Frage von Fischkopp, 15

Schwer formulierbar, aber darf man sagen ab wann man sein Leben nicht mehr lebenswert findet?

Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Forum, das eigentlich der Gesundheit verpflichtet ist, sich damit beschäftigen darf. Aber am Ende der Gesundheit steht nun mal - und das steht uns alle bevor - der Tod. Ziel meiner Frage ist zu erfahren, wie die Forumsteilnehmer darüber denken. Muß man bei einer unausweichlich tödlichen Krankheit alles bis zum bitteren Ende "auskosten", oder ist es erlaubt zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt zu sagen: "Danke, es reicht".

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von evistie, 15

"Sagen" darf man zu jedem Zeitpunkt seines Lebens, dass man sein Leben nicht mehr lebenswert findet. Nur, wenn es dann darum geht, die Konsequenz daraus zu ziehen, wird es schwierig. Eine allgemein gültige Ansicht gibt es dazu nicht.

  • Die einen sagen, das Leben ist von Gott gegeben, nur Gott darf es nehmen.

  • Die anderen sagen: Mein Körper gehört mir, und nur ich kann entscheiden, was ich (noch) als lebenswert empfinde.

Ich bin gerade sehr nah dran an diesem Thema, denn mein Mann ist nach Jahren qualvollen Leidens, nach mehreren Suizidversuchen, Anfang dieses Jahres verstorben. Wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, seinen bekundeten Willen, zu sterben, durchzusetzen - ich hätte ihm geholfen. So aber war sein Tod wie die letzten Jahre seines Lebens - elend und würdelos.

Dies hat einmal mehr meinen Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben und Sterben verstärkt - auch meine Mutter starb menschenunwürdig. Aber das ist meine persönliche Ansicht; ich respektiere jeden, der im Glauben lebt und einen selbstbestimmten Tod ablehnt.

Wer Verfechter des selbstbestimmten Lebens (und Sterbens) ist, stößt auf Schwierigkeiten: es gibt zwar Möglichkeiten, sein Leben würdevoll selbst zu beenden, aber dem Laien fehlen meist die Kenntnisse und Mittel zur korrekten Ausführung. Denn was bringt es, wenn der Versuch misslingt und man mit zusätzlichen Leiden wieder ins Leben zurück muss?

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass die Grenze, wann "es reicht", individuell verschieden ist. Und verschiebbar... wie viele haben schon gesagt: "Wenn ich ... (...nur noch an Schläuchen hänge, ... blind bin, ... künstlich beatmet werden muss, ... gelähmt bin, ...), will ich nicht mehr leben. Und haben ihre Parameter verschoben, wenn sie denn tatsächlich in diese Situation kamen.

Wenn der Patient sich nicht mehr äußern kann, wird oft erwartet, dass der Arzt dies oder jenes tut oder unterlässt. Ich finde, das wäre zu viel verlangt. Ich akzeptiere daher grundsätzlich die Einstellung der Ärzte, dem Leben verpflichtet zu sein. Auch wenn das im Einzelfall grauenvoll sein kann. Meine Mutter, 77, erlitt nach mehreren schweren Schlaganfällen einen Herzstillstand. Sie wurde mehrfach wiederbelebt... und ich stand vor der offenen Tür und habe darum gebetet, dass meine Mutter ihren Frieden finden darf.

Kommentar von AlmaHoppe ,

Mein allerherzlichstes Beileid nachträglich @evistie !!!

Alma Hoppe

Kommentar von evistie ,

Danke schön.

Kommentar von Fischkopp ,

Dem möchte ich mich gerne anschließen. Fischkopp

Kommentar von Fischkopp ,

Für alle Antworten möchte ich mich herzlich bedanken!

Fischkopp

Antwort
von bobbys, 12

Hallo Fischkopp,

ich möchte Dir mal meinen ganz persönlichen Gedanken dazu schreiben.

Wenn ein Mensch keine Lebensqualität mehr hat dann hat er auch das Recht zu sagen .......es reicht.

