Frage von Anonym283, 114

Wenn ich in der Schule aus Psychischen Gründen befreit bin, kann ich dann ein Praktikum machen?

Hallo Leute,

meine Frage steht ja eigentlich schon in der Überschrift.

Ich bin seit langem in Therapie, die letzten 5 Monate auch stationär. Nun geht bei mir fast gar nichts mehr. Vor allem das mit der Schule funktioniert nicht mehr. Was genau alles ist, möchte ich hier jetzt auch gar nicht schildern.

Auf jeden Fall haben jetzt mehrere Leute (meine Therapeutin, Psychologin der Krankenkasse, meine Mutter und die Klinik) jetzt entschieden, dass ich dieses Schuljahr krankgeschrieben werde. Denn ansonsten wäre das Schulproblem im Vordergrund und das ist momentan einfach nicht "zu gebrauchen", da andere Sachen zu erst bearbeitet werden müssen, bevor ich zu Schule gehen kann.

Ich bin aber eigentlich ein Mensch, der gerne etwas macht, und nicht nur auf dem Zimmer sitzt. Außerdem wäre das ja auch ziemlich kontraproduktiv, wenn ich mich nun ein halbes Jahr nur auf meinem Zimmer Verstecke. Ich bin 15 und habe Schulpflicht, und das ist mir bekannt. Nach den Sommerferien werde ich die Klasse wiederholen und es erneut versuchen.

Nachdem ich jetzt hoffentlich alle Fragen erklärt habe und mir niemand mehr versuchen wird, etwas anderes erzählen zu wollen, dass ich doch zur Schule muss oder das krankschreiben nichts bringt, würde es mich interessieren, ob ich in der Zeit vielleicht eine Art Praktikum über vielleicht jeweils 2 Wochen machen könnte? Oder gibt es vielleicht andere Möglichkeiten, was ich machen kann, wo ich aber nicht alleine zuhause bin?

Das Ziel ist es einfach, dass ich etwas komplett ohne Druck mache, wo ich nicht " Versagen" kann, sodass mich das noch mehr runter zieht, und ich aber freiwillig hingehe.

Natürlich weiß ich, dass man beim Praktikum auch Sachen falsch machen kann. Aber das verfolgt mich halt nicht in die Zukunft. Es sollen auch nicht unbedingt Sachen sein, die ich für später brauche. Ich würde nur gerne wissen, ob sowas überhaupt möglich ist?

Lieben Gruß und danke schon mal im Vorraus :-)

Antwort
von Dunno, 39

Das geht bestimmt, wenn dein Behandler (ggf. schriftlich) begründet, warum der Schulbesuch deiner Gesundheit nicht zuträglich ist aber eine Aktivität in einem anderen (sozialen) Umfeld dir guttäte. Der Arzt/Psychologe kann das bestimmt vernünftig begründen und psychiatrische Gutachten werden selten angezweifelt. Man kann sich da fast alles bescheinigen lassen.

Kenne jemanden mit psychischen Problemen, der in die Zuständigkeit des Jobcenters fällt, aber an keiner Pflichtmaßnahme wie sonst jeder "gesunde" teilnehmen muss, wegen seiner Depressionen. Er hat vernünftig erklärt, dass er mind. 1x die Woche einen kleinen Ausgleich braucht und trägt Zeitungen. Es wurde nicht mal ein ärztliches Gutachten verlangt und man lässt ihn machen, sieht ein, dass er nicht vollzeit arbeitsfähig ist.

Das könntest du z.B. machen: Zeitungen zustellen. Ist nicht zu anspruchsvoll, aber ein schöner Zeitvertreib mit körperlicher Aktivität, wo du nebenbei noch einen Groschen verdienst.

Du könntest dich auch irgendwo als Freiwillige melden. Bei der Tafel Essen ausgeben oder in der Kleiderkammer vom Roten Kreuz etc.

Vielleicht bekommst du auch einen Platz in der Tagesklinik, wenn es sowas bei euch gibt?!

In manchen Städten gibt es auch "Tagesstätten", ähnlich wie Tagesklinik, wo du den Tag über Leute um dich herum und Beschäftigung hast.

Oder kläre mit deinen Behandlern ab, ob du ein Praktikum wo auch immer machen kannst. (Ob sie vernünftig argumentieren können - bei Arbeit im Krankenhaus z.B. wäre es etwas schwierig zu rechtfertigen, dass du das kannst, aber nicht in die Schule.) Es kommt also auf die Art der Arbeit an und ob man sie als "fordernder" als die Schule ansehen kann.

Dann kann es vielleicht noch wichtig sein, warum die Schule dich überfordert. Wichtig ist, dass ein anerkannter Fachmensch schlüssig erklärt, warum dieses und jenes gut für deine psychische Gesundheit sein könnte und als Therapie taugt.

Und was es sonst zu beachten gilt, weißt du sicher. Morgens aufstehen - geregelter Tagesablauf, regelmäßiges Essen, ausreichend Schlaf und Bewegung.

Nutze die Zeit doch für Sport. Joggen, vielleicht Krafttraining oder Ballsportarten. Dann ziehst du nächstes Jahr im Sportunterricht alle ab und fühlst dich in einem gut geformten Körper viel selbstbewusster. In einigen Monaten kann man schon viel erreichen.

Scheinst schlau zu sein. Denk also gar nicht ans nächste Schuljahr, sondern kümmer dich einzig und allein um deine Gesundheit und stabilisier dich. Den blöden Schulabschluss schaffst du locker :)

Viel Erfolg bei deinem Vorhaben!

Antwort
von Labella90, 43

Das würde ich an deiner Stelle einfach mal mit deinen Eltern oder Therapeuten besprechen. Es muss ja nicht unbedingt ein Praktikum sein. Vielleicht kannst du auch an einem Mal-Kurs oder ähnlichem teilnehmen. Irgendwas, was dir Freue bereitet und dir gut tut. 

Oder du suchst dir einen nicht zu anspruchsvollen Nebenjob. Sowas wie Zeitungen verteilen, oder vielleicht im Supermarkt aushelfen. 

Gibt da sicher viele Möglichkeiten.

Vielleicht wäre auch ein Sportverein mit 2-3 mal pro Woche Training ein guter Ausgleich für dich. 

Sag einfach deinen Therapeuten, dass du dich irgendwie sinnvoll beschäftigen möchtest und frag, ob sie einen Vorschlag haben. 

Die können dir ja auch am besten sagen, was du "darfst" und was nicht ;)

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