Frage von Diiejanii, 112

Wie lasse ich mir helfen, wenn ich das eigentlich gar nicht will?

seit 4 Jahren werde ich von sozialen Ängsten,Depressionen, zwanghaften Perfektionismus und einer harmlosen Form von Magersucht beherrscht. Mit 13 traute ich mich nicht mehr in die Schule weil ich angst hatte andere würden schlecht über mich denken und ich sei nicht gut genug. Als ich mich dann komplett weigerte in die schule zu gehen, wurde ich in die Klappse gesteckt-Resultat schlechte Erziehung. Ich wechselte oft die schule und hielt es gerade so noch aus um durchzukommen. Mit 15 Kur Aufenthalt um mich von den schwierigen zeiten zu erholen und wegen meines Essen-Problems-Dort ging es leider nur ums essen und ich haute nach 1,5 wochen ab und wurde entlassen. Nun bin ich fast 17 und mache seit 3Monaten eine Verhaltenstherapie und gehe wieder normal zur schule. In der Therapie geht es hauptsächlich darum dass ich meine Angst vor Menschen verliere/reduziere. Meine Psychologin fragte mich ob ich versuche abzunehmen und wieviel ihh esse, ich log sie an und sagte ich wäre ja fast schon zu dünn und würde normal essen. Ich bin bei einem BMI von 17 also noch nicht wirklich untergewichtig, aber ich würde behaupten dass die Magersucht mich komplett im griff hat. Es ist jeden Tag eine Qual zu hungern und sich dazu zu zwingen sport zu treiben bis zur volkommenen Erschöpfung. Ich möchte was dagegen tun, ich will nicht dass ich perfekt sein will. Aber ich will erst was dagegen tun wenn ich perfekt bin... Mein Ex Freund weiß dass ich magersüchtig bin und er meinte es sei okay so lange ich nicht zu untergewichtig werde. Meinem besten Freund und eigentlich auch einzigstem habe ich versucht zu schildern dass es mich zerreißt nicht perfekt zu sein und er meinte es sei normal... Ich weiß nicht was ich tun soll, ich habe außer den beiden niemanden zum reden und werde von ihnen nicht ernst genommen, ich glaube man muss wirklich versuchen sich umzubringen oder extrem untergewichtig sein, damit das Umfeld erkennt dass man krank ist. Ich weiß dass ich Hilfe brauche, allerdings habe ich vor 2 Szenarien angst.1.Ich werde mal wieder nicht ernst genommen- immerhin sehe ich top fit aus-meine mutter sagt sogar zu mir ich soll nicht soviel süßkram essen und auf meine figur achten2. Ich werde ernst genommen und werde zu einem noch unperfekterem menschen als ich jetzt schon bin. Ich weiß es ist spät und ich sollte um diese Zeit längst schlafen, aber bei sovielen Dingen im Kopf ist mir das einfach nicht möglich. Hat jemand selber damit Erfahrungen gemacht und hat tipps für mich? Ich glaube kaum dass jemand der dass nicht durchgemacht hat versteht welchen Kampf mein Inneres führt.

Antwort
von Akka2323, 29

Kein Mensch ist und muß perfekt sein und perfekte Menschen sind einfach nur unangenehm und werden selten geschätzt oder geliebt. Seine Therapeutin anlügen ist einfach nur blöd und die hat das sowieso gemerkt. Beschäftige Dich mal mit anderen Dingen als nur mit Dir selbst. Du bist nicht der Nabel der Welt, um Dich herum gibt es jede Menge andere Menschen. Beachte die mal und tue Gutes, hilf anderen Menschen und Du wirst sehen, es hilft Dir selbst.

Antwort
von Shivania, 43

Liebe Diijannii,

solange Du am Perfektionismus drehen möchtest wirst Du nicht weiterkommen.

Jemanden, der sich in Dich einfühlt wirst Du nur verachten. Wenn Du ehrlich bist, dann gibst Du das auch zu.

Das einzige das Dir helfen wird ist, dass Du Dein inneres Kampfverhalten aufgibst. Dazu wird Dich keiner bringen können, das kannst nur Du. Du entscheidest, wann Du mit Deiner Therapeutin ehrlich Deine Wünsche besprichst. Perfekt sein zu wollen ist kein Wunsch - es ist eine Ablenkung vom Leben hin zu diesem inneren Kampf, der Perfektionismus ist eine Waffe des Kampfes. Damit vernichtest Du nur Deine Lebenskraft. Das ist die Ursache Deiner Ängste und deiner Depression.

