Frage von sonne123, 119

Sturz älterer Menschen-wie kann man den Alltag (noch) sicherer gestalten?

Hallo,

meine Mutter ist gestern früh gestürzt und konnte mich Gott sei Dank noch per Handy erreichen, so das ich innerhalb von nur ein paar Minuten bei ihr sein konnte. Es ist gut gegangen, mußte mir aber Hilfe holen, nachdem ich es selbst erfolglos versucht habe sie aus dieser misslichen Situation zu befreien. Da fragt man sich natürlich, was man noch machen könnte, das es nicht wieder zu einem Sturz kommt. Einen Notrufknopf -in Form einer Kette-hat sie, aber was nützt das wenn dieser nicht in greifbarer Nähe liegt bzw. nicht ständig am Körper getragen wird. Bedingt durch ihre häufigen Blasenentzündung muß sie häufig Nachts Wasser lassen und haben aufgrund dessen einen Toilettenstuhl im Schlafzimmer, so das es zumindest hier nur ein kurzer Weg ist.Sie kommt auch sehr schlecht hoch aus dem Bett und bin am überlegen ein Pflegebett zu beantragen-ob sie damit einverstanden ist oder nicht. Bleibt nur die Frage, ob es trotz nicht ständiger Bettlägerigkeit genehmigt wird?! Hat jemand Erfahrung oder kann mir sagen welche Voraussetzungen da gegeben sein müssen? Gibt es spezielle Handgriffe, wenn ich keine Hilfe habe, die mir das Heben der Person erleichtern? Ich muß dazu sagen, das sie übergewichtig ist...... Bin über jeden Rat oder Tip dankbar. Liebe Grüße

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Winherby, 69

Hallo Sonne,

 ich schreibe Dir einfach mal wie meine/unsere Erfahrungen in Sachen Senior sind. Vielleicht ist da was bei, von dem Du/Ihr profitieren könnt.

In Sachen Bett: Spätestens wenn ein Pflegedienst tgl. 2x kommen muss, ist ein Pflegebett dringend nötig. Im Fall meines damals dementen Vaters hat der Pflegedienst das in die Wege geleitet, - schon im eigenen Interesse, denn das Windeln wechseln, waschen, anfangs noch Ankleiden, usw. ist im normalen Bett zu anstrengend für den Rücken der Pfleger. Den Antrag für das Bett hat natürlich meine Mutter unterschrieben, aber zuvor die Formulare besorgen und korrekt ausfüllen, das alles machte damals die Verwaltung des Pflegedienstes für meine Eltern. 

Aber: Das war allerdings zu einer Zeit, als es noch keine Pflegeversicherung gab, das alles lief damals also noch über die KK.  Falls auch Deine Mutter pflegerische Betreuung bekommt, oder bekommen soll, frag die Mitarbeiter des Pflegedienstes, die werden sich bestimmt auskennen, wie es mit der Pflegeversicherung zu händeln ist. Ich denke aber, es ist wohl ähnlich wie damals, nur jetzt heisst die Institution eben Pflegekasse.
 

Durch mittlerweile sechs Hüftoperationen ist meine Mutter soweit, dass sie nicht mehr so gut aus dem Bett kommt. Allerdings wollte sie bisher kein Pflegebett, wohl noch in Erinnerung an die Zeit mit Vaddern damals. So haben wir ihr für kleines Geld (<200 €) in einem stinknormalen Möbelhaus ein sog. Seniorenbett gekauft.  Das lässt sich in sechs versch. Höhen aufbauen. Wir haben die höchste Stufe gewählt und es klappt wunderbar, kaum sind beim Aufstehen die Beine seitlich aus dem Bett „geschwungen“, steht sie schon fast. Nach der letzten OP haben wir zusätzlich eine Aufrichthilfe für´s Bett über die KK genehmigt bekommen. Das Ding heisst üblicherweise „Galgen“ und wird in richtigen Pflegebetten am Bettgestell eingehakt. Unser Teil aber steht auf dem Boden, ist stabil und tut sehr gute Dienste. 

Zusätzlich hat Mutter eine Tempurmatratze im Bett. Für sie ist das wegen der Hüfte sehr wichtig, bei Vaddern hat damals solch eine Matratze gegen Dekubitus ein wahres Wunder bewirkt, alle anderen Maßnahmen zuvor erwiesen sich als wirkungslos.  Also diese Art Matratze ist für all die Menschen, die sehr viel liegen müssen höchst empfehlenswert. 

