Frage von Traindriver, 76

Ist es für einen Erwachsenen gefährlich Urin und Stuhl lange anzuhalten?

ich bin über 50 und Lokführer im unregelmäßigem Schichtdienst. Wir haben kein WC auf der Lok und bei Güterzügen auch nicht im Zug. Unsere Fahrabschnitte werden immer länger, wo wir kein WC aufsuchen können. Wie gefährlich ist das lange Anhalten von Urin und Stuhl bzw. ab welcher Zeitdauer ist es gefährlich?

Antwort
von Winherby, 22

Ich glaube kaum, dass Du jemals solange an einem Stück fährst, dass Du zeitlich in einen kritischen Bereich kommst.  So sind mein Bruder und ich sind letztens 10 Stunden auf der Autobahn gewesen, erst kurz vor Ungarn haben wir dann unsere Konfirmantenbläschen mal geleert. FährstDu noch länger als 10 h an einem Stück?

Ein Problem kann dann entstehen, wenn Deine Prostata geschwollen ist und den für Urin nötigen Speicherplatz in der Harnblase belegt.

Beim Stuhlgang ist das unkritische Zeitfenster noch viel größer, da gibt es viele Menschen, die gehen sowieso nur alle zwei/drei Tage einmal, ohne dabei Schaden zu nehmen.

Natürlich ist es sehr ratsam, in entleertem Zustand den Fahrtantritt zu beginnen. Auch solltest Du kurz vorher nicht übermäßig viel Flüssiges zu Dir nehmen, dazu gehören neben Getränken auch Speisen wie Suppe, Eintopf und auch Obst.

Ansonsten frag mal einen Trucker, wie er das so händelt. Habe mal gehört, dass die "passende" Flaschen zum Befüllen mit sich führen. Wahrscheinlich trinken die diese Flaschen erst leer, später strullern die sie wieder voll. Du musst wissen, ob dies technisch für Dich möglich ist.

Ansonsten stell die Frage mal Deinen Vorgesetzten, und Deinen Gewerkschaftern, wie die sich das vorstellen mit den immer längeren Fahrzeiten. Vielleicht verteilt die Bahn dann an die Lokführer diskrete Katheder.;-)) LG

Kommentar von Traindriver ,

Du hältst jeden Tag 10h lang Urin und Stuhl an??

Wir arbeiten mehrmals die Woche solange und 6h reine Fahrzeit heißt mit Fußwegzeiten etc.ca. 7h fernab von jedem WC.

Unsere Gewerkschaft kümmert sich schon, aber für mich selber suche ich nach Antworten und medizinischen und eventuellen Gesundheitsgefahren .

Kommentar von Winherby ,

Nein, doch nicht jeden Tag. Das war nur ein Beispiel, wollte damit   ausdrücken, dass auch 10 Std. Urinverhalt möglich ist und nicht gesundheitsgefährdend sein muss. 

Glaube jetzt nicht, dass Du dem Arbeitgeber da aus rechtlicher Sicht etwas unterjubeln kannst, die werden sich ganz sicher zuvor auch nach gesundheitlicher Gefährdung etc. erkundigt haben, bevor die eine solche Arbeitszeitregelung ersonnen haben. 

Dass dies keine schönen Zustände für Dich und die Kollegen sind, sehe ich auch so. Da sollte die Bahn den Lokführern wenigstens eine Campingtoillette ins Führerhaus stellen. Oder die Lösung, die Beamer vorschlug scheint praktikabel.

Was sagen denn die Kollegen, wie haben die denn das Problem für sich gelöst? Was sagt der Betriebsrat dazu, der könnte doch auch intervenieren. LG

Kommentar von Traindriver ,

Es werden in Deutschland Loks gebaut mit WC drin für z.B. Norwegen und Kanada.

Allzu teuer ist es wohl nicht, aber die laufenden Kosten und Zeitaufwand ist derzeit wohl noch für deutsche Bahnen zu teuer.

Unser BR ist mehrheitlich von der anderen Eisenbahnergewerkschaft dominiert, wo Lokführerprobleme nicht im Vordergrund stehen.