Willst Du den Kampf wirklich beenden? Was willst Du stattdessen? Sei damit ehrlich - erstmal mit Dir selbst - und öffne Dich dann Deiner Therapeutin oder wem auch immer. Du hast Dich nicht sicher gefühlt im Laufe Deines Lebens, ich weiss nicht wann das war. Diese Sicherheit wieder zu finden wird der erste Schlüssel für Dich sein. Besprich das mit Deiner Therapeutin.

Gehe das an - und sei neugierig was sich daraus ergibt.

Antwort
von PedramCarriere, 39

Liebe Diiejanii, 

ich verstehe, dass die Situation sehr verwickelt ist. "Soziale
Ängsten,Depressionen, zwanghaften Perfektionismus und einer
harmlosen Form von Magersucht" und ein ganzes Stapel von so genannten „Hilfe“ versuchen, die eigentlich keine Hilfe laut Definition des Wortes sind, sondern eher ein aufzwingen der ziele der Gesellschaft.

Hilfe ist in Wahrig definiert als „jemanden zu unterstützen, so dass er SEINE ziele besser, schneller oder einfacher erreicht“ 

Du sagst es ist „jeden Tag eine Qual zu hungern und sich dazu zu
zwingen Sport zu treiben bis zur vollkommenen Erschöpfung.„ „ich
will nicht dass ich perfekt sein will. Aber ich will erst was dagegen
tun wenn ich perfekt bin “und dass es dich „zerreißt nicht
perfekt zu sein “

Das ist ein perfektes Bild von einem Problem, enn ein Problem ist eine
Ansammlung von zielen die sich widersprechen und daher kann dir auch
keiner helfen. Sobald jemand dir in Bezug eines der ziele helfen will bringt er unweigerlich dieses perfekte Bild aus dem gleichgewicht und er entfernt er dich auch gleichzeitig von einem der anderen Ziele. Und das
Problem bleibt bestehen, solange alle beteiligten Ziele/Wünsche/Ängste in perfekter Balance sind und sich gegenseitig in der schwebe halten.

Also ist dein Wunsch perfekt zu sein, auch in diesem Falle stark
beteiligt, um ein perfektes Problem aufrecht zu erhalten und bei jedem versuch teilweise loslassen einer der Ziele,würde das schon Ängste und Depressionen und körperliche Reaktionen hervorrufen, wenn der Therapeut es nicht richtig anfasst.

Es sieht daher sehr verwickelt und Aussichtslos aus.

Es geht um eine Perfekte Entscheidung, die perfekter ist als das Problem selbst.

Manchmal sind einige ziele solange von aussen aufgezwungen worden, dass man sie selber übernimmt und sich selber dazu zwingt und wenn dummerweise die ziele sich widersprechen, dann kostet es soviel kraft, dass man keine Energie mehr zur verfügung hat irgendetwas von seinen eigenen wünschen zu erreichen. Und dieser Zustand ist alles andere als Perfekt. Ich kann hier nicht alles detailiert erklären. Du kannst, wenn du lust hast, gerne erstmal das
folgende Video anschauen, wo ich das alles perfekt erkläre

Das Perfekte Bild am ende sähe so auss, dass die ziele von den zwanghaften Bildern, die sie permanent aufzwingen getrennt werden, sortiert sind und auf einander ausgerichtet sind und
sich gegenseitig unterstützen, dann kannst du alle ziele erreichen
(bzw. Ziele die den aufgezwungenen übergeordneten sind und diese
einschliessen) und es macht

1. mehr Spaß,

2. kostet es weit aus weniger unnötige Resourcen (Kraft, Aufmerksamkeit, Zeit und Geld)

3. inspirierst du sogar andere dich dabei zu unterstützen diese Ziele besser, schneller oder einfacher umzusetzen.

Sag mir bitte, ob dies dir etwas weiter hilft, bzw. wenn noch fragen offen sind. Ich freue mich wenn wir das Ding zusammen auseinander gepflückt bekommen. Und in einem Perfekten Bild verwandeln können ;)

Ich bin Heilpraktiker speziell für den Bereich der Psychotherapie und
arbeite seit über 20 Jahren in der eigenen Praxis. Mein Schwerpunkt
ist aktuell Loslassen. Du kannst mir auch privat weiter schreiben. Du findest mich, wenn du nach „loslassen“ und „Pedram Moghaddam“ oder „carrierecoaching“ suchst. 

Viel Erfolg, und alles Liebe

Pedram Moghaddam

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