Frage von Ungeheilt, 134

Sitzen oder Stehen am Schreibtisch (Im Bezug auf den Rücken)?

Hallo,

ich habe Rückenprobleme (in Form von Schmerzen, Skoliose, Steifheit) und seit gestern beschlossen, bei mir zu Hause einmal nicht am Schreibtisch zu sitzen, sondern zu stehen, wenn ich am Computer arbeite. Von den Tischeinstellungen ist das bei mir möglich.

Ich hatte dies bezüglich auch schon einmal bei Ärzten gefragt, aber da wurde immer gemeint, dass ich wissen müsste, was für mich angenehmer ist und das beides seine Nachteile hat.

Ich habe auch noch einmal im Internet geschaut, wie zum Beispiel hier: http://www.leuwico.com/bueromoebel/bueromoebel_ergonomie/sitzen_stehen/compariso...

Dort sind die Nachteile beider Seiten aufgelistet. Und ich merke die Nachteile des Stehens sehr stark. Ich weiß allerdings nicht, was mit "venösem Rückfluss" gemeint ist. Ich verspüre auf jeden Fall einen starken Druck in den Beinen und am Ende der Wirbelsäule (Hüftbereich). Denkt ihr das legt sich wieder, oder wird das so bleiben? Ist ein positiver Druck (ich würde es nicht Schmerz nennen, aber es fühlt sich sehr unangenehm an), weil ich gerade stehe, oder verschlechtert sich so auch der Zustand des Rückens. Denn in dem unteren Teil der Wirbelsäule habe ich nämlich auch immer starke Verspannungen.

Ich bin nun ziemlich unentschlossen und Frage deshalb einmal euch. Vielleicht hat da schon jemand vor dem gleichen Problem "gestanden"?

Danke im Voraus

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Ungeheilt,

Schau mal bitte hier:
Schmerzen Rücken

Antwort
von Winherby, 114

Hallo,

alles hat zwei Seiten. Die Empfindungen, die durch langes Stehen hervorgerufen werden, sind z.T. auch Gewöhnungssache. Ich habe als Masseur angefangen, als ich damals im Praktikum die ersten Tage nur stehend meine Pat. misshandelt habe, da fiel mir das Stehen nach einigen Tagen so schwer, dass ich glaubte den Beruf nicht lange ausüben zu können. Nach einigen weiteren Tagen war ich so an das Stehen gewöhnt, dass es mir nicht mehr auffiel.

Muskeln, Sehnen, Bänder und Knochen werden als Bewegungsapparat bezeichnet. Und nicht als Bleibstillstehenapparat, oder als Bleibsteifundaufrechtsitzenapparat.

Sowohl im Stehen als auch im Sitzen soll man sich bewegen. Früher war man der Meinung, dass "Brust raus, Bauch rein, Kopf hoch" die einzig korrekte Sitzhaltung sei. Einige Leute glauben dies noch heute und sitzen preussisch-militärisch korrekt steif-aufrecht am Arbeitsplatz. Tatsächlich aber sind die neueren Erkenntnisse andere, nämlich auch beim Sitzen darf und soll zwischen Kluntschen und Preussischkorrekt alles erlaubt sein. Was wirklich schlimm für den Bewegungsapparat ist, ist das einseitige und monotone an einer Haltung, - egal bei welcher Haltung.

Das Gleiche gilt für das Stehen. Stell Dir einen leeren Bierkasten (auf den Kopf gedreht) unter den Stehschreibtisch und stell im Wechsel einen Fuß darauf ab. Das erleichtert längeres Stehen. Der venöse Rückfluss (http://flexikon.doccheck.com/de/Ven%C3%B6ser_R%C3%BCckstrom) wird gefördert, indem Du "Gehbewegungen" beim Stehen machst. Es reicht, dabei im gegenseitigen Wechsel die Fußspitzen und die Fersen anzuheben. Ähnlich wie Jackos Moonwalk, nur ohne Rückwärtsbewegung. Kannst aber auch etwas wippen und die Fußenden gleichseitig anheben und wieder senken. Auch ein paar Kniebeugen zwischendurch werden den Beinen gut tun.