Die Langfahrabschnitte sind bei uns erst neu und bisher auf freiwilligen Basis. Deswegen fehlen noch praktische Erfahrungen, aber allein die Vorstellung und Erfahrung aus privatem Bereich ist nicht gut.

Kommentar von Winherby ,

OK, Deine, sowie die Erfahrungen anderer Kollegen, die sich freiwillig für diese Langfahrstrecken gemeldet haben, werden ja vielleicht dafür sorgen, dass zumindest auf diesen Strecken Loks mit WC eingeführt werden. Das ist Euch auf jeden Falls zu wünschen.

Dass es solche Loks in den o. g. Ländern gibt, kann man sich gut vorstellen, wenn man sich mal versucht die Dimensionen dieser Länder vorzustellen. Da fährste ja  zwei Tage, eh mal wieder ein Bahnhof kommt. Auch für die Transsibirische kann ich mir diese Notwendigkeit gut vorstellen.

Tja, bleibt nur die Frage, was hier bei uns bis dahin getan werden kann, um das Problem zu lösen. Die einfachste Lösung ist wohl, sich nicht freiwillig für Langstrecke zu melden. Alles Gute

Antwort
von beamer05, 23

"Gefährlich" kann bereits der Harndrang sein, der "medizinisch" noch unbedeutend ist, nämlich dann, wenn vor lauter Harndrang die Konzentration nachläßt...

Dein Problem ist allerdings gar nicht so selten und beispielsweise auch bei Fliegern (Kleinflugzeuge) bekannt. Und es gibt eine Vielzahl von Lösungen, eine recht einfache und kostengünstige ist z.b. diese hier (ein Beispiel aus einem großen Versandhaus):

https://www.amazon.de/gp/product/B002DUQG12/ref=pd_sim_364_3/254-4001980-6047964...

Stuhldrang sollte sich - sofern keine Erkrankung vorliegt (z.B. Durchfall) eigentlich ausreichend kontrollieren lassen, ansonsten gibt es auch dafür Möglichkeiten.

Kommentar von Traindriver ,

Genau mit Unkonzentriertheit fängt es an....

Aber Dein Lösungsvorschlag ist nicht wirklich umsetzbar beim Fahren. Es schwankt schon sehr im fahrenden Führerstand einer Lok und von der Ablenkung ganz zu schweigen. Also ohne Zug anhalten ist das nicht praktikabel. ...und dann wohin mit dem gefüllten Ding?? Der kleine Papierkorb auf der Lok ist kein geeigneter Entsorgungsort.

Mir geht es auch mehr um medizinische Auswirkungen und eventuelle Gesundheitsgefahren.

Kommentar von beamer05 ,

... nun ja, die Flieger können das durchaus während des Fluges benutzen, ohne zu sehr abgelenkt zu sein - und die müssen das Flugzeug ja auch in stabiler Lage halten, daher halte ich es durchaus für möglich, daß dies auch in einem Zug machbar ist.

zur Entsorgung: Da die Flüssigkeit durch ein Gel gebunden wird (ähnlich wie bei "modernen" Windeln für Kinder), kann das Tütchen im nächsten Bahnhof (bzw. am Ende deiner jeweiligen Fahrt) einfach in den nächsten Mülleimer. Bis dahin liegt es doch - ggf. in einer Tüte - gut im Führerstand, da riecht nix und da läuft auch nix aus...

Bevor ich vor lauter "Druck" nicht wüßte wohin, würde ich das durchaus testen...

Kommentar von Traindriver ,

Wir müssen den Zug nicht stabil halten, aber bei der Vorbereitung, der Verrichtung und Nachbehandlung des Geschäfts ist man abgelenkt und bekommt wenig bis nichts von der Strecke, Signale etc. mit. Also sehr gefährlich und somit nicht praxistauglich, zumindestens beim Fahren. Im Stillstand könnte es klappen.

Mit Gel gefüllt..ok. Dann ist die Entsorgung geklärt.

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