Frage von bekas, 102

Welches sind die Gründe für einen Mangel an Spenderorganen in Deutschland?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Melanie88, 68

Meiner Meinung nach könnte es die zu geringe Auseinandersetzung mit dem Thema sein, dass derartiges überhaupt nicht erst in den Sinn kommt.

Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, wenn die Gesundheitskarte gleichzeitig als Organspendeausweis fungieren würde. Oder bei der Beantragung eines neuen Personalausweis anonym gefragt wird, ob man sich zur Organspende registrieren will.

Man sieht es doch ständig im TV. Wird dort drüber berichtet, läd sich plötzlich jeder einen Ausweis herunter.

Kommentar von cyracus ,

Oder bei der Beantragung eines neuen Personalausweis anonym gefragt wird, ob man sich zur Organspende registrieren will.

Wie soll das denn gehen? anonym per Personalausweis? Das ist doch ein Widerspruch in sich.

UND: Das Ding ist teuer. Entscheidet sich der PA-Inhaber um, muss er einen neuen PA beantragen und bezahlen.

Was die "Gesundheitskarte" angeht: Wie leicht ist elektronisch aus einem Nein ein Ja gezaubert, wenn's den Organgierigen so passt?

Richtig ist allein, dass die Bevölkerung ganz ehrlich darüber informiert wird, was die Erklärung zur sogenannten "Organspende" für sie als Spender (!!) bedeutet. In dieser Rolle muss der Bürger nämlich an erster Stelle stehen, nicht die Empfänger, der kommt erst an zweite Stelle bei diesem Thema.

Kommentar von Melanie88 ,

Anonym wäre es, wenn einem die Eingabe ermöglicht wird, ohne dass der Gegenüber es mitbekommt. Sei es ich den NFC-Chip selbst an einem Terminal aktivieren muss, anstatt des der Beamte macht. Sofern man heute überhaupt noch die Wahl hat und er nicht automatisch aktiviert ist. Mein letzter Perso liegt fünf Jahre zurück.

Wenn das JA oder NEIN lediglich auf dem Chip gespeichert wird, ist kein neuer Perso nötig. Eine nachträgliche Änderung wäre jederzeit in einem beliebigen Rathaus möglich.

Was die Gesundheitskarte betrifft, müsste diese selbstverständlich mit einem PIN für Schreibrechte versehen sein. Technisch ist das EIGENTLICH kein Problem. ;-)

Letztendlich führen viele Wege nach Rom. Meiner Meinung nach sollten die Politiker uns ein paar dieser anbieten. Und wenn mir nur ein Organspendeausweis bei jedem Behördengang (ohne Nachfrage) mitgegeben wird. Wegschmeissen kann ich ihn noch immer, wenn ich nicht möchte. Umgekehrt mich aber auch mit befassen und ausfüllen.

Kommentar von cyracus ,

Wären die Daten auf dem PA auch diesbezüglich nur mit PIN auslesbar, wie sollen dann Behörden und Krankenkasse an diese Daten kommen? Anonymität geht also nicht. Und gerade die Ärzte in den Krankenhäusern wollen ja im Fall eines Falles blitzschnell an gerade diese Aussage kommen. Wäre die per PIN geschützt, kämen sie ja nicht an die entsprechende Erklärung ran und auch nicht die Krankenkasse.

Wenn also per Lesegerät der PA mit all seinen Daten auslesbar ist, ist auch die Anonymität futsch.

Außerdem: Weil die Bürger unzureichend über die sogenannte "Organspende" informiert werden, insbesondere, was dies für die sogenannten "Spender" bedeutet, und weil es eine große Organgier gibt, wäre ich sehr misstrauisch, was ein diesbezüglich gespeichertes elektronisches Ja oder Nein angeht. Die Gefahr einer Manipulation wäre mir zu groß.

Ich fand die Regelung vor der jetzt gültigen eingeschränkten Willenserklärung sehr viel besser: Da galt ein Ja als Ja und kein Ja galt als Nein. Ganz so, wie es normalerweise im Leben ist.

Ist ja auch logisch: Würde zu Dir einer kommen und fragen, ob Du ihm 100 Euro spendest, und Dir ist es zu blöd und Du sagst gar nichts dazu, geht es doch gar nicht, dass derjenige zu Deiner Familie geht und fragt, ob die einverstanden sind, wenn Du ihm die 100 Euro spendest - und wenn die dazu Ja sagen, müsstest Du dann demjenigen die 100 Euro geben, obwohl Du das gar nicht willst.

