Frage von Lee20, 207

Mein Vater ist Alkoholabhängig und hat Depressionen. Wie kann ich helfen?

Hallo liebe Community,

ich weiß mir keinen Rat mehr, deshalb wende ich mich an Euch. Ich mache mir Sorgen um meinen Vater. Es fing alles schleichend an, Abends mal ein paar Bier vor dem Fernseher oder eine Flasche Wein, die sich meine beiden Eltern zusammen genehmigten waren "normal". Doch mein Vater steigerte die Dosis über Jahre immer mehr. Während er damals noch nach dem Leitsatz lebte: "Elfis" (Elf ist) und er erst ab 11 Uhr sich das erste Bier holte, ist es mittlerweile so schlimm, dass er schon um 9.30 Uhr, wenn meine Mutter zum Frühstück ins Wohnzimmer kommt, eine Fahne hat und beim sprechen lallt.

Nun hat er seit ein paar Jahren außerdem noch eine Depression bekommen. Die hat mehrere Ursachen. Die erste: Mein Vater arbeitet im Service bei einer großen Firma und muss für seine Einsätze in der ganzen Welt umher reisen, was für ihn sehr belastend ist, weil er so gut wie kein Familienleben hat. Er kommt nur am Wochenende heim, oder manchmal nur alle 2-3 Wochen je nachdem wo er gerade ist. Ein paar Vorgesetzte machen ihm zusätzlich die Arbeit madig und "mobben" ihn, wie er sagt aus Neid. Mein Vater würde gerne die Arbeit wechseln, aber meine Mutter möchte das eher weniger, weil er sehr gut verdient und sie einen Kredit am laufen haben, sie selbst nur ein Niedriglohnjob hat und Angst vor der Zukunft.

Die Zweite: Meine Schwester und ich sind als Kinder sexuell missbraucht worden, ich kann das hier schreiben, habe damit keine Probleme, dafür habe ich genug Therapien gemacht. Nur mein Vater kann damit bis Heute nicht leben, dass er seine beiden Mädchen nicht beschützen konnte. Er bricht fast regelmäßig weinend in meinen Armen zusammen und ich hab ihm schon so oft gesagt, dass er daran keine Schuld trägt, aber es hilft nichts. Und ich hab keine Ahnung was ihn dabei genau quält, wo er denkt eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, die ihn dazu veranlasst so zu denken. Die Vorschläge zu einem Therapeuten zu gehen, lehnt er strikt ab. Für ihn ist das nur Humbug und es kann ihm sowieso keiner helfen, laut seiner Aussage.

Das dritte: Er ist voll das Muttersöhnchen und seine Mutter (meine Oma), die die Ehefrau von dem Mann ist, der uns als Kinder sexuell missbraucht hat, macht die Sache noch schlimmer. Eigentlich will er ihr ins Gesicht sagen, dass sie die Klappe halten soll, aber er schafft es nicht. Und immer wieder gießt sie mit Ihren Worten Öl ins Feuer und mahnt ihn an seine Pflichten als Sohn, dass er doch zu seiner Mutter halten soll. Was ihn zusätzlich belastet.

Sein Hausarzt meinte Depressionen und Alkohol zusammen ist eine ganz böse Mischung. Mein Vater redet von Selbstmord, er wird ja eh nicht mehr gebraucht und alle wären erlöst wenn er erstmal weg ist. Seine Tabletten nimmt er nicht regelmäßig. Er war in Bad Neustadt zur Kur und hat alles abgelehnt, weil er ja der Meinung ist, ihm kann keiner helfen. Was kann ich tun? Kann man ihn zwangseinweisen lassen? Kann man ihm eine Therapie verordnen? Wir als Familie sind machtlos

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Antwort
von Fischkopp, 192

Hallo Lee20,

deine Ausführungen habe ich mehrfach durchgelesen - man kann das Problem nicht beim ersten Mal begreifen - und komme zu dem Schluß, dass hier dringend psychotherapeutische Hilfe erforderlich ist. Hausarzt und Tabletten reichen in diesem Fall mit Sicherheit nicht aus. Depressive Menschen neigen zu Ausflüchten von der Wirklichkeit -und diese Mittel sind oft Alkohol oder andere Drogen.

Es ist durch nichts zu entschuldigen, dass ihr als Kinder sexuell missbraucht wurdet. Ihr solltet es zur Anzeige bringen, damit auch euer Vater damit leben kann.

Das Muttersöhnchen kenne ich aus eigener Erfahrung. Dagegen kann man fast gar nichts machen, entweder man entscheidet sich für seine eigene Familie - was ich für richtig halte - oder für seine Herkunft.

