Frage von rambas, 77

Kann man mit Tai Chi die Selbstheilungskräfte stärken?

Tai Chi sieht irgendwie so toll aus und es macht den Eindruck, als wäre es nicht so schwer zu erlernen. Ich überlege mir schon, ob das Sinn machen würde. Wie sieht es mit den Selbstheilungskräften aus, oder dem Immunsystem. Hilft Tai Chi dabei auch?

Antwort
von klaussucher, 42

Ja, kann man. Das funktioniert mit einem Lehrer, der Taijiquan weitergibt, indem er die «Form» des Taijiquan mit der Körperenergie verbindet.

Dies ist die traditionelle Art, Taijiquan auszuüben. Als Taijiquan entstand, wurden nämlich Positionen aus der Kampfkunst mit der Kunst der Energieführung (Qigong. Qi = Lebensenergie, Atem plus Gong = Fähigkeit, Bemühung, Arbeit) verknüpft.

Mit diesem traditionellen Taijiquan (leider heute durchaus nicht mehr üblich bei manchen niveaulosen Unterrichtsformen) sorgst Du für einen ausgeglichenen Energiefluss im gesamten Organismus. Mit Organismus sind hierbei die verschiedenen Bereiche gemeint: Körper, Seele (Psyche) und Geist (Mentales).

Antwort
von Zweimal, 39

Alles, was dir Spaß macht und/oder deiner Entspannung dient, wirkt sich positiv auf dein Immunsystem aus, also auch Tai Chi.

Antwort
von Elllie, 24

Wenn ich es richtig sehe, dann ist Selbstheilung nur möglich, wenn Du innerlich ausgeglichen bist und tiefsitzende Traumata überwunden hast.

Genau diesen Zustand kannst Du mit Tai Chi erreichen. Allerdings müsste das ein Tai Chi sein, das nicht nur als Gymnastik ausgeübt wird, also, ich meine damit, nur äußerlich die sogenannte «Form» abspulen.

Suche Dir also einen Lehrer / eine Lehrerin, der neben der «Form» auch die inneren Aspekte des Tai Chi lehrt. Frage ihn, wie er das macht und welche Aspekte in seinem Training eine Rolle spielen. Wenn er Dich komisch anschaut, dann suche Dir einen anderen.

Alles andere ist nur Zeitvertreib. :-)

Antwort
von MenschVital, 27

Taijiquan sieht toll aus, da stimme ich dir zu. Ich praktiziere und lehre es seit mehr als 35 Jahren. Allerdings ist dein Eindruck nicht richtig, dass es nicht so schwer zu erlernen ist. Taijiquan gilt als die Königsdisziplin des Dao-Yoga, davor kommt die Beherrschung von Qigong inklusive der Führung der inneren Energien, von Meditation und Atemtechniken. Ich gebe zu, dass dies in vielen Fällen nicht so praktiziert wird, dann handelt es sich aber lediglich um eine schicke Art östlicher Gymnastik.

Durch diese Einordnung weißt du jetzt auch schon, dass ein starkes Immunsystem und in der Folge natürlich auch die Selbstheilungskräfte durch diese Arbeit gefördert werden. Das ist eine Folge dieser Arbeit, so wie z. B. durch Laufen die Durchblutung gefördert wird.

Wenn man über solche Dinge spekuliert, ist es aber wichtig und essentiell zu wissen, dass man durch das Nachahmen der äußeren Bewegungen kaum jemals solche Ziele erreichen wird, wie du sie angeführt hast. Und das ist zurückhaltend ausgedrückt. Taijiquan gilt auch deshalb als «Innere Kampfkunst», weil die «Innere Arbeit», Neigong genannt, einen mindestens ebenso großen Anteil an der Praxis des Taijiquan einnimmt, wie die äußere Choreographie.

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p>Es gibt einen Artikel, der diesen Zusammenhang aufgreift und beschreibt, guck mal hier: http://www.mensch-vital.com/innerer-wandel-im-taijiquan/.</p>

Aus dem bisher Gesagten kann man vor allem einen Schluss ziehen: Nachhaltige Wirkungen können nicht durch äußerliches Nachahmen erzielt werden. Nachhaltige Wirkungen sind die Folge geistiger Veränderungen, eines geistigen Wandels, der sich nicht allein auf die Formen des Taijiquan bezieht. Dasselbe gilt übrigens für Yoga und andere Techniken. Es ist ein fundamentales westliches Missverständnis zu glauben, dass Äußerlichkeiten ohne inneres Engagement Veränderungen hervorbringen könnten.

Wenn Taijiquan auf eine solche Art praktiziert wird, dann kann das durchaus ein Weg der Selbstheilung sein. Es braucht aber dazu sorgfältiges Abwägen, sorgfältiges Beobachten, Achtsamkeit sowie Disziplin und Durchhaltevermögen, heute gern auch als Resilienz bezeichnet.

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