Frage von LiaElena, 15

Ist eigentlich purinarme Kost gleich alkalische Kost?

Die im internet kursierenden Tabellen geben oft nur ein Teil des Bilds wider. Ich kenne z.B. Tomaten als säurehaltig, doch mancherorts werden sie als alkalisch präsentiert. Dasselbe gilt für Broccoli und Blumenkohl. Bier wird ebenfalls als alkalisch angegeben, doch mein Arzt hat mir vor Bier eher als vor Wein abgeraten.

Antwort
von bethmannchen, 4

Nein. Purine sind Harnsäuren, die bei der Verstoffwechselung bestimmter Stoffe entstehen und normalerweise auch wieder abgebaut bzw. ausgeschieden werden.  

Wer eine spezielle Ausscheidungsstörung der Nieren hat, verträgt Purine in der Nahrung nicht. Meist liegt eine Störung des HGPRT (Enzym) in der Wiederverwertung der Purinbasen vor. Bei völligem Fehlen dieses Enzyms führt dies zum Lesch-Nyhan-Syndrom.

Weil man Purine dann nicht ausreichend über den Harn ausscheiden kann, lagern sie sich überall im Bindegewebe, vorzugsweise in den unteren Extremitäten ab. Das führt zu schmerzhaftem brennen und jucken in der Haut. Langfristig werden dadurch auch Knochen geschädigt, so dass es zu bleibenden Veränderungen kommen kann (z. B. Gelenkzerstörung und gelenknaher Knochenschwund) 

All das zusammen nennt sich Podagra oder Gicht und wurde früher auch als Zipperlein bezeichnet. Mehr dazu findest du hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gicht

Die Sache mit der basischen (alkalischen) Ernährung ist eine reine Hype. Unser Verdauungstrakt ist durchaus in der Lage, den PH-Wert im Körper permanent stabil zu halten. Mit der Ernährung kann man da so gut wie gar keinen Einfluss nehmen. Der Körper puffet das von ganz allein und ganz nach Bedarf, solange man nur ein bisschen vernünftig ist.

Unsere Magensäure hat z.B. einen PH-Wert, wie eine Autobatterie. Und das ist durchaus richtig so. Damit soll ja die Nahrung wie in einem langsam laufenden Rührkessel in winzige Teile aufgelöst werden. 

Nimmt man nun etwas sehr alkalisches zu sich, z.B. eine Prise Natron, so entsteht im Magen Kohlensäure. (gut rülps) Übertreibt man das, schluckt einen ganzen Esslöffel, kann man bis zu ein paar Tage lang keine Nahrung vernünftig aufschlüsseln und die ganze Pampe bleibt im Magen hängen. 

Der Pankreassaft der Bauchspeicheldrüse ist stark alkalisch. Der Mageninhalt wird vom Körper also weit hinter dem Magen erst im Dünndarm wieder entsäuert. Das macht der Körper schon seit lange vor der Steinzeit so. Wir könnten also strohdumm sein, über unsere Nahrung überhaupt nicht Bescheid wissen, unser Körper macht das trotzdem alles korrekt. 

Selbst wenn wir uns mal ganz unvernünftig ernähren, wird der Magen uns schon bescheid stoßen. Morgens Toastbrot mit Marmelade, zwischendurch ein Müsliriegel, mittags Milchreis, nachmittags Kekse, abends Schokolade - Spätestens dann hat man ganz bestimmt Sodbrennen. Aber da war doch gar nichts saures dabei! Ja - Das waren fast nur Kohlenhydrate, sprich Zucker, den es in der Natur so, und vor allem so konzentriert doch gar nicht gibt. 

Man kann den ganzen Tag über Apfelsinen, Äpfel, Kiwis ... vielleicht noch Salat und Nüsse essen und noch Orangen- und Zitronensaft trinken, und trotzdem bekommt man kein Sodbrennen. Unser Körper kommt damit bestens zurecht, weil das unsere Ur- Ur- Ureigenste Natur-Nahrung ist. Dafür ist unser Körper ausgelegt. 

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