So aber ist es jetzt mit der sogenannten "Organspende" geregelt: Sagt einer nicht Ja, kann dies seine Familie für ihn tun. Sowas ist höchst unethisch!

Anstatt dass sich Gedanken darüber gemacht wird, auf welche Weise man Bürger - auch hinterhältig - dazu bewegen kann, aktiv oder passiv (wie bei der Widerspruchslösung) zu einer Zustimmung zur "Spende" zu bewegen, sollten die Bürger unbedingt vollumfänglich mit allen Wahrheiten darüber informiert werden, was die "Organspende" für den "Spender" wirklich bedeutet.

Dann nämlich werden sich viel mehr Bürger aktiv dagegen entscheiden und dies auch für ihre Schutzbefohlenen tun. - In meiner Antwort hier bin ich ausführlich auf das Thema eingegangen.

Antwort
von Winherby, 53

Ein wichtiger Grund ist die Gesetzgebung. 

Soweit ich weiss, ist es in Österreich gesetzlich diametral entgegengesetzt geregelt. Dort ist automatisch jeder ein Organspender, es sei denn, dass einer mit einem kleinen Ausweiss darauf hinweisst, dass er kein Organ spenden will im Falle seines frühzeitigen Ablebens.

Bei uns muss jemand einen Spender-Pass dabei haben, wenn er damit ausdrücklich darauf hinweisen will, dass er seine Organe für Andere zur Verfügung stellt.

Da der Mensch von Natur aus faul ist, hat er in aller Regel in Sachen Organspende nichts unternommen und veranlasst. Der Österreicher widerspricht also der Organentnahme nicht und der Deutsche stimmt nicht zu.

Ein weiterer Punkt in D scheint mir die Disskussion um dieses Thema zu sein. Bei A. Will und Maischberger & Co war dies im TV auch schonmal Thema. Viele haben Angst, sie seien zum Zeitpunkt der Organentnahme noch nicht wirklich tot. Selbst die garantierte Zusage, dass zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen müssen, zieht offenbar nicht, - zu groß die Urangst, noch lebend der Organspender zu sein.  LG

Kommentar von cyracus ,

Glücklicherweise ist es mit dem deutschen Grundgesetz nicht vereinbar, dass ab Geburt jeder automatisch ein Organlager auf zwei Beinen ist.

Wie ich hier in meiner Antwort schreibe, sind in meinem Freundeskreis alle über dieses Thema informiert (nicht von mir) und entscheiden sich ganz bewusst gegen diese Art von "Spende", als "Spender" und auch als "Empfänger".

Wie Werner Hanne berichtet, hält er u.a. auch in Österreich Vorträge zu diesem Thema. Immer wieder erlebt er, wie entsetzt Österreicher sind, wenn sie erfahren, dass sie ganz offiziell dieser Art von "Spende" widersprechen müssen, weil sie anderenfalls im Falle eines Falles  "Spender" sind. Diese gingen nämlich davon aus, dass es bei ihnen so geregelt sei wie in Deutschland. - Auf Youtube gibt es Videos von/mit ihm, u.a. dieses:

Werner Hanne: Organwahn – Heilung durch Fremdorgane? Ein fataler Irrtum!
https://www.youtube.com/watch?v=JcZr3loEG-E

Auch wissen viele Touristen nicht, dass für sie diesbezüglich die österreichische Gesetzgebung gilt und was dies für sie bedeutet. auch das ist ein Skandal!

Und was die Angst angeht, lebendig ausgeschlachtet zu werden: Die "Spender" MÜSSEN während der Organentnahme (noch) lebendig sein, denn lebendige Organe kriegt man nur aus lebendigen Menschen. Und: Vielfach werden die Organe ohne Narkose und ohne Schmerzmittel rausgeschnitten. Die angeblich "Toten" erhalten lediglich stark muskelentspannende Mittel - nicht unbedingt für sie, sondern damit das anwesende Personal nicht irritiert wird durch die Abwehrbewegung der angeblich "Toten". -  Dazu hier Progessor Linus Geisler zum

Hirntod
http://www.initiative-kao.de/handzettel-zu-organspende-hirntod.pdf

Es ist schon wichtig, dass die Bevölkerung zu diesem Thema ehrlich informiert wird, nicht allein im Interesse von der "Organlobby" und nicht wirklich informierten Empfängern.

Antwort
von Mahut, 59

Es ist Schade, das durch so einige Skandale um die Organspende, die Bereitschaft zurück gegangen ist.

Meine Familie und Ich haben schon seit Ewigkeiten einen Organspendeausweis.

