Frage von Lexi77, 51

unvollständige OP = Behandlungsfehler??? Was tun?

Hallo!

Wenn eine OP nur unvollständig durchgeführt wurde, sich also eine Zeit nach der OP herausstellt, dass nicht alles gemacht wurde, was eigentlich gemacht werden sollte, ist das dann schon ein Behandlungsfehler?

Vielleicht zur Erläuterung meiner Frage:

Im Dez. hatte ich eine Schilddrüsen-OP wegen kalter Knoten mit Krebsverdacht. Bei der OP sollte der linke SD-Lappen sowie der Isthmus (Verbindungsstück zwischen den beiden SD-Lappen) entfernt werden, weil dort insgesamt 4 Knoten waren. Im OP-Bericht, den ich inzwischen angefordert habe, steht auch drin, dass die linke Seite komplett entfernt worden wäre.

Schon im März nach einem CT von Kopf/HWS sprach mich die dortige Ärztin (die von der OP wusste) an, der Radiologe hätte gesagt, dass meine linke SD vergrößert sei. Ich sagte ihr, das könne nicht sein, die wäre ja raus operiert worden. Sie hatte sich dann extra nochmal rückversichert aber der Radiologe blieb bei seiner Aussage. Dann hat sie mit dem Chirurgen, der mich operiert hatte (im gleichen KH) Rücksprache gehalten. Der sagte, er hätte alles entfernt, das könne maximal ein Bluterguss sein.

Am Montag hatte ich nun einen Kontrolltermin bei meinem Endokrinologen. Ihm habe ich die ganze Sache auch geschildert und er meinte dann, dass er sofort eine Ultraschalluntersuchung machen würde, damit er mir genau sagen kann, was los ist.

Schon während der Untersuchung merkte ich ihm an, dass er etwas verunsichert war. Irgendwann meinte er dann, dass da tatsächlich Schilddrüsengewebe wäre, dass er aber erst noch ein bisschen weiter untersuchen wolle und mir das dann erklären würde. Er hat dann die verschiedenen Bereiche immer geschallt und ausgemessen und hat dann immer gleich die Akte dazu genommen um die Ergebnisse mit den Ergebnissen der Voruntersuchung vor der OP zu vergleichen.

Nach der Untersuchung war er völlig sprachlos. Er sagte dann, dass da tatsächlich noch Schilddrüsengewebe vorhanden wäre! Es wäre auch kein narbiges Gewebe oder so was, sondern es wären noch die zwei größten Knoten, die er schon vor der OP festgestellt hatte und wegen denen die OP hauptsächlich gemacht worden war. Die haben also bei der OP wohl tatsächlich nur zwei kleinere Knoten entfernt. Die beiden größeren Knoten (22x18x20 mm und 16x12x12 mm) würden relativ weit nach unten reichen (kaudal) und vielleicht hätte der Operateur sie deshalb "übersehen". Aber eigentlich dürfe sowas nicht vorkommen, zumal diese Knoten in den Berichten ja beschrieben waren und im Ultraschall, den die Chirurgen selber auch nochmal gemacht hatten, sicher auch für diese zu sehen waren.

Der Endokrinologe sagte dann, dass das auf jeden Fall nochmal operiert werden müsse, die beiden großen Knoten müssten raus.

Habe jetzt schon einen neuen OP-Termin, aber eine Zweit-OP ist ja immer riskanter und risikoreicher...

Hat jetzt der erste Chirurg also einen Behandlungsfehler gemacht (gegen den ich evtl. vorgehen könnte)? Oder hat eine unvollständige OP einen anderen Stellenwert?

Danke und LG

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von francis1505, 40

Hallo Lexi,

ich kann dir nur abraten, als erstes zu einem Anwalt zu rennen. Das kostet Zeit, Nerven und Geld und am Ende kommt nichts dabei raus. Eine Krähe hackt bekanntermaßen der anderen kein Auge aus.

Im Internet kannst du dich informieren, welche die für dich zuständige Schlichtungsstelle ist. Dahin solltest du dich als erstes wenden. Erst wenn die dir nicht helfen können oder wollen, wäre ein Anwalt der nächste Schritt.

Ich spreche aus leidlicher Erfahrung, der Anwalt kostete damals knapp 1000 Kröten, mit dem Ergebnis, dass nichts passiert ist.

Kommentar von Lexi77 ,

Danke auch dir für deine Antwort.

Nun ich denke für eine erste Einschätzung könnte ich auch meine Anwältin fragen, bei der ich wegen meiner Unfallsache bin. Diese kenne ich sehr gut, habe auch mal bei ihr gejobbt, von daher denke ich, dass sie da keine großartigen Kosten berechnen würde.

