Frage von Ego01, 73

Mein Schwiegervater ist 86 Jahre alt erlitt vor 3 Wochen einen Schlaganfall (Hirnblutung) und soll rechtsseitig gelähmt bleiben. Wird er ein Pflegefall?

Er liegt derzeit noch auf der ITS und wird, weil er nicht schlucken kann künstlich ernährt. Meine Frau (seine Tochter) und ich sind fast täglich bei ihm, haben aber das Gefühl, dass er immer trauriger wird. Er versucht zu sprechen, was aber völlig undeutlich ist. Die Ärzte sind allerdings der Meinung, dass sich sein Zustand verbessert hätte. Unser Problem ist nun, dass uns kein Arzt einigermaßen verbindliche Auskunft über Prognosen hinsichtlich Krankenverlauf oder auch zu künftigen Pflegeaufwand gibt. Der soziale Dienst des Krankenhaus tut die übrigens auch nicht. Kann uns jemand aus eigenen Erfahrungen sagen, was wir tun können. Danke vorab

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Antwort
von evistie, 44

Unser Problem ist nun, dass uns kein Arzt einigermaßen verbindliche Auskunft über Prognosen hinsichtlich Krankenverlauf oder auch zu künftigen Pflegeaufwand gibt.

Das können die Ärzte auch leider nicht, und schon gar nicht "einigermaßen verbindlich". Und der Sozialdienst noch weniger. Der Heilungsverlauf ist individuell unterschiedlich und es muss Euch als positive Prognose leider erst einmal genügen, dass es ihm "besser geht".

Ich möchte das an einem Beispiel aus eigenem Erleben erläutern: meine Mutter erlitt vor vielen Jahren in der Morgenfrühe einen Schlaganfall. Sie wurde "rechtzeitig" aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht, wo sofort eine Lyse eingeleitet wurde. Nach 12 Stunden konnte sie bereits wieder, wenn auch noch undeutlich, sprechen, war bei klarem Verstand und die halbseitigen Lähmungserscheinungen gingen auch zurück. Sie wurde auf die Normalstation verlegt und die Ärzte waren optimistisch, dass sie völlig gesunden würde.

In der ersten Nacht dort erlitt meine Mutter einen oder mehrere weitere Schlaganfälle, die leider nicht rechtzeitig bemerkt wurden. Sie waren so schwer, dass meine Mutter über Nacht zum absoluten Pflegefall wurde: gelähmt, verwirrt und ihres Verstandes beraubt. Sie verstarb ein Vierteljahr später.

Das muss bei Deinem Schwiegervater nicht ebenso laufen. Auf der Intensivstation werden seine Körperfunktionen laufend überwacht und er wird erst auf die Normalstation verlegt werden, wenn er nach ärztlicher Einschätzung stabil ist. Wie schnell er sich erholt und inwieweit die entstandenen Körperschäden reversibel sind, wird die Zeit zeigen.

Sobald sich etwas Konkretes sagen lässt, und das ist gewiss noch vor der Entlassung, wird man es Euch mitteilen, damit Ihr Euch ggf. um pflegerische Versorgung kümmern könnt.

Auch hier wieder ein Beispiel aus eigenem Erleben: mein an Demenz erkrankter Mann lag im Krankenhaus wegen einer schweren Darmerkrankung, die mit dauerhafter Inkontinenz verbunden war. Als seine Entlassung nahte, rieten mir die Ärzte, für ihn einen Platz im Pflegeheim zu suchen, da ich die Pflege daheim wohl nicht mehr würde bewältigen können. Mit Hilfe der dortigen Sozialstation, die wirklich von großer Hilfsbereitschaft war, fand ich tatsächlich innerhalb von wenigen Tagen einen solchen Platz und konnte alle Formalitäten rechtzeitig erledigen.

Was Ihr derzeit tun könnt? Euch intensiv und liebevoll um den Patienten kümmern! Bitte versetzt Euch in seine Lage: er ist völlig hilflos und von Ängsten geplagt, da ist es doch kein Wunder, dass er "immer trauriger" wird! Was er jetzt braucht, ist Trost und Zuspruch und Zuversicht, dass alles wieder ins Lot kommt. Bitte gewährt ihm das und haltet ihm das Gefühl, ein "Versorgungsproblem" zu werden, zumindest die erste Zeit vom Halse.

Ich wünsche ihm und Euch alles Gute!


Antwort
von usmedic, 35

Hallo, 

ich kann mich dem Ratschlag von eVisite nur anschließen. Sie sollten sich außerdem um die Möglichkeit einer Neurologischen Frührehabilitation erkundigen. Dies können Sie bei dem zuständigen Behandlungsteam auf der ITS tun. Aufgrund der Neuroplastizität (Vereinfacht gesagt bedeutet dies, die möglichkeit des Gehirns, neue Verknüpfungen zu bilden um) kann eine Besserung des Allgemeinzustandes eintreten. 

Aber: Erwarten Sie davon keine Wunder. Eine Frühreha ect. kann das neurol. Outcome verbessern, aber dies ist auch abhängig von Vorerkrankungen, schwere der Blutung, welche Bereiche sind betroffen usw. 

Ich wünsche Ihrem Schwiegervater alles Gute!

Antwort
von WosIsLos, 49

Hirnblutung ist was anderes als Schlaganfall.

Haben die Ärzte schon das Thema Reha-Aufenthalt angesprochen?

Manche Patienten kommen mit solchen Situationen nicht zurecht und geben sich auf, dem sollte wenn möglich aufmunternd entgegengewirkt werden. Denn es ist durchaus möglich, daß er wieder auf die Beine kommt und "fast" wieder der Alte wird.

Auch bei Pflegefällen gibt es erhebliche Unterschiede: Bettlägerig, Unterstützung bei der Körperpflege / Haushaltsführung.

Kommentar von evistie ,

Hirnblutung ist was anderes als Schlaganfall.

Falsch!

@WosIsLos, antworte doch bitte nur noch, wenn Du Kenntnisse über das Thema hast! Es ist auffällig, wie oft Du mit Deinen Antworten krasse Unkenntnis beweist: hier einmal mehr.

Richtig ist:

Auslöser eines Schlaganfalls (oder Hirnschlags) können ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung sein.

http://www.navigator-medizin.de/schlaganfall/die-wichtigsten-fragen-und-antworte...

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