Ich denke es ist wichtig, damit im Falle des Todes andere Menschen weiterleben können.

Es gibt für das Smarthphon auch eine APP, die kann man herunterladen und ausfüllen.

Antwort
von cyracus, 24

Alle in meinem Bekanntenkreis haben sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und sind ganz klar dagegen, sich als sogenannten "Organspender" zur Verfügung zu stellen, und sie wollen im Falle eines Falles auch kein Fremdorgan in sich hineinkriegen wollen. - Ich gehöre auch dazu.

Auch erlebe ich immer wieder, dass diejenigen, die sich neu mit dem Thema beschäftigen, entsetzt sind und sofort (falls sie einen haben) ihren "Organspenderausweis" vernichten und sich gegensätzlich erklären.

Den Grund für meine Ablehnung (und wie meine Freunde erklären, ist es so auch für sie) lies meine ausführlichen Antwort an caner003 auf ihre/seine Frage

hallo miteinander ich muss orgumente gegen eine organspende sammeln und da kam im internet das man dadurch die totenruhe stört kann mir das bitte jemand erklär?

https://www.gutefrage.net/frage/hallo-miteinander-ich-muss-orgumente-gegen-eine-...

.

Und sieh Dir den Vortrag von Roberto Rotondo an:

Wie tot ist hirntot?

Nach wenigen Minuten zeigt er die Untersuchung von zwei sogenannten
"Hirntoten", die als tot gelten. - Das sollte sich jeder ansehen,
bevor er sich für oder gegen die O-spende entscheidet und sich
vorstellen, er selbst liege so dort und macht entsprechende
Abwehrbewegungen ...

Roberto Rotondo ist Diplom-Psychologe und im Erstberuf Krankenpfleger.
Seit 1996 ist er freiberuflich als Supervisor, Teamberater, in der
Krisenintervention und in der beruflichen Aus- und Weiterbildung im
Gesundheitswesen tätig. Er arbeitete bis 1996 mehrere Jahre als
Krankenpfleger auf einer Intensivstation und pflegte "Hirntote".


Antwort
von sonne123, 77

Hallo bekas,

gute Frage! Nicht jeder ist bereit seine Organe zu spenden. Eine Zustimmung des Verstorbenen ist notwendig oder der Angehörigen. Die Organe müssen gesund und funktionsfähig sein. Soviele Faktoren spielen eine Rolle. 

Eine gute Bekannte Mitte 50 , ehemalige Arbeitskollegin verstarb vor ein paar Jahren ganz plötzlich an Hirnbluten. Sie war so ein froher und lebenslustiger Mensch. Durch die Organspende lebt ein Teil von ihr weiter und konnte Leben retten, auch wenn es nicht für die Ewigkeit ist. In meinen Augen eine wunderbare Vorstellung.

Wenn man sich entschließt, dann sollte es man schon zu Lebzeiten machen durch Tragen eines Organspenderausweises. Für die Angehörigen ist es oftmals schwer eine Entscheidung zu treffen. 

Liebe Grüße

Antwort
von Winherby, 8

Hallo bekas,

warum stellst Du diese Frage jetzt erneut? Du hast doch bereits eine Antwort zur hilfreichsten Antwort gekürt. Reicht sie Dir also doch nicht? 

Ich finde die Antwort von syracus sehr aufschlussreich. Stell Deine Frage besser nochmal neu, aber dann mit akzentuierterer Frageformulierung. 

Je genauer eine Frage formuliert wird, umso treffender kann eine Antwort geschrieben werden. LG

Antwort
von Eindringer, 29

Die deutschen sind ziemlich faul was das an geht. Wenn Leute auf der Straße gefragt werden ob sie einen Spenderausweis haben, kommt oft ein Nein. Wenn man dann aber fragt ob sie Organe spenden würden sagen sehr viele davon "Ja eigentlich schon" 

Eigentlich sehr traurig aber naja was will man machen

Kommentar von cyracus ,

Kam ich an Informationsstände auf der Straße vorbei, bin auch ich mit Passanten ins Gespräch gekommen. Die allermeisten sagen, dass ihnen das Thema nicht geheuer ist, dass sie fürchten, dass sie dann nicht wirklich tot sind. - Die waren also NICHT faul, sondern sehr skeptisch und vorsichtig.

Und damit sind sie ja ganz richtig mit ihrer Intuition. Schließlich kriegt man lebendige Organe - die für die Transplantation benötigt werden - nur aus lebendigen Menschen. - Mehr dazu habe ich hier in meiner Antwort geschrieben.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten