Frage von Cambiella7, 66

Schmerzen in Arme bis in die Hände hinein nach Unfall. Was kann ich noch tun?

Anfang Februar 2013 hatte ich einen Auffahrunfall. Mit ca 50 km Geschwindigkeitsunterschied ist mir jemand hinten ins Auto gefahren. Ich spürte einen kräftigen Schmerz im Brustwirbelbereich schätzungsweise 6/7/8, der mir den Atem raubte und den ich heute hin und wieder noch schmerzhaft spüre. Gleichzeitig könnte ich kaum meine Arme bewegen um evtl. mein Telefon hervor zu kramen um einen Notruf abzusetzen. Ich hatte ein ziemlich schmerzhafte Beule am Hinterkopf. In der Notaufnahme musste ich mich erst einmal übergeben. CT's wurden gemacht vom HWS BWS = keine Frakturen. 5 Tage Hospital – Schmerztropf – schmerzhafte Muskelkrämpfe im BWS 6/7/8 Bereich während des aufrechten Gangs, die ich bis vorne in den Rippenbereich spürte.

Seit meiner KH-Entlassung, ohne hochdosierte Schmerzmittel, habe ich bei Bewegung starke Schmerzen in den Schultern. Beim Anheben der angewinkelten Arme zieht es bis in die Arme hinunter, die Handgelenke (wobei rechts auch zwischendurch eine Carpal Tunnel Syndrom festgestellt wurde) schmerzen ständig bei Dreh- und Greifbewegungen, zeitweise bis in die Finger hinein. Kopfbewegungen schmerzen seitlich den Nacken hinauf. Bisher hatte ich sehr viel Kraft in den Händen, die nun komplett verschwunden ist. Doppelbewegungen, wie Dreh-und Zieh- oder Drück- und Wischbewegungen gehen nicht ohne starke Schmerzen. Ich habe Schmerzen, wenn ich in Ärmel steigen muss, überhaupt beim An-und Ausziehen von Oberteilen. Arme allgemein heben, seitlich ausstrecken (links schlimmer als rechts). Schürzengriff geht mal gerade so mit Schmerzen. Nachts sind die Schmerzen in den Armen Handgelenken und Händen extrem schlimm während des Umdrehens. Die Hände kann ich manchmal Morgens nicht mehr zur Faust schließen. Heben der Bettdecke ist schmerzhaft.

Im MRT wurden auch 2 Bandscheibenvorfälle HWS C4/C5 gesichert, wobei der Neurochirurg meinte, dass diese nicht die Ursache der Schmerzen wären. Impingement Syndrom der Schulter beidseits und Subakromiale Bursitis war die letzte Diagnose Anfang Dezember. Trotz Physiotherapie hat sich nicht wirklich etwas gebessert. Alle Ärzte haben bisher den 1.Brustwirbel unbeachtet gelassen. Mein Bauchgefühl sagt mir jedoch was anderes. Das habe ich auch meinem Orthopäden gesagt, der mir wieder nur Entspannungsphysiotherapie verschrieben hat. Hat jemand vielleicht irgendeine Idee an wen ich mich noch wenden kann? Vielen Dank im voraus.

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von walesca, 66

Hallo Cambiella7!"

Beim Anheben der angewinkelten Arme zieht es bis in die Arme hinunter.... Impingement Syndrom der Schulter beidseits und Subakromiale Bursitis war die letzte Diagnose Anfang Dezember

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich durch den Unfall ganz viele Wirbelblockaden bei Dir eingestellt haben. Diese sollten durch einen erfahrenen Osteopathen ganz sanft (!!) wieder gelöst werden. Außerdem kann ich Dir nur zu einer "Trigger-Point-Massage" des Schulterbereiches raten. Dadurch kann das Heben der Arme und auch der Schürzengriff wieder möglich gemacht werden. Mit dieser Technik hat mich meine Physiotherapeutin seit vielen Jahren bei Bedarf immer wieder flott gemacht - ohne OP, wie Du aus folgendem Tipp sehen kannst. Diese punktuellen Massagen tun zwar im Moment höllisch weh, was aber sehr schnell nachlässt - und es wirkt!!! Vielleicht hat Deine Physio ja diese Technik noch gar nicht bei Dir angewendet. Ich habe damit nur gute Erfahrungen gemacht.

https://www.gesundheitsfrage.net/tipp/schulter-operation-muss-das-sein

Im MRT wurden auch 2 Bandscheibenvorfälle HWS C4/C5 gesichert, wobei der Neurochirurg meinte, dass diese nicht die Ursache der Schmerzen wären

Kompliment an diesen Neurochirurgen!! Viele andere Ärzte hätten das sicher als Indikation für eine lukrative OP angesehen!! In Deutschland werden solche OPs ja leider viel zu oft und unnötig vorgenommen.

