Frage von ottaro, 108

Kriege nichts auf die Reihe - was tun?

Guten Abend liebe GF-User,

es ist mal wieder soweit, dass ich mich wie ein totaler Versager fühle

Ich schreibe in ca. 2-3 Wochen mein Abitur und weiß, dass ich es nicht schaffen werde, obwohl ich schon den halben Tag mit Lernen beschäftigt bin. Auch nach dem Abitur weiß ich nicht, wie es weiter geht; Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz sind schon seit den Sommerferien raus und hab auch schon einige Vorstellungsgespräche hinter mir, die - in meinen Augen - nicht allesamt schlecht waren.

Ich habe vorhin auch eine Zusage für einen Ferienjob bei der Daimler AG bekommen, hab daraufhin Panikattacken und abruptes Erbrechen bekommen, weil ich im Vorfeld bereits weiß, dass ich den Anforderungen nicht gerecht werde und ich vielleicht letztendlich für das "Pleitegehen" des Großkonzerns verantwortlich wäre, da ich - wegen meiner Ungeschicklichkeit - nicht schnell genug mit der Bandarbeit fertig werden würde und somit die ganze Produktion aufgehalten hätte; habe daraufhin abgesagt - ich weiß,dass das sehr undankbar war/ist, aber ich habe mich schon seit dem Losschicken der Bewerbung damit gequält - fragt bitte nicht, weshalb ich mich dort überhaupt beworben habe; ich dachte, dass ich ein bisschen Arbeitserfahrung sammeln könnte,allerdings habe ich mich kurz vor knapp umentschieden, da ich zu große Angst habe. Ich versuche es vielleicht mal wieder in einem Eiscafe oder Ähnlichem.

Nun aber zu meiner eigentlichen Frage. Woran könnte das liegen, dass ich eine solche "Abneigung" gegenüber Arbeit habe? Welch psychologische Ursache liegt dahinter? Ich habe auch immer Angst, dass ich irgendetwas falsch mache und ich dafür von jedem gehasst und dumm angemacht werde - was ja auch meistens zutrifft. Ich bin wirklich nicht faul, arbeite viel im Haushalt mit und helfe auch des Öfteren meinen Nachbarn; ich biete immer Hilfe an, soweit es geht, weigere mich aber vor einer "praxisorientierten" Beschäftigung, da ich dies sowieso nicht hinbekomme, da ich - wie bereits gesagt - sehr tollpatschig bin und eh zu nichts zunutze bin.

Ich weiß auch, dass ich - falls ich jemals im Berufsleben stehen werde - spätestens nach zwei Monaten gekündigt werde, da man solch einen Nichtnutz oder Abschaum eh nicht gebrauchen kann. Woran liegt das? Bin ich zu blöd? Bin ich zu unkonzentriert? Oder leide ich an einem psychischen Leiden? Bitte ernstgemeinte Antworten.

Okay, das ist jetzt viel Text, tut mir leid. Ich hoffe auch, dass ich das ins richtige Forum geschrieben habe, da ich dachte, dass das eventuell doch einer psychischen Ursache zugrunde liegt.

Ich freue mich auf jede Antwort von euch.

ottaro

Antwort
von evistie, 53

Mensch, @ottaro...! Da haben wir Dir bereits im vorigen Jahr gut zugeredet
wie einem kranken Gaul und haben haufenweise Tipps und Ratschläge
verteilt. Du warst darüber hinaus sogar schon von ganz allein zu der
Einsicht gekommen, dass Dir eine Psychotherapie helfen könnte... und
nun jammerst Du hier erneut herum über haargenau dieselben Probleme, nur dass bei Dir inzwischen alles noch extremer geworden zu sein scheint.

Was willst Du von uns - ordentlich bedauert werden? Um "guten

Rat" geht es Dir ja wohl kaum: bezüglich Deines Selbstbewusstseins ist

hier bereits alles gesagt und geraten worden, aber

umgesetzt

hast

Du davon ganz offensichtlich nichts.