Im Badezimmer hat Mutter einen erhöhten Hocker vor dem
Waschbecken, in der Dusche einen klappbaren Sitz an der Wand und zusätzlich an
allen drei Seitenwänden eine stabile, lange Haltestange.  Den Duschboden haben wir so umbauen lassen,
dass sie nicht über eine hohe Borde steigen muss. Für Badezimmer wo dieser
ebenerdige Duschzugang nicht möglich ist, gibt es sehr flachbordige
Duschtassen. Heute werden bis zu 4000 € Zuschuss für eine barrierefreie
Dusche/Badezimmer gezahlt, - falls ich recht informiert bin. Für das hochheben gefallener Menschen gibt es den sog. Rauteckgriff (bitte google-Bilder). Aber ich habe leise Zweifel, dass dieser Griff für die (übergewichtige?) Mutter und auch für Dich immer und bei jeder misslichen Lage praktikabel ist. Denn trotz guter Grifftechnik ist es sehr anstrengend einen schweren Menschen, der sich womöglich noch sacken lässt,
hochzuhieven. Für diesen Fall solltest Du Dir dringend die Hilfe mehrerer
kräftiger junger Männer organisieren, die telef. erreichbar sind. (aus Familie, Nachbarschaft, freiw. Feuerwehr, Pflegedienst, Rettungsdienst etc.). Da musste einfach checken, was da in Deiner Umgebung möglich ist. Notfalls muss Mutter erstmal am Boden bleiben, denn wenn Du Dich an Rücken oder Knie kaputt machst, kannste den Pflegedienst bald für Zwei bestellen, - und das will doch keiner. Also schütze Deine Gesundheit an erster Stelle.

Das war´s, was mir dazu spontan einfällt, Dir und Deiner Mutter alles Gute, Winherby

Kommentar von sonne123 ,

Danke für deine sehr ausführliche Antwort. Sie hat PS 1, da wird es sicherlich Probleme mit der Genehmigung eines Pflegebettes geben. Aber als Alternative bliebe ja, wie auch von dir genannt,noch ein beweglicher "Galgen" und somit ganz sicher eine Erleichterung für sie. Für ein sicheres Bad hat sie einen Wannenlift, denn ohne wäre es nicht mehr möglich. Eine Dusche ist leider nicht vorhanden. 

Danke auch für den Tip mit dem Rauteckgriff....eigentlich ganz simpel, wenn man es weiß. Ich hatte nur versucht sie unter die Arme zu greifen und dann heben. Wenn sie wenigstens noch eigene Kraft hätte,aber sie sagte selber zu mir, wie ein nasser Sack....

LG und einen schönen Wochenanfang 

Kommentar von Winherby ,

Ja, ja, das mit dem Rautek ist gut und schön, man hat damit mehr "Gewalt" und Kontrolle beim Heben, aber der Griff allein für sich ist nur die halbe Wahrheit. Der Hebende muss seinen eigenen Körper schützeen und dazu in eine gewisse Grundhaltung bringen, sonst kann es schnell mal an den Bandscheiben böse knirschen. Rücken  in die LWS-Lordose strecken, in die Knie gehen, Hintern nach hinten raus strecken, dann die Muskeln des Rückens maximal vorspannen, und erst dann aus den Knien heraus anheben. Siehste, und da sind wir schon beim nächsten Problem, - Deinen Knien. Dieses Heben muss man regelrecht üben, sonst wird das nix, also tu Dir einen Gefallen und mach das bestenfalls um die Sitzhaltung der Mutter im Rolli oder auf dem Stuhl zu verbessern, mehr mach besser nicht. Auch Dir eine schöne Woche.

Kommentar von sonne123 ,

Ich war nun heute beim Hausarzt und milde gesagt stink sauer.....im Endeffekt steht man mit allem alleine im Regen!! Das Pflegebett wird erst ab PS 2 genehmigt, OK damit kann ich mich ja anfreunden, aber das er nicht einmal so eine mobile Aufstehhilfe oder Galgen genehmigt bzw. sich weigert ein Rezept auszuhändigen , dafür habe ich kein Verständnis..... Als ich sagte, wenn meine Mutter wieder fällt, stehe ich mit allem alleine da, hat er sich gleich aus dem Staub gemacht....... Eigentlich wollte ich noch mehr besprechen, aber ich wurde höflich aber bestimmt aus dem Sprechzimmer gebeten.....das Wartezimmer war leer, also auch mal Zeit um nicht nur ein Anliegen vorzutragen. Da ein Sanitätshaus gleich nebenan ist, habe ich da um Hilfe gebeten. Ich kann so einen Galgen zeitweise ausleihen, aber das nützt mir nichts, denn meine Mutter brauch ihn ständig und kann nicht voraus sagen, wie lange. Ansonsten könnte ich einen kaufen für knapp 190€, wobei sie dann aber sagte, das ein Rezept besser wäre, aber das wurde ja abgelehnt. Ich habe nun mit meiner Mutter gesprochen und werden es wohl selbst bezahlen.....die Woche fängt gut an. LG 

Kommentar von Winherby ,

An Deiner Stelle würd ich, bevor ich mich in Kosten stürze, all die nötigen Hilfsgeräte bei der Krankenkasse direkt beantragen. Soweit ich mich erinnern kann, hatte meine Mutter damals auch allerlei Sachen für meinen Vater direkt über die KK beantragt und meist auch genehmigt bekommen. Der Galgen, Rolli, Rollator ,WC-Stuhl und WC-Sitzerhöhung sind ebenfalls genehmigte Leihgaben über ihre KK. Sprich mal mit der KK, das zumindest kostet noch nichts.

