Frage von Uriana, 170

starke Brustschmerzen nach Operation

Hallo, Seit einer Lungenoperation leide ich unter sehr starken Schmerzen. Die Operation ist nun bereits über ein Jahr her und bisher konnte mir kein Arzt helfen. Von Anfang an: Nach einem Rundumcheck bei meinem Hausarzt ist ihm ein kleiner Lungenfleck aufgefallen. Er überwies mich in ein Spital, wo eine Biopsie durchgeführt werden sollte. Als ich wieder aufwachte sagte man mir, dass man keine Biopsie durchführen konnte. Jedoch sagte man mir, dass es ggf. Krebs sein könnte. Deswegen entschloss ich mich zu einer Operation. Dabei muss jedoch einiges schief gegangen sein. So musste ich mehrere Tage auf der Intensivstation bleiben, bis man mich auf die reguläre Station verlegen konnte. Als ich das Spital nach zwei Wochen verlassen konnte, hatte ich noch immer starke Schmerzen. Als die Schmerzen nicht abnahmen, führte man weitere Untersuchungen durch. Als nichts herauskam, wanderte ich von Arzt zu Arzt. Auch führte man ein CT durch (Aus dem nichts hervorging). Nach einem halben Jahr suchte ich mir selbst eine Spezialistin, welche nochmals ein CT durchführen lies. Auch dieses CT ergab nichts. Aktuell bin ich beim Arzt meiner Krankenversicherung, jedoch mit wenig Erfolg. Bis jetzt weiss ich nur, dass der Brustkorb verschoben ist. Es fühlt sich an, als würde ich einen viel zu kleinen BH tragen. Die Schmerzen sind auf einer Skala von 1 bis 10 etwa bei bei 7/8 einzuordnen. Es gibt Tage, bei denen die Schmerzen nicht auszuhalten sind. Alle Ärzte bei denen ich bis jetzt war, konnten mir nicht helfen. Der Arzt von der Krankenkasse meint, dass ich mich einfach mit Morphium vollpumpen lassen soll... Hat das jemand von euch schon einmal erlebt? Weiss jemand von euch vielleicht, was helfen könnte? Kennt jemand von Euch ggf. einen Arzt in der Region Ostschweiz, der mit solchen Fällen Erfahrung hat? Vielen Dank im Voraus

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Lexi77, 96

Hallo! Neben dem Tipp mit der Osteopathie, die alegna dir ja schon empfohlen hat, würde ich dir dringend empfehlen einen speziellen Schmerztherapeuten aufzusuchen. Denn wenn die Schmerzen schon so lange bestehen, dann sind sie - unabhängig von der Ursache - schon chronisch. Und bei chronifizierten Schmerzen kann es sogar vorkommen, dass die eigentliche Ursache der Schmerzen schon weg ist, und man trotzdem noch denselben Schmerz empfindet. Dann hat sich ein sog. Schmerzgedächtnis gebildet.

Lies dazu z.B. mal dies:

Chronische Schmerzen: Beschreibung

Als chronische Schmerzen werden Schmerzen bezeichnet, die

◾seit mindestens drei bis sechs Monaten fast immer vorhanden sind oder häufig wiederkehren

und

◾den Patienten körperlich (Beweglichkeitsverlust, Funktionseinschränkung), körperlich-kognitiv (Befindlichkeit, Stimmung, Denken) und sozial beeinträchtigen.

Der Begriff „chronische Schmerzen“ bedeutet, dass der Schmerz das vorherrschende Symptom („Leitsymptom“) der Beschwerden ist und über einen längeren Zeitraum anhält.

Im Unterschied zu akuten Schmerzen sind chronische Schmerzen (medizinisch korrekt eigentlich: Chronisches Schmerzsyndrom) kein sinnvolles Alarmsignal mehr, das auf eine Schädigung des Körpers (Verletzung, Erkrankung etc.) hindeutet. Stattdessen stellen sie eine eigenständige Schmerzkrankheit dar, die oft keine klar erkennbare Ursache mehr hat. Chronische Schmerzen werden oft von weiteren Beschwerden begleitet, zum Beispiel Schlafstörungen, Appetitmangel, gesteigerte Reizbarkeit und depressive Verstimmungen. Zudem können sie starke Einschränkungen im Alltag, Beruf und Freizeitleben bedeuten.

