Frage von Sorgenmacher,

Lungenentzündung im Krankenhaus

Hallo zusammen,

ich habe mich gerade hier angemeldet, da ich mir echt Sorgen mache. Mein Vater kam vor einigen Wochen ins Krankenhaus. Ursprünglich ging es "nur" darum, dass er durch einen Sturz an der Schulter operiert werden musste. Ich möchte mich jetzt auf das Wesentliche meiner Frage beschränken, daher erzähle ich nur das Wichtigste. Schlussendlich liegt er auf der Intensivstation. Grund: Im Rahmen der Untersuchungen stellte man Wasser in der Lunge fest. Grund: Mangelernährung. Das ist soweit durch Drainagen und Eiweißpräparate behoben und generell sind die Ärzte mit der Lunge zufrieden. Er wird aber noch beatmet (Tracheotomie). Jetzt ist eine (leichte) Lungenentzündung hinzugekommen. Die Ärzte reagierten sofort. Er bekam 2 Breitbandantibiotika. Der Entzündungswert steigt aber noch weiterhin leicht an. Im Internet habe ich absolute Horrorinformationen mit sehr hohen Sterblichkeitsraten bei beatmungsbedingten Lungenentzündungen gelesen. Ich bekam echt Panik. Die Ärzte klingen hingegen nicht so dramatisch und gehen damit so um, als sei das ganz gut behebbar. Sie suchen (isolieren) den verantwortlichen Keim, um ein gezieltes Antibiotikum einsetzen zu können. Meine Frage ist: Ich lese immer wieder im Internet von tödlichem Verlauf. Woran genau kann man da sterben? Ich meine jetzt nicht die Todesursache. Das habe ich schon Recherchiert (Sauerstoffmangel etc.).. ich meine etwas anderes und zwar: Ist die Sterblichkeit deshalb so hoch, weil die Patienten entlassen werden und dann zu Hause die Entzündung (zunächst unentdeckt) weiter "reifen" lassen? Denn was ich nicht verstehe.. warum stirbt man im Krankenhaus daran, wenn die Ärzte alles unternehmen und mit Antibiotika behandeln? Ich habe schon gelesen, dass diese krankenhausbedingten Keime oft Resistenzen entwickelt haben. Aber bei guter Suche wird man doch den Keim mal "treffen" können, oder? So ähnlich klangen auch die Ärzte. Oder gibt es auch Keime, die gegen alle Antibiotika resistent sind? Das würde mir Angst machen. Wie gesagt.. die Ärzte klingen nicht so schlimm.. aber das Internet hat mir Angst gemacht.

Lieben Dank für Eure Antworten.

Antwort von schanny,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Imungeschwächte Patienten (nach einer OP sind das die meisten)sind anfällig für Lungenentzündungen. Oftmals fangen sie mit einem Virusinfekt an, sie sind dann die Vorreiter für die Bakterien. Gegen die Bakterien können Antibiotika gegeben werden, allerdings gibt es auch sogenannte Krankenhauskeime wie den MRSA, der sehr resistent gegenüber Penicillin und Antiobiotikagaben ist. Trotz aller Medikamente, muss der Patient gegen die meisten Viren selbst Antikörper bilden und dagegen ankämpfen. Das dauert wesentlich länger, als bei einem halbwegs gesunden Menschen, verständlicherweise. Hinzu kommt noch die Bettlägerigkeit, die Lungen werden in Rückenlage nicht gut belüftet, deshalb inhalieren viele Patienten und werden umgelagert. Bei einem Tracheostoma wird die Einatemluft nicht vorgewärmt, gereinigt und angefeuchtet wie bei einer normalen Nasenatmung. Allerdings kann man das Bronchialsekret absaugen, ist von Vorteil wenn der Patient selbst zu schwach zum abhusten ist. Die hohe Sterblichkeit bei Lungenentzündungen liegt tatsächlich daran, dass viele nicht früh entdeckt werden. Viele Patienten erleiden einen Schlaganfall (die Zahlen sind neben dem Herzinfarkt enorm gestiegen). Durch neuronale Schäden,bei denen die motorischen und sensiblen Nerven zum Teil geschädigt sind, wird nicht unbedingt erkannt, dass der Patient still aspiriert, d.h. bei der Nahrungsaufnahme gelangen Speisen in die Luftröhre und rutschen in die Lunge. Die Patienten bekommen Fieber und auf Röntgenaufnahmen vom Thorax kann man unklare Herde in der Lunge feststellen. Geringe Mengen an Wasser können von der Lunge eventuell verstoffwechselt werden, aber bei Nahrungsresten sieht es schon anders aus. Gegen diese Form von Lungenentzündung helfen auch nicht Antibiotika, leider, daher kommt es zu einer hohen Sterblichkeit. Hatte Dein Vater nach der OP denn einen Schlaganfall erlitten? Ist er ansprechbar? Kann er selbstständig husten? Verschluckt er sich oft bei den Mahlzeiten? Hat er mit den verschiedenen Konsistenzen von Speisen Schwierigkeiten? Wenn tatsächlich eine stille Aspiration vorliegt (durch eine transnasale Endoskopie mit Schluckdiagnostik kann man so etwas feststellen) sollte Dein Vater schleunigst eine PEG bekommen und durch eine erfahrene Logopädin, die spezialisiert ist auf Dysphagien, einen Koststufenplan und Schluckübungen langsam wieder auf Normalkost aufgebaut werden. Gute Besserung!

