Frage von maiers9, 50

Unheimliche Probleme nach Leistenop

Halo Community... ich wurde vor 9 monaten wegen einen leistenbruch operiert. netz wurde mir nicht eingelegt. eine große narbe ist am bauch. ich habe aber immer noch probleme und bauch schmerzt oft.... keiner kann was finden. ultraschall war nix.. kernspin war nix.. ct war nix... :-(

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Antwort
von Nic129, 37

Hallo maiers9,

bei Ihnen wurde eine Leistenherniotomie nach Shouldice durchgeführt. Das ist eine von vielen verschiedenen Methoden, die sich aber am meisten bewährt hat. Das erfolgt hier ohne Netz. Bei diesem Verfahren wird der Bruchinhalt reponiert, der indirekte Bruchsack - je nach Größe - entfernt. Die Faszie wird gedoppelt. Das Ende vom Lied ist eine stabile Hinterwand.

Ihr Eingriff liegt nun knapp 9 Monate zurück. Bei idealem Heilungsverlauf sind Patienten in der Regel ab der 4. - 6. postoperativen Woche nahezu beschwerdefrei und voll belastbar. Vereinzelt kann der Verlauf natürlich auch länger dauern. Das ist immer individuell, da lässt sich keine pauschale Aussage treffen.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, die denkbar wären:

  1. postoperatives Schmerzsyndrom
  2. Irritationen und/oder Schädigungen von Nerven
  3. Rezidiv

Wären nun die gängigsten Komplikationen, die nach einer Leisten-OP auftreten - abgesehen von eventuellen Wundheilungsstörungen.

Von einem postoperativen Schmerzsyndrom spricht man, wenn der Patient über einen langen Zeitraum (mind. 6 Monate) über dauerhaft bestehende Schmerzen in der Leiste klagt. Unter Umständen können die Beschwerden so stark sein, dass eine Wiederaufnahme der Arbeit und Belastung nicht mehr möglich sind. Auch eine Einschränkung der Lebensqualität ist möglich. Wieso und weshalb es zu einem solchen Schmerzsyndrom kommt, ist nicht geklärt. Möglicherweise resultierend aus Nervenverletzungen. Außer eine entsprechende Schmerztherapie gibt es derzeit auch keine richtige Therapie.

Schädigungen und Irritationen von Nerven ist bei operativen Eingriffen Standard. Alleine schon aufgrund der Eröffnung des Bauches - sowohl bei laparoskopischen als auch konventionellen Eingriffen. Insbesondere aber im Leistenbereich gibt es drei Nerven, die bei der Präparation verletzt werden können. Da aber die anatomische Lage der Nerven recht unterschiedlich ist, kann man hier keine gezielten Rückschlüsse ziehen.

Rezidiv ist einfach ein erneutes Auftreten der Hernie. Hier gibt es keine andere Möglichkeit, als eine erneute operative Versorgung (dann vermutlich aber mit einem Netz).

Egal welche der Punkte zutreffen - hinsichtlich 1 und 2. Bei beidem besteht die Möglichkeit einer plötzlichen Besserung. In vielen Fällen erledigt sich das Problem spätestens nach einem Jahr. Ansonsten bietet sich eine Infiltration des Leistenbereiches an. Oftmals haben sich auch hiernach die Probleme von selbst erledigt.

Und natürlich zum Schluss das weniger erfreuliche:

Etwa 10 Prozent der Patienten müssen mit den Schmerzen bis zum bitteren Ende leben. Lediglich eine Besserung unter Schmerztherapie. Aber, wie oben schon gesagt, eine wirkliche Therapie gibt es derzeit nicht.

Alles Gute,

Kommentar von maiers9 ,

lebenslang? nein dann geh ich zu anwalt... das ist sauerei! dann ist bestimmt gepfuscht.

