Frage von betmann, 555

Mein Leben war die Hölle. Nun ist alles perfekt... aber irgendwie auch nicht

Ich hatte früher extreme psychische Probleme, ich hatte Depressionen, Ängste und selbst leichte Wahnvorstellungen, von meinen sozialen und Verhaltensproblemen will ich garnicht anfangen. Ich habe sogar einen (ernst gemeinten) Suizidversuch hinter mir, der nur durch Zufall schiefging. Das alles war gestern. Heute bin ich komplett anderer Mensch, Depression und Angst sind weg, habe keine Schwierigkeiten mehr mit Menschen zu reden und bin quasi ganz normal - kurz gesagt, man könnte von einer Heilung sprechen. Jedoch hatte ich trotz der ganzen Tiefen immer große Ziele, es gab Sachen, die ich liebte und die mich aufbauten, vorallem die Musik. Heute ist mir trotz meines unbeschwerten Lebens einfach alles egal, nichts interessiert mich wirklich und ich habe auch keine wirklichen Ziele mehr, die ich erreichen möchte. Mir macht nur weniges wirklich Spaß und obwohl ich weiterhin Musik höre und mache ist es trotzdem nichts mehr besonderes für mich. Obwohl es nicht besser sein könnte als es ist, erscheint mir mein Leben grau und trostlos, ich habe viele Freunde und perfekte Berufsaussichten... aber das alles bedeutet mir nichts mehr. Jahrelang habe ich gekämpft mit meinen Psychischen Problemen und mir nichts mehr gewünscht als einfach normal zu sein. Nun habe ich es endlich geschafft aber wofür? Auch wenn ich definitiv keinen Selbstmordversuch mehr unternehmen werde, denke ich mir manchmal, ich hätte damals sterben sollen. Einfach weil mir alles so sinnlos vorkommt. Wie werde ich diese Einstellung los?

Antwort
von Alois, 398

Hallo betmann,

eine "Einstellung" wird man im allgemeinen nur dadurch los, indem man sie analysiert, das Für und Wider abwägt - und hinterher die Entscheidung fällt, dass sie falsch ist;

dies wäre aber nur der 1. Schritt - danach muss man sich nämlich auch noch neu orientieren, indem man sich mit Dingen beschäftigt, die man vorher links hat liegen lassen - bis man irgendwann doch etwas entdeckt, was einem wirklich Freude bereiten kann.

Mein Rat: Lasse deinen Arzt deine Medikamenteneinstellung noch einmal überprüfen und sprich auch deinen Psychologen/Psychotherapeuten auf dieses Thema an.

Liebe Grüße, Alois

Kommentar von betmann ,

ich habe alles ohne psychotherapeuten geschafft, ich hatte mehrere therapien aber die brachten mir absolut nichts. ich beginne bald eine etwas andere therapie, vielleicht bringt diese dann doch was... meine medikamente suche ich mir sozusagen selbst aus, da ich mich auf dem gebiet bereits so gut wie ein arzt auskenne und momentan bin ich auch optimal eingestellt, aber die medikamente ändern auch nicht mehr wirklich was zurzeit - sie haben mir erst die besserung ermöglicht, aber noch mehr helfen können sie mir nicht, da es wohl wirklich ein tiefsitzendes problem ist, eine falsche einstellung eben. aber deinen rat mit der analyse nehme ich mir zu herzen!

Kommentar von Alois ,

Danke für deinen Kommentar,

viel Glück bei der Selbstfindung und liebe Grüße, Alois

Kommentar von betmann ,

danke dir ;)

Antwort
von widiwumm, 484

Hallo Betmann,

ich nehme seit 1998 regelmässig Antidepressiva. 2 Monate Klinik in München, danach Selbst-Therapie durch Lesen, meditieren usw. Dazwischen noch 2 Scheidungen und 2 Brustkrebs. Mein Tipp: Ehrlichkeit zur Krankheit, Akzeptanz, das eigenen Leben so ordnen dass es wieder lebenswert ist. Nicht leicht, aber aufgeben gibts nicht! Inzwischen habe ich seit 5 Jahren einen Lebenspartner der mir in allen täglichen Dingen hilft und liebt und tröstet. Ich war 12 Jahre alleine mit Hund. Das war für mich sehr wichtig, so fand ich erst einmal zu mir selbst! Jetzt bin ich 67 und rundum glücklich. Die Vergangenheit juckt mich nicht mehr..,

Ich wünsche Dir viel Glück, eine kühle Stirn und einen Menschen der die Sorgen mit Dir teilt...

herzlich grüßt Widiwumm

Antwort
von Lydia304, 555

Also zunächst - ohne Deine Freude und Deinen Stolz über Deinen Erfolg ausbremsen zu wollen, aber nach meiner Erfahrung hört sich eine "Wunderheilung" mit Amphetaminen (???), Medikamenten und Rauchen aus solch massiven Problemen und einer ohne Zweifel ernst zu nehmenden psychischen Erkrankung etwas eigenartig an, da wäre ich skeptisch. Offensichtlich hast Du Deine sozialen Ängste und Dein sozial schwieriges Verhalten überwunden, das ist schon einmal etwas. Aber Dein momentaner Zustand hört sich für mich noch ziemlich depressiv an, außerdem bist Du offensichtlich in einer Sinnkrise. Das ist für junge Menschen nicht ungewöhnlich, aber bei Dir anscheinend schon stark ausgeprägt. Dafür gibt es in der Regel keine "Patentlösung" wie einfach ein neues Hobby suchen oder sich beruflich verändern oder mal mit jemand reden. So einfach im Internet findest Du die Lösung auch nicht. Du musst Deinen Weg finden, zunächst aus Deinem depressiven Denken rausfinden, und für Dich eine Antwort auf die Sinnfrage finden. Dazu musst Du schon ernsthaft an Dir arbeiten, rausfinden, wo das alles herkommt, und wie man das ändern kann, machst Du denn Psychotherapie? Das würde ich empfehlen, denn Medikamente lösen nicht die eigentlichen Probleme. Wenn Du dazu noch Fragen hast, melde Dich gerne. Viel Glück!

Antwort
von Nelly1433, 477

ich kenne leider keine menschen mit ähnlichen probleme, wüsste auch nicht genau wie ich das ändern könnte, interessant wäre das schon... und jemanden zu finden, der wie ich solch starke probleme überwunden hat,

Schließen Sie sich einer Selbsthilfegruppe an. Dort gibt es Menschen, die Ähnliches erlebt haben oder erleben. Eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden Sie z.B. unter

http://www.selbsthilfenetz.de/content/e2994/e6997/index_ger.html

Antwort
von Gronkor, 430

Wenn Dir alles sinnlos erscheint, Dir fast nichts mehr Spaß macht oder Dich interessiert, wie Du schreibst, und wenn diese Situation länger anhält, dann könnte es sich um eine erneute Depression handeln.

Ich würde Dir empfehlen, Dich daraufhin mal untersuchen zu lassen.

Antwort
von StephanZehnt, 326

Hallo Betmann,

ich weis nicht ob inzwischen alles perfekt ist. Ich weis genau so wenig wie alt Du bist. Nun ich weis nicht ob Du in einer Stadt wohnst - aber ich käme auf die Idee Dich in ein Hospiz zu schicken! So das Du da mit hilfst und Zusammenhänge erfährst . So z.B. wie kostbar selbst Stunden sein können wenn man weis es geht nicht mehr lange. (Krebs).

Da denkt man wie schön das Leben sein kann ohne Schmerzen und ähnlichen Problemen! Das man sich auch einmal an ganz kleinen Dingen freut. Je nachdem ob man in Deiner Lage so etwas verkraftet - man sieht die Welt wieder mit anderen Augen.

Ja und dann ist das Ziel oder Freude nicht das große Auto über das man sich freut. Sondern schlicht das die neue Nachbarin von Nebenhaus grüßt. Das der Postbote einen Brief von einem Freund bringt. Oder man gerade so richtig schöne Musik gehört hat. Also eigentlich fast das Alltägliche. Es gibt auch bestimmt Vereine in Deiner Nähe wo man sich beweisen kann..und neue Ziele findet.

VG Stephan .

Kommentar von StephanZehnt ,

PS. Ich hatte auch einmal nach einem Unfall das Problem das mir die Decke ...ja und dann bin ich über eine Orchidee "gestolpert" und schon hatte ich ein neue Hobby.

Antwort
von doktorhans, 371

Der Übergang von der Depression zum sinnerfüllten Leben ist nicht so schnell möglich, denn er erfordert Zeit, Geduld und therapeutische Hilfe, z.B. nach dem Viktor-Frankl-Konzept

Antwort
von martinahorst, 355

hi, so wie ich es sehe, handelt es sich doch um eine depression. ich glaube, es würde dir doch eine therapie helfen, manchmal helfen auch gute freunde, hast du sie, dann vertrau dich ihnen an, oder doch psychotherapie , aber augen auf bei der wahl des psychologen. ich wünsche dir alles gute. du beist sicher noch jung genug, um freude am leben zu finden. vielleicht ist die musik noch nicht alles, versuche noch an anderen dingen freude zu haben, auch wenn es schwer fällt. liebe grüße

Antwort
von bethmannchen, 335

kann es nicht einfach sein, dass deine erwartungen daran, wie normal sein sich anzufühlen hat, einfach übertrieben sind.

nehmen wir z.b. die musik, an die du dich früher vielleicht wie an einen rettungsring geklammert hast. jetzt hat der bereich seine für dich damals so große wichtigkeit verloren. nun ist es nur noch ein schönes hobby.

nun hast du ein neues niveau erreicht, und solltest du dich mal nach neuen ufern und zielenumsehen. irgend etwas wird sicher noch in deinem leben fehlen...

