Frage von Schattenfell, 20

Was bedeutet homöopathisch ??

Hallo liebe Community,kann mir jemand genau erklären was homöopathisch bedeutet? Ist es eine Mischung aus Syntetischen und natürlichen Stoffen?Mir geht es hauptsächlich darum. Danke

Antwort
von uteausmuenchen, 10

Hallo Schattenfell,

in dem Wort "homöopathisch" steckt das griechische Wort für "gleich" drin.

Dieser Name bezieht sich auf die Wahl des Mittels in dieser vor 200 Jahren erfundenen Lehre: Die Homöopathie behauptet, man könne "Ähnliches mit Ähnlichem" heilen. Ein Mittel bekämpfe diejenigen Symptome beim Kranken, die es beim Gesunden hervorruft. Diese Säule der Homöopathie geht auf ein falsches(!) Selbstexperiment mit Chinarinde des Erfinders der Homöopathie, Samuel Hahnemann, zurück, das so nie wiederholbar war.

In der Medizin ist dieses sogenannte Ähnlichkeitsprinzip als allgemeingültiges Heilungsprinzip inzwischen widerlegt. Die allermeisten gesundheitlichen Probleme werden verschlimmert durch Medikamente, die ähnliche Symptome hervorrufen, nicht verbessert. 

Die Homöopathie ist allein schon deshalb kein Naturheilverfahren. Denn in Naturheilverfahren werden die natürlichen Inhaltsstoffe von Pflanzen, Tieren oder Mineralien ihrer nachweisbaren Wirksamkeit entsprechend eingesetzt.

Die Homöopathie dagegen wählt ihre Mittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip - genau daher hat sie ihren Namen.

Und nein, sie verwendet keineswegs ausschließlich natürliche Stoffe.

Homöopathische Arzneien stammen aus folgenden Gruppen:

  • Pflanzen (auch giftige wie zum Beispiel die Tollkirsche (Belladonna))
  • Tiere (z.B. Honigbienen, die lebend verarbeitet werden, um ihre "Lebenskraft" einzufangen)
  • Mineralien (z.B. verschiedene Salze)
  • Hochgiftiges (Nitroglycerin, Thallium, Arsen,...)
  • Ekliges (Hundekot, Leopardenurin)
  • Unsinniges (Berliner Mauer, Licht des Polarsterns, Supernova, Antimaterie,...)

Damit die keineswegs immer harmlosen Stoffe nicht schaden, erfand Hahnemann das Prinzip der Verdünnung.

Das ist die zweite Säule der Homöopathie: Die Wirkstoffe werden in mehreren Schritten verdünnt. Entweder in Schritten 1:10 (sogenannte D-Potenzen) oder in Schritten 1:100 (sogenannte C-Potenzen, C wie "centum"). Die Zahl dahinter gibt die Anzahl der Verdünnungsschritte. D6 bedeutet also 6 mal im Verhältnis von 1:10 verdünnt, was 1:1000 000 ergibt, also 1 einziges Wirkstoffmolekül auf 1 Million Moleküle Lösungsmittel (Wasser oder Wasser/Ethanol).

D12 wäre 1:1000 000 000 000, also nur ein Wirkstoffmolekül auf eine Billion Lösungsmittelatome. C6 = D12 entspricht bei vielen natürlich vorkommenden Stoffen ungefähr der natürlichen Verunreinigung unseres Trinkwassers mit dem Wirkstoff, wenn es sie nicht schon übersteigt.

Ab D24 oder C12 = 1:1000 000 000 000 000 000 000 000 ist in einem Fläschchen Globuli kein einziges Molekül des auf der Packung genannten Wirkstoffes mehr enthalten.

Dabei ist das in der Homöopathie sogar noch ein recht niedrig verdünntes Mittel. Eine häufig angewendete Potenz ist "C30". Das entspräche einem Tropfen Wirkstoff in mehreren Erdvolumina Lösungsmittel.

