Frage von september, 660

kann der chef erwarten, dass man eine OP in den Urlaub legt u auf den Urlaub verzichtet

bei mir wurde an beiden augen grauer star festgestellt, beide augen müssen operiert werden, für jedes auge muss ich mit einer krankschreibung von 7-10 tagen rechnen; da ich die praxis, in der ich arbeite, nicht unnötig belasten will, wollte ich die termine für diese OP's mit meinen chefs absprechen; man legte mir nahe mit hinweis auf das arbeitsrecht, dass ich die op's in meinen jahresurlaub legen möge und für dieses jahr dann auf den urlaub verzichten solle. diesen verzicht will man mir mit einem halben monatsgehalt vergüten. kann ein arbeitgeber das von mir erwarten?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo september,

Schau mal bitte hier:
Operation Urlaub

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Lexi77, 660

Hallo! Das kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen. Denn Urlaub soll ja dafür da sein, dass man sich vom stressigen Arbeitsalltag erholt, um nach dem Urlaub wieder fit für die Arbeit zu sein. Und eine bzw. zwei OPs sind wahrlich keine Erholung. Ich glaube nicht, dass der AG deswegen von dir verlangen kann, die OPs in deinen Urlaub zu legen. Zumal es ja um medizinisch notwendige OPs geht und nicht etwa um Schönheits-OPs, die man "aus Spaß an der Freud" macht.

Viele Grüße, Lexi

Kommentar von Lexi77 ,

Mir ist gerade noch was eingefallen. Wenn man z.B. während seines Urlaubs erkrankt, dann ist es doch so, dass die Urlaubstage für die Zeit der Erkrankung (mit Krankschreibung!) gutgeschrieben bekommt. Und wenn du an den Augen operiert wirst und danach auf jeden Fall krank geschrieben bist, dann müsstest du diese Urlaubstage dann ja auch wieder bekommen. Also würde sich dein Arbeitgeber ja eigentlich ein Eigentor schießen...

Dies habe ich dazu gefunden:

Bundesurlaubsgesetz

§ 9 Erkrankung während des Urlaubs

Erkrankt ein Arbeitnehmer während des Urlaubs, so werden die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit auf den Jahresurlaub nicht angerechnet.

http://dejure.org/gesetze/BUrlG/9.html

Kommentar von Lexi77 ,

Und dann habe ich noch was auf einer Seite aus der Schweiz gefunden, denke aber, dass das sicher so oder so ähnlich auch in Deutschland gilt:

Arbeitsrecht: Muss ich für die Operation Ferien nehmen?

Nein. Wenn eine Operation aus medizinischer Sicht indiziert ist - das heisst, wenn sie notwendig oder auch nur ärztlich empfohlen ist - und wenn diese Operation zu einer Arbeitsunfähigkeit führt, liegt eine unverschuldete Verhinderung an der Arbeitsleistung im Sinne des Obligationenrechts vor. Anders wäre es höchstens bei einer von Ihnen grundsätzlich selbst gewählten Behandlung, also zum Beispiel bei einer Schönheitsoperation.

...

Die ausgefallene Zeit müssen Sie ausserdem weder vor- noch nachholen.

Dies gilt übrigens auch dann, wenn die Operation zeitlich nicht dringend ist und irgendwann mal durchgeführt werden kann. Es wäre auch nicht zumutbar, wenn Sie die Operation auf unbestimmte Zeit verschieben müssten.

Ferien dienen nicht der Genesung

Sicher nicht zulässig ist es zudem, von Ihnen zu verlangen, die Operation in Ihre Ferien zu verlegen. Denn der jährliche Ferienanspruch von mindestens vier Wochen soll Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern uneingeschränkt zur Erholung von der erbrachten Arbeitsleistung zur Verfügung stehen. Die Genesung nach einer Operation ist jedoch etwas ganz anderes, das sich in der Regel mit dem Erholungszweck der Ferien nicht vereinbaren lässt.

http://www.beobachter.ch/arbeit-bildung/artikel/arbeitsrecht_muss-ich-fuer-die-o...