Antwort
von Franzi210501, 267

Hallo, Erst mal Alles Gute uns Glückwunsch dass du das alles überwunden hast ♥ Zu deiner Frage... ich bin noch ziemlich jung aber ich würde dir raten nach einem neuen Hobby zu suchen dass dich begeistert (Vielleicht auch mit Freunden). Wenn du so eines gefunden hast kannst du dich an deinen neuen Hobby erfreust und es dir Spaß macht kannst Befruflich auch was ändern. Wie wäre es mit einem Positionswechsel oder sowas ? Mach deinen Chef drauf aufmerksam und erkundige dich. Dann ist alles für einen Neuanfang gerichtet. Vielleicht versuchst du dich auch mit andren neuen Menschen auseinader zu setzen um Kontakte zu knüpfen vielleicht sogar jemand der das selbe erlebt hat wie du... Um dich auszutauschen und einen Seelenverwandten zu finden. Dürfte ich fragen was zu deinen Ängsten und Depressionen geführt hat? Lg und alles Gute Franzi

Kommentar von betmann ,

ich bin selbst noch jung - 19. wie alt bist du denn? mir ein neues hobby zu suchen, habe ich mir auch schon überlegt, hab mich bisher nicht dazu aufraffen können, aber du hast recht, das werd ich einfach versuchen müssen! beruflich ist es bei mir perfekt, wie oben beschrieben, da hätte es absolut keinen sinn etwas zu ändern, im gegenteil. ich kenne leider keine menschen mit ähnlichen probleme, wüsste auch nicht genau wie ich das ändern könnte, interessant wäre das schon... und jemanden zu finden, der wie ich solch starke probleme überwunden hat, ist wohl unmöglich, da die meisten entweder viel leichtere hatten oder nie wirklich ganz damit zurecht kommen werden. ja, natürlich. ich war wohl von geburt an veranlagt, habe in der familie paar schizophrene und das ist bekanntlich vererbbar. schon als kind hatte ich paranoia, also hatte absolut unrealistische befürchtungen, aber das hat leider niemand als solche erkannt. die paranoia blieb bestehen in meiner frühen jugend, sodass ich alles viel schlimmer wahrnahm als es war, jeder freundschaftliche witz konnte mich kränken. auch verhaltensprobleme hatte ich, ich war einfach "anders". so geschah es, dass ich in meiner klasse gemobbt wurde und das eine tiefe wunde hinterließ, obwohl alles garnicht so schlimm war, mir nur so vorkam. durch mein eigenartiges verhalten fiel es mir schwer freundschaften zu schließen, ich wirkte einfach dumm und verrückt, war also keiner, den man gern als freund hat. dadurch bekam ich dann erst mal soziale ängste, aus denen später eine depression wuchs. ich dachte die welt wäre gegen mich. ich fühlte mich besonders, wurde größenwahnsinnig. ich brach die schule ab und verbrachte mehrere monate fast nur zuhause mit kaum kontakt zu anderen. meine zeit verbrachte ich damit im bett filme zu schauen, da ich einfach keine kraft für die leichtesten aktivitäten hatte. außerdem dachte ich pausenlos nach. über mich und die welt. das machte alles nur noch schlimmer. mir wurde klar, dass ich psychisch krank bin, jedoch realisierte ich nicht das ausmaß. ich dachte, ich hätte nur adhs (probleme mit der konzentration) welches ich unter anderem auch habe, aber das war der entscheidende punkt. durch eigene intiative bekam ich von meinem psychiater das WUNDERMITTEL(!!!) amphetamin, welches mir erst das tor zur besserung eröffnete. es eröffnete erst meine augen (bzw. meinen kopf), ich wurde klüger, glücklicher und weniger ängstlich, langsam aber stetig besserte ich mich, obwohl die probleme trotzdem noch extrem groß waren und ich weiterhin eigenartig und verrückt bliebt. ich nahm noch weitere medikamente, die mir unglaublich halfen, auch fing ich an zu rauchen, was mir auch hilft. mein fortschritt ist so unglaublich, dass ich schon ein besseres ich bin als ein halbes jahr zuvor. und es geht weiter, ich werde immer "normaler", also angepasster (früher der außenseiter, heute in jedem kreis gern gesehen) innerlich ruhiger und entspannter, stärker.

Kommentar von Franzi210501 ,

Hallo, Zu meinem Alter.... Wenn ich dir jetzt mein Alter sage nimmst du micj wahrscheinlich nicht mehr ernst. Deine Geschichte hört sich so schrecklich an, umso froher bin ich dass du das alles überstanden hast. Mein Tipp: Versuch dich aufzuraffen für ein Hobby und vielleicht auch für neue Erfahrungen. lg Franzi

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