Alles Gute für euch! Fischkopp

Kommentar von Lee20 ,

Hallo Fischkopp,

auch dir lieben Dank für die Antwort. Ja, das stimmt es ist dringend psychotherapeutische Hilfe notwendig, das haben wir alle schon eingesehen, nur halt mein Vater nicht. Da Therapeuten für ihn sowieso nur Humbug sind und ihm ja eh keiner helfen kann, gestaltet es sich als schwierig ihn in diese Richtung zu bewegen. Das mit dem Missbrauch ist schon lange Geschichte für uns, klar hängt das seelisch noch arg nach, bei meiner Schwester schlimmer als bei mir, aber wir sind aus dem Schlamassel raus gekommen uns geht es gut. Wir sind beide berufstätig, sind glücklich in unseren Beziehungen. Es wurde auch zur Anzeige gebracht, derjenige ist auch im Gefängnis gelandet und die Gerichtsverhandlung dazu ist schon 13 Jahre her. Wie gesagt, es geht uns gut und wir haben es so gut es geht verarbeitet, aber mein Vater nicht. Manchmal könnte ich deswegen aus der Haut fahren, wenn ich ehrlich sein soll. Meine Schwester und ich sind stolz, dass ganze so gut überstanden zu haben und das es uns so gut geht und was wir erreicht haben in unserem Leben. Ich liebe mein Leben, so wie es ist und möchte es auch nicht tauschen. Ich weiß, dass mein Vater stolz auf uns ist und das es für Eltern schwer sein muss sowas zu verkraften, den Missbrauch der eigenen Kinder, aber durch seine Depression kann er sich daran nicht erfreuen. Er leidet schlimmer als die Betroffenen selbst und das finde ich wahnsinnig schlimm und das schlimmste daran, meine Schwester und ich kommen da auch nciht wirklich zur Ruhe. Laut den Therapeuten sollen wir abschließen, uns aufs Leben konzentrieren, das gelingt uns Prima. Aber durch die Depression und wenn mein Vater in meinen Armen zusammen bricht, das ist für seine seelische Verfassung nicht gut und für unsere erst recht nicht.

Das man sich für seine eigene Familie entscheidet finde ich auch richtig und mein Vater auch, nur kann er es einfach nicht. Aber das kennst du ja wie du geschrieben hattest aus eigener Erfahrung.

Auf alle Fälle danke für deine Antwort. Liebe Grüße Lee20

P.S. Sorry, schreibe gerne und viel. Komme irgendwie nie zum Ende :)

Antwort
von StephanZehnt, 124

Hallo Lee,

wenn man solche Probleme in der Familie hat sollte man sich Hilfe suchen! Ich weis nicht wie alt Du bist ob 20 J. oder ..? Das Problem Alkohol ist etwas problematischer. Das heißt er muss es selbst wollen, davon los zu kommen. Man kann sich an die anonymen Alkoholiker wenden und sie bitten hier einmal zu vermitteln. Das heißt das Problem in die richtigen Bahnen zu bringen.

Denn ich weis nicht was passiert wenn der Arbeitgeber mitbekommt das er zu viel trinkt. Er evtl. Auto fährt in solch einem Zustand und etwas passiert. Nun auf der anderen Seite hätte ich auch riesen Probleme damit wenn mein Vater sich an meinen Kindern vergreifen würde.

Aber da gibt es eins eine klare Linie ziehen und den Kontakt .....

Es gibt eine Nummer gegen Kummer wo sich auch Jugendliche beraten lassen können https://www.nummergegenkummer.de/cms/website.php

Am Samstag 14-20h 0800 111 0 333 oder 116111 Jugendliche beraten Jugendliche. Da kann man Dir sagen wie ihr als Familie am besten vorgeht! Denn ich möchte mir nicht vorstellen was passiert wenn ihr als Kinder auszieht und das Ganze noch schlimmer wird und zum Schluss Eure Mutter zu Flasche greift.

Es wäre dann sinnvoll das Deine Eltern einmal zu einer Eheberatung gehen. Es hat wenig Sinn wenn sie ihren Hauskredit abgezahlt haben und es dann zur Scheidung kommt weil nichts mehr geht. Dabei müssen sich Beide klar sein das es um viel geht und das Beide dazu beitragen müssen . (das die Mutter dann evtl. sagen muss OK ich muss halt noch etwas extra dazu verdienen.
Denn in dem Satz -Zitat - Sein Hausarzt meinte Depressionen und Alkohol zusammen ist eine ganz böse Mischung. Mein Vater redet von Selbstmord, fehlt ja noch das Wort Mobbing.

Also es steht die Frage einer Eheberatung - ja und Du solltest einmal mit Deiner Schwester einmal da anrufen. Vorher wichtige Fragen notieren die man da anbringen will. (Nummer...). Ja und dann einmal an die Anonymem Alkoholiker wenden.

