Frage von givemore, 24

Körperliche Arztuntersuchungen immer weniger .

Eine hier gestellte Frage veranlasst mich zu folgender Frage: Warum wird bei Untersuchungen beim Allgemein- und Facharzt immer weniger oder kaum noch körperlich untersucht ? Auch das Gewicht und die Körpergrösse werden selten vom Arzt gemessen, sondern vom Patienten erfragt ! Ebenso wenig wird auch nach dem Hintergrund und Umfeld des Patienten gefragt. Eine körperliche Untersuchung von Zunge, Augen, Ohren, Haaren, Haut, Fingernägeln könnte m.E. einem guten, erfahrenen Arzt wesentliche Erkenntnisse über den Gesundheitszustand eines Patienten geben. Ich kann mich erinneren, dass mir als Jugendlicher vom Hausarzt die Zunge ,die inneren Augenränder und die Fingernägel angeschaut wurden. Werden diese Untersuchungen heutzutage nicht mehr aus Zeitgründen gemacht oder haben die Ärzte das im Studium nicht mehr gelernt und deshalb für überflüssig gehalten?

Antwort
von sonne123, 14

Hallo givemore,

es ist nicht das "Nicht wollen" sondern eher das "Nicht können" aus Zeitgründen,Überlastung,Schriftverkehr, Einhaltung des Budgets.........für jeden Patienten zahlt die KK pro Quartal eine Pauschale und das unabhängig davon ob er nun 1x oder 10x die Praxis aufsucht usw .........alles das führt dazu,das für den Patienten nur noch sehr wenig Zeit bleibt.Auch das Alter des Arztes sollte man nicht ausser acht lassen,wir werden alle nicht jünger und wieviele ältere Hausärzte gibt es schon,die in absehbarer Zeit ihre Praxis schließen müssen ohne einen Nachfolger oder ein anderes Beispiel,wenn ein HA ganz plötzlich verstirbt.........für den Patienten ist es dann sehr sehr schwer überhaupt einen neuen HA zu finden und dann kann es schon mal heißen "Patientenstop",weil es einfach nicht mehr zu schaffen ist.

Aber eines ist jetzt schon sicher ,besser wird es nicht,im Gegenteil und das alles zu Lasten des Patienten und der zu wenig übrig gebliebenen Ärzte,vor allem in ländlichen Gebieten.......Liebe Grüße

Kommentar von givemore ,

Ich behaupte jetzt mal, dass aufgrund der mangelnden Zeit keine ausreichende oder zutreffende Diagnose in den meisten Fällen, sehr zum Schaden der Patienten, gestellt werden kann. Und ohne ausreichende Diagnose keine ausreichende Therapie.Es sind eher Diagnose-Schnellschüsse in der kurzen Zeit möglich. Daher meine ich : wenn die Ärzte ihren Berufsethos ernsthaft hochhalten wollen, müssten sie streiken und über ihre Standesorganisationen mitteilen lassen, dass sie in der kurzen Zeit nicht verantwortlich arbeiten können und die Gefahr von Fehldiagnosen und Fehlbehandlungen gegeben ist.

Antwort
von Mahut, 12

Ich denke mal, das liegt an unserem maroden Gesundheitssystem, der Arzt hat nur noch ca. 5 Minuten pro Patient, wo soll er da noch körperliche Untersuchungen mache. Ich habe das Glück, dass ich in einer Gemeinschaftspraxis bin und meine Ärztin sich immer Zeit nimmt, wenn es Not tut, werde ich auch gründlich untersucht, mein vorheriger Arzt hat auch nichts gemacht, da habe ich bei www.jameda.de nach gut bewerteten Ärzten gesucht und mit den neuen Ärzten, egal ob Fach oder Hausärzte sind alle durchweg gut.

Kommentar von givemore ,

Auch eine Gemeinschaftspraxis muss wirtschaftlich arbeiten. Es liegt in Deinem Fall eher an der Ärztin , die sich etwas mehr Zeit für Dich nimmt, als sich rechnet. Auch ich habe das Glück z.Zt. einen Arzt zu haben der sich mehr als 5 Minuten Zeit nimmt, mitunter sogar 20 oder 30 Minuten, natürlich nicht jedes Mal. Ich nutze das nicht aus und gehe nur zum Arzt wenn nötig.Bin daher sehr zufrieden mit dem Arzt, auch wegen seiner ruhigen Art.

