Frage von finkenklaus, 47

mir wurden vor 10 Jahren 30 cm des Dünndarms herausgenommen (Devertikel). Kann man dafür Prozente beantragen?

Antwort
von ThePoetsWife, 36

Hallo finkenklaus,

ich würde dir empfehlen, diese GdB (Grad der Behinderung) über die VDK zu beantragen. Dieser Antrag wird dann an das Versorgungsamt weitergeleitet.

Oft werden die GdB nicht so hoch eingestuft, wie es der Belastung und Beschwerden des Patienten, entspricht. Also muss man häufig Widerspruch einreichen, und dann ist es gut wenn man über einen Sozialverband, der ca. 6.-- EUR im Monat als Beitrag kostet, vertreten wird.

Du brauchst auf jeden Fall ärztliche, aktuelle Unterlagen, die deinen Gesundheitszustand, Einschränkungen, Behandlungen, OP-Berichte widergeben. Die Adressen der behandelnden Ärzte, die Auskunft über deinen gesundheitlichen Zustand geben dürfen.

Ich z.B. habe es leider versäumt, GdB für meine schwere, ausgeprägte Endometriose mit vielen Operationen und Organentfernungen rechtzeitig zu beantragen, werde seit drei Jahren mit Gelbkörperhormonen behandelt, seitdem haben sich die Beschwerden deutlich verbessert und so wird die Erkrankung vermutlich nicht mehr als GdB anerkannt.

Ich wünsche dir alles Liebe und viel Erfolg und........Geduld, die Bearbeitung kann ca. 2 bis 6 Monate dauern.

Liebe Grüße

Antwort
von Lexi77, 22

Hallo!

Grundsätzlich hast du die Möglichkeit, einen Antrag auf Anerkennung einer Behinderung zu stellen. Das kostet dich nichts und es entstehen dir auch keine Nachteile. Allerdings wird eine Erkrankung bzw. die Folgen daraus auch nur als Behinderung anerkannt, wenn man dadurch entsprechende Einschränkungen hat. Wenn also bei dir nach der Darmentfernung alles soweit wieder in Ordnung war und du ein weitgehend normales Leben führen kannst ohne Einschränkungen, dann wirst du wahrscheinlich leer ausgehen. Solltest du allerdings aufgrund der OP-Folgen dauerhaft gesundheitliche Einschränkungen/Beschwerden haben, könnte es sein, dass es anerkannt wird. Allerdings frage ich mich dann, warum du 10 Jahre mit dem Antrag gewartet hast.

Den Antrag kannst du entweder per Formular, dass du bei der kommunalen Verwaltung bekommst, stellen. Den Antrag musst du an das für dich zuständige Versorgungsamt schicken. Du kannst dieses Formular aber z.B. in NRW auch online ausfüllen (ob das auch in anderen Bundesländern geht, weiß ich nicht). Welches Versorgungsamt für dich zuständig ist, kannst du dir hier heraussuchen: 

Das Formular füllst du dann entsprechend aus, gib alle Beschwerden an, die dich beeinträchtigen. Auch wenn du andere Erkrankungen haben solltest, kannst du die angeben. Entscheidend ist, dass die Einschränkungen und Beschwerden schon mindestens 6 Monate bestehen müssen und nicht absehbar ist, wann es, bzw. ob es in näherer Zukunft ggf. zu einer Ausheilung kommen kann. Ich würde dir auch raten, dem Antrag alle Arztbefunde (die du hoffentlich in Kopie hast) direkt beizufügen. Damit kannst du das Verfahren extrem Beschleunigen. Wenn der Amtsarzt erst alle behandelnden Ärzte und Kliniken anschreiben muss und um entsprechende Befunde bitten muss, dann kann sich das Verfahren sehr in die Länge ziehen. Wenn du aber Befunde beilegst und diese für die Beurteilung ausreichend sind, dann kann es sehr schnell gehen (ich hatte innerhalb von 3 Wochen meinen Bescheid).

Für die Festsetzung des GdB hat der Amtsarzt/Gutacher, die sogenannten "versorgungsmedizinischen Grundsätze", wo für spezielle Krankheiten einige Werte festgesetzt sind. Diese gelten als Anhaltspunkte für die Bewertung und Festlegung. 

Wenn nach Aktenlage entschieden werden kann, bekommst du dann nach einiger Zeit den entsprechenden Bescheid, in dem dein Grad der Behinderung festgesetzt wird. Wenn die Berichte nicht ausreichen, kann es sein, dass du noch zu einer Begutachtung eingeladen wirst, damit der beurteilende Amtsarzt sich selber noch ein Bild machen kann.

Im Bescheid, den du bekommst, steht die Höhe des GdB drin, außerdem steht dann auch drin, ob die Feststellung erstmal nur befristet gilt, oder ob es sich um eine unbefristete Festlegung handelt (bei mir galt das sofort unbefristet). 

Sollte dir ein GdB von 50 oder höher anerkannt werden, bekommst du automatisch auch einen Behindertenausweis. Bei einem GdB von 20-40 bekommst du keinen Ausweis. 

Mit einer zuerkannten Behinderung hast du dann auch gewisse Vorteile, je nach Höhe des GdB auch in unterschiedlicher Größenordnung. Z.B. besteht ein besonderes Kündigungsrecht, es gibt Steuervergünstigungen und teilweise auch einige Urlaubstage mehr. Bei einem GdB über 30 aber unter 50 kannst du dann eine Gleichstellung beantragen. Das bedeutet, dass du trotz des niedrigeren Grades einem Schwerbehinderten (gilt man ab 50) gleichgestellt wirst und z.B. denselben Kündigungsschutz genießt. Je nach Arbeitsplatzsituation kann das hilfreich sein. 

Hier noch ein Link für weitere Infos: http://www.betanet.de/betanet/soziales_recht/Grad-der-Behinderung-164.html

oder google einfach mal mit "grad der behinderung"

Alles Gute und viel Erfolg! Lexi

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