Tatsächlich gehen Homöopathen sogar davon aus, dass diese höheren Potenzen - obwohl reiner Zucker - eine noch tiefgreifendere Wirkung auf den Patienten habe, als niedrigere Verdünnungen. Hier spielen naturromatische Vorstellungen aus Hahnemanns Zeit (um 1800) eine Rolle: In dieser Vorstellung soll ein nicht näher definiertes "Wesen" der Arznei irgendwie auf das Lösungsmittel und von dort auf die Zuckerkügelchen übertragen werden.

Hahnemann wusste vor 200 Jahren noch nicht, dass Verdünnen irgendwann einfach keinen Sinn mehr macht, weil man nur noch Lösungsmittel mit Lösungsmittel verdünnt. Er lebte zu einer Zeit, als man in der Chemie noch nicht die Zahl der Moleküle in einer bestimmten Stoffmenge berechnen konnte. Er lebte zu einer Zeit, als in der Medizin geschröpft wurde - und im Vergleich dazu war die Homöopathie gut: Reiner Zucker schadete den Patienten wenigstens nicht. Daher begannen sich Erfolgsgeschichten um den heilenden Zucker zu bilden.

Mit unserem heutigen Wissen über Atome und ihre Eigenschaften sind diese Vorstellungen der Potenzierung nicht mehr in Einklang zu bringen. Die Grundprinzipien der Homöopathie sind im Laufe der letzten 150 Jahre in expliziten Widerspruch zum sich täglich bewährenden Wissen der Physik, der Chemie und anderer Naturwissenschaften geraten.

Die Erfolgsgeschichten bleiben, denn meist werden Bagatellen, die von selbst ausheilen mit den Globuli behandelt. Oder sie werden parallel zu anderen, gezielt wirksamen Therapien eingesetzt. Erlebt man dann irgendwann nach der Einnahme eine Besserung, so wird diese nur allzu leicht den Globuli zugesprochen. Solche Placebo- und Kontexteffekte täuschen nachweislich sehr leicht gezielte Wirksamkeit vor.

Zum Weiterlesen ein guter Link aus der naturwissenschaftlichen Rundschau:

http://www.naturwissenschaftliche-rundschau.de/navigation/dokumente/Stichwort080...

Ich hoffe, die Prinzipien der Homöopathie sind jetzt etwas klarer geworden.

Grüße

Kommentar von Schattenfell ,

Vielen lieben dank für diesen ausführlichen text!!

Antwort
von StephanZehnt, 11

Also der Begriff bedeutet "ähnliches Leiden“ In dem Fall Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden!

So wird z:B. auch Arsen / Salpetersäure.  in der Homöopathie verwendet!

http://homoeopathie-naturheilkunde.vitanet.de/homoeopathie/homoeopathische-mitte...

Bedingt durch die extrem hohe Verdünnung passiert da nichts KNO3 + H2SO4 -> HNO3 + KHSO4 .Salpetersäure ist hochgiftig. Kommt in der Natur so nicht vor. Als natürlichen Stoff nimmt man z.B. Eisenhut , Schöllkraut usw..

Nun die Homöopathie udgl. ist so ein wenig umstritten weil man Impfungen eher ablehnt. Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde > Heilpraktikergesetz von 1939,

Da bei Erkrankungen z.T. auch die Psyche eine Rolle spielt kann sie in Teilgebieten auch eine Rolle spielen. Bei gefährlichen Infektionskrankheiten.  sieht das aber deutlich anders aus Zumindest nach der Epidemie in Berlin usw.. 

Da wir als Volk keine Lobby (die Normalsterblichen) haben ist das natürlich schwierig! Also werden solche Erkrankungen weiter in Kindergärten, Schulen Arztpraxen usw. verbreitet. Wenn man nicht gleich z.B. Masernpartys macht

Kommentar von Schattenfell ,

Danke auch dir !!

