Frage von elli57b, 46

Muskelschwaeche oder Verweigerung?

Mein Vater ist 90 und sitzt seit ca. 1 Jahr im Rollstuhl. Sowohl vom Hausarzt als auch vom Orthopäden wurde uns bescheinigt, dass dafür kein medizinischer Grund vorliegt. Jede Woche kommt ein Physiotherapeut und läuft mit ihm mit Hilfe eines Rollators. Soll er mal aufstehen und sich aufs Bett setzen, behauptet er, er könne das nicht. Dann hängt er sich an die Pflegekraft wie ein Mehlsack und drückt nicht mal die Knie durch. Kann er das wirklich nicht mehr, oder macht er das absichtlich? Wir denken manchmal, dass er das so will.

Antwort
von dinska, 34

Ich kenne das von meiner Mutter. Nach ihrem 98. Geburtstag ist sie einfach nicht mehr aufgestanden, obwohl sie an dem Tag ziemlich gut drauf war.

Sie hatte einfach keine Lust mehr am Leben und wollte sterben, hat dann auch die Nahrung verweigert und ist nach 3 Monaten dann tatsächlich gestorben.

Da kannst du nicht viel machen. Nimm ihn wie er ist und sei gleichbleibend freundlich, auch wenn das nicht immer leicht fällt.

Ich habe meine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt. Es war eine schwere Zeit, aber nach ihrem Tod hat mich die Endgültigkeit noch mehr geschockt, dass ich erstmal in ein tiefes Loch gefallen bin, das hätte ich vorher kaum für möglich gehalten.

Ich wünsche dir viel Kraft und die nötige Gelassenheit, die alles erträglicher macht!

Liebe Grüße dinska!

Kommentar von elli57b ,

Liebe dinska! Ja, das ist alles sehr traurig! Mein Vater ist schon in einem Pflegeheim. Er wohnte ursprünglich in einer weiter entfernten Stadt und wir haben ihn zu uns in ein Heim geholt. Besuch bekommt er genug - entweder von uns oder den Enkeln. Das alles scheint ihn aber wenig zu interessieren. 

Kommentar von dinska ,

Verbringe die Zeit, die euch noch bleibt in Liebe und Freundlichkeit. Akzeptiere, was er bereit ist von sich zu geben und mitzutun, mehr kannst du nicht tun. Das wird dir helfen, auch nach seinem Tod noch liebevoll an ihn zu denken!

Antwort
von sonne123, 33

Hallo Elli,

das ist schwierig zu sagen. Es kann körperliche Ursachen haben, aber eben auch nicht. Oft fehlt der Wille wieder mobil zu werden, dazu das Alter, was ganz sicher eine Rolle spielt.  Oder er genießt die Aufmerksamkeit, die er durch seine Behinderung erhält.

 Kann es sein das er etwas depressiv ist? 

Leicht ist es nicht mit pflegebedürftigen Eltern, das kenne ich aus eigener Erfahrung und man kommt oft an seine Grenzen. Dazu der Starrsinn. Letztendlich kann man nur versuchen, das Beste daraus zu machen. In diesem Sinne liebe Grüße und alles Gute

Kommentar von elli57b ,

Danke für die schnelle Antwort. Wir sind leider selbst gesundheitlich angeschlagen. Was aber ist das beste? Ihn nicht beachten, oder ihn motivieren? Aber letzteres funktioniert ja nicht. Depressiv ist er schon seit mehr als 30 Jahren. Da er aber nicht spricht, konnte ihm bisher auch keiner helfen. 

Kommentar von sonne123 ,

Danke für deinen Kommentar. Das ihr selbst schon gesundheitlich angeschlagen seit, macht die Sache natürlich noch schwieriger. Motivation habt ihr probiert, ohne Wirkung. Bleibt also die Nichtbeachtung. Ich gehe jetzt von mir aus und denke, das es ziemlich schwer wird umzusetzen, denn er ist auf eure Hilfe angewiesen. Dazu die Depression schon seit 30 Jahren. Eine sehr sehr lange Zeit und es wird sich auch jetzt nichts mehr daran ändern. Er hat doch ganz sicher eine Pflegestufe. Wie wäre es wenn sich jemand vom Pflegedienst bereit erklärt 1 bis 2 die Woche mit ihm spazieren zu gehen. Mal raus in der Natur, was anderes sehen und hören. Für solche Aktivitäten gibt es von der Pflegekasse monatlich einen Betrag von glaube ich 104€. Der PD rechnet direkt mit der Kasse ab. Warum soll man es verfallen lassen und ihr habt ein wenig Zeit zum durchatmen. Sollte es gar nicht mehr gehen, bliebe nur der Aufenthalt in einem Heim. Ich schreibe das nicht gerne, weil ich weiss wie es sich anfühlt einen Angehörigen ins Heim zu geben. Aber manchmal ist es die beste Lösung für alle und vor allem auch deiner Gesundheit zu Liebe.

Antwort
von mariontheresa, 21

Kann ich mich hier anschließen? Ich (66) pflege seit 13 Jahren meinen Mann (73) nach einem Schlaganfall. Bis Mitte März diesen Jahres habe ich gekämpft, geredet, motiviert. Dann hatte ich eine Bandscheiben- OP. Danach habe ich es aufgegeben. Mein Mann liegt seitdem im Bett, steht nur noch mit Hilfe des Pflegedienstes auf. Wenn der Patient sich selbst aufgibt kannst du ihn nicht zwingen. Versuchst du es trotzdem, gehst du kaputt.

Kommentar von sonne123 ,

Genauso ist es, da genügen keine guten Worte noch sonst was.....wenn er nicht will ist man machtlos. 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten