Frage von AlmaHoppe, 209

Pflegestufe beantragt,wie verhalten bei Begutachtung?

Hallo,Ihr Lieben! Brauche Eure Ratschläge/Meinungen! Mein Mann hat einen Antrag auf Pflegestufe gestellt.Nun kommt morgen früh eine Dame von der Pflegekasse zum begutachten. Mein Mann ist ja nun fast 81.Jahre und hat in letzter Zeit gesundheitlich stark abgebaut.Nach seinem Zusammenbruch im August ergeben sich folgende Diagnosen: -Diabetes Typ 1 -Gleichgewichtsausfall beitseitig(neurontitis vestibularis) -Rheumatoide Arthritis -Starke Schwindelanfälle -Bluthochdruck -Herz/Gefässe angeschlagen -Hohes Cholesterin -Schwere Arthrose an den Händen -COPD -Schwerhörigkeit mit Grenze zur Taubheit usw...... Kann mir jemand sagen ob überhaupt eine Chance besteht und wie man sich verhalten soll? Ich bin beim Gespräch dabei weil ich mich als pflegender Angehöriger angegeben habe. Einen Duschhocker haben die Ärzte ihm schon verschrieben.Duschen in meinem Beisein. Wat schall we do ? Danke, Eure AlmaHoppe

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von evistie, 209

Parameter für die Zuteilung einer Pflegestufe sind weniger die bestehenden Krankheiten als vielmehr der für die Pflege notwendige Zeitaufwand. Trotzdem solltest Du natürlich alle Befunde bereithalten und der Gutachterin "für die Akte" aushändigen.

Während der Begutachtung können ungewollt Fehler gemacht werden, die zu einer Ablehnung führen. Einer davon wäre das - verständliche - Bestreben Deines Mannes, zu zeigen, "was er noch alles kann".

Für einige Wochen ein "Pflegetagebuch" zu führen, kann hilfreich sein. Darin können auch kleine, aber notwendige Handreichungen vermerkt werden, die einem womöglich gar nicht einfallen, wenn man aus dem Stehgreif berichten soll, wobei der Pflegling Hilfe benötigt. Für den morgigen Besuch nutzt Dir dieser Tipp nicht mehr, trotzdem solltest Du unverzüglich damit anfangen (Muster gibt es im Internet), um es dann wenigstens zusammen mit dem Widerspruch (bei eventueller Ablehnung einer Pflegestufe) einreichen zu können.

Im Internet gibt es zahlreiche Portale, die Tipps für die Beantragung einer Pflegestufe geben. Eines davon habe ich mal rausgesucht:

http://www.pflege-durch-angehoerige.de/2013/11/20/pflegestufe-beantragen-aber-ri...

Es ist möglich, dass Dir diese Tipps bis morgen nicht mehr nutzen. Aber Du kannst ja "nachbessern", denn auf eine eventuelle Ablehnung kannst (und solltest Du unbedingt!) Widerspruch einlegen.

Auf jeden Fall drücke ich Dir und Deinem Mann für morgen alle verfügbaren Daumen! :o)

Kommentar von evistie ,

"Die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen unterscheidet man in die so genannte Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung. Besteht nur  Hilfebedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung, reicht das für eine Pflegestufe nicht aus.

Zur Grundpflege gehören:

im Bereich der Körperpflege das Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren und die Toilettenbenutzung,im Bereich der Ernährung die mundgerechte Zubereitung der Nahrung, sowie Hilfestellungen beim Essen und Trinken,im Bereich der Mobilität werden das selbständige Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, das An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen und das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung bewertet.

Zur hauswirtschaftlichen Versorgung gehören Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen von Wäsche und Kleidung, sowie Heizen. Mehrfach wöchentlicher Hilfebedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung ist immer erforderlich.

...

Erhebliche Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe 1)

Erheblich Pflegebedürftig ist, wer neben der hauswirtschaftlichen Versorgung außerdem bei der Grundpflege für wenigstens zwei der oben genannten Verrichtungen mindestens einmal täglich fremder Hilfe bedarf. Täglich müssen insgesamt mindestens 90 Minuten Hilfebedarf erreicht werden. Davon müssen mehr als 45 Minuten für die Grundpflege aufgewendet werden."

http://thema-pflege.de/pflegestufe/


Antwort
von sonne123, 159

Vielleicht noch ein kleiner Tip am Rande, denn alles wichtige wurde schon gesagt, laß die Wohnuñg ruhig ein wenig unordentlich aussehen, denn damals bei meinen Eltern wurde das Schlafzimmer  Bad und Küche mit begutachtet. Viel Glück und LG 

Antwort
von dinska, 162

Ich kann nur unterstützen, was evestie geschrieben hat. Oft wollen die Patienten zeigen, was sie noch alles können, aber sie sollten lieber zeigen und zum Ausdruck bringen, was sie alles nicht mehr können. Ich musste meine Mutter, die fast nichts mehr gesehen hat, auch instruieren und habe ihr begreiflich gemacht, dass davon die Leistung der Kasse abhängt und das hat sie dann auch begriffen und ihr wurde die Pflegestufe 2 zuerkannt. Also lieber untertreiben, als übertreiben, denn im Alltag sind die Kräfte schnell aufgebraucht! Viel Erfolg!

Antwort
von Klausgerd, 136

Hallo,

Ich kann Ihnen auch nur empfehlen, sich beim guten Tag schon zurück zuhalten. Die Gutachter geben Ihnen über Kreuz die Hände und erkennen damit schon Ihre Kraft. Wichtig ist, der oder dem Gutachter wirklich alles zu sagen, was Sie an Erkrankungen und vor allem körperliche Einschränkungen Sie haben. Nach der neuen 5 Stufen Pflege, hat der Gutachter eher auch noch die Pflegestufe nach Unten zu setzen. Eine Hilfe wäre für Sie ( vorausgesetzt Sie haben Internet ) die Website " anhaltspunkte.de ". Hierin können Sie den Vorgang einer Untersuchung erlesen und bekommen so auch einen Eindruck über den Ablauf der Untersuchung, die doch in den meisten Fällen etwa eine Stunde dauert. Nehmen Sie Ihre Pflegehilfe ( Frau / Partner / Verwandte ) zur Seite und erklären Sie gemeinsam mit Ihm / Ihr was Sie alles nicht mehr können. Gezählt wird alles nach Minuten, dabei ist es wichtig, dass es sich dabei um die Zeit geht, die am Körper gebraucht wird. Wer seine Hände z. B. nicht mehr über den Kopf bekommt, kann sich nicht mehr selber kämmen und auch nicht den Rücken waschen. Der Unterkörper können Sie nur waschen, wenn Sie sich noch weit genug nach Vorne beugen können. So in etwa sollten Sie auf Ihre Einschränkung hinweisen. Wie auch ein Vorredner schreibt, bieten Sie dem Gutachter / in nicht noch Kaffee an und kochen den noch, dann ist der Termin schnell vorbei. Sagen Sie dem Gutachter / in, dass bei Ihnen nicht jeder Tag gleich ist, heute geht es mal etwas besser und morgen wieder etwas schlechter. Das weis der Gutachter, wird es für Sie aber nicht automatisch im Bericht mit auflisten. Vergessen Sie nicht, falls Sie noch Tagsüber auf sein können, dass Sie sich nach dem Mittagessen hinlegen, dafür müssen Sie ausgezogen werden und nach dem wieder aufstehen müssen Sie wieder angezogen werden, dass sind alles Minuten, die Ihre Pflegestufenhöhe ausmachen. Die Zeiten ( in Minuten finden Sie ebenfalls in anhaltspunkte. Zögern Sie auch nicht, bei einem in Ihren Augen falsche Zeitberechnung einen Widerspruch einzulegen und einen anderen Gutachter anzufordern. In den meisten Fällen sind dann bei der zweiten Begutachtung auch schon vom Pflegebedürftigen ein Pflegedienst herbei gerufen, die Pflegebedürftigkeit besteht ja, ob eine Pflegestufe vorhanden ist, oder nicht. Diese führen dann ein Pflegetagebuch, dass Sie dem Gutachter vorlegen sollten. Lassen Sie sich von Angehörigen Pflegen, bestellen Sie sich sofort von Ihrer Pflege - bzw. Krankenversicherung ein Pflegetagebuch, in dass Ihr Anverwandter dann wirklich jeden Handgriff für ca. 14 Tage aufführt.

Ich wünsche Ihnen eine gute Hand für die Begutachtung und denken Sie daran, wir sind alle nur Menschen und können Fehler machen, auch die Gutachter. 

Mit freundlichenGrüßen        

Antwort
von alegna796, 152

Du hast ganz sicher eine Chance. Als pflegender Angehöriger hast du auf jeden Fall ein Mitspracherecht, dein Mann muss nicht auf alle Fragen allein antworten. Zeig dich offen und sage alles was du für deinen Mann machst und was er nicht allein kann. Sage auch, dass du manchmal auf fremde Hilfe angewiesen bist (Freunde und so) weil du allein nicht alles schaffst. Sage, dass du unbedingt deinem Mann einen Heimaufenthalt ersparen willst und die Pflege mit Unterstützung von evtl. auch einem Pflegedienst zu Hause durchführen willst. Es kommt sicherlich auch darauf an, wen man als Gutachter vom MdK erwischt, aber die meisten zeigen sich entgegenkommend. Viel Glück und alles Gute.

Antwort
von kreuzkampus, 127

Die Frau wird mit einem Notebook kommen, Fragen daraus vorlesen und Häkchen machen, bzw. Notizen machen. evestie hat das Wichtigste geschrieben. Wann immer Dein Mann sagt "Das kann ich noch", wird das "Abzug" geben. Viel Glück.

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