Frage von pianxgirl, 70

Ohnmachten in der Schule- Schulärztin möchte nicht, dass ich weiterhin zur Schule gehe?

Hallo, ich bin 15 Jahre alt und weiblich, bin im letzten Jahr auffallend oft umgekippt und mindestens 30-45 Minuten bewusstlos gewesen, einige Male auch in der Schule. Das Unangenehme daran ist, dass ich es manchmal vorher gar nicht merke, wenn ich umkippe. Meine Diagnose ist nicht ganz eindeutig, die einen sagen kreislaufbedingt (bin leicht untergewichtig, esse aber genug und regelmäßig), die anderen sagen, es wären psychogene Anfälle, die nächsten meinen, es wäre Epilepsie aufgrund der auffälligen EEGs.

Ich erwarte jetzt hier keine Diagnose ;) aber es wäre toll, wenn ihr mir dabei weiterhelfen könntet: Meine Schulärztin meint, dass ihr die Verantwortung zu groß wird, nachdem einmal in der Schule für 1-2 Minuten mein Herschlag ausgesetzt hat (während der Notarzt da war) und hat mich daher schon mal 2 Wochen von der Schule ausgeschlossen. Jetzt werde ich von den meisten Lehrern und auch von manchen Schülern anders behandelt bzw bevorzugt. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll, denn mir ist das Ganze furchtbar unangenehm (auch, dass ich ständig gefragt werde, wie es mir geht).

Ich bin jetzt allerdings bald in einer Jugendpsychiatrie wegen Gewalt in der Familie, Ritzen und Suizidgedanken. Ich war schon bei vielen Ärzten und in vielen Kliniken, alles ohne Erfolg. Für meine Familie (habe 4 kleine Geschwister) bin ich natürlich eine große Belastung. Ich weiß einfach nicht mehr weiter und jetzt kommt noch hinzu, dass ich gar nicht mehr so gerne in die Schule gehe, wo ich mich vorher so wohl gefühlt habe, weil mir das alles so unangenehm ist!

Vielen Dank im Voraus für eure Antworten! :)

Antwort
von vandelain, 25

kHi pianxgirl,

was du brauchst ist ein "Resetknopf". Du scheinst sowohl massive körperliche als auch seelische/psychische "Herausforderungen" bewältigen zu müssen. 

Der Körper reagiert in unterschiedlichen Situationen ganz unterschiedlich. Nicht einmal jeder Mensch scheint mit einer ähnlichen Situation gleichsam auf jene körperlich zu reagieren und schon gar nicht psychisch.

Auf jeden Fall soll es dir sehr wichtig sein, körperlich auf einem für dich zufriedenstellendem Niveau zu kommen. Viele Krankheitsursachen lassen sich zum Teil auch auf psychischen Ursachen zurückführen. Ich bin zwar kein Experte, aber das was du beschreibst, ist mehr als nur eine "Depressive Verstimmung". 

Du bist erst 15 Jahre alt und bist ohnehin durch deinen familiären Hintergrund von der Gesellschaft ausgeschlossen genug. Da darf dich die offensichtlichen Schwächeanfälle nicht weiter isolieren. 

Deine Familie scheint mit dieser Situation wohl ziemlich überfordert zu sein. Auf keinen Fall darfst du jetzt Schuldgefühle entwickeln. Du fällst niemanden zur Last. 

Das "Patentrezept" gibt es nicht, aber was dir eher helfen könnte, ist ein Besuch einer kardio-psychosomatischen Station einer Klinik. Wirst etwa für mindestens 4-6 Wochen körperlich komplett untersucht und parallel kümmern sich speziell für solche Fälle ausgebildete Ärzte (Psychotherapeuten mit Fachbereich Kardiologie, weitere Fachärzte wie Neurologen, etc.) um deine "Psyche". Die Ursachen für Kreislaufsystemerkankungen sind so vielfältig wie das Leben selbst.  

Bevor du anderen helfen kannst, musst du dir bewusst werden, dass du selber großer Unterstützung anderer bedarfst und nimm sie an. Du brauchst diese und wenn deine Mitschüler es nicht verstehen, dann kann man diese Menschen nur bemitleiden.

Hatte eine ähnliche Situation zu bewältigen, was die körperliche Beeinträchtigung betrifft. Was bin ich in den letzten 10 Jahren von oben bis unten "untersucht" worden. Vor zwei Monaten hatte ich eine kleine Herzoperation (Ablation wegen WPW-Syndrom). Meine Erkrankung ging soweit, dass ich vom Schulsport ausgeschlossen worden bin, weil es einfach nicht mehr ging. Dumm nur, dass man außen hin relativ gesund aussah. War aber trotzdem im Sportunterricht dabei, weil es mir wichtig war. Zuhause wollte ich auch nicht sein und alleine in der Stadt was unternehmen, wenn alle Freunde gerade Sport machen, wollte ich auch nicht. Ich bekam auch eine Note für den Sportunterricht. Wurde vom Lehrer mündlich zu Sportübungen und zur Theorie allgemein abgefragt. 

Ich selber bin da vorsichtig geworden, was die Einnahme von Psychopharmaka betrifft, insbesondere wenn es darüber hinaus noch massive körperliche Beschwerden gibt. Hatte selbst davon Herzrasen bekommen. 

Versuche Unterstützung von außen zu bekommen. Vielleicht kannst du auch in einer Wohngemeinschaft in der Nähe deiner Eltern oder aber auch etwas weiter weg einziehen. Das Jugendamt und weitere soziale Träger/Einrichtungen können dir bei solch einem Schritt ungemein zur Seite stehen. Sie werden dir auch erklären können, wie du es finanziell auf die Reihe bekommst. Denn genau für solche Situationen gibt es auch Anlaufstellen. Was du brauchst ist Abstand zu allen Dingen, damit du dein Leben wieder in den Griff bekommst. Selbstverständlich bleibt es Dir allein überlassen sich für einen Auszug zu entscheiden. Solltest du dich für einen Auszug entscheiden, würde sich eventuell auch ein Schulwechsel damit verbunden sein. Wünsche dir auf jeden Fall zunächst alles Gute.  

Antwort
von mariontheresa, 41

Wenn du wegen der genannten Probleme in der Jugendpsychiatrie aufgenommen wirst, ist wohl eher deine Familie für dich eine große Belastung als umgekehrt.

Kann es sein, dass du dich wegen der Situation in deiner Familie für deine kleinen Geschwister verantwortlich fühlst? Dazu passt auch, dass dir die Aufmerksamkeit in der Schule unangenehm ist, anstatt die Fürsorge anzunehmen.

Du bist mit 15 selbst noch ein Kind und mit der ganzen Situation heillos überfordert. Kein Wunder, dass dein Körper überreagiert. Ich denke, wenn du in der Psychiatrie aufgenommen bist, und wenn du nur noch für dich selbst verantwortlich bist, dass sich dort deine körperlichen Beschwerden durch die Behandlung bessern.

Ich habe selbst eine sehr belastende Familiensituation, mein Mann ist seit 13 Jahren Pflegefall, seit 9 Monaten bettlägerig und zunehmend dement. Auf Stresssituationen reagiere ich mit Juckreiz am ganzen Körper. Obwohl ich Ursache und Wirkung genau kenne, kann ich gegen den Juckreiz nichts machen. Ich will dir damit nur sagen, dass du wegen der Ohnmachtsanfälle kein schlechtes Gewissen zu haben brauchst, wenn du deswegen besonders mitfühlend von deinen Mitschülern behandelt wirst.  

Antwort
von Lydia304, 25

Was Du von Dir erzählst, hört sich für mich besorgniserregend an.

Zum einen scheint es bei diesen auffällig häufigen und langen Ohnmachten, aussetzendem Herzschlag und obendrein auffälligem EEG wirklich wichtig, der Sache medizinisch nachzugehen, damit ist nicht zu spaßen! Zwar bekommen in Deinem Alter viele Mädchen aufgrund der Pubertät Kreislaufprobleme und werden auch schon mal ohnmächtig, aber normalerweise nicht in dem Ausmaß und der Länge! Ich kann die Sorge Deiner Schulärztin, Lehrer und Mitschüler schon verstehen. Vielleicht solltest Du das eher so begreifen, dass Du ihnen wichtig bist und die Versuche zu helfen und Mitgefühl zu zeigen annehmen.

Und dann auch noch Gewalt in der Familie, Ritzen und Suizidgedanken, Du scheinst auch psychisch enorme Probleme zu haben. Du scheinst Dich als älteste für Deine jüngeren Geschwister und Deine Familie verantwortlich zu fühlen, das ist für eine 15Jährige mit eigenen Problemen eine zu große Last! Du solltest lernen, Dich um Dich selbst zu kümmern und Hilfe anzunehmen. Und 15 zu sein und nicht erwachsen.

Vielleicht kannst Du in der Psychiatrie Hilfe finden und annehmen. Vielleicht können sie auch der Sache mit den Ohnmachten neurologisch nachgehen (mit einem Konsil, EEG-Untersuchung?). Ansonsten wäre hier ambulant in einer Anschlussbehandlung sicher ein Psychotherapeut und entsprechende Fachärzte zur Abklärung der Ohnmachten ratsam.

Das muss Dir nicht unangenehm sein, es ist nicht Deine Schuld! Ich glaube eher, auf Dir lastet zu viel. Nimm bitte Hilfe an!

Viel Glück!

Kommentar von pianxgirl ,

Danke für die schnelle Antwort! Es ist ja nicht so, dass ich keine Hilfe annehmen möchte, ich habe ein paar sehr gute Freunde, die über meine Situation Bescheid wissen, und es gibt auch 2-3 Lehrer, mit denen ich regelmäßig rede und mit ihnen überlege, was wir tun können, um das alles zu ändern. Es ist nur so, dass die anderen Lehrer und Schüler jetzt auch Bescheid wissen, obwohl ich eigentlich finde, dass es sie nichts angeht, und mich daher immer ein bisschen schräg ansehen, wenn ich zB einen blauen Fleck habe usw. Das nervt mich sehr.... Aber auf die Psychiatrie "freue" ich mich, denn das sehe ich als Chance! 

Kommentar von pianxgirl ,

Und wegen der Ohnmachten war ich schon bei vielen Ärzten, sogar in Deutschland... Alle sagen etwas anderes, aber keiner konnte mir (mit verschiedenen Medikamenten) helfen.

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