Ich kann Dir bestätigen, dass Du Deine Methoden, Dich selbst runterzumachen und klein zu reden, inzwischen perfektioniert hast, wobei Du aber offensichtlich den Bezug zur Realität mehr und mehr verlierst.
 "...und ich vielleicht letztendlich für das "Pleitegehen"
des Großkonzerns verantwortlich wäre" - geht es vielleicht auch eine
Nummer kleiner??! Ist jetzt Dein fehlendes Selbstbewusstsein in maßlose
Selbstüberschätzung umgeschlagen, oder warum hältst Du Dich und Deine Tätigkeit bei Daimler für so bedeutend, dass Du um den Fortbestand der Firma fürchtest, wenn Du dort ein paar Handschläge machst?!

"Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!" - kennst Du den
Spruch? Im Rahmen Deiner (neuen) maßlosen Selbstüberschätzung ist
es offenbar nicht vorgesehen, klein anzufangen, Fehler zu machen,
dazuzulernen und immer besser zu werden. Wenn Du nicht gleich am ersten Tag schon perfekt sein kannst (und das kann niemand...!), dann fängst Du lieber gar nicht erst an. Das hast Du Dir sehr geschickt ausgedacht, um nicht mit eventuellem Anfangsversagen, Korrekturen oder gar Kritik konfrontiert zu werden. Dazu gibt es gleich einen weiteren Spruch von mir obendrauf: "Wer arbeitet, macht Fehler. Wer viel arbeitet, macht viele Fehler. Wer gar keine Fehler macht, ist ein fauler Hund...!!"

Ich weiß nicht, was in Deiner Kindheit und Jugend so permanent schief
gelaufen ist, dass Du jetzt dieses jämmerliche Selbstbild von Dir nicht nur
hast, sondern Dich geradezu darin suhlst. Aber lass Dir gesagt sein: selbst
wenn Du Dein Abitur jetzt tatsächlich in den Sand setzt - die
"Reifeprüfung fürs Leben" solltest Du längst abgelegt haben! Wie alt
bist Du jetzt - 19? 20? Oder noch älter...? Auf jeden Fall volljährig,
"erwachsen" und fähig, die Verantwortung für Dich und Dein weiteres
Leben selbst zu übernehmen.

Dazu gehört:

- Schluss mit dem nutz- und
tatenlosen Gejammere hier und wahrscheinlich auch anderswo,

 - Du kümmerst Dich nunmehr
unverzüglich und intensiv um eine Psychotherapie,

- Du beweist ab sofort Dir  selbst und anderen, dass Du kein Nichtsnutz, Schlaffi oder Weichei  bist, indem Du Deine ständigen Vermeidungstaktiken aufgibst und Dich dem  Leben mit all seinen schönen und weniger schönen Erlebnissen stellst.

Woran könnte das liegen, dass ich eine solche "Abneigung"
gegenüber Arbeit habe?

Hast Du doch gar nicht! Nach eigenem Bekunden hilfst Du im Haushalt und bei Nachbarn, und so, wie es aussieht, hat Dich bisher weder Deine Mutter

wegen Zerstörung ihres Haushalts vor die Tür gesetzt, noch haben die Nachbarn Dich wegen Deiner miserablen Hilfe gesteinigt.

Ich sag Dir was: Du hast lediglich Deine Abneigung gegen das Versagen und gegen mögliche Kritik zum Leitmotiv Deines Lebens erkoren, und davon musst Du - wie ich meine, mit psychotherapeutischer Hilfe - wegkommen!

Lies doch mal hier: http://coachingeffect.de/selbstcoaching/9-strategien-gegen-versagensangst/

Die Tipps darin sind echt brauchbar. Bitte aber nicht als Werbung für
"Das Coachingeffect Komplettsystem​", welches dort angeboten wird,
mißverstehen...!

 

Kommentar von ottaro ,

Okay danke; ich glaube, dass ich solch einen "Anschiss" mal dringend gebraucht hab.

Gruß

Kommentar von evistie ,

Es wäre schön, wenn ich Dir damit einen Schubs in die richtige Richtung gegeben hätte... wirst Du denn jetzt "in eigener Sache aktiv" werden?

Antwort
von Taigar, 56

Hi ottaro,

Nun dein Problem liegt wie du denk ich schon selbst erahnen kannst an einem mangelnden Selbstbewusstsein. Du hast Versagensängste und denkst zuviel nach über Dinge die noch in der ferne liegen bzw. dessen Ausgang du nicht wissen kannst.

Wurdest du öfter mal angemeckert durch Eltern, Lehrer oder Schulkameraden weil du öfter mal was falsch gemacht hast?

Hast du wenig Lob bekommen für Sachen die du richtig gemacht hast?

Ich denke in der Tat das mit so einer Einstellung der Einstieg in die Berufswelt schwierig ist denn wenn du da schon mit 0 Motivation und Selbstvertrauen hingehst wird die Arbeit auch dementsprechend aussehen.
Es könnte natürlich auch sein dass du dich beim Einarbeiten plötzlich um 180 Grad wandelst und aufblühst .. Es käme halt auf nen Versuch an .. Soviel Mist bauen kannst du am Anfang nicht denn man hat immer jemanden da der einem über die Schulter guckt zu beginn ..

Du solltest dich meiner Meinung nach um eine Therapie bemühen in der geklärt wird warum du dieses Versagensängste hast und warum du so´n Schwarzmaler bist ..

Ich würde dir eig. gegen mangelndes Selbstbewusstsein Sport empfehlen, z.b Boxen, Karate oder sowas .. Das steigert das Selbstbewusstsein nämlich ungemein .. Allerdings vermute ich dass du wegen deiner Versagensängste dazu nicht in der Lage wärst, oder täusche ich mich da?

Ich denke du hast Qualitäten und wärst aufjedenfall auch ein potentiell guter Mitarbeiter für einen Betrieb wenn du die richtige Einstellung hast .. Und ich bin mir sicher dass du gar nicht so tollpatschig oder unnütz bist wie du dir einredest bzw. dir eingeredet wird ..

Dein Post hier zeigt das du etwas tun willst, also nimm deine Zukunft in die Hand und geh es an die Weichen für einen guten Lebensstart zu stellen. Sprich dein Hausarzt mal auf diese Thematik an und frag ob er eine Fähige Person kennt mit der du das ganze bereden kannst.

Alles Gute!

Kommentar von ottaro ,

Ja, da hätte ich schon ein bisschen Angst, weil die anderen ja keine Anfänger bzw. Neueinsteiger wären und ich der - vermutlich - Einzige/Schlechteste wäre. :(

Danke für deine Antwort. :)

Gruß

Antwort
von Nelly1433, 34

Hallo Ottaro,

ich weiß nicht, was die Ursache Deiner Ängste ist. Möchte zu den hier gegebenen guten Ratschlägen aber gerne folgende wahre Geschichte beitragen.

Als Linkshänder, der auf Rechts gezwungen wurde, war ich immer ziemlich ungeschickt. Was wiederum dazu führte, dass ich als Kind öfter was kaputt gemacht habe und entsprechend ausgeschimpft oder bestraft wurde. Zudem durfte ich mir - besonders von meinem Vater - immer wieder anhören, dass ich ein Linksknüppel sei. Und wenn ich z.B. Brot geschnitten habe (früher kaufte man das Brot beim Bäcker und schnitt die Scheiben, die gebraucht wurde, selbst zu Hause mit dem Messer ab), hieß es immer wieder 'du kannst das nicht', 'du schneidest dich', 'ich kann das nicht mit ansehen!' usw. Das war für mich nicht sehr aufbauend...

In den Schulferien hab ich dann irgendwann zum ersten Mal gejobbt und habe in der Lebensmittelabteilung eines kleinen Kaufhauses ausgeholfen. Und siehe da, niemand hat mir gesagt 'das kannst du nicht', 'stell dich nicht so ungeschickt an' oder sonst etwas in der Art. Man hat mir gesagt, was ich tun soll und ich hab einfach meinen Job gemacht.

Irgendwann gab es dann dort frische Pilze im Angebot. Damals wurden die noch per Hand abgewogen und verkauft. Dummerweise ist mir entgangen, dass der Preis für Pilze pro 250 g - und nicht wie für das andere Obst und Gemüse pro 500 g - angegeben war. Die Leute standen bei mir Schlange, weil ich Ihnen 500 g Pilze zum Preis von 250 g verkaufte. Irgendwann hat mich dann ein sehr netter Kunde auf meinen Fehler aufmerksam gemacht. Am liebsten wäre ich im Boden versunken. Hab dann aber sofort richtig abgerechnet. Sonst ist nix passiert. Ich wurde auch nicht rausgeworfen.

Ca. 20 Jahre später hat der Laden dann wirklich zu gemacht. Was aber ganz sicher nicht an meinem damaligen Fehler lag.

Ich kann Dir nur raten, such Dir einen neuen Ferienjob oder mach Deine Absage rückgängig. Du wirst sehen: Du kannst das! Und Du wirst - vielleicht wie ich damals zum ersten Mal - die Bestätigung bekommen, dass Du kein Versager bist!

Und Dein Abitur schaffst Du auch! Es gibt viele, die Prüfungsangst haben. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie bei allen Prüfungen durchfallen. Und selbst falls man eine Prüfung nicht besteht: Man kann sie wiederholen! Das ist keine Schande! 

Nur Mut, geh raus ins Leben. Der Mensch wächst an seinen Aufgaben. Und Neues lernen muss jeder von uns immer wieder. Und aus den eigenen Fehlern lernt man, es beim nächsten Mal besser zu machen. Nobody's perfect!

Alles Gute!

Kommentar von ottaro ,

Danke für deine Antwort!

Die Geschichte mit den Pilzen war sehr aufbauend, auch hierfür danke! :)

Gruß

Antwort
von Spe1234, 11

Was mich immer wieder an Leuten wie dir fasziniert ist die Tatsache, dass ihr zwar sehr viele Erfolge vorweisen könnt, euch aber dennoch für einen Versager haltet.

Du unterschätzt dich selbst und deine Fähigkeiten. Du hast ein Jobangebot nicht ohne Grund bekommen. Anstatt dich davor zu fürchten solltest du die Chance nutzen, nicht jeder hier in diesem Land hat Arbeit! 

Außerdem erscheinst du mir, wenn ich es zumindest nach der Rechtschreibung und Ausdrucksweise beurteilen kann, keinesfalls als blöd. Ich habe mich auch immer wieder unterschätzt, hatte Depressionen und hielt mich für einen Versager. Bei mir war das aber so, weil ich tatsächlich Kritik und/oder Absagen bekommen habe, bei dir scheint es ja so zu sein, dass du recht viel Erfolg hast.

Du weißt, dass du das Abitur nicht schaffen wirst, obwohl du jeden Tag lernst? Wenn ich zum Beispiel morgen zur Uni gehe und dort die medizinische Aufnahmeprüfung (ist in meinem Land erforderlich um Medizin studieren zu dürfen) absolvieren will, dann weiß ich, dass ich es zu 100% nicht schaffe, weil ich mir nichts von dem Stoff durchgeschaut habe. Wie sollte ich es denn auch schaffen?

 Da du aber den Stoff der Abitur-Prüfung kennst, genug Zeit zum Lernen hast und nicht dumm bist, wirst du es schaffen.

Du bist nicht depressiv, du hast keine psychische Störung oder sonstiges. Du bist einfach extremst pessimistisch.

Kommentar von ottaro ,

Danke für dein Mutmachen und deinen Lob! Ich werde auch versuchen, meinen Pessimismus - soweit es geht - abzulegen, so schwer es auch ist. :(

Danke für die Antwort! :)

Gruß

Antwort
von Hooks, 34

Ottaro, mal ganz ruhig bleiben, tüchtig Vitamin-B-Komplex schlucken und massenweise Magnesium dazu, das sind jetzt einfach die Nerven.

Habe auch mal Abitur gemacht...

Allerdings kommt es mir ein bißchen komisch vor, daß Du immer schon weißt, was in der Zukunft passieren wird... vielleicht solltest Du mal ein bißchen ergebnisoffener in den Tag gehen.

Kommentar von ottaro ,

Ja, aber mit der Zeit wird das schwer, weil man immer wieder aufs Neue enttäuscht wird.

Danke für die Antwort! :)

Gruß

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