Mein Hausarzt hatte mir das mit der Schlichtungsstelle bei der Ärztekammer auch schon gesagt. Sogar ohne, dass ich ihn danach gefragt oder darauf angesprochen hatte.

Aber ich denke inzwischen, dass ich sowieso erstmal abwarte, wie die zweite OP verläuft und was der neue Chirurg dann dazu sagt.

Antwort
von Roswita19, 30

Hallo,

es stimmt, dass die KK eingeschaltet werden muss. Aber es ist bekannt, das der MDK nicht immer nur die Interessen des Geschädigten verfolgt. Sofern eine Rechtsschutzversicherung besteht, sollte hier auch jeden Fall ein Fachanwalt eingeschaltet werden. Denn nur er kann die Interessen des Mandanten voll vor Gericht vertreten. Sicherlich ist eine Police teuer, doch im Verhältnis zu den Gerichtkosten und die des Anwaltes sind sie eher als moderat anzusehen. Mehr Infos zu Anwälten und Gerichten gibt es auch auf http://www.rechtsschutzversicherungen-testberichte.de/.

Antwort
von walesca, 30

Hallo Lexi77!

Mit diesem rechtlichen Problem solltest Du dich mal an die Unabhängige Patientenberatung wenden. Die können Deine Befunde alle durch kompetente und vor allem unabhängige Ärzte überprüfen lassen und dir dann einen passenden Rat geben, wie Du weiter vorgehen kannst. Die Beratungsstellen findest Du in beigefügtem Link. Dort habe ich auch schon @uwechen mit seiner verpfuschten Hüfte hingeschickt. Er wurde sehr kompetent und gut beraten. Nun läuft ein neues Gutachterverfahren, was nach der Intension der UPD (!) von seiner KK veranlasst wurde! Die UPD sehe ich als erste Adresse bei solchen Fragen an. Viel Glück!!!

http://www.unabhaengige-patientenberatung.de/upd-beratungstellen.html

Alles Gute wünscht walesca

Kommentar von Lexi77 ,

Habe inzwischen mit der UPD Kontakt aufgenommen. Die konnten mir aber auch nicht wirklich weiterhelfen, haben mir letztendlich nur den Rat gegeben, dass ich mich an die Schlichtungsstelle der Ärztekammer wenden soll.

Antwort
von Evilmick, 25

Hallo Lexi77,

ich hatte vor vielen Jahren einen medizinischen Fehleingriff an meinen Füßen durchlebt. Leider kam ich vor Gericht nicht gegen den Arzt an.
Aber am besten wäre es, Du wendest Dich an einen Anwalt für Medizinrecht. Bei dem Anwalt würdest Du wohl die beste Beratung erhalten.
Aber, schlussendlich ist eine halb durchgeführte OP nicht ordnungsgemäß. Du begibst Dich ja im Vertrauen in die Hände des Operateurs und da hat er auch ordentliche Arbeit zu leisten. Jedem kann mal ein Fehler passieren, aber Du bist kein Auto, wo man mal was vergessen kann. Hier geht es im Deinen Körper. Mein Rat, geh zu einem Anwalt.

Antwort
von gerdavh, 29

Hallo Lexi, meiner Ansicht nach ist das ein grober Behandlungsfehler. An Deiner Stelle würde ich zu einem Anwalt gehen und mich beraten lassen, wie Du hier vorgehen kannst. Es gibt einige Anwaltskanzleien, die sich auf medizinische Behandlungsfehler spezialisiert haben. Wenn Du unter dem Stichwort "Anwälte med. Behandlungsfehler" googelst, wirst Du da einige aufgelistet bekommen. Ich habe mich für Dich erkundigt - normalerweise erstattet man zuerst Strafanzeige und da kann man ein zivilrechtliches Verfahren dranhängen. Wenn eine Strafanzeige bereits eingegangen ist, wird das zivilrechtliche Verfahren dann relativ schnell eingeleitet. Aber wie gesagt, erkundige Dich lieber vorher. Alles Gute. Gerda

Kommentar von gerdavh ,

Francis hat da ja wohl schlechte Erfahrungen gemacht. Hast Du eine Rechtsschutzversicherung? Dann musst Du Dir wegen der Anwaltskosten keinen Kopf machen. Je nachdem, was Du für eine Versicherung abgeschlossen hast, bezahlen die den Anwalt und alle Gerichtskosten. Ich habe da positive Erfahrungen!!!. Und selbst wenn Du keine Rechtsschutzversicherung haben solltest, ein einmaliges Informationsgespräch bei einem Rechtsanwalt kostet keine 1.000,-- Euro.

So läuft das ab, wenn Du Strafanzeige erstattest, das kostet erstmal überhaupt nichts

http://www.sta-darmstadt.justiz.hessen.de/irj/STA_Darmstadt_Internet?cid=d10e914...

Kommentar von gerdavh ,

Ich habe schon ein paarmal Strafanzeigen erstattet, allerdings zum Teil wegen Bagatellen, weil mir einer den Rückspiegel abgefahren hat u.ä.. Ich bin dann immer direkt auf unser zuständiges Polizeirevier gegangen. Ich weiß ja nicht, wie die Polizeibeamten in Deinem Umfeld sind, bei uns waren sie immer sehr nett zu mir, haben mich aufgeklärt und wir haben dann gemeinsam den Bogen ausgefüllt. Hatte bislang immer Erfolg mit meinen Anzeigen. Auch ich habe schon durch eine Anwältin ein Gerichtsverfahren gegen eine Gynäkologin wegen grober Fahrlässigkeit herbeiführen lassen (bei mir hatten sie zwei!! Spiralen gelegt und ich hatte jahrelang wahnsinnige Schmerzen!). Als Zeuge hatte ich den Gynäkologen benannt, der mir die Spiralen rausgenommen hat. Und Du hast ja nun auch genug Zeugen, oder?

Kommentar von Lexi77 ,

Hallo! Eine Rechtsschutzversicherung habe ich leider nicht. Ich wollte immer mal eine abschließen, aber wie das so ist, es kommt immer was dazwischen... Muss ich jetzt wirklich dringend mal machen, auch wenn mir das in dem Fall jetzt nicht mehr helfen würde.

Aber ob ich überhaupt eine Anzeige erstatte oder gegen den Arzt vorgehen will, habe ich noch nicht entschieden. Im Moment denke ich eher an die erneute OP (in 14 Tagen habe ich sie hoffentlich schon hinter mir). Und dann will ich sowieso erstmal abwarten, was der neue Chirurg zu der ganzen Sache sagt.

Kommentar von francis1505 ,

Das einzige, was ich mir vorstellen kann, ist, dass es Gründe dafür gibt, warum die Knoten nicht entfernt wurden. Dagegen spricht allerdings, dass im OP-Bericht von der Totalentfernung die Rede ist.

Hast du denn die Möglichkeit, erstmal diesen Chirurgen ganz unmittelbar darauf anzusprechen, warum der US und der Bericht sich widersprechen?

Kommentar von Lexi77 ,

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, welche Gründe es geben soll, warum die beiden Knoten nicht entfernt wurden. Denn das waren ja die beiden großen, wegen denen eigentlich die OP gemacht werden sollte...

Ich selber habe eher nicht die Möglichkeit mit dem Chirurg (Oberarzt) zu sprechen, einen Termin würde ich nur beim Chefarzt bekommen. Allerdings hat meine Schmerztherapeutin ja bereits mit dem Chirurgen gesprochen, als die Unklarheiten nach dem CT aufgetreten sind. Damals sagte die Ärztin mir, sie hätte mit dem Chirurg gesprochen, er hätte gesagt, dass er die gesamte linke Seite entfernt habe und es sich bei der "Schilddrüse" im CT wohl am ehesten um einen Bluterguss handeln müsse. Ich hoffe, dass ich die Ärztin am Dienstag (habe Termin bei den Schmerztherapeuten) nochmal kurz sprechen kann und sie nochmal gezielt darauf ansprechen kann.

Antwort
von sonnenfrau21, 20
Aber am besten wäre es, Du wendest Dich an einen Anwalt für Medizinrecht. Bei dem Anwalt würdest Du wohl die beste Beratung erhalten.>

Ohne Fachanwalt hat man hier sicher keinen Erfolg, helfen kann auch eine wenn vorhandene Schlichtungsstelle.

Antwort
von AlmaHoppe, 19

Hallo,

bei dem Verdacht eines Behandlungsfehlers,kannst Du Dich an Deine Krankenkasse wenden!Du bekommst eine Beratung usw.! Der MDK schaltet sich dann ein(fordert Gutachten etc.an). Vielen ist so schon geholfen worden!

Hier kannst Du mal lesen:

www.bmg.bund.de/praevention/patientenrechte/behandlungsfehler.html

Alles Gute,

AH

Kommentar von Lexi77 ,

Danke für deine Antwort und den Link. Die Seite hatte ich auch schon gefunden. ;-) Weißt du denn, ob private Krankenversicherer so eine Beratung auch machen? Ich glaube ich muss mal auf der Internetseite des Versicherers suchen...

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