Kommentar von Sorgenmacher,

Hallo Schanny, vielen Dank für deine schnelle und gute Antwort. Ich beantworte dir mal meine Fragen. Einen Schlaganfall hatte mein Vater nicht (ich wusste gar nicht, dass eine Lungenentzündung einen Schlaganfall verursachen kann?). Sprechen kann er gar nicht. Er wurde eine Woche ins künstliche Koma gelegt, da er schwer atmen konnte. Seit 4 Tagen haben sie ihn zurückgeholt. Er reagiert auch auf mich und Besuch. Allerdings sehr träge. Lächelt, winkt etc. Reden kann er noch nicht oder Husten. Und Nahrungsaufnahme ist auch noch nicht möglich. Er wird iv ernährt bzw. auch durch Nasensonde, wobei ich jetzt gesehen habe, das die Sonde offenbar nichts mehr zuleitet, sondern Sekret ableitet. Denn vorgestern wurde die Beatmung abgestellt für ein paar Minuten, damit er alleine versucht zu atmen. Das klappte aber nicht. Atmen konnte er zwar selber, aber das fiel ihm sehr schwer, denn er verschluckte sich immer, bedingt durch Schleim etc. Jetzt ist die Beatmung wieder komplett an. Wie würde denn ein MRSA behandelt werden müssen? Welche besonderen Antibiotika helfen da? Ich meine.. ich will den Ärzten nichts erklären wollen.. die werden schon wissen, was sie tun.. und ich möchte auch nicht misstrauisch herüberkommen. Aber auf der anderen Seite könnte ich dann mal gezielt fragen, ob dieses oder jenes Mittel schon eingesetzt wird. Insbesondere werde ich morgen mal nach Diagnostik MRSA fragen.. habe nämlich gelesen, das es leider wohl nicht selten vorkommt, das Krankenhäuser darauf sehr (zu) spät testen.

Kommentar von schanny,

Ich glaube, Du hast etwas falsch verstanden. Eine OP kann durch Thromben einen Schlaganfall verursachen, und der wiederum eine Lungenentzündung. Warum wird Dein Vater beatmet? Das muss ja einen Grund haben. Einen leichte Lungenentzündung hat nicht eine Beatmung zur Folge. Was war während der OP? Bei Verdacht wird relativ schnell ein Abstrich und anschließend die Untersuchung auf MRSA gemacht. Fragen kostet nichts, klar, die Ärzte müßten Dir Auskunft geben. L.G.

Kommentar von Sorgenmacher,

Bei ihm wurde Wasser in der Lunge festgestellt (wie ich beschrieben habe wegen Eiweißmangel). Er bekam beidseitig Lungendrainagen, um das Wasser abzuführen und Aufbaupräparate, damit die Zellen kein weiteres Wasser in die Lunge absondern. Es hie nur, er habe sehr schwer atmen können, darum habe man ihn zur Erleichterung ins künstliche Koma mit Intubation gelegt. Der Weg war so: Erst Atemmaske, dann Tubus, weil es für ihn z anstrengend war. Dannzum/beim Aufwachprozess wurde die Beatmung mit Luftröhrenschnitt gemacht. Es hieß, das sei besser, wenn er langsam wach wird, da der Tubus im Hals stört. Also, ich bin natürlich Laie, aber durch Recherche im Internet habe ich viel von diesen nosokomialen Lungenentztündungen gehört. Ich gehe schwer davon aus, dass das die Ursache ist (die Beatmung und in die Lunge gelangte Keime). :(((((

Kommentar von schanny,

Hallo Sorgemmacher, das Trachoestoma ist ein Einwegprodukt, d.h. es wird nicht wieder verwendet, ist also steril. Selbst gesunde Menschen sind mit dem MRSA Keim infiziert, sie spüren aber keine Symptome, weil ihr Imunsystem es in Schach hält. Abwehrgeschwächte Patienten, die zudem noch bettlägerig sind infizieren sich über verschiedene Übertragungswege und bekommen Beschwerden, wie eitrige Bläschen, Fieber auch in den Atemwegen. Die Zunge hat meist weißliche Beläge, die nur schwer zu entfernen sind. MRSA Infizierte werden isoliert untergebracht, d.h. Einzelbettzimmer. Die Menschen die dieses Zimmer betreten müssen sich durch Schutzkleidung und Atemmaske, sowie Handschuhe, Kopfhaube usw. schützen. Sie betreten eine "Schleuse", in der sie nach dem Besuch, die Schutzkleidung belassen. Der Abstrich wird meist aus dem Rachen entnommen und anschließend im Labor untersucht. Die meisten Kliniken weisen bei Verdacht eine solche Untersuchung an, um schnellstens den Patienten zu isolieren. Die Lungen Deines Vaters können sich nicht richtig belüften durch das eingelagerte Wasser. Es herrscht dort eine optimale Feuchtigkeit und Wärme und eingedrungene Keime können sich rasch vermehren und finden optimale Lebensbedingungen.Den Keim heraus zu finden ist unter diesen hunderten von verschiedenen Arten schwierig. Ich bin mir sicher, dass für Deinen Vater alles menschenmögliche getan wird und das er dort gut versorgt wird.

Antwort von anonymous,

hallo, ich brauche ihre Hilfe. Meine Mutter ist jetzt wegen Lungenentzueundung in Krankenhaus und hat auch Atemproblem, liegt jetzt in Komma und die Arzte finden ist auch auf der Suche nach Keim. Ich mache mir viel Angst, wenn die Keim nicht finden kann und wollte Ihnen fragen, wie es bei deiner Vater darmals war. Also wie es weiter lief? Super Danke. Es ist sehr lebensnotwendig!

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