Baldige Besserung wünscht Dir walesca

Kommentar von Cambiella7 ,

herzlichen Dank, am Montag erde ich das gleich mit meiner Therapeutin besprechen. lg.

Kommentar von walesca ,

Ganz herzlichen Dank für das Sternchen! Schön, dass ich Dir eine hoffentlich hilfreiche Anregung geben konnte. ich lasse damit meinen uralten Anriss der Supraspinatussehne immer mal wieder behandeln, wenn ich Beschwerden bekomme. War aber jetzt schon sehr lange nicht mehr nötig! LG

Antwort
von Dawain, 54

Vermutlich wirst du noch längere Zeit an diesem Auffahrunfall leiden. Ich weiss das, weil meine Mutter das auch vor Jahren erlebt hatte. Im Grunde genommen ging das über Jahre, dass sie immer wieder Probleme mit der Halswirbelsäule hatte. Entlasse deshalb den Verursacher des Unfalles nicht aus seiner Schuld. Du weißt nicht, was da noch kommen kann wofür er ja gerade stehen muss. Was du ausser den von dir beschriebenen Ursachen noch hast, das kann ich leider nicht beurteilen. Dazu ist nur der Arzt imstande. Wenn dir der eine Arzt nicht genug sagen kann, dann wende dich an eine orthopädisch Klinik, hol dir eine zweite Meinung ein. Es ist wichtig, dass du dran bleibst. Ich wünsche dir gute Besserung.

Antwort
von Winherby, 40

Hallo Cambiella,

die Fülle der geschilderten Beschwerden kann mMn nicht allein von dem Unfall herrühren.

Das typ. Beschleunigungstrauma (ugs.:Schleudertrauma) belastet in erster Linie die HWS. Die Prolapse können evtl. vom Unfall kommen. Je nach Alter des Menschen sind da u.U. auch Vorschäden verstärkt worden, die bis dahin keinerlei Beschwerden hervor riefen, dies gilt auch für Deine BWS.

Aber die Sucherei nach dem Grund/den Gründen ist in diesem Fall weniger zielführend als allgemein.

Hast Du bereits eine Reha hinter Dir? Wenn nein, dann ist dies meine Empfehlung. Allein schon um Deine Teilhabe am Arbeitsleben wieder herzustellen. Ich kann mir nur sehr schlecht vorstellen, dass Du mit den o.g. Beschwerden erfolgreich arbeiten kannst.

Ich kenne auch Deine finanzielle Situation nicht, aber der Unfallverursacher kann mMn auf Schmerzensgeld verklagt werden, - falls er den Unfall überlebt hat und falls er die Schuld am Unfallgeschehen hat. Von dem Geld könntest Du mal einen Osteopathen konsultieren, evtl. hat er für Dich Möglichkeiten.

Ansonsten ist gegen die Kalkschulter (Subakromiale Bursitis ist oft die Folge) die Stoßwellentherapie Erfolg versprechend, manche haben mit der Röntgen-Heilbestrahlung mehr Erfolg.

Der Kraftverlust der Hände kann mit den BSV zu tun haben, muss aber nicht. Manuelle Therapie ist bei WS-Problemen meist hilfreich.

Grundsätzlich gibt es eine Fülle an Physiotherapien und physikalischen Anwendungen um solche Probleme anzugehen. Aber die ist in konzentrierter Form in einer guten Rehaeinrichtung am ehesten zu realisieren. Unsere niedergelassenen Ärzte tun sich da recht schwer wegen des Heilmittelbudgets.

