Frage von soushii, 230

Woher kommen unerklärliche Missempfindungen und Kopfschmerzen?

Seit ca. 9 Jahren habe ich täglich Kopfschmerzen, wobei schon früher kein Arzt sagen konnte, woher diese kommen.

Seit gut einem Jahr habe ich Missempfindungen dazubekommen (plötzlich auftretende Blitze, einschlafende, taube Knie und Hände, Brennen und Kribbeln in den Füßen, "Schwäche"anfälle in den Händen und Koordinationsstörungen). Hinzu kommt, dass ich immer mehr Fehler in Sätze einbaue und Wörter komplett vertausche, was für mich aber immer total sinnvoll klingt.

Ich war schon bei sämtlichen Ärzten, z.b. beim Neurologen, der die Idee MS einwarf. Im speziellen Krankenhaus wo eine Lumbalpunktion (nichts auffälliges), ein MRT vom Kopf und HWS (auch normal) und sämtliche Untersuchungen der Nervenstränge, die durch bewusste Reize stimuliert wurden (weitgehend normal), EKG+EEG (auch unauffällig) gemacht wurde.

Also, im Großen und Ganzen, bin ich genau so schlau wie vorher. Hat von euch jemand eine Idee, was es sein könnte?

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Expertenantwort
von Emelina, Community-Experte für Kopfweh, 200

Hallo soushii,

nach deiner Beschreibung könnte vielleicht eine Migräne mit Aura in Frage kommen. Auch wenn der „Ablauf“ nicht so ganz typisch bei dir ist, aber Migräne kann viele "Gesichter" haben. Sprich deinen Neurologen mal auf dieses Thema an (vielleicht wäre es auch sinnvoll eine Zweitmeinung eines anderen Neurologen einzuholen).

Du brauchst unbedingt eine richtige Diagnose deiner Krankheit. Nur dann kannst du auch das richtige dagegen unternehmen. Bisher sind ja nur andere mögliche Krankheiten ausgeschlossen worden – was aber natürlich genauso wichtig ist.

Damit du dich erst einmal selbst über das Thema „Migräne mit Aura“ informieren kannst, schreibe ich dir hier die typischen Anzeichen dafür:

Migräneaura:

  • Sehstörungen (Blitze oder Flimmern), Sprachstörungen (Wortfindungsstörungen) oder (meist einseitige) Taubheitsgefühle.
  • Eine Migräneaura findet normalerweise vor dem Migränekopfschmerz statt.
  • Dauer: zwischen 10 bis 60 Minuten (in manchen Fällen auch länger).

Nur ein kleiner Teil der Menschen mit Migräne haben eine Aura – manche davon haben (manchmal) auch nur die Aura ohne nachfolgenden Kopfschmerz.

Migränekopfschmerz:

  • Anfallsartiger - meistens einseitiger – Kopfschmerz (stechend oder pochend).
  • Übelkeit, Appetitlosigkeit.
  • Licht-, Geräusch-, oder Geruchsempfindlichkeit.
  • Der Schmerz verschlimmert sich bei Bewegung / körperlicher Anstrengung.
  • Dauer einer Migräneattacke: Wenige Stunden bis zu 3 Tagen.
  • Die ersten Migräneanfälle treten bei den Meisten erst ab der Pubertät auf.
  • „Normale“ Schmerzmittel wirken oft nicht ausreichend.

Es gibt viele verschiedene Arten von Migräne, deshalb müssen nicht alle genannten Symptome auch immer und bei Jedem genauso zutreffen.

Mein Rat: Führe über mehrere Wochen hinweg ein Kopfschmerztagebuch. Diese Informationen helfen deinem Neurologen bei der Diagnosefindung.

Das sind die Informationen, die in einem Kopfschmerztagebuch enthalten sein sollten:

  • Datum (und auch ungefähre Uhrzeit) der Kopfschmerzen – von wann bis wann.
  • Art der Kopfschmerzen (wo genau am Kopf, einseitig oder beidseitig, wie haben sie sich angefühlt - stechend / pochend / drückend?).
  • Begleitsymptome (sonstige Symptome, wie Übelkeit, Licht-, Geräusch-, oder Geruchsempfindlichkeit, Sehstörungen, Sprachstörungen, wo genau waren Taubheitsgefühle). Hier sollten möglichst genaue Datums- und Uhrzeitangaben gemacht werden.
  • Eingenommene Medikamente (alle Medikamente mit Datum und Uhrzeit der Einnahme angeben).

Das waren erst mal die wichtigsten Informationen, die ein Neurologe braucht. Wenn du es „besonders gut“ machen möchtest, kannst auch noch folgende Angaben in dieses Tagebuch schreiben:

  • Alles was du gegessen und getrunken hast (ungefähre Uhrzeit und auch die ungefähre Menge).
  • Wann du Stress / Aufregung / Überlastung hattest.
  • Wann du deine Menstruation hattest.

Dein Neurologe sollte auch wissen, ob du

  • Raucherin bist,
  • die Pille nimmst (wenn ja, welche) oder, ob du anderweitig hormonell verhütest,
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien bei dir vorliegen.