Antwort
von Zweimal, 6

Auch "syntetische" Stoffe sind natürliche Stoffe, insofern ist es Irrtum, hier differenzieren zu wollen.

Das ist hier gut erklärt:

" Homöoapthie ist natürlich und nicht chemisch". Dieses Argument soll sagen, natürlich ist gut und chemisch ist schlecht.

Die ganze Welt (Natur) besteht aus chemischen Substanzen (und ihren chemisch/physikalischen Wirkungsgrundlagen).Somit existiert der Unterschied Natur - Chemie nicht.

Die Chemie umfasst die „Natürlichkeit“ des Lebens. Und die ist nichts anderes als die „Natürlichkeit“ der Chemie des Lebens. Deshalb gibt es kein Verständnis der Natur und ihrer Formenvielfalt ohne das Verständnis, wie Zellen wachsen und sich vermehren oder wie Pflanzen ihre Substanz aus Nährsalzen, Kohlensäure und Licht aufbauen und dadurch alle Tiere und Menschen mit Nahrung versorgen. Dies sind alles chemisch/physikalische Vorgänge.

„Gut“ oder „schlecht“ sind moralische Begriffe und Wertungen, die menschenabhängig und sozio-kulturell geprägt und damit Wandlungen unterworfen sind. Die Natur mit ihren chemisch/physikalischen Eigenschaften ist wertneutral, damit ist ihnen kein Wert per se zuzuschreiben.

Das Bestreben von "Chemie- freien“ Produkten ist schon deswegen nicht möglich, weil alle natürlichen Stoffe chemische Verbindungen sind.

Homöopathische Mittel sind überwiegend, aber nicht gänzlich, „natürliche“ Substanzen, und damit „chemischer“ Herkunft (Pflanzen, Mineralien, chemische Elemente, menschliche und tierische Krankheitsprodukte, Wasser, Alkohol; aber auch Vakuum, Mikrowellen, Mondlicht etc.)."

http://www.patientenfragen.net/alternativmedizin-kritisch-betrachtet/argumente-h...

Die Homöoapthie bedient sich auch Stoffe, wie z.B. Arsen, Blei, Cyanid, Quecksilber, Phosphor, Eiter, Mutterkorn-Extrakt und anderer Gifte. Stammt alles aus der Natur.

Was "homöopathisch" wirklich bedeutet, auf welchen Grundgedanken dieser Begriff beruht, haben "offala" und "SinaLange" in ihren Antworten kurz dargestellt.

Etwas ausführlicher steht es zu deiner Information hier auf der "Themenseite Homöoapthie":

...konsumentenbund.de/themenseite-hom%C3%B6opathie.html

Kommentar von Schattenfell ,

Danke dir für deinen ausführlichen text

Antwort
von SinaLange, 8

Homöopathie heißt, man geht davon aus, dass eine Krankheit, die sich mit bestimmten Symptomen äußert, durch eine Substanz geheilt werden kann, die beim gesunden Menschen genau diese oder zumindest sehr ähnliche Beschwerden hervorruft.

Antwort
von Regenbogen25, 7
Hello! :-)
Die Homöopathie geht davon aus, dass bei Erkrankungen auftretende Symptome nicht Ausdruck der Krankheit sind, sondern Selbstheilungsversuche des Körpers. Ein homöopathisches Medikament soll diese nicht unterdrücken, sondern leicht verstärken – und so die Regenerationsbemühungen des Organismus fördern und das Abwehrsystem kräftigen.
Homöopathische Mittel stehen deshalb in dem Ruf, anfangs die Beschwerden verschlimmern zu können.


Liebe Grüße

Kommentar von beamer05 ,

... und dabei kommen so tolle Substanzen wie Hundekot(!), Speichel von tollwütigem Hund (schwierig zu finden, heutzutage) etc. zum Einsatz...

Wer's mag...

Quelle:

http://homoeopathiaviva.de/zeitschrift/hundeheft/index.html

Kommentar von Schattenfell ,

Danke auch dir !!

