrer Wirkweise unterscheiden?

Antwort
von gerdavh, 152

Hallo, diese beiden Medikamente kann man nicht miteinander vergleichen.

Wirkung von ACE-Hemmer: Das Renin-Angiotensin-System, abgekürzt RAAS, dient der Blutdruckregulation, indem es zur Bildung bestimmter Hormone kommt.

Sinkt der Blutdruck oder verringert sich das Blutvolumen, reagiert das System mit der Ausschüttung von Renin ins Blut. Renin ist ein Eiweiß, welches das Hormon Angiotensinogen aktiviert. Das aktivierte Angiotensinogen heißt dann Angiotensin 1.

Auf dieses Hormon wirkt wiederum ein Eiweiß mit Namen ACE (engl.: Angiotensin-Converting-Enzyme) ein, wodurch das Hormon Angiotensin 2 entsteht.

Angiotensin 2 bewirkt eine generelle Aktivierung des stressvermittelnden Nervensystems, dies wiederum führt zur Blutgefäßverengung und zum Blutdruckanstieg. Das Hormon führt auch unabhängig vom Nervensystem direkt an den Gefäßen zu einer Verengung, was ebenfalls zum Anstieg des Blutdrucks führt. Außerdem wird mehr Aldosteron in die Blutbahn abgegeben. Durch das Aldosteron hält der Körper mehr Natrium und damit mehr Wasser zurück, das Blutvolumen und der Blutdruck steigen an.

In dieses fein abgestimmte System der Blutdrucksteuerung greifen die ACE-Hemmer ein: ACE-Hemmer blockieren die Wirkung des Eiweißes mit dem Namen ACE, so dass es zu einer geringeren Bildung von Angiotensin 2 kommt. Der Effekt der Blockade besteht in einer Senkung des Blutdrucks, denn weniger Angiotensin 2 führt zu einer Gefäßweitung. Außerdem sinkt die Freisetzung von Aldosteron, so dass weniger Flüssigkeit im Körper zurückgehalten wird und das Herz weniger Volumen zu pumpen hat. Die Absenkung des Blutdrucks ist umso stärker, je aktiver das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System und je höher der Blutdruck vor der Behandlung somit war (Quelle: dr. gumpert.de_ace hemmer wirkungsweise).

Nun zur Wirkungsweise von Betablockern: Im Körper gibt es zahlreiche Andockstellen, die empfindlich für bestimmte Botenstoffe und Hormone sind. Dockt ein Botenstoff an diese Station an, wird eine physiologische Reaktion in Gang gesetzt. Neben den Alpha-Rezeptoren gibt es auch sogenannte Beta- Rezeptoren. Sie befinden sich an ganz unterschiedlichen Organsystemen unseres Körpers. Vor allem sind sie am Herzen zu finden. Aber auch an den Bronchien, an der Gebärmutter, im Fettgewebe und an den Blutgefäßen können diese Rezeptoren nachgewiesen werden. Der physiologische Grund liegt darin, dass der Botenstoff, der für diesen Rezeptor bestimmt ist, Adrenalin ist. Hierbei handelt es sich um ein Stresshormon, das dann ausgeschüttet wird und wirken muss, wenn sich der Körper in einer Stress-, oder Notsituation befindet und mehr Leistung als sonst bringen muss. Leistungssteigernd wirkt eine Erhöhung des Blutdrucks sowie eine Herzfrequenzsteigerung (Pulserhöhung).

In Notsituationen benötigt der Muskel aufgrund der körperlichen Auslastung mehr Blut pro Minute, was nur durch eine Blutdruckerhöhung sowie einer Herzfrequenzsteigerung gewährleistet werden kann. Neben einer Erhöhung des Blutflusses wird auch der Sauerstoffverbrauch des Körpers erhöht. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass die Lungen auch mehr Sauerstoff in der Minute aufnehmen können. Damit dies gewährleistet werden kann, befinden sich auch Beta-Rezeptoren im Bereich der Bronchien.

Dockt nun Adrenalin an diese Rezeptoren an, weiten sich die Bronchien und die Lunge kann mehr Sauerstoff aufnehmen. Neben Herzmuskel und Lunge befinden sich die Rezeptoren des Beta Typs auch an den Blutgefäßen. Beim Andocken von Adrenalin kommt es zu einer Lumenänderung des Gefäßsystems, was dadurch wiederum durchblutungsfördernde Auswirkungen hat. Da auch Beta Rezeptoren in der Gebärmutter zu finden sind, kommt es durch Adrenalin, die an diese Rezeptoren binden zu einer Wehenhemmung. So kann der Körper je nach Ausschüttung der verschiedenen Botenstoffe den Geburtsvorgang beschleunigen oder stoppen. Auch kann über Adrenalin und über entsprechende Rezeptoren im Bereich des Auges der Augenwasserabfluss und somit der Augeninnendruck reguliert werden. (Quelle: Dr. Gumpert.de_betablocker-wirkungsweise).

Die Nebenwirkungen von ACE-Hemmern, wie zum Beispiel extrem trockene Haut, trockener Husten, Hypotonie, akutes Nierenversagen oder eine Hyperkaliämie wurde bei Beta-Blockern meines Wissens noch nicht beobachtet. Alles Gute. lg Gerda

Antwort
von StephanZehnt, 100

Hallo atreju,

Nun Betablocker ist in der Medizin ein Sammelbegriff für einige ähnlich wirkender Medikamente die im Körper ß - Rezeptoren blockieren und so die Wirkung von Stresshormonen (insbesondere Noradrenalin und Adrenalin) hemmen Dies hat zur Folge das Pulsfrequenz und Blutdruck sinkt. Außerdem führt dies zu einer geringeren Schlagkraft und Erregbarkeit des Herzens.

Hier einige Zusammenhänge zu den ß -Rezeptoren http://salerno.uni-muenster.de/data/bl/content/b/betareze0001.htm

ACE -Hemmer sind Medikamente mit denen man Bluthochdruck (Hypertonie) sowie die chronischen Herzinsuffizienz therapiert. Sie sind Hemmstoffe (Inhibitoren) des Angiotensin-konvertierenden Enzyms (Angiotensin Converting Enzyme = ACE), das ein Teil einer Blutdruck regulierenden Kaskade ist (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System). Diese ACE-hemmende Inhaltsstoffe wurden zuerst in Schlangengiften gefunden.

ACE (Kininase 2) ist für die Aufrechterhaltung des Blutdrucks und der Regelung des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes von sehr großer Bedeutung.

Das heißt beide Medikamente greifen in den Blutkreislauf udgl. ein - allerdings mit anderen Mitteln und auf anderen Wegen!

VG Stephan

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