Neurologen haben meistens nicht sehr viel Zeit sich so viele Informationen eines Patienten, während des Untersuchungstermins, durchzulesen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn du ihm dein Kopfschmerztagebuch (und alle anderen Infos) schon (eine Woche) vorher per Mail sendest und auch dazu schreibst, wann du deinen Untersuchungstermin bei ihm hast, damit er sich schon vor deinem Termin informieren kann.

Falls dir dein Neurologe nicht helfen kann, dann solltest du dich in einer Schmerzklinik / Schmerzambulanz untersuchen lassen.

Z. B. http://www.schmerzklinik.de/

Dort arbeiten Ärzte aller Fachrichtungen zusammen. Sie können sich mehr Zeit für den einzelnen Patienten nehmen.

LG Emelina

Kommentar von Emelina ,

Zum Thema Kopfschmerzen / Migräne kannst du dich hier auch noch informieren:

http://www.netdoktor.de/krankheiten/migraene/symptome/

Ich finde das Video unten auf der Seite auch sehr gut gemacht, weil die häufigsten Kopfschmerzarten sehr gut, und für Jeden verständlich, erklärt werden.

Kommentar von Emelina ,

Es gibt auch eine Kopfschmerz App

https://migraine-app.schmerzklinik.de/information/

Expertenantwort
von Emelina, Community-Experte für Kopfweh, 198

Hallo soushii,

eine Idee, was das sein könnte, hätte ich vielleicht schon. Dazu müsste ich allerdings mehr von dir wissen.

Wie alt warst du, als die Kopfschmerzen begonnen haben? Bist du männlich oder weiblich?

Hast du wirklich jeden Tag durchgehend Kopfschmerzen? Wenn nicht, wie lange dauert eine Kopfschmerzattacke bei dir? Wie viele Stunden oder Tage durchgehend?

Wo genau am Kopf spürst du deine Kopfschmerzen? Auf beiden Seiten oder nur auf einer Seite? Wandern die Kopfschmerzen manchmal an eine andere Stelle des Kopfes?

Hast du gleichzeitig mit den Kopfschmerzen auch Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit?

Hast du die „Missempfindungen“ (Sehstörung, Taubheit, Wortfindungsstörung) immer, ständig oder immer nur für eine begrenzte Zeit? Wie viele Minuten oder Stunden? Hast du diese Störungen vor den Kopfschmerzen oder gleichzeitig mit den Kopfschmerzen?

Ist die Taubheit, Kribbeln und Schwäche auf beiden Körperseiten oder nur auf einer Seite?

Finden die Sehstörungen, Taubheitsgefühl und die Wortfindungsstörung gleichzeitig statt oder nacheinander?

Wenn du diese Fragen möglichst genau beantwortest, kann ich dir sagen, ob meine „Idee“ auf dich zutreffen könnte. Natürlich kann man, hier aus der Ferne, nichts mit Sicherheit sagen. Dafür sind die Ärzte zuständig, die dich untersucht haben.

LG Emelina

Kommentar von soushii ,

Danke für die Antwort

Also angefangen hat das mit den Kopfschmerzen als ich ungefähr 11 war. Ich bin weiblich.

Das mit den Kopfschmerzen ist unterschiedlich, fast jeden Tag mehrere Stunden Teilweise den ganzen Tag aber von der Stärke immer schwankend. Der schmerz ist entweder hinter den Augen oder beidseitig hinter den Schlefen. Wenn ich Kopfschmerzen hab bin ich zwar nicht blendempfindlich und mir wird nicht schlecht aber lärmempfindlich schon.

Die Taubheitsgefühle und das Kribbelgefühl sind dagegen unregelmäßig und nicht lange, maximal 30minuten Ca. Wenn z.b. meine Knie taub werden dann beide gleichzeitig, Hände und Füße jeweils abwechselnd und unabhängig von den Kopfschmerzen. Die wortfindungsstörungen sind öfter, und die Sehstörungen gehen teilweise 1-2 Stunden.

Ich hoffe es ist dir genau genug.

Kommentar von Emelina ,

Danke für deine zusätzlichen Infos. Ich habe dir nun eine (neue) Antwort geschrieben...

Antwort
von dinska, 145

Ich könnte mir vorstellen, dass es mit Verkrampfung und Sauerstoffmangel zu tun haben könnte. Vielleicht solltest du in dieser Richtung mal die Ärzte ansprechen, es gibt ja auch Sauerstofftherapien. Weiterhin würde ich dir progressive Muskelentspannung nach Jacobsen empfehlen und dies einmal täglich machen, drei Wochen das Langprogramm, dann reicht das Kurzprogramm aus, man kann das gut nach einer CD ausüben und erlernen. Weiterhin würde ich dir mal kühle oder kalte Bäder anraten. Immer nur kurz ein- und untertauchen und dann abtrocknen und durch Bewegung erwärmen. Auch beim Haarewaschen das Wasser zum Schluss immer so kalt als möglich stellen. Wenn du natürlich merken solltest, dass sich dann die Symptome verschlechtern, lieber sein lassen. Aber ich bin ein Mensch, der alles erstmal ausprobiert, was mir hilft, mache ich weiter, was nicht, lasse ich sein.

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