Das sind immer so meine Gedanken ich weiß ich bin unheilbar erkrankt und nun muss ich überlegen wie gehe ich damit um. Möchte ich bis zum letzten mitmachen oder reicht es mir jetzt und ich gehe (Suizid). Selbst wenn Du alles mit deinen Angehörigen besprochen hast und die auch wissen wie sehr Du leidest können sie dir nicht aktiv helfen. Das ganze ist für mich ein Prozess der heran reift und dann muss man sich entscheiden. Fahre ich in ein anderes Land um zu sterben ? oder habe ich soviel Wissen und den Mut es selbst zu beenden ? oder bleibt alles so wie es ist und ich muss alles bis zum letzten Atemzug " auskosten ".

Danke es reicht !

Diese Entscheidung liegt immer bei einem selbst so lange man nicht entmündigt ist.

Ich wünsche Dir Viel Kraft

Antwort
von rulamann, 10

Hallo Fischkopp,

auch bin gläubiger Christ und bin der Meinung, dass eigentlich Gott einem das Leben nehmen sollte so wie er es uns auch gegeben hat.

Ich bin aber auch der Meinung, dass wenn ich nur noch eine Belastung für die Familie bin und nur noch vor mich hinsieche und absolut nichts mehr mitbekomme, dass spätestens hier man das Recht haben sollte zu sagen" Danke es reicht".

Leider ist es hier bei uns nicht möglich zu sagen, es reicht, weil die Ärzteschaft dazu verpflichtet ist dein Leben zu erhalten bzw. sie haben darauf einen Eid geschworen. Das einzige was eventuell helfen könnte ist eine wasserdichte Patientenverfügung die man notariell absichern lassen sollte und je nach Gesetzeslage wieder erneuern oder abändern sollte.

In unserem Nachbarland ist es möglich aktive Sterbehilfe zu bekommen, ich frage mich immer wieder, wieso hier und nicht bei uns!?

Dir wünsche ich alles Gute und vielen Dank für diese Frage.

rulamann

Antwort
von StephanZehnt, 12

Hallo Fischkopp,

nun auch solch ein Forum sollte sich mit solch einem Thema beschäftigen. Denn es ist unendlich schwer wenn man sterbenskrank ist zumindest die entsprechende Schmerzbehandlung zu bekommen. Ja und dann sollte es möglich sein zu sagen es reicht - ich möchte nicht mehr! Dann sollte man die Möglichkeit schaffen das man gehen kann.

Ich habe allerdings Angst das man das mit der Patientenverfügung irgendwann zu liberal handhabt. Ja und es dann eine Rolle spielt wie hoch das Einkommen ist wann und wie man gehen darf.

Es kann aber kaum Jemand der nicht davon betroffen ist nachvollziehen wie das ist wenn man eine schwere Krankheit hat und einem kaum noch zu helfen ist . Das geht absolut an die Psyche, auch der Angehörigen. Man denkt ja irgendwo Du fällst Deiner Umwelt ja nur noch zur Last. Also sehr schwere Entscheidung. Allerdings sollte die Frage nur stehen wenn real wirklich nichts mehr geht! Allerdings ist hier schon die Frage wie sehen das die Ärzte, denn so einfach einen Schlauch durchschneiden odgl. geht ja auch nicht.

Alles Gute Stephan

Antwort
von elliellen, 10

Hallo Fischkopp!

Natürlich haben wir alle das Recht zu sagen: "Es reicht" und wir sollten uns auch darüber Gedanken machen, dass das Leben auf der Erde für uns nicht unendlich ist.

Wir alle wissen nicht, wann und wie wir uns von diesem Leben verabschieden werden, ob kurz und schmerzlos, was wir uns sicher alle wünschen oder lange und qualvoll, was wir weder uns noch anderen wünschen.

Ich bin aber der Meinung, dass wir es Gott überlassen sollten, wann wir gehen. Bei uns selbst nachzuhelfen wäre Suizid, bei anderen nachzuhelfen wäre Mord. Es sollte aber in gesundheitlichen Einrichtungen mehr für das Menschliche getan werden, kein Patient sollte einsam dahinsiechen.

Es gibt aber auch gute Einrichtungen im Hospizdienst, wo alles getan wird, damit es den Menschen bis zu ihrer Reise ins Unbekannte so gut wie möglich geht.

Alles Gute

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