Im Net kannst Du Dir auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung das Antragsformular für eine Reha runterladen, den Antrag ausfüllen und abschicken. Dein HA wird auch um einen Kommentar dazu gebeten. Alle anderen Ärzte der letzten beiden Jahre müssen von der Schweigepflicht entbunden werden, ebenso Deine KK. Ich hab´s so gemacht und war nur wenige Wochen später in Bad Oynhausen in der Maternus-Klinik zur Reha. Versuchs doch mal, es kann nur besser werden, ich wünsch Dir viel Erfolg, Winherby

Kommentar von Lexi77 ,
aber der Unfallverursacher kann mMn auf Schmerzensgeld verklagt werden, - falls er den Unfall überlebt hat und falls er die Schuld am Unfallgeschehen hat. Von dem Geld könntest Du mal einen Osteopathen konsultieren, evtl. hat er für Dich Möglichkeiten.

Also dazu will ich aus eigener (leidvoller) Erfahrung was anmerken:

Selbst wenn der (schuldige) Unfallverursacher nicht überlebt hat, kann man Schmerzensgeldforderungen stellen und zwar an die Versicherung des Verursachers. Das habe ich auch gemacht. Am überleben oder nicht hängt nur ein evtl. Strafantrag. Allerdings sollte man sich von dem Gedanken verabschieden, dass man da schnell Geld sieht, noch dazu bei so einem komplexen Beschwerdebild. Mein Unfall war 2002 und bisher habe ich bis auf eine kleine (Vorab)Summe noch kein Geld gesehen, obwohl nach 10(!) Jahren, also 2012, ein Urteil in 2. Instanz vom Oberlandesgericht zu meinen Gunsten gab! Und die Schuld am Unfall sowie meine Verletzungen sind eigentlich eindeutig. Man hat also kaum bis gar keine Chancen, zeitnah irgendwelche Therapien von der Unfall Entschädigung zu zahlen.

Die Versicherungen werden erstmal versuchen, alles abzulehnen und dann kommen Gutachten und Gegengutachten. Und wenn man nicht 200%ig sicher nachweisen kann, dass die vorliegenden Beschwerden tatsächlich Unfallfolgen sind, wird es verdammt schwer. Wenn so komplexe und vielseitige Beschwerden vorliegen, werden sie erstmal jeglichen Unfallzusammenhang zurückweisen und sich z.B. auf Vorschäden berufen. Es liegt dann beim Geschädigten, die Folgen zweifelsfrei nachzuweisen. Bei mir waren die Unfallfolgen eindeutig, hatte vorher nie was in der Art gehabt und mehrere sehr eindeutige Arztbefunde über die Verletzungen gehabt. Dennoch wurde es immer wieder geleugnet und neue Gutachten in Auftrag gegeben und zu guter letzt noch nicht mal vom Gericht vollständig anerkannt, da die Gegenseite so "nette" Gutachter hatte, die alles schön geredet haben und wo wir letztendlich nichts mehr gegen ausrichten konnten (da Gutachten Sehr teuer sind).

Also das ist alles nicht so leicht, wie man sich das immer vorstellt. Die Versicherungsmafia ist mächtig!

Viele Grüße, Lexi

Kommentar von Cambiella7 ,

Hallo Winherby, vielen Dank für deine Antwort. Ich war bereits im Sommer 5 Wochen lang in der Reha und bin arbeitsunfähig entlassen worden. Habe schön brav das nachfolgende Irena-Programm durchgeführt, aber immer nur bis zur Schmerzgrenze. Habe Osteopathie gleich nach dem Unfall und bis heute Physiotherapie + Fango hinter mir und noch vor mir. Meine KK Sachbearbeiterin rief an und meinte, dass es auch psychische Gründe haben könne und man da auch mal schauen müsse, ich solle den Teledoc mal anrufen... grrrr... habe mich lieber an alle hier im Forum gewandt, als an einen gestressten Teledoc.

Vom Unfallverursacher/Versicherung haben wir Schmerzensgeld gefordert, aber bisher hat er nur mein Auto (Totalschaden), andere Sachschäden und einige Therapiekosten übernommen. Da es nun schon ein Jahr her ist, fängt er an zu zicken. Ansonsten bekomme ich noch Krankengeld bis zum Sommer... und dann weiß ich noch nicht. Ich werde deswegen nicht in Panik verfallen ;-) .