Antwort
von sonne123, 549

Hallo september,

wenn dein Chef auf die Gesetzeslage oder das Arbeitsrecht verweist,dann ist es auch seine Pflicht dir diese darzulegen und zwar so,das es für dich verständlich und nachvollziehbar ist. Und ich denke,das er spätestens hier Schwierigkeiten haben wird,denn der Urlaub ist nicht dazu da gesundheitliche Probleme zu kurieren.Der Anspruch auf Urlaub ist im Bundesurlaubsgesetz geregelt.Bei Krankheit greift das Entgeltfortzahlungsgesetz und hier ist der AG bis zu 6 Wochen im Jahr verpflichtet das Entgelt fortzuzahlen ......liebe Grüße

Antwort
von Winherby, 348

Wer bei Zalando oder Amazon arbeitet, der sollte mit solchen Maßnahmen des Arbeitgebers rechnen, obwohl dies meines Dafürhaltens nach Deutschem Arbeitsrecht nicht erlaubt ist, für keinen AG egal wie er heisst.

Aber dass Dein Chef als Praxisinhaber ( welcher Art ? ) sowas verlangt, ist schon der Hammer. Meine Antwort ist, dass er dies nicht erwarten darf. Soll er Dir doch mal die/den Paragraphen des Arbeitsrechts zeigen, der ihm dieses Recht zubilligt.

Steht sowas aber nur im Arbeitsvertrag, dann ist dieser Teil/Punkt/§ des Arbeitsvertrages ungültig, ohne dass deshalb der gesamte Arbeitsvertrag ungültig ist (Salvatorische Klausel ). Also lass Dich nicht ins Bockshorn jagen, lG

Antwort
von gerdavh, 423

Hallo september, das darf er auf keinen Fall verlangen. Ich glaub, es geht los - das war der erste Satz, der mir durch den Kopf ging, als ich Deinen Bericht gelesen habe. Urlaub dient der Erholung und es ist von Dir schon sehr entgegenkommend, dass Du die OP in diese Zeit legen willst. Das wird Dir anscheinend bei diesem AG nicht gedankt, sondern sie sind auch noch unverschämt. Solltest Du Dich in Deinem Urlaub operieren lassen, so gilt diese Zeit, während Du krank bist, nicht als Urlaub und die entgangenen Tage stehen Dir zusätzlich zu. Anscheinend wollen sie Dir auf keinen Fall die Dir zustehenden Urlaubstage gewähren, daher dieses Angebot, dass sie Dir den Urlaub ausbezahlen wollen. Nun musst Du selbst entscheiden, ist es Dir lieber auf den Urlaub zu verzichten und Dich mit Deinem AG gutzustellen oder möchtest Du Deine Rechte wahren und auf den Urlaubsanspruch, der Dir lt. Gesetz und Arbeitsvertrag zusteht, bestehen. lg Gerda

Kommentar von gerdavh ,

Noch eine kleine Anmerkung zu @Lexis Antwort: Ich sehe das auch so, dass Du nach der OP Dich erstmal erholen musst - das ist kein Urlaub! Ich weiß ja nicht, welche Art Mensch Du bist. Aber würde mir jemand so einen Vorschlag machen, würde ich die OP extra nicht in die Urlaubszeit legen und auch dafür sorgen, dass ich nach der Operation ausreichend zur Genesung krank geschrieben würde. So nach dem Motto - Jetzt gerade nicht! Der AG kann da überhaupt nichts dagegen machen.

Kommentar von gerdavh ,

Ich habe eben bei der Hausarbeit noch mal nachgerechnet. Pro Auge musst Du mit einem Krankenhausaufenthalt von ca. 3 Tagen rechnen + 10 Tage Krankschreibung, das macht bei mir bei zwei Augen insgesamt 26 Tage. Und er will Dir für einen halben Monat, also gerade mal für 14 Tage, Geld ausbezahlen. Das nenne ich mehr als unverschämt, das nenne ich Betrug! Du musst ja auch davon ausgehen, dass Du evtl. Schmerzen haben wirst und dann noch nicht mal Urlaub? Denke da mal drüber nach. Wo arbeitest Du denn? Ist das eine Arztpraxis oder gar eine Anwaltspraxis?

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