Der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen wird Dir sicher zum Vorteil gereichen, lG, Winherby

Kommentar von Winherby ,

Hmm, es ist leider alles nicht so leicht umsetzbar. Vielleicht bleibe ich lieber bei dem Sitzen und muss mich in der Freizeit noch mehr bewegen.

Das ist ganz sicher keine kluge Entscheidung.

Ich habe mir Deinen Link mit der Vor- und Nachteilliste mal angeschaut. Die Punkte 1 +3 der angeblichen Nachteile des Stehens sind mMn eindeutige Vorteile. Die höhere stat. Arbeit der Muskeln ist doch sehr positiv im Vergleich zur Sitzerei, wo fast alle Muskeln eher erschlaffen. Daraus ergibt sich fast zwangsläufig der Punkt drei, also der höhere Grundumsatz. Auch dieser Punkt ist sehr positiv wenn man bedenkt, dass der sitzende Büromensch als solches, sich doch viel zu wenig bewegt, daher eher zum unnetten Fettansatz tendiert, breiter Hintern, Rettungsring, Reiterhose, usw.. Ich verstehe daher nicht, warum das auf dieser Site als Negativum gewertet wird. Das evtl. Problem mit den Venen kannst Du mit meinen o.g. Bewegungstipps leicht vermeiden.

Zusätzlich möchte ich zu bedenken geben, dass alle Negativpunkte der Sitzen-Tabelle eigentlich in der Stehen-Tabelle als Positivpunkte aufgelistet sein müssten, da diese beim Stehen ja entfallen.

Daher halte ich es für erheblich klüger die Möglichkeit des (öfteren) Stehens bei der PC-Arbeit zu nutzen, besonders deshalb, weil Du die Möglichkeit bei Deinem Schreibtisch hast, wie Du selbst schriebst. LG

Expertenantwort
von StephanZehnt, Community-Experte für Schmerzen, 95

Nun wie schon Winherby schreibt zählt nur der Wechsel zwischen stehen und sitzen.

Das Problem mit dem "venösem Rückfluss" hat man eher wenn man u.U. mit angewinkelten Beinen sitzt. (Wechselduschen , Beinmassagen udgl. können hier etwas helfen).

Auch ein Ballonkissen könnte evtl. sinnvoll sein da man nicht stur in einer Haltung sitzt ähnlich Pezziball. Wenn man einen sehr sehr  guten Chef hat bekommt man im Geschäft ein Stehpult (Thema Teilhabe am Arbeitsplatz). Alles andere hat schon der Fachmann geschrieben!

VG Stephan 

http://www.wiwi-treff.de/home/index.php?mainkatid=1&ukatid=18&sid=18&...

PS . zu dem Bild ergonomischer Arbeitsplatz gehört noch ein entsprechendes Mauspad (mit "Wulst" als Handgelenkauflage) )und eine Unterlage vor der Tastatur.

Kommentar von Ungeheilt ,

Hmm, es ist leider alles nicht so leicht umsetzbar. Vielleicht bleibe ich lieber bei dem Sitzen und muss mich in der Freizeit noch mehr bewegen.

Kommentar von Winherby ,

Ist ja lustig, - dieses Bild in Stephans Link "So sitzen Sie richtig" zeigt genau diese korrekt-preussisch-steife Sitzhaltung, die ich in meiner Antwort meinte und die aber längst überholt ist.

Jedenfalls dann überholt ist, wenn damit suggeriert wird, dass sich der Schreibtischtäter möglichst ständig in dieser, ach so "rückenfreundlichen", Haltung zu halten hat.

Dieses Bild ist bestenfalls als optimale Ausgangsstellung für den Schreibtischarbeiter anzusehen. LG

Antwort
von schmitti111, 75

Bei uns in der Arbeit hatten wir einen Kollegen, der sehr starke Rückenschmerzen und Probleme hatte. Er wechselte immer ab. Mals saß er am Schreibtisch, mal stand er, zum Beispiel zum Lesen, an einem Pult oder Bistrotisch. Er meinte, die Abwechslung sei das Beste und so habe es ihm der Arzt geraten.

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