Chronifizierung

Ein chronisches Schmerzsyndrom entsteht oft aus akuten Beschwerden: Anhaltende Schmerzreize lassen die Nervenzellen mit der Zeit immer empfindlicher auf die Reize reagieren, das heißt die Schmerzschwelle sinkt. Die wiederholten Schmerzreize hinterlassen „Schmerzspuren“ und es entwickelt sich ein „Schmerzgedächtnis“. Die Patienten nehmen schon geringste Schmerzreize oder sogar Berührungen als Schmerzen wahr. Die Nervenzellen können sogar von sich aus Schmerzsignale an das zentrale Nervensystem senden, obwohl die ursprüngliche Schmerzursache (z.B. eine Verletzung) schon längst abgeheilt ist. Es tut also weh, obwohl es keine organische Ursache mehr dafür gibt.

http://www.netdoktor.de/symptome/chronische-schmerzen/

Deswegen ist es wichtig, dass man sich auch auf dem Gebiet der Schmerzen in professionelle Hände begibt. Denn eine Schmerztherapie bedeutet nicht nur Schmerzmittelgabe, sondern sie umfasst auch andere Behandlungsansätze und Möglichkeiten. Einfach mal mit Morphium "vollpumpen" ist da nicht der richtige Weg. Es kann zwar sein, dass du vielleicht erstmal Morphium brauchst, um deine Schmerzen in den Griff zu bekommen, dann aber entsprechend dosiert. Bei einer Schmerztherapie kann der Arzt dir auch zusätzlich andere Medikamente (sog. Adjuvanzien) verordnen. Das kann z.B. auch ein Antidepressivum sein. Nicht weil man dir vielleicht Depressionen unterstellen würde, sondern weil spezielle Antidepressiva auch schmerzlindernd und vor allem schmerzdistanzierend wirken. Leider erklären das viele Ärzte so nicht, so dass die Patienten dann glauben "der hält mich für bekloppt" und das Mittel nicht nehmen.

Neben der medikamentösen Behandlung kann man bei der speziellen (multimodalen) Schmerztherapie auch Physiotherapie einsetzen, oder Kälte- oder Wärmeanwendungen (je nachdem, was gut tut) oder Massagen. Weiterhin könnte auch Akupunktur und eben auch die Osteopathie eingesetzt werden. Auch Entspannungsverfahren (z.B. autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson) können helfen. Und oft wird auch ein psychotherapeutischer Behandlungsansatz mit einbezogen. Dabei geht es dann in erster Linie darum, Strategien zu erarbeiten, wie man mit dem Schmerz besser umgehen kann (Stichwort Schmerzverarbeitung) und ob es vielleicht auch was gibt, was den Schmerz verstärken könnte.

Ich selber mache wegen starker Bauchschmerzen seit Oktober eine Schmerztherapie. Das ist doch entschieden was anderes, als wenn nur der Hausarzt Schmerzmittel verschreibt. Ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben und betreut (war auch schon 5 1/2 Wochen zur stationären Schmerztherapie). Ich hatte Schmerzen, die teilweise auf der Skala von 1-10 bis 10 gingen. Und in dieser Schmerztherapie habe ich viel über meinen Schmerz gelernt. Zum Glück sind meine Schmerzen nach einer OP sehr gut besser geworden. Zur Zeit habe ich kaum noch Schmerzen und bin jetzt dabei, die Schmerzmittel wieder zu reduzieren. Inzwischen mache ich auch eine psychotherapeutische Behandlung, damit ich, wenn die Schmerzen wiederkommen sollten, besser damit umgehen kann.

Ich denke, so eine Schmerztherapie könnte auch was für dich sein, gib mal bei Google "schmerztherapie schweiz" ein, da findest du einige Infos und vielleicht für dich geeignete Adressen.

Alles Gute für dich! LG, Lexi

Kommentar von Lexi77 ,

Dies ist wie ich finde auch eine sehr interessante Seite: http://www.dgpsf.de/wasistschmerz.html

Kommentar von Lexi77 ,

Auch hier steht viel zur Schmerztherapie: http://de.wikipedia.org/wiki/Schmerztherapie

Antwort
von alegna796, 83

Ich würde Dir empfehlen, zu einem Osteopathen zu gehen. Ich habe selbst vor 5 Jahren eine Lungen-OP gehabt. Dabei wurde mir ein Lungenlappen entfernt, der Tumor war glücklicherweise gutartig. Ich hatte 1 Jahr unerträgliche Schmerzen angefangen unter dem Schulterblatt über die Schulter bis in den Arm und die Hand. Erst nach vier Jahren hat mir ein Narkosearzt gesagt, dass die Ursache dafür ein Lagerungsfehler während der 6stündigen OP war. Die Schmerzen sind nach einer einjährigen Behandlung mit Prädnisolon und Targin besser geworden, aber ich habe auch heute noch Beschwerden. Es kann mir kein Blutdruck am Oberarm gemessen werden. Beim Aufpumpen der Manschette schwillt sofort die Hand an und die Schmerzen lassen meinen Blutdruck enorm ansteigen. Also sinnlos. Auch mit TCM könnte Dir vielleicht geholfen werden. Schau mal, ob es in deiner Nähe einen Arzt oder eine Klinik gibt, die mit Traditioneller Chinesischer Medizin arbeitet. Alles Gute für Dich.

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