Frage von elvislebt, 137

Sind meine Schuldgefühle berechtigt oder bin ich ein Opfer der Medizin?

Hallo, vor einigen Monaten wurde bei mir ein Abszess am Rücken festgestellt. Der Hausarzt überwies mich zum Chirurgen. Dieser stellte fest, dass es für eine OP zu spät wäre. Dafür hat er mir dann einmal pro Woche einen neuen Verband mit Ichothon-Salbe angelegt, welcher den Abszess hinausziehen sollte. Nach 7 oder 8 Wochen war dann zum Glück alles okay. Nun habe ich vor einigen Tagen eine starke Schwellung unter der Haut, recht von der linken Leiste festgestellt. Das Geschwulst befindet sich ca. 2cm rechts vom linken Oberschenkel und ca. 4 cm links vom oberen Ansatz meiner Männlichkeit. Ich wollte den Hausarzt konsultieren, aber der ist in Urlaub. Nach einigem Zögern bin ich dann zu seiner Vertreterin, einer anscheinend noch recht neuen und jungen Hausärztin gegangen. Natürlich mit einigen Hemmungen wegen der Erkrankung an und für sich und der etwas delikaten Stelle. Nachdem ich mein Problem und meine Befürchtungen (Tumor, bösartiges Geschwür etc.) geschildert hatte, forderte die Ärztin mich recht forsch auf: "Na, dann zeigen Sie mal". Daraufhin ließ ich die Hose runter und schob meine Unterhose ein Stück weit nach rechts (mein P. war natürlich noch von der Unterhose bedeckt), so dass die Verdickung/Schwellung unter der Haut zu sehen war. Sie tippte einmal kurz mit dem Finger darauf und meinte dann, dies wäre ein Abszess und ich solle in der Apotheke eine Salbe kaufen, die den Abszess hinauszieht. Ich war etwas ratlos, da ich mediz. Laie bin und keine Erfahrung mit dem Anlegen von Verbänden habe. Dazu noch an einer Stelle, die durch Bewegungen beim Gehen vermutlich schnell den Verband oder das Pflaster verrutschen lässt. Auf meine Nachfrage gab Sie mir aber keine Tipps, welche Art von Verbänden oder Techniken ich verwenden sollte. Ein Rezept erhielt ich auch nicht, sondern musste die empf. Salber im Kopf behalten. In der Apotheke gab man mir dann die Ichothon-Salbe, die ich vor ca. 1 Jahr auch schon von dem Chirurgen erhalten hatte. Jetzt fühle ich mich etwas allein gelassen. Wie gesagt, mit dem Auftragen von Verbänden habe ich keinerlei Erfahrungen. Und wenn ich täglich den Verband wechsle, müsste sich dann nicht eigentlich mal ein Arzt anschauen, wie der Abszess aussieht? Meine Frage: liegt es mir, hätte ich eine Vertretungsärztin nicht mit diesem Problem behelligen dürfen? Hat Sie mich, einen völlig fremden Patienten, vielleicht für einen Exhibitionisten gehalten? Oder hat die Ärztin sich alles etwas zu einfach gemacht im Vergleich mit meinem Hausarzt und dem Chirurgen vor ca. 1 Jahr? Und soll ich den Abszess jetzt wirklich in Eigenregie behandeln? Oder noch einen anderen Vertretungsarzt aufsuchen?** Und warum habe ich zum 2.Mal in 1 Jahr einen Abszess?** Was wäre gewesen, wenn eine Frau das gleiche Probleme gehabt hätte: würde Ihr dann die Ärztin oder eine Arzthelferin den Verband wechseln? Und bei mir nicht, weil ich männlich bin und kein Stamm-Patient in dieser Praxis? Für Antworten und Tipps: danke im Voraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von evistie, 82

Du bist wahrlich ein Meister darin, aus einer kleinen Sache ganz große Geschichten zu machen. :o)

Die Kurzfassung lautet: Du hast einen Abszess, Du hast eine Salbe, wo ist das Problem? Dir fehlen noch entsprechend große Pflaster. Besorg sie Dir möglichst noch heute aus der Apotheke.

"Ichtholan 20% und 50% werden dick auf die betroffene Stelle aufgetragen. Anschließend diese Stelle großflächig mit einem Pflaster luftdicht verschließen. Man kann das Pflaster zusätzlich mit einer Mullbinde schützen. Diese Wundversorgung sollte spätestens nach 3 Tagen erneuert und gewechselt werden. Nach jedem Verbandswechsel sollte darauf geachtet werden, dass alte Salbenrückstände vollständig entfernt werden. Dies kann mittels Wasser und Seife geschehen. Im Allgemeinen ist darauf zu achten, dass die betroffene Hautstelle vor dem Auftragen von Zugsalbe gereinigt ist. Verunreinigte Stellen können eine potentielle Gefahr darstellen die Entzündung mittels Schmierinfektion weiter zu leiten. Um eine sichere Anwendung zu gewährleisten, ist darauf zu achten, dass umliegende Hautgewebe zu desinfizieren. Der Verband sollte nach Möglichkeit nicht verrutschen, gut deckend sein und luftdicht verschlossen werden. Zum Desinfizieren der Wunde können Desinfektionssprays dienen, ebenfalls kann es nützlich sein mit desinfizierenden Zusätzen zu Baden. https://www.dr-gumpert.de/html/zugsalbe.html "

Was jetzt Deine Grübeleien rund um die Vertretungsärztin sollen, ist mir schleierhaft. Geh mal von folgendem aus:

  • Die Ärztin hat gewiss schon Schlimmeres gesehen als Deinen schamhaft verhüllten P. Also: keine Gefahr, als Exhibitionist angezeigt zu werden!
  • Du hast kein Rezept erhalten, weil es sich bei der Salbe um keine verschreibungspflichtige handelt. Wenn Du sie drum gebeten hättest, hätte sie Dir gewiss den Namen aufgeschrieben. Offenbar hielt sie Dich für geistig fit genug, Dir den Namen "auch so" zu merken.
  • Sie hielt Dich offensichtlich auch für "erfahren" genug, selbstständig ein Pflaster zu applizieren, so dass sie dazu keine weiteren Ausführungen für nötig hielt.
  • Ja, Du sollst den Abszess jetzt in Eigenregie behandeln! Entweder, er verschwindet langsam, oder er öffnet sich. Sollte er wider Erwarten anschwellen und schmerzhafter werden, muss er ggf. chirurgisch eröffnet werden. Dann ist ein Arztbesuch erforderlich, sonst nicht.
  • Dein Hausarzt ist ein netter Mensch und hat Dir daher damals wöchentlich ein neues Pflaster appliziert. Ist ja auch eine doofe Stelle am Rücken, wenn man niemanden sonst hat. Aber bei einer Stelle, die Du selbst versorgen kannst, brauchst Du ja wohl kein Kindermädchen, oder?
  • Die Ärztin hat es nicht "sich einfach gemacht", sondern vermutlich - schon durch die Vertretung - ein volles Wartezimmer gehabt. Da kannst Du nicht erwarten, dass sie mit Dir lange Schwätzchen hält wegen eines - sorry - popligen Abszesses.

Was wäre gewesen, wenn eine Frau das gleiche Probleme gehabt hätte: würde Ihr dann die Ärztin oder eine Arzthelferin den Verband wechseln? Und bei mir nicht, weil ich männlich bin und kein Stamm-Patient in dieser Praxis?

Ich liebe solche "was wäre wenn"-Fragen...! Kommt doch endlich mal wieder mein Kaffeesatz zu Gebrauch und Nutzen, den ich sonst einfach wegschütten muss. Und mein Kaffeesatz sagt: Hör auf, Dich für den Nabel der Welt zu halten! Eine junge, gesunde Frau wäre genauso behandelt und genauso wenig betuttelt worden wie Du. Kann aber durchaus sein, dass sie bei Oma Müllermeier (82), die schon wacklig auf den Beinen ist und Arthrose in den Fingern hat, etwas fürsorglicher gewesen wären und ihr einen Pflasterverband angelegt hätten. Das wiederum würden sie genauso für Opa Elvislebt (82) tun, da wette ich drauf.

Kommen wir zur einzigen konkreten Frage: Warum bekomme ich immer wieder Abszesse? Der Möglichkeiten sind viele: Veranlagung, schwaches Immunsystem, Diabetes, ... übrigens hat man festgestellt, dass die "Vielgeplagten" oft auch starke Raucher waren. Such Dir was aus! :o)

Antwort
von StephanZehnt, 64

Nun ich schätze Du bringst das auch allein hin Salbe drauf ein Pflaster und zur Not  ein Bandpflaster. drauf. Also das ist kein Hexenwerk. Auch wenn es wieder auftritt.

Ob man gerne zu einer Ärztin geht als Mann,  wenn es um gewisse Bereiche geht, keine Ahnung.  Ich schätze Frauen gehen auch lieber zu einer Gynäkologin. Aber mitunter hat man nicht immer die Wahl.

Antwort
von Labella90, 60

Dir bleibt ja erst mal nicht viel anderes übrig als die Behandlung selbst zu übernehmen. 

Aber in der Apotheke kannst du dir ja auch Ratschläge zum richtigen Verbinden geben lassen. Es gibt ja genügend unterschiedliche Materialien dafür. Wichtig ist natürlich, dass du die Zugsalbe gründlich abdeckst, damit deine Kleidung nicht damit verschmutzt wird.

Wenn es in der nächsten Woche nicht deutlich besser wird würde ich aber noch mal zu deinem Arzt gehen oder einfach direkt zu dem Chirurgen, der es beim letzten Mal behandelt hat! 

Antwort
von kreuzkampus, 53

Ichtholan-Salbe ist nicht verschreibungspflichtig und wird von der Kasse nicht bezahlt. Und: Du hast mit gleichen Symptomen schon Erfahrung gemacht. Die Ärztin hat Dir den einzig möglichen Rat gegeben, und sie hat gewiss nicht bedacht , dass Du nicht weißt, wie ein einfacher Verband angelegt wird. Mull mit Ichtholan drauf und Leukoplast drüber; das war's. Sie wird davon ausgegangen sein, dass Du das weißt. Als Exi hat sie Dich ganz bestimmt nicht gesehen. Tu, was sie gesagt hat und geh nach dem Urlaub noch zu Deine HA.

Antwort
von roadtrip, 53

Wenn man Abzesse bekommt wird auch schulmedizinischer Sicht immer nur das Symptom selbst behandelt und nicht die Ursache. Ursachen für Abzesse gibt es viele, da will ich jetzt keine Ferndiagnose stellen.

Einen Abzess in Eigenregie zu behandeln ist erstmal nicht weiter tragisch, da kann man nicht viel Falsch machen. Sollte es nicht besser werden, geh wieder zum Arzt, wenn die Vertretung weg ist :-)

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