Mit Deinem Arzt ist das ja wirklich ein Trauerspiel. Aber die Heil- und Hilfsmittel sind budgetiert, da dürfte die Ursache seines Verhaltens liegen. Auch dies würd ich bei der KK ansprechen. LG

Kommentar von sonne123 ,

Ich habe mich heute noch mit der KK in Verbindung gesetzt und es wurde mir gesagt, das so eine mobile Aufrichthilfe zu den Hilfsmittel Verordnungen zählt. Direkt bei der KK kann ich nicht beantragen. Ich brauche eine Verordnung vom Hausarzt.....wo wir wieder am Anfang wären. Die Kosten über nimmt die KK und nicht die Pflegekasse, sonst hätte ich es eventuell als Pflegehilfsmittel beantragen können. 

Kommentar von Winherby ,

Danke für den Stern, alles Gute

Antwort
von dinska, 74

Hallo liebe sonne 123, ob Pflegemittel genehmigt werden hängt auch von der Pflegestufe und der Kasse ab. Du solltest unbedingt mit der Kasse Verhandlungen aufnehmen und auch mit dem behandelnden Arzt vorher alles absprechen, damit du Atteste vorlegen kannst. Meine Mutter hatte Pflegestufe 2 und es wurde ein Pflegebett genehmigt, nachdem wir auch einen Pflegedienst mit eingeschaltet hatten.

Den Notfallknopf sollte sie immer um den Hals tragen, das war auch bei meiner Schwiegermutter hilfreich und als sie mal in meinem Beisein wegkippte, brauchte ich nicht lange zu suchen und es war bald Hilfe da.

Ihr solltet euch wirklich überlegen, ob ein Pflegedienst angebracht wäre, der bei bestimmten Tätigkeiten Hilfe leisten kann. Bei meiner Mutter war das erst nur morgens, dann auch abends und zum Schluss auch noch mittags notwendig. Wir mussten zwar am Ende zuzahlen, aber die Sicherheit geht vor.

Ich weiß, dass die letzten Jahre sehr anstrengend und belastend sind und man selbst oft an seine Grenzen stösst. Deshalb sollte man sich immer um Hilfe bemühen, damit man nicht selbst kaputt geht. Wir haben mit Hilfe eines Pflegedienstes erst meinen Schwiegervater, dann meine Mutter und zuletzt auch meine Schwiegermutter bis zu ihrem Tod zu Hause gepflegt.

Ich wünsche dir und deiner Mutter alles Gute und eine gute Lösung des Problems!


Kommentar von sonne123 ,

Der Pflegedienst kommt 7 Tage die Woche. In erster Linie wegen Insulin spritzen und Kompressionsstrümpfe anziehen. Des weiteren 1 x die Woche die große Pflege und 2x Fußpflege. An den anderen Tagen unterstütze ich sie nur morgens. In soweit habe ich schon Hilfe. Es wäre auch alles nicht so schlimm, wenn wir in einem Haus wohnen würden, aber das ist leider nicht so. Wenn das Bett nicht genehmigt werden sollte, dann wäre noch eine andere Alternative einen beweglicher Bettgalgen oder eine Aufstehhilfe, die seitlich am Bett befestigt wird....morgen muß ich so und so zu ihrem Hausarzt und werde das mit ihm besprechen. Danke dir ganz lieb :-) und noch einen schönen Sonntag 

Kommentar von sonne123 ,

Nur morgens, heißt bei der alltäglichen Hygiene und eben abends die Strümpfe ausziehen...

Antwort
von Julia45, 8

Das ältere Menschen stürzen ist leider nicht immer zu vermeiden. Das liegt meist am Alter und an schwachen Muskeln. Doch durch die gesetzliche und private Pflegeversicherung ( https://pflegeversicherung-testbericht.de/) gibt es entsprechende Hilfsmittel, die das Leben im Alltag erleichtern sollen.

Doch diese sind mit Vorsicht zu genießen. So stellt sich immer wieder heraus, dass mit einem Rollator, die Selbstständigkeit des Menschen extrem gemindert werden. Die Sinne werden nicht mehr gefördert und viele Muskeln bauen sich ab, da sie nicht mehr benötigt werden. 

Kommentar von sonne123 ,

Alles hat Vor-, und Nachteile....da gebe ich dir recht. 

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