Antwort
von elliellen, 10

Hallo!

Du hast Recht. Ich kann mich erinnern, dass unser Heilpraktiker damals, als ich noch ein Kind war, die Untersuchung von Zunge und Augen immer sehr wichtig fand. Gerade am Zungenbelag kann man einige Krankheiten erkennen.

http://naturheilpraxis-janson.de/pdf/DHZ_3_2011_Janson.pdf

Ich habe bei Ärzten schon oft erlebt, dass sie sogar im Computer nachschauen mussten, welches Präparat für bestimmte Beschwerden angezeigt ist.

Kommentar von Nic129 ,
Ich habe bei Ärzten schon oft erlebt, dass sie sogar im Computer nachschauen mussten, welches Präparat für bestimmte Beschwerden angezeigt ist.

Lieber im Computer nachschauen, als einfach etwas verordnen - in der Hoffnung, es ist das Richtige. Das sollte eigentlich nicht in die Bewertung eines Kollegen mit einfließen. Wir können nun einmal nicht jedes bescheuerte Präparat kennen. Die werden doch im regelmäßigen Rhythmus ausgetauscht. Manchmal sogar so oft, wie Menschen ihre Hose wechseln.

Kommentar von charlotte7 ,

Die ganze Flut an Medikamenten mit Neben- und Wechselwirkungen, Kontraindikationen etc. können Mediziner nicht alle im Kopf haben. Mal abgesehen davon, dass die Ärzte m.E. viel zu viel Medikamente verschreiben und z.T. mit Kanonen auf Spatzen schiessen, anstatt auch mal sanftere Mittel einzusetzen, finde ich es schon in Ordnung, wenn sie sich wenigstens ausreichend informieren, bevor sie was verschreiben.

Kommentar von elliellen ,

Es geht nicht um neue Präparate, die sich ändern, es geht darum, dass sich leider die meisten Ärzte nur mit den stärkeren Medikamenten auskennen, die sie regelmäßig verschreiben "dürfen". Bei leichteren, pflanzlichen Präparaten müssen einige Ärzte erst einmal schauen, welche Wirkstoffe bei welchen Beschwerden angebracht sind. Ich selbst kannte mein gewünschtes Medikament, nannte es und bekam es dann verschrieben. Das scheint aber kein Einzelfall gewesen zu sein, ich höre soetwas häufig. Ich selbst bin nur äusserst selten beim Arzt.

Antwort
von rulamann, 7

Doch sie haben es im Studium gelernt! Aber es ist nun mal so ,dass die Ärzte sich einfach nicht mehr Zeit nehmen können, weil sie von den Krankenkassen zu wenig bezahlt bekommen und da eine Arztpraxis auch ein kleines Wirtschaftsunternehmen ist muss auch ein Arzt schauen wo er bleibt. Du solltest bedenken welche Kosten diese Ärzte haben, sie müssen zumeist Miete und ihre Angestellten bezahlen und auch noch mit den Krankenkassen um jeden Cent kämpfen. Ganz zu Schweigen wenn sie chronisch Kranke behandeln müssen, hier müssen sie bei dem Medikamentieren genaueste Rechenschaft ablegen, wenn man das Alles bedenkt sollte es eigentlich klar sein dass die heutigen Ärzte sich einfach nicht mehr die Zeit nehmen können wie es früher mal war. Leider wird das alles auf dem Rücken der Patienten ausgetragen und der Patient ist somit immer der Leidtragende.

Viele Grüße rulamann

Kommentar von Nic129 ,

Tolle Antwort! Einer der wenigen, der den Hintergrund der Sache versteht. Niedergelassene Ärzte kämpfen um das nackte Überleben.

Kommentar von Mahut ,

Genauso ist es Nic und rulamann,

Kommentar von givemore ,

Wenn das so ist, sollten die Ärzte Alarm schlagen und sagen, dass sie für das Geld keine Zeit haben, eine genaue Diagnose zu erstellen um einen Patienten heilen zu können. Dennoch glaube ich, dass auch bei Privatpatienten keine ausreichende körperliche Untersuchung vorgenommen wird, um zu einer genauen Diagnose zu kommen.

Kommentar von Nic129 ,

Noch einmal Hallo,

wir schlagen schon genug Alarm und beklagen uns auch schon genug über das fehlende Geld und Zeit. Nur leider interessiert das die Werten Herren nicht. Stattdessen kommen immer weitere Schnapsideen. Wenn die Krankenkasse auch noch im Nacken sitzt, ist das mehr als bescheiden.

Dennoch glaube ich, dass auch bei Privatpatienten keine ausreichende körperliche Untersuchung vorgenommen wird, um zu einer genauen Diagnose zu kommen.

Glauben Sie nicht so viel. Das hilft ungemein. Jeder bekommt die Untersuchungen, die erforderlich ist. Da Patienten oft dazu neigen, die Beschwerden herunterzuspielen oder etwas zu verheimlichen, ist das letztendlich immer so eine Sache. Wenn man aber alles sagt und sich klar ausdrückt, sollte es das geringste Problem sein.

Ich kann gerne, weil es heute Spaß macht, auch hier ein Beispiel einbringen, wie es bei mir läuft:

Patient, egal ob P oder GKV, unklare Schmerzen im Bauch.

  • Schritt 1: Anamnese

  • Schritt 2: körperliche Untersuchung (anschauen, abtasten, abhören, klopfen)

  • Schritt 3: (bildgebende) Diagnostik (z.B. Labor, Sono, b.B. MRT/CT/Röntgen)

  • Schritt 4: Befunde überblicken

  • Schritt 5: Diagnose stellen

  • Schritt 6: Therapieplanung (medikamentös, operativ,...)

Das war's.

Die körperliche Untersuchung beschränkt sich primär immer nur darauf, weshalb sich der Patient vorstellt. Irgendwann danach, wenn alles abgeklärt wurde, kann weiteres ins Auge gefasst werden.

Bei dem Ablauf spielt es keine Rolle, ob der Patient nun privat oder gesetzlich ist. Das ist mir letztendlich sowieso Jacke wie Hose, da ich nicht von profitiere. Also kann es mir auch egal sein. Es macht auch bei der Therapie keinen Unterschied.

Fragen wir anders:

Warum sollte ich Ihnen in den Mund schauen, wenn Sie sich bei mir in der Ambulanz mit akuten Unterbauchschmerzen vorstellen würden?! Hat keinen Sinn. Deshalb verwerfen. Wenn Sie Schluckbeschwerden, ect. hätten, dann würde die Geschichte anders aussehen.

;-)

Beiläufig erwähnt: sie sinnieren wenigstens über sinnvolles. Nicht über Unsinnigkeiten wie "wirkt meine Pille", wie es jeden Tag mind. 2x vorkommt. ;-)

Antwort
von charlotte7, 7

Es ist ein Dilemma. Die Ärzte könnten schon, wenn sie wollten. Aber sie wollen nicht. Warum nicht ? Sie werden dafür nicht entlohnt. Da ist das zu knappe Budget, die Fallpauschalen etc., die dazu führen, dass die Patienten möglichst schnell durchgeschleust werden. Kein Wunder, dass nicht nur die Ärzte das ändern wollen.

Antwort
von Nic129, 7

Hallo,

  1. wir können es durchaus. Halten es auch nicht unbedingt für überflüssig. Bei Größe und das Gewicht kann man sich durchaus auf den Patienten verlassen. Da muss man nicht jeden einzelnen Patienten, wenn er sich denn mal vorstellt, auf den Prüfstand stellen.

  2. es gibt bestimmte Vorsorgeuntersuchungen. Unnötigerweise wird kein Kollege einen Ganzkörperstatus machen. Bei Kinder- und Jugendlichen gehört das dazu. Ist aber sicherlich auch nicht unbekannt.

  3. Anlaufstelle ist generell der Hausarzt (der auch Facharzt ist). Von dort werden Sie überwiesen, sofern es erforderlich ist. Nun ist es leider so, dass es keine Primärarztpflicht (also erst Vorstellung beim Hausarzt, nur mit Überweisung eine Behandlung bei einem niedergelassenen Kollegen eines anderen Fachgebietes) gibt, was ich eigentlich schade finde. So würde den Fachärzten anderer Fachgebiete nicht die Tür eingerannt werden - manchmal sogar mitunter völlig unnötige Vorstellungen, die auch der Hausarzt hätte bewältigen können. Lässt sich nun einmal nicht ändern.

Da kämen wir schon zu Punkt 4, die Zeit:

Bedingt durch das Übergehen des Hausarztes haben die niedergelassenen Fachärzte natürlich ein Full-House. Das macht sich natürlich zum einen bei der Wartezeit bemerkbar, aber auch beim Arzt-Patienten-Kontakt.

Wenn Sie ein Wartezimmer (sagen wir mal mit 25 Patienten) voll haben und zusätzlich noch die o.g. Gruppe aufschlägt und sich als Notfall darstellen (bei dem sich am Ende herausstellt, er war alles andere als ein Notfall), können Sie nicht mehr viel Zeit aufwenden. Wer meint, man könnte trotzdem 30 Minuten mit dem Patienten reden und dadurch Zeit vergeuden, denkt zum einen nicht wirtschaftlich und hat zum anderen keinen Plan von Praxisführung.

Der größte Punkt ist aber, brauchen Sie länger als 7-8 Minuten, arbeiten Sie für nichts. Es ist unbezahlte Zeit - um es einmal extrem darzustellen. Ich kann gerne nachfolgend gleich ein kurzes Beispiel bringen. Einige Maßnahmen und Untersuchungen fallen mit in die Pauschale. Teilweise also viel Aufwand (möglicherweise unnötiger Aufwand), der niemandem hilft und auch nichts einbringt. Höchstens der Patient, der denkt man hätte etwas gemacht.

Zum Beispiel - ich kann nur für die Chirurgie sprechen:

Patient, gesetzlich versichert, stellt sich vor. Es kommt die Grundpauschale zum greifen. Das sind etwa 22 Euro. Diese Grundpauschale ist nur einmal im Quartal abrechenbar. Heißt, jede weitere Vorstellung im Quartal durch den gleichen Patienten bringt so gut wie nichts ein. Im Klartext: Patient kommt 20 x im Quartal, sind 22 Euro. Patient kommt 1 x im Quartal, sind 22 Euro.

Finden Sie Fehler?!

Was können Sie mit diesen lächerlichen 22 Euro machen? Sie müssen bedenken, in einer Praxis muss bezahlt werden:

  • Personal
  • Technik
  • Wartung
  • Materialien
  • Reinigung (ggf. auch "selbst ist der Mann")
  • usw.

Das Ergebnis der Rechnung am Ende eines Monats bzw. Quartals: sie zahlen drauf. Haben also die ganzen Monate für nichts gearbeitet. Das liegt nicht an den Patienten, sondern einfach am schlechtesten Gesundheitssystem.

Ohne Privatpatienten könnten niedergelassene Praxen nicht existieren. Sie könnten binnen eines Jahres Insolvenz anmelden. Das ist kein Scherz, das ist Pure Realität. Was glauben Sie, weshalb viele Praxen schließen oder sich niemand niederlassen möchte. Richtig, im Krankenhaus verdient man Geld, ohne sich groß mit irgendwelcher Bürokratie herumzuärgern. In der Praxis arbeiten Sie bis zum umfallen, unterm Strich kommt nichts dabei raus.

Nun, bitte nicht falsch verstehen. Aber Ihre Frage bedarf einer gewissen Hintergrundinformation, die ich damit geliefert habe. Man kann persönlich denken was man möchte. Aber ein bisschen sollte man schon wissen. Bei Kassenpatienten heißt es halt: Zeit ist Geld - klingt hart, aber hat einen wahren Kern.

Es ist immer einfach, auf Ärzte einzuschlagen und sich aufzuregen. Die meisten haben aber einfach keine Ahnung, was wirklich abgeht. Wie es wirklich hinter den Kulissen abgeht. Das der ein oder andere Kollege das spürbar zeigt, ist allzu verständlich.

So, um zu Ihrem Eingangspost zurückzukehren:

Wenn eine Ganzkörperuntersuchung nicht erforderlich ist, muss sie nicht gemacht werden. Es gibt Fälle, in denen ist es sinnvoll, aber auch Fälle, da kann man drauf verzichten. Das ist in 90% der Fall.

Letztendlich stellen Sie sich bei Ihrem Hausarzt in der Regel mit akuten Beschwerden vor. Die gilt es abzuklären und schlussendlich bei gestellter Diagnose zu therapieren. Nichts anderes steht im Vordergrund. Vorsorgeuntersuchungen, dafür einen Termin vereinbaren. Es ist eine IGEL-Leistung, heißt: bezahlen.

In diesem Sinne,

schöne Woche!

Kommentar von givemore ,

Danke für Deine ausführliche Antwort, aber was Vorsorgeuntersuchungen betrifft, hast Du Unrecht, die sind kostenlos, werden von der KK übernommen. Es ging mir auch nicht darum , dass der Arzt eine komplette Körperuntersuchung macht, sondern mal die Zunge anschaut oder die Augen, jenachdem. Er sollte aber auch in der Lage sein, z.B. einen Zungenbelag zu deuten und zuzuordnen. Und da bin ich eben skeptisch, ob das die jungen Ärzte heute noch können.

Kommentar von Nic129 ,

Nicht alle Vorsorgeuntersuchungen sind kostenlos. Darüber hinaus sind bestimmte Vorsorgeuntersuchungen nur einmal innerhalb eines bestimmten Zeitraumes kostenfrei. Als Beispiel: Nachweis von okkultem Blut im Stuhl im Rahmen der Vorsorge nur 1x pro Jahr (Patient muss mind. 50 Jahre alt sein). Die Darmspiegelung im Rahmen einer Vorsorge ab 55 Jahre. Ansonsten muss ein begründeter Verdacht vorliegen, um die Untersuchung zur Lasten der Kassen abrechnen zu können.

Naja, die Zunge sieht man immer dann, wenn man ohnehin schon hinein schaut. Wenn Patienten mit Beschwerden im Bauch kommen, schaue ich mir die Zunge nicht an. Da taste ich den Bauch ab, auskultiere und ggf. noch eine Sonographie. Das war's. Je nach Lage entscheide ich dann, ob eine weitere Untersuchung (z.B. ein MRT) erforderlich sind.

Ich gehöre wahrscheinlich auch noch in die junge Generation. Da ich aber weniger mit den allgemeinen Wehwehchen zu tun habe, sondern fast das Ende in der Kette bin, habe ich mit solchen Sachen weniger zu tun. Dennoch kann ich mit der ein oder anderen Auffälligkeit - auch was den Zungenbelag betrifft - etwas anfangen.

Nun, wie auch immer. Allgemein gesagt müssten Sie als Patienten Ihrem Arzt einfach vertrauen. Ohne Vertrauen bringt das nicht viel. Ähnelt sehr, als wenn man mit der Wand spricht. Sie können ja bei Bedarf mal Ihren Hausarzt ansprechen, er wird Ihnen sicherlich eine Antwort geben.

Viele Grüße

Kommentar von Nic129 ,

Weil ich gerade Ihr Kommentar oben drüber gelesen habe. Sie sprechen von Streik. Ich wäre dabei - andere Kollegen sicherlich auch. Aber das Geschrei ist dann von Seiten der Patienten wieder groß, da sie es einfach nicht verstehen. Sie gehören wenigstens zu der Gruppe Menschen, die die Umstände verstehen! Aber die Patienten haben nichts von einem Streik. Letztendlich müssen wir uns dann doch wieder den Sesselfurzern und Kranken Kassen unterwerfen.

Für Kollegen wäre der einfachste Schritt: KV-Zulassung niederlegen und nur noch Privatpatienten behandeln. Das wäre aber wieder ein Nachteil für die gesetzlich versicherten. Man hätte aber nicht mehr diese ewige Kontrolle.

Kommentar von walesca ,
...Letztendlich müssen wir uns dann doch wieder den Sesselfurzern und Kranken Kassen unterwerfen....Ohne Privatpatienten könnten niedergelassene Praxen nicht existieren.

Lieber Nic, da sprichst Du mir aus der Seele. Diese Erfahrung habe ich früher als Arzthelferin (Krankenhaus-Ambulanz und Privatpraxis) nur zu oft machen müssen. Deine ausführlichen Kommentare und Antworten kann ich nur voll unterstützen. Leider haben Streiks der Ärzte letztendlich doch nur zur Folge, dass wenige Ärzte wirklich mehr bekommen (z.B. alle, die viel Apparatemedizin anwenden, wie Radiologen etc./ Verteilerschlüssel der KVn)), während die Hausärzte vor Ort jedesmal die Dummen sind. Die Apparatemedizin zählt in unserem so hochgelobten Gesundheitswesen leider immer noch mehr als das Arzt-Patienten-Gespräch!! Ich ziehe vor jedem Arzt wirklich den Hut, der sich trotzdem dafür noch mit Elan einsetzt. (Mein HA ist so ein Exemplar). Bei meinen Ärzten ist es i.d.R. so, dass ich in der Praxis als Privatpatient keine Vorteile genieße, was ich auch völlig in Ordnung finde! Ich finde es z.B. schon äußerst unangenehm, wenn ich bei einem Facharzt mal in ein Extra-Wartezimmer gebeten werde. Was soll so ein Unsinn?? Dabei habe ich - ehrlich gesagt - immer ein schlechtes Gewissen! Dass die Ärzte bei der Untersuchung von Privaten mehr machen, kann ich nicht sagen. Sie sind dann nur oft in der Therapiewahl freier, da sie von den PKV nicht gedeckelt werden und ihnen keine Regressforderungen der KK im Nacken sitzen. LG

Kommentar von Nic129 ,

Zum Thema Private:

Nun, wenn wir einen Leistenbruch operieren, wird von seiten der Anästhesie bei Privatpatienten prinzipiell ein EEG mitgemacht - kein Standard! Effekt: der Anästhesist hat knappe 200 Euro mehr auf der Rechnung. Aber das ist bei Privatpatienten in der Regel egal, da der größte Teil - sofern man eine ordentliche Versicherung hat - ohnehin erstattet wird. Daher ist es für den Patienten eigentlich total egal, wieso und weshalb welche Ziffer auf der Rechnung stand, da er im Idealfall keinen Cent zahlen muss - außer seinen monatlichen Beitrag.

Nein, ein extra Wartezimmer muss nicht sein. Aber auch die Wartezeit unterscheidet sich im Durchschnitt vom Kassenpatienten nur geringfügig. Es gab vor einiger Zeit mal eine Veröffentlichung darüber. Weiß nicht mehr, von wem die war.

Ich verstehe diese Meckerei ohnehin nicht. Manchmal hat man das Gefühl, es ist purer Neid und Missgunst. Nur weil jemand aus der Grenze fällt, Beamter oder Freiberufler ist, und sich entsprechend privat versichern muss, wird ein riesen Fass aufgemacht. Dann hätten sich andere eben schlauer anstellen müssen oder bringen das nötige Kleingeld auf. Dann können sie ebenfalls die (geringen) Vorteile genießen. Es ist nun einmal so, wie es ist.

Zum Thema Kasse - das wird wieder lang:

Die Aufteilung ist sowieso eine Lachnummer. Aber es nützt nichts, wenn man sich darüber weiter aufregt. Wäre sicherlich aber auch ein kein falscher Schritt, eine gerechtere Verteilung ins Auge zu fassen. Das Radiologen am meisten profitieren, ist verständlich. Wenn man deren Verbindlichkeiten mit denen des Hausarztes vergleicht, sind das sicherlich Welten. Als ich vor einiger Zeit gehört habe, wie viel die Unterhaltung eines Magnetresonanztomographen kostet, musste ich auch einmal kurz schlucken.

Das Problem ist einfach das ganze System. Wie ich im Beispiel schon sagte. Der Patient kann sich unendliche Male vorstellen, es gibt keinen Cent mehr. Es sei denn, man hat nun doch etwas und muss irgendetwas tun. Läuft die Vorstellung wieder ins Leere, bleibt es bei der einmaligen Vergütung i.H.v. 22 Euro. Nun ist es so, dass sich Patienten im Quartal gewöhnlich mehrfach vorstellen. Man arbeitet also immer und immer wieder für nichts. Das kann nicht gerecht sein und ist auch nicht gerecht.

Wenn wir uns dann einmal darüber auslassen, wird sich gleich wieder das Maul zerrissen. So nach dem Motto: Warum müsst Ihr denn streiken? Warum wollt Ihr denn mehr Geld, Ihr verdient doch genug!?; Ihr bekommt den Hals nicht voll!" usw. usw.

Dann gibt es eben einfach mal Tage, an denen man angefressen ist. Dann bekommt das leider auch manchmal der Patient mit ab. Das lässt sich aber nicht verhindern. So wie es bei allen anderen Menschen auch mal passiert, so eben auch bei uns. Wir sind keine Maschinen. Auch wir sind Menschen, mit unterschiedlicher Tagesform.

Um es noch krasser darzustellen:

Patient, stellte sich im Quartal schon 13 mal mit gleichen Beschwerden vor, stellt sich auch heute vor. Wieder die gleiche Sache. Wieder alles beim Alten. Nichts neues. Wenn dann ggf. ein blöder Spruch vom Patienten kommt, wäre an dieser Stelle bei mir auch der Ofen aus - so ehrlich bin ich. Dann würde ich sicherlich auch meine Meinung sagen.

Gut, bringt jetzt auch nichts.

Aber viele, wirklich sehr viele, stellen sich das alles viel zu einfach vor. Das wir unserem Beruf längst nicht mehr nachgehen können, das interessiert niemanden. Wieso, weshalb und warum - auch nicht.

Ausgleichende Gerechtigkeit ;-)

Kommentar von Nic129 ,

Apropos... System...

Ich wäre nicht traurig wenn man den Kranken Kassen das Handwerk legen würde oder sie abschafft. Die arbeiten doch sowieso nur für ihre eigene Tasche. Der Überschuss wird immer schön den Managern in den Arsch geblasen. Die kleinen Dummen bekommen davon nichts ab.

Genauso das Bundesgesundheitsministerium. Die Sesselfurzer dort sind einfach nur Witzfiguren. Die bauen den wahren Bockmist und bekommen dafür auch noch massenweise Geld - deutlich mehr, wirklich deutlich mehr, als wir. Dabei haben gerade die doch das alles so herunterkommen lassen. Allen voran Frau Schmidt.

Kommentar von walesca ,

Weitere Kommentare überflüssig - ich kann Dir nur zustimmen. Trotzdem noch zur Klarstellung bzgl. "Privat". Mein Mann z.B. ist zwangsweise in der privaten Beamtenversicherung seit er den Aufstieg in den mittleren Dienst gemacht hat (nicht, weil er so viel verdient!!). Jetzt, nach einem zusätzlichen Fachstudium hat er keine Möglichkeit mehr, die KK zu wechseln (wie z.B. die GKV-Versicherten). In der freien Wirtschaft wäre jeder mit diesem Einkommen noch zwangsweise GKV-Patient!! LG

Kommentar von Nic129 ,

Richtig, diese zwangsläufige Privat hatte ich extra mit genannt.

Wenn sich zum Beispiel Selbstständige nicht privat versichern wollen, müssen sie sich freiwillig gesetzlich versichern und einen ziemlich hohen Beitrag zahlen - leider. Wenn man das dann gegenüberstellt, ist es für Selbstständige günstiger, wenn sie sich privat versichern.

Naja, es hat alles seine Vor- und Nachteile. Sowohl bei G, als auch bei P. Deswegen verstehe ich diesen ganzen Aufriss manchmal überhaupt nicht.

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