Es gibt für alles eine Lösung, sie muss mich nur finden...

Erst einmal ganz lieben Dank für die nette Beratung. Cambiella

Kommentar von Winherby ,

Hallo Cambiella,

danke für die ergänzende Info. Mir bleibt nur zu sagen, dass ich nun mit meinem Latein am Ende bin und mir momentan kein weiterer Rat für Dich einfällt.

Arbeitsunfähig nach 5 Wochen Reha + Irena, das heisst schon was. Für eine Erwerbsminderungsrente bist Du vermutlich zu jung. Vielleicht gibt es von der öffentl. Hand irgend eine Möglichkeit für Hilfe, sei es beratend oder finanziell, - falls Bedarf, kenne mich da aber nicht aus. Ich kann Dir nur noch alles Gute wünschen, Winherby

Kommentar von Cambiella7 ,

bin 56er Jahrgang und komme vielleicht in Frage für eine Erwerbsminderungsrente. Aber mir ist gerade ein Flyer reingeflattert über Akupunktur und chinesische Heilkunst. Da werde ich mich nun mal mit beschäftigen und nach Erfahrungsberichten suchen, auch wenn es teuer wird, könnte ich zumindest versuchen die Rechnung der gegnerischen Versicherung reinzudrücken. Ganz herzlichen Dank für die tolle Unterstützung. lg

Kommentar von Winherby ,

Ja, die Rente kommt für Dich in Frage, alle vor dem 02.01.1961 geborenen haben Anrecht nach dem alten Recht. Meist läuft es aber auf einen Termin vor dem Sozialgericht hinaus, vorher so zwei bis drei Gutachten. Du musst Dich auch nicht auf einen anderen Job verweisen lassen, da besteht eine Schutzklausel für uns "Alten". Die DRV versucht aber trotzdem in nahezu allen Fällen, die Kunden in einen Job als Telefonist zu verweisen, statt die Rente rauszurücken. Der ganze Akt dauert so ca. 2 Jahre, aber man hat ja sonst nix zu tun ;-)) Heutzutage muss man sehr hartnäckig (Doppelsinn) sein, um das Recht das man hat, auch zugesprochen zu bekommen.LG

Kommentar von Lexi77 ,
Für eine Erwerbsminderungsrente bist Du vermutlich zu jung.

Gibt es da etwa normalerweise eine Altersgrenze? Ich werde nächste Woche 38 und meine Erwerbsminderung durch den Unfall wurde 2009 (Rückwirkend bis 2006) anerkannt und seitdem bekomme ich eine Erwerbsminderungsrente. Also zurück gerechnet seit ich 29 bin.

Kommentar von Winherby ,

@lexi77: Ja, leider. Die Grenze liegt bei 1. Jan. 1961. Zumindest für die klassische "Frührente", die heute Erwerbsminderungsrente, -teilweise oder vollständige, genannt wird.

Ob und was es da für Jüngere wie Dich in Deinem Falle gibt, da kenne ich mich nicht mit aus. LG

Kommentar von Lexi77 ,

@Winherby: Ich bin Jahrgang 77, bekomme aber (rückwirkend gerechnet) schon seit 2006 eine Erwerbsminderungsrente (50%). Vielleicht liegt das aber daran, dass ich vorher 4 Jahre verbeamtet war. Mit Entlassung aus dem Beamtenverhältnis (auf Widerruf) wurde dann quasi die Erwerbsminderung anerkannt. Zwar erst 2009, aber dann wenigstens rückwirkend ab 2006

Antwort
von walesca, 37

Hallo Chambiella7!

Es wundert mich, dass Du diese Frage nach 2 Tagen erneut hier stellst. Du hast doch schon gute und kompetente Antworten (z.B. @Winherby) erhalten. Was willst Du von uns hören? Hast Du die Tipps denn schon alle "durch"???

Liebe Grüße von walesca

Kommentar von Cambiella7 ,

das habe ich aus versehen gedrückt und konnte es nicht rückgängig machen. ja ich habe super Antworten bekommen. Ich danke allen dafür...

Kommentar von walesca ,

Alles klar! Das kann passieren! Gute Besserung! LG

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