Frage von manolo, 381

Sind ordentliche Menschen auch innerlich aufgeräumter?

Mal eine schon fast philosophische Frage, die unseren Seelenzustand betrifft. Ich habe den Eindruck, dass Menschen die eine gewisse Ordnungsliebe haben, auch innerlich aufgeräumter sind. Andererseits kenne ich Menschen die eher chaotisch veranlagt sind, aber dennoch gut durchs Leben kommen. Vielleicht weil sie sich nicht so viele Gedanken und Sorgen machen. Was sagt ihr: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Ordnungsempfinden und innerer „Aufgeräumtheit“?

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Antwort
von dinska, 381

Es kommt ganz darauf an, wie die Ordnung das Leben beeinflusst. Wenn man nur immer Ordnung schafft und alles perfekt haben will, dann hat man für sich nur wenig Freiräume, weil man immer schaffen muss. Wenn man aber mit einer gewissen Grundordnung zufrieden ist und sich auch Zeit für sich nimmt, dann ist man innerlich aufgeräumt und fühlt sich wohl. Das Wohlfühlen und das Zeitnehmen ist für das innere Gleichgewicht wichtiger, als ein perfekter Haushalt.

Antwort
von bethmannchen, 244

Ich meine, dass man beides nicht so exakt aneinander festmachen kann. Man kann durchaus innerlich aufgeräumt sein, obwohl z.B. die Wohnung einem Außenstehenden als das reinste Chaos erscheint.

Würde man für Ordnungsliebe Punkte von 1 bis 10 vergeben, und für innere Aufgeräumtheit ebenfalls, würden die Skalen bis zu sechs Punkten wohl noch parallel, also vergleichbar verlaufen. Sobald man für seine Ordnungsliebe dann aber 7 oder mehr Punkte bekommt, beginnt man damit, sich selbst in ein Korsett zu zwängen. Dann beginnt das "äußere Aufräumen" die Kraft und Aufmerksamkeit für die innere Aufgeräumtheit zu aufzubrauchen, sodass die Punktezahl auf der Seite wieder sinkt.

Ich bin kein "ordnungsliebender Mensch". Mir fehlt einfach das Interesse daran, alles an seinem bestimmten Platz zu haben. Wenigstens sind die Dinge schon einmal in dem Raum, in den sie gehören, Kleidung im Schrank, und dreckiges Geschirr mit Wasser drin in der Spüle, aber der Kamm steckt nicht in der Butter. Mir ist eine "perfekte Ordnung" nicht so wichtig, darum kümmere ich mich einmal die Woche, aber dann auch nicht pedantisch, sondern nach Wichtigkeit. Ich habe also eine "ungefähre Ordnung", und gebe mir da locker 5 Punkte.

Bisher habe ich immer wieder festgestellt, dass die Menschen, bei denen alles pedantisch ordentlich ist, im Kopf wenig flexibel sind. Sie haben vor lauter Aufräumen den Kopf wohl ebenso wenig frei genug, wie ein Messi, der nicht mehr weiß, was Ordnung ist. Schon winzige "Unordentlichkeiten" können Pedanten in Panik versetzen. Der Haustürschlüssel hängt nicht am Haken! Wo kann der sein?! Das gibt's doch nicht! Und schon wird durch die Wohnung gehetzt und an den unmöglichsten Orten gesucht.

Mir passiert so etwas ja auch, aber ich gehe dann logisch vor. Vielleicht noch in der Jackentasche? Als ich kam, hatte ich was anderes an, vielleicht in einer der Taschen? Ach ja, ich war ja sofort ans Telefon gestürzt, vielleicht da? Deshalb kann er auch noch von außen in der Wohnungstür stecken, kam auch schon vor. Aber ich sehe bestimmt nicht in den Backofen oder hinters Klo, denn wäre er da hin gefallen, hätte ich das ja gehört und würde es wissen!

Innerlich fühle ich mich ausgesprochen aufgeräumt, obwohl es um mich herum oft nicht so aussieht. In meinem Kopf herrscht aber Ordnung. Und wenn ich etwas brauche, dann weiß ich recht genau, wo ich suchen muss. Selbst Sachen, die ich vor Wochen irgendwo hingelegt habe, finde ich fast sofort. Der Brief von... kann ja nur links oder rechts auf dem Schreibtisch sein, vielleicht habe ich etwas anderes inzwischen darauf gelegt, abgeheftet habe ich ihn ja noch nicht. Und dann liegt er fast genau da, wo ich ihn vermutet habe.

Antwort
von Tomtom, 215

Ich kann nicht bestätigen, dass ordentliche Menschen auch ein aufgeräumtes Innenleben haben. Eher das Gegenteil scheint mir der Fall zu sein. Wenn jemand so richtig von innen heraus mit seinem Leben zufrieden ist, der kann auch mal die fünfe gerade sein lassen und am nächsten oder auch übernächsten Tag aufräumen. Eben dann, wenn die liebe Seele endlich soweit ist. Andererseits kenne ich auch Menschen, und das bestätigt jetzt wieder deine Aussage - die so im Durcheinander leben, sowohl äußerlich als auch innerlich, dass es schon krankhaft ist. Messimäßig eben. Ich glaube die Sache kann man nicht pauschalieren.

Antwort
von Shivania, 157

Meiner Erfahrung nach kann man das nicht so über einen Kamm scheren. Denn es spielen nach meiner Wahrnehmung zwei Ebenen eine Rolle:

  1. Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse nach Ordnung bzw. Ästhetik und Schönheit. Für die einen ist das wichtig - für die anderen spielt es eine untergeordnete Rolle. Schon hier können sich große Unterschiede ergeben.

  2. Es gibt Menschen, die vermeiden mit Ihrer Unordnung, dass sie sich mit ihren eigenen inneren Themen beschäftigen müssen. Und das kann ganz schön chaotisch bzw. unordentlich werden im Außen.

Wichtig finde ich nicht, sich damit zu beschäftigen wie das bei anderen ist - sondern dass Sie selber wissen, wo Sie dabei stehen. Denn wenn Sie sich selber zu sehr mit den anderen beschäftigen, könnte das ein Zeichen sein, dass Sie von sich selber ablenken. Deshalb schauen Sie bitte bei sich nach: Wie ist Ihr Bedürfnis nach Ordnung/Ästhetik/Schönheit? Was gibt es noch im Außen womit Sie sich von sich selber (und Ihren eigenen Bedürfnissen) ablenken?

Antwort
von betmann, 116

Ist nichts philosphisches dran. Wer ordentlich ist, der ist auch gedanklich strukturiert. Und nein, chaotische Menschen kommen nicht leichter durchs Leben, sie machen sich mehr Sorgen.

Antwort
von meteor, 132

Dazu habe ich gerade etwas in der aktuellen Knappschaftszeitung „tag“ gelesen, das ich dir gerne weitergeben möchte:

„Wer aufräumt, ist aufgeräumter: Den Zusammenhang zwischen äußerer Ordnung und innerer Einstellung zeigt auch ein anderer Aspekt: Nicht selten ist die äußere Ordnung ein Spiegel unseres Gemütszustandes und ein Abbild der inneren Ordnung. In einem aufgeräumten Umfeld haben wir auch geistig mehr Raum. Wer umgeben ist von einem Wust an Dingen, die alle das imaginäre Etikett „Räum mich weg!“ bzw. „Zu erledigen“ tragen, wird unter Umständen fahrig und unkonzentriert, läuft Gefahr sich zu verzetteln und sein inneres Gleichgewicht zu verlieren“.

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