Antwort
von offala, 11

Die Homöpathie sagt quasi, dass ein Stoff umso stärker wirkt, desto Weniger (!) er konzentriert ist. Homöpathen arbeiten oft mit Mittelchen, in denen durch Verdünnung sich nur noch wenige Atome des Ausgangsstoffes befinden, teilweise ist der Ausgangsstoff gar nicht mehr nachweisbar.

Kommentar von Schattenfell ,

Danke auch dir für deine antwort :-)

Antwort
von walesca, 9

Hallo Schattenfell!

Bitte schau mal in diesen Link hinein. Dort wird die Homöopathie recht gut erklärt.

https://www.dzvhae.de/dzvhae-aerztliche-homoeopathie---informationen-fuer-patien...

Alles Gute wünscht walesca

Kommentar von Schattenfell ,

Lieben dank

Kommentar von walesca ,

Gern geschehen. Viel Erfolg mit dieser Methode! LG

Kommentar von elliellen ,

Liebe Walesca, danke für deinen wirklich guten Link. (Kommentar von Support gekürzt. Bitte achte darauf, andere Meinungen nicht schlechtzureden.)

Kleine Ergänzung: Die Homöopathie ist auch in immer mehr Krankenhäusern willkommen:

https://www.dzvhae.de/homoeopathie-fuer-patienten/homoeopathische-behandlung/kli...

LG

Kommentar von walesca ,

Die Homöopathie ist auch in immer mehr Krankenhäusern willkommen

Diese Erfahrung habe ich auch schon vielfach gemacht. Wenn ich erzählt habe, dass ich vor der OP z.B. schon ein paar Tage lang Arnica-Globuli genommen hatte (gegen Blutungen), bekam ich jedes Mal nur die Anerkennung der Ärzte!! Sooo falsch kann es also nicht gewesen sein!! LG

Kommentar von Bennykater ,

Ich finde es sehr interessant, was diese Ärztin in ihrem Buch schreibt. Sie hat ihre homöopathische Praxis aufgegeben, nachdem sie sich eingehend mit Kritikpunkten befasst hat - weil sie das nicht mehr mit ihrem Fachwissen vereinbaren konnte. Was bei der Homöopathie wirkt, beschreibt sie sehr nachvollziehbar. 

http://www.homoeopathie-neu-gedacht.de/we_grams/

Antwort
von beamer05, 6

Eine gute Einführung in verständlicher Sprache kannst du u.a. hier finden:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/homoeopathie-auf-der-suche-nach-dem-nichts-1.1...

Kommentar von Schattenfell ,

Danke dir

Antwort
von brido, 5

das steht aber im Google, es sind nur natürliche Stoffe, aber potenziert. 

Kommentar von Bennykater ,

Bitte entschuldige - aber das stimmt so nicht. Die Homöopathie verwendet als Ausgangsstoffe absolut nicht nur natürliche Stoffe, sondern auch sehr dubiose Dinge wie z.B. kleingemörserte Berliner Mauer (gegen Blockaden). Sie gibt sich zwar gern den Anschein einer Naturmedizin, das ist sie aber nicht. Sie verwendet auch giftige Schwermetalle, Dioxin, angebliches Sternenlicht usw.  Nur ist das im Endeffekt egal - denn in den Kügelchen ist von den Ausgangsstoffen in den üblichen Potenzen sowieso nichts mehr vorhanden, was im Patienten ankommt - absolut nichts. Nur noch der Zucker und angebliche "Informationen" (wenn man daran glaubt, mit naturwissenschaftlichen Methoden ist eine solche Information allerdings nicht nachweisbar und wird deshalb auch nicht als geltend betrachtet).

Eine Naturmedizin mit Kräutern und Heil- bzw. Giftpflanzen wäre die sogenannte "Phytotherapie". Da ist am Ende auch von den Pflanzen noch etwas in den Medikamenten nachweisbar. In den Globuli nicht. Das ist ein großer Unterschied.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community