Ach ja ich weis nicht ob Alkohol und Psychopharmaka so gut zusammen passen..

VG Stephan

Kommentar von Lee20 ,

Hallo Stephan,

auch dir danke ich sehr für die Antwort. Ich selber bin 30 Jahre alt, um deine Frage mal zu beantworten.

Ja, da hast du Recht eine klare Linie ziehen. Das würde wahrscheinlich jeder denken und auch so machen, ich würde das auch so machen, wenn ich eigene Kinder hätte. Wenn so etwas passiert, einen Schlussstrich ziehen und der Täter egal wer es ist, aus der Familie ausschließen. Aber da mein Vater, wie schon beschrieben, wahnsinnig an seiner Mutter hängt, ist das von der Seite nicht möglich. Er versucht es, aber sie versteht sich perfekt in Sachen Manipulation. Ich habe meine Oma als Kind über alles geliebt, ich wäre für diese Frau gestorben und als es raus kam, dass ihr angeheirateter (er gehört ja nicht mal zur Familie), das getan hat, glaubte sie mir kein Wort. Sie hat immer zu ihrem Mann gehalten. Meine Oma und ich waren ein Herz und eine Seele, wir haben über Entfernungen gespürt, wenn es dem anderen schlecht ging und nun, akzeptiere ich sie nur noch in meiner Nähe, damit ich meinem Vater nicht unnötig Schmerzen bereite. Denn er leidet, wenn man seine Mutter so ablehnt.

Aber was soll man machen? Für jeden Außenstehenden, selbst für dich wäre es nur logisch, klare Linie, ab fertig. Wärs für mich auch, aber leider nicht wirklich möglich.

Und nein, Alkohol und Psychopharmaka gehen gar nicht, das ist es was unser Hausarzt meinte mit, "ganz böse Mischung" und er hat ja Recht damit. Ich werde erstmal mit dem Hausarzt reden, meine Mutter meinte zwar, das brauche ich nicht, er wüsste schon alles, von ihr selber, aber irgendwie glaube ich da nicht so recht dran.

Ich danke dir nochmals für die Antwort. Liebe Grüße Lee20

Antwort
von gerdavh, 110

Hallo Lee20, das liest sich nicht gut. Zum einen ist es so, dass man nicht so ohne weiteres einen Menschen zwangseinweisen kann. Da muss leider vorangehen, dass er sich selbst stark gefährdet oder eine wirkliche Gefahr für seine Mitmenschen darstellt. Wenn er selbst alles ablehnt, kommen auch die Anonymen Alkoholiker nicht in Frage. Da ist Voraussetzung, dass er sich selbst als Alkoholiker sieht und etwas aus freien Stücken dagegen unternehmen möchte. Die einzige Möglichkeit, Deinen Vater zwangseinweisen zu lassen bzw. zu erreichen, dass er endlich aufwacht, besteht darin, dass Du ihn anzeigst, wenn er alkoholisiert ins Auto steigt oder einen von Euch tätlich bedroht. Wenn Du einen guten Draht zu Eurem Hausarzt habt, solltest Du das Gespräch mit ihm suchen. Vielleicht weiß er als Arzt dahingehend eher Rat, als wir Laien, was getan werden muss, damit er eine Entziehungskur macht bzw. machen muss. Leider kann ich Dir unter diesen Umständen keinen anderen Rat erteilen. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute. Gerda

Kommentar von Lee20 ,

Hallo Gerda,

vielen Dank für deine Antwort. Ja, ich habe mich nochmal etwas eingelesen und es ist so wie du sagst, eine Zwangseinweisung geht nicht so einfach, da wäre das persönliche Gespräch mit dem Hausarzt schon ein guter Weg. Aber da mein Vater alles blockt, er sich nicht als Alkoholiker ansieht, mir scheint es so, als sei das für ihn schon zum normalen Alltag geworden, wird wohl auch der Hausarzt predigen können bis er schwarz wird. Er hat ihm ja schon eine Kur verschrieben und nimmt ihn ins Gebet, aber alles für die Katz. Zum Glück ist das noch nicht so schlimm, dass er anfängt alkoholisiert zu fahren oder handgreiflich zu werden. Er kampelt immer ein wenig mit uns und wenn er dann zu viel Alkohol hatte, greift er auch mal gröber zu, aber das merkt er selber gar nicht. Ich lebe nicht mehr zu Hause, bin nur 4mal im Jahr bei meinen Eltern, meine Schwester fast jedes Wochenende. Mittlerweile ist es so schlimm mit meinem Vater, dass sogar Außenstehende es mit bekommen, nur er selber nicht. Ich danke dir für deinen Rat, ich werde mich doch mal mit dem Hausarzt verabreden. Liebe Grüße Lee20

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