Kommentar von Nic129 ,

Guten Morgen,

was wollen Sie beim Anwalt? Machen Sie sich ruhig lächerlich, keiner wird Sie aufhalten. Hätten Sie eben mal den Aufklärungsbogen aufmerksam gelesen, dann wüssten Sie welche Komplikationen auf Sie warten (könnten). Da können Sie zu zehn Anwälten gehen, erreichen werden Sie nichts. Insbesondere, da diese Standardbögen (z.B. von Diomed) juristisch bombenfest sind. Ich zitiere aus hiesigem Bogen:

  • Verletzung von Blutgefäßen und des Samenstranges
  • Hautverfärbung bis in den Hodensack aufgrund eines Blutergusses
  • Schwellung des Hodens, über Hodenschrumpfung bis zum Verlust des Hodens
  • Durchblutungsstörung des Beines (Thrombose)
  • Verletzung eines Hauptblutgefäßes des Becken bzw. der Beine
  • Blutungen und Nachblutungen
  • Verletzung von Nachbarorganen (z.B. Dünndarm, Dickdarm oder Harnblase)
  • Abszess oder Bauchfellentzündung infolge von Darmschädigungen
  • Durchtrennung oder Vernarbung an Hautnerven mit daraus resultierenden Taubheitsgefühlen in diesem Bereich bis hin zu stärkeren Schmerzen in der Leistengegend
  • Verletzung von Muskelnerven (bis hin zu einer Bauchwandlähmung)
  • Infektionen, Fisteln und Wasserbruch
  • Wundheilungsstörungen
  • Narbenbruch
  • Narbenwucherungen und Pigmentverschiebungen
  • Druckschäden an Nerven oder Weichteilen mit Empfindungsstörungen
  • Haut- und Gewebeschäden
  • Thrombosen, Embolie
  • chronische Schmerzen
  • Darmverschluss

Die für Sie interessanten Punkte sind sogar "FETT" markiert. Jetzt können Sie sich zwei Mal überlegen, ob Sie noch immer der Meinung sind, Sie wurden nicht über die möglichen Risiken aufgeklärt.

Übrigens hat das nichts mit "Pfusch" zu tun. Ihnen sollte klar sein, dass jeder Eingriff mit gewissen Risiken verbunden ist. Niemand kann Ihnen garantieren, dass Sie nach dem Eingriff 100% beschwerdefrei sind. Das geht nicht und wird es auch nicht geben. Wenn sprechen wir über die Mehrheit der Patienten, die nach x Wochen beschwerdefrei waren. Und genau das ist auch in den meisten Fällen der Fall. Es kommt aber, wie Sie selbst merken, bei einer geringen Anzahl an Patienten zu Folgebeschwerden (oftmals halten sie sich in Grenzen). Sie haben nun eben das Glück und gehören zu der noch kleineren Gruppe mit erheblichen Folgebeschwerden.

Das Sie aber gleich von Pfusch reden, finde ich etwas hart. Genauso könnte Ihnen der Chirurg nun vorwerfen, Sie haben sich nicht an die Anweisungen Ihres Arztes gehalten (z.B. körperliche Schonung über mehrere Wochen). Wer weiß? Vielleicht haben Sie ja nach zwei Wochen wie wild herumgeturnt.

Wenn Sie der Meinung sind, dann wenden Sie sich doch an den Operateur. Konfrontieren Sie ihn doch mit Ihrer Meinung. Spätestens dann kommt wieder ein Posting "der Arzt ist so unfreundlich". Was erwarten Sie? Wer jemandem unsauberes Arbeiten - vor allem aber ein "Pfusch" - vorwirft, braucht nicht zu denken, dass mit ihm normal umgegangen wird. Alles eine Frage der Ausdrucksweise.

Suchen Sie das Gespräch mit dem Operateur und sprechen Sie mit ihm sachlich. Und zwar ganz ohne ihm gleich eine "Sauerei" anzuhängen. Von Pfusch können Sie dann reden, wenn Sie es bis vor das Gericht geschafft haben und dort auch Recht zugesprochen bekommen. Vorher? No way.

In diesem Sinne,

frohes Neues....

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