Frage von nichtganzda, 5

Warum wird man manche Dinge nie mehr los?

Dies hier ist ein Beitrag aus dem Bereich Psychologie. Jeder macht mit seinen Mitmenschen, mit Bekannten, Chefs, Ärzten, Freunden, Kunden usw...hier und da mal weniger gute Erfahrungen. Man regt sich drüber auf und nach einer Weile ist es verarbeitet und vergessen. Aber genau DAS scheint bei mir nicht zu funktionieren. Erst heute morgen war mein Schlaf wieder um 4 Uhr beendet, weil ein gedanklicher Trigger eine vergangene Streitsituation auslöste, die 25!!!! Jahre her ist und mir ein Herzrasen bereitete, als wäre sie gestern passiert. Ich habe mehrerer solcher vergangenen Erlebnisse, die extrem lange her sind und immer wieder hochgetriggert werden. Meist sind es Dinge, die für andere mehr oder weniger Banalitäten sind, die man nach kurzer Zeit vergessen hat. Ich habe mal analysiert: es sind immer Dinge, wo es um Meinungsverschiedenheit, Verunsicherung und Nichtverstandenwerden geht...da flippe ich aus, echt. Da bekomme ich extrem nicht aushaltbare grausame Gefühle...vor allem, wenn das noch mit Autoritätspersonen passiert. Wenn man erwachsen ist, sollte einen das nichts mehr ausmachen, aber bei mir ändert sich da nichts. Teilweise leben die Leute schon gar nicht mehr, mit denen diese Zoffs waren und in mir leben diese Dinge noch brandaktuell. Und es kommen ja im Laufe es Lebens immer mehr Dinge hinzu, die dann auch immer wieder hochgetriggert werden. Ich nahm mal für eine Weile ein Antidepressiva. Da war die Sache ein wenig besser auszuhalten, auch wurden manche Dinge nicht mehr hochgetriggert. Es wurde allgemein ein bisschen erträglicher und mein Gesamtzustand war stabiler, aber insgesamt präsent war das Problem immer noch. In Therapien bekam ich zu hören, dass ich mich halt innerlich abgrenzen muß vom anderen, meine eigene Meinung haben soll, mich nicht verunsichern lassen soll und halt erwachsen werden soll. Ja ok...soweit war ich eigentlich auch schon nach Gesprächen mit Bekannten, aber es wirkt nicht. Ich schaffe es nicht. Es bleibt alles so, vor allem jetzt, wo ich mangels Verträglichkeit wieder komplett ohne Medikamente bin. Warum ist es so schwer, seine eigene Sicherheit zu finden und sich selbst zu trauen? Mir sagte damals ein Arzt, dass wenn man mir ein rotes Kärtchen zeigt und steif und fest behauptet, dass es grün ist, würde das bei mir glatt klappen, das ich nach einer Weile verunsichert bin. Das ist doch ein Wahnsinn. Wie finde ich zu meiner eigenen Sicherheit?

Antwort
von dinska, 2

Ich denke mal, dass du Streit zu persönlich nimmst. Wenn jemand dein Verhalten kritisiert, dann fühlst du dich angegriffen. Das kann durch zu geringes Selbstwertgefühl kommen. Du musst lernen zu dir zu stehen und dich anzunehmen wie du bist, ganz egal was andere von dir denken oder halten. Das ist mein Standpunkt und wenn du einen anderen hast, dann hast du eben einen anderen. Deshalb ist der andere doch nicht schlechter als du oder du bist nicht schlechter als der andere. Ihr seid nur anderer Meinung. Man darf sich auch im Streit nicht beleidigen oder beleidigen lassen. Wenn es dazu kommt, sofort abbrechen. Auf dieser Ebene spreche ich nicht weiter über dieses Problem. Vielleicht solltest du dich mal mit dem Thema Streitkultur befassen! Seit ich gelernt habe richtig zu streiten, geht bei mir alles nicht mehr so tief wie früher und fühle mich nicht mehr verletzt.


Kommentar von nichtganzda ,

Ja, ich weiß, diese Antwort kenne ich schon von Bekannten seit Jahren und die ist auch richtig, aber es funzt nicht in meiner Seele. Was da los ist und warum es nicht klappt, weiß ich nicht. Das ist ja grade das Problem. Danke trotzdem für Deine Mühe, mir zu antworten.

Kommentar von dinska ,

Du solltest trotzdem da ansetzen und dir da Gruppengespräche oder eine Therapie suchen. Du hast doch dein Problem erkannt, jetzt musst du noch die richtigen Strategien erlernen und nach Mitteln und Wegen suchen, die dich dahin bringen!

Antwort
von Shivania, 1

Was Ihnen vermutlich am besten hilft sind Ratschläge in der Form, dass Sie sich nicht so reinsteigern sollen ins Problem. Dann das ist ja Ihr Problem, dass Sie willentlich nichts dagegen tun können - nicht wahr?

Was Ihnen vermutlich hilft ist eine Begleitung durch jemanden, der sich darin auskennt, Mikrotraumen zu lösen. Wie Sie das angehen möchten hängt davon ab, wieviel Zeit Sie investieren möchten. Sie haben verschiedene Möglichkeiten:

  • Psychotherapie (wobei ich Ihnen eine Tiefenpsychologisch orientierte Therapie empfehle). Dabei wird noch mehr als das geschilderte Problem bearbeitet und Ihre Selbstsicherheit wird sich generell erhöhen. Die Therapie wird von der Krankenkasse übernommen - wahrscheinlich müssen Sie eine zeitlang auf den Therapieplatz warten. Dies ist jedoch nur möglich, wenn Sie an einer Erkrankung leiden z.B. Angsterkrankung oder Depression - sonst wird die Behandlung nicht von der Krankenkasse übernommen
  • Coaching mit dem Ziel dass Sie selbstsicherer werden (bitte suchen Sie jemanden auf, der in einem körperorientieren Verfahren ausgebildet ist, z.B. wingwave, EFT, EMDR oder ähnliches). Selbstzahler, Sie arbeiten nur an der begrenzten Symptomatik
  • Kinesiologie (auch dabei können solche alten auslösenden Situationen aufgelöst werden). Selbstzahler, Sie arbeiten nur an der begrenzten Symptomatik
  • Hypnosetherapie (das ist ein sehr sanftes Verfahren, um diese Blockaden zu lösen). Selbstzahler, Sie arbeiten nur an der begrenzten Symptomatik
  • Bücher lesen, zum Beispiel "Finde Deine Stimme" http://tinyurl.com/oyv4567 das ist das beste Selbsthilfebuch, um selbstsicherer zu werden, das ich kenne. Kosten: 19,95 €
  • viel Zeit in der Natur verbringen (siehe Video) - das kostet gar nichts!
Kommentar von Shivania ,

Zum Biophilia-Effekt gibt es auch ein tolles Buch: http://tinyurl.com/ptq98hs

Antwort
von nichtganzda, 1

Noch eine Ergänzung.

Es könnten auch Strafängste mit reinspielen, Angst vor Strafe, das eigene Ding durchzuziehen...so wie früher im Elternhaus halt.
Aber mein Kopf müßte mir doch sagen, dass Strafen bei den meisten Dingen heutzutage, vor allem bei Sachen die lange vergangen sind, gar nicht mehr Thema sind.

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