Frage von formschluss, 36

Warum dieser Sparzwang auf dem Rücken der Patienten?

Sparen müssen wir, koste es was es wolle!

Hallo Leute ich muss mich mal ausk0tzen.

Seit Jahren habe ich Rückenprobleme (Bandscheibenvorfall LW 3/4 und 4/5). Seit Anfang diesen Jahres so richtig Probleme mit Rückenschmerzen, gelegentlich Kribbeln und Taubheitsgefühl im Fuß.

Bisherige Versorgung Krankengymnastik (teilw. am Gerät), Mobile Reha, Tabletten (immer vom Hausarzt und Spritzen (immer vom Orthopäden). Übungen für zu Hause habe ich bekommen und spätestens seit dem Hexenschuss am Anfang des Jahres mache ich die auch regelmäßig. Von meinem Arbeitgeber habe ich extra einen neuen Bürostuhl, nach eigener Auswahl und vorheriger Probe bekommen. Irgendwie hat nichts geholfen, die Schmerzen haben sich nicht wesentlich verbessert.

Jetzt habe ich zum ersten Mal eine Verordnung für Massage erbetteln können. Einen Tag nach der ersten Massage sind die Schmerzen fast wie weggeblasen. Ich kann mich wesentlich besser bewegen.

Beim Arzt habe ich immer zu hören bekommen, Massagen nutzen nix, immer nur Medikamente und Krankengymnastik. Mein Einwände, dass ich meine Übungen regelmäßig mache und keine Lust auf eine Medikamentensucht habe, wurden jedes Mal ignoriert.

Warum werden die Argumente der Patienten nicht ernst genommen? Warum muss ich erst meinen Körper mit Schmerzmedikamenten zumüllen? Was muss ich tun damit ich zukünftig ohne Probleme an eine Verordnung komme?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Winherby, 29

Nun das ist relativ einfach zu erklären. Jeder der vergangenen Gesundheitsminister hat versucht die KK-Kosten einzudämmen.

Dabei sind viele Therapieformen zum Leidwesen der Patienten aus den Therapielisten der KK entfernt worden, - wegen der angeblich nicht nachgewiesenen Wirksamkeit.

Die letzte einschneidende Änderung im Gesundheitswesen was diese Heil- und Hilfsmittel (wie z.B. Massage) betrifft, war die Erstellung eines Heilmittelkataloges. Dieser Katalog, und nur dieser Katalog, entscheidet darüber, welche Therapie der Arzt Dir verordnen darf. Hat der Arzt eine Diagnose getroffen, dann darf/muss er in diesen Katalog schauen und aussuchen, was er Dir als Primärverordnung geben darf. Zusätzlich wäre noch eine Ergänzungsmaßnahme erlaubt, z.B. Massage als Primärverordnung, Fangopackung als Ergänzungsmaßnahme. Auch gegen besseres Wissen des Arztes darf er Dir nichts anderes verordnen als das, was im Heilmittelkatalog steht. 

Und dies macht er auch noch möglichst sparsam, denn jede Verordnung verursacht Kosten. Diese Kosten werden vom Budget das ein Arzt zur Verfügung hat abgezogen. Verursacht der Arzt höhere Kosten, dann muss er dies sehr plausibel der KV erklären, kann er dies nicht, dann gehen diese Kosten zu Lasten des Arztes, wird ihm also von der KV abgezogen.

Der dritte Faktor ist die hervorragende Lobbyarbeit der Pharmaindustrie. Wären unsere Politiker genauso befähigt für ihren Job, wie es die Lobbyisten sind, ach was hätten wir ein tolles Land, ich meine damit noch toller als es bereits ist;-)).

Für Dein Problem kann es nur eine Therapiefolge geben: Die Muskeln zuerst mit ausreichend oft Massage und Wärme locker machen, nur dann kann die anschließende Gymnastik wirksam greifen. Die folgenden Gymnastikanwendungen sollten dann (auch) dazu genutzt werden, noch immer bestehende Muskeldysbalancen möglichst auszugleichen. Als dritte und abschließende Maßnahme gilt es die Muskeln soweit aufzubauen und die Kräftebalance zu optimieren, dass sie im täglichen Einerlei der Arbeit nicht mehr verkrampfen.

Der einzige Ausweg ist, der Arzt gibt Dir eine Privatverordnung, dann darf der Therapeut das auch an Dir praktizieren, aber Du musst das selber bezahlen.
LG

Kommentar von mariontheresa ,

Wie mit einem Arzneimittelrezept: Der Arzt verordnet ein Medikament. Der Patient bekommt das Medikament in der Apotheke. Die Krankenkasse bezahlt den Apotheker. Und wenn das Medikament nicht in der Liste der Krankenkasse steht, muss der Arzt das Geld der Kasse zurück erstatten  ( Abrechnung über KV)

Kommentar von formschluss ,

Auch wenn die Antwort nicht erbaulich ist, vergebe ich hiermit ein Sternchen, weil es sich (auch ohne Fachwissen) plausibel liest.

Kommentar von Winherby ,

Danke für den Stern. Ja, leider sind nicht erbauliche Kundschaften oft wahr. Lies es Dir selbst durch, hier ist der HMK: 

https://www.g-ba.de/downloads/17-98-1085/RL-Heilmittel-Katalog-04-12-21.pdf

Antwort
von mariontheresa, 19

Ich hatte im Frühjahr eine Bandscheibenprotrusion. Keine Rückenschmerzen, aber Schmerzen im Oberschenkel beim Sitzen, Gehen und Stehen. Obwohl Privatpatien folgende Therapie: Zuerst eine Woche zu Hause Schmerzmittel und Kortison. Danach Kribbeln in der Fußsohle. Hausarzt hat mich mit Krankenwagen in Klinik geschickt ( dann müssen sie mich aufnehmen). Eine Woche Schmerzmittel und Kortison. Danach nach Hause und Rezept für KG. Habe noch vom Krankenhaus aus versucht, bei 10 verschiedenen Praxen versucht, einen Termin zu bekommen - frühestens in 10 Wochen. Nach einer weiteren Woche wieder mit dem Krankenwagen zurück in Klinik. Dann OP und von Stunde an schmerzfrei. Fazit: Hätte man mich gleich operiert, wären mir 3 Wochen Schmerzen, ein kaputter Magen durch die Tabletten und 3 kg Gewichtabnahme erspart geblieben. Von dem Problem, einen pflegebedürftigen bettlägerigen Ehemann zu Hause zu haben, ganz zu schweigen.

Kommentar von Jessnico ,

Das kenne ich,  bin seit sechs Monaten Zuhause,  Schmerzen ohne ende zusätzlich alleinerziehend.  KG s ohne ende,  reha Sport,  starke Schmerzmittel und jetzt ambulante reha.  Ich habe keine Lust mehr,  aber op gibt es keine,  da der faserring noch nicht durchbrochen wurde 

 Aber ich denke wenn man die Kosten für die ganzen Therapien zusammen rechnen würde,  wäre die op fast günstiger gewesen und ich müsste mich nicht so quälen. 

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