Frage von Salingon, 631

Ist das Pedantisch-Sein eine Krankheit oder eine Einstellung?

Meine Mutter ist total rechthaberisch und intolerant mir gegenüber, also pedantisch kann man sagen, ist so eine Charakterausprägung eine Krankheit, ähnlich den verhaltenspsychologischen Krankheiten oder "nur" eine Einstellung?

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von bethmannchen, 508

Es gibt Menschen, die sehr ausgeprägt auf ihren eigenen Prinzipien bestehen. Anderen erscheinen sie dann schon einmal als pedantisch, rechthaberisch, engstirnig usw. Hier treffen nur verschiedene Vorstellungen von Lebenskonzepten aufeinander, mehr ist das nicht.

Einerseits ist auf eine solche Person sehr viel Verlass. Sie wird ihren Alltag sehr gut organisiert haben, auf Ordnung bedacht sein, sich an Regeln halten, und auch darauf bestehen, dass andere sich ebenso verhalten. Für sie ist es wichtig, dass Ordnung, Pünktlichkeit und Disziplin hochgehalten werden. Chaotische Zustände, Unzuverlässigkeiten, und Schlendrian sind ihnen ein Dorn im Auge. Für sie ist oft nicht nachvollziehbar, dass andere Menschen eben "fünfe gerade sein lassen können", und sich dabei dennoch wohlfühlen und auch (trotzdem) gut durchs Leben kommen.

Die ganze Sache ist auch seh subjektiv. Sieht man sich z.B. in einem Zimmer um, kann man mühelos auf die Einstellung des Bewohners schließen. Der eine hat alles aufgeräumt, jedes Teil hat seinen festen Platz, alles blitzt vor Sauberkeit und nichts "überflüssiges" liegt herum. Bei einem anderen herrscht gemütliches Wohnchaos und ein bisschen Staub ist auch zu sehen. Beim nächsten muss man erst einiges beiseite räumen, will man sich irgendwo setzen. Bei einem Chaoten braucht man vielleicht eine Schaufel, um überhaupt zum Sofa zu gelangen. Aber jeder Mensch fühlt sich in seinem Zimmer wohl, so wie es ist, weil es zu ihm passt; weil es sein Reich ist, sein Lebensraum.

Kommt ein Pedant zu einem Chaoten, schlägt er die Hände über dem Kopf zusammen und sucht das Weite. Der Chaot dagegen fühlt sich in einer Piko-Bello-Wohnung nicht behaglich wohl. Der Pedant denkt vielleicht, wie kann man sich nur so gehen lassen!, und der Chaot denkt bei Ordnung und Sauberkeit schon, "typisch krankhafte Putzwut und Kontrolltick!" Es kommt wohl darauf an, wie man aufgewachsen ist, wie man es seit früher Kindheit gewohnt ist. Da hat @dinska mit "Prägung" schon Recht.

Deshalb hält eben jeder das für richtig, was er als richtig empfindet, angenommen hat, sich angewöhnt oder angeeignet hat. Und den Maßstab, mit dem man seine eigenen Leistungen misst, legt man dann auch bei andern an. Das ist weder intolerant, rechthaberisch oder pedantisch, sondern der rein subjektive Maßstab. Man kann sich dann streiten, muss es aber nicht, denn man ist ja nur verschiedener Ansicht.

Man kann Kritik eine Felswand entgegensetzen, an der sich jede Brandung dann brechen muss, aber auch ein Sandstrand sein, auf dem solche "Wogen" weit auslaufen können. Bei mir zuhause gab es dazu zwei Sprüche, die wie ungeschriebene Gesetze wirkten: "Als du meinst, Berta"; und "Ganz wie du denkst, liebe Tante" Weil das so vor Ironie troff, wussten dann beide Seiten, obwohl es nicht gesagt wurde, dass hier eine Grenze ist, die nicht übertreten wird. Der andere hatte dann die Wahl: Kompromiss finden oder Leine ziehen; und damit war die Konfrontation aus der Angelegenheit herausgenommen. Man konnte dann sogar gemeinsam darüber lachen, und die Sache hatte sich.

Antwort
von dinska, 372

Es kann sowohl das eine als auch das andere sein. In erster Linie ist es aber eine Prägung und an der können andere kaum was ändern. Du kannst nur lernen, damit umzugehen und deinen eigenen Weg zu finden. Streite dich nie mit ihr, sondern gib ihr mal Recht. Sage einfach, du hast ja Recht oder stimmt. Wir haben von unserem Enkel einen Spruch angenommen, der uns immer viel Vergnügen macht, der sagte nämlich immer: "Wie du magst Mama." Hat aber trotzdem immer das gemacht, was er wollte.

Antwort
von gerdavh, 302

Hallo, ich stimme alegnas Ansicht zu. Es gibt Menschen, die sind von Natur aus intolerant und lassen neben ihrer Meinung nur selten eine andere Ansicht gelten. Sollte das aber sehr ausgeprägt sein, wäre dies ein Fall für einen Psychotherapeuten. Benimmt sie sich nur Dir gegenüber so oder ist das generell der Fall? Wie alt ist Deine Mutter? Bei älteren Menschen, damit meine ich jetzt Personen über 60 Jahre, gibt es auch Fälle von sogenanntem Altersstarrsinn. Inwiefern dies behandelbar wäre, kann ich aber leider nicht beurteilen. Grüße Gerda

Kommentar von Salingon ,

Meine Mutter ist erst 43 Jahre alt, aber sie ist eigentlich seit Jahren schon so intolerant, es ist halt echt schwer mit ihr zu leben

Antwort
von mommsen, 240

Na erst mal ist es schon Charaktersache. Die einen sind pedantisch und ordentlich, die anderen dagegen unordentlich. Die Leute sind eben verschieden, haben verschiedene Charaktere. Allerdings kann so etwas auch in krankhafte Züge ausarten. Man sollte es daher beobachten. Eine Behandlung muss allerdings auf Wunsch deiner Mutter geschehen, sonst bringt das ganze überhaupt nichts - wie bei allen anderen psychischen Sachen auch.

Antwort
von apfelinho, 219

Das ist wohl von der Schwere der Ausprägung abhängig, ob es nur eine Charaktersache oder psychische Krankheit ist. Wenn das pendatische zur eigenen Last wird, dann spricht man in meinen Augen von einer Krankheit. Die eigentliche Pedanterie ist ja erst einmal eine sehr übertriebene Genauigkeit, Kleinlichkeit und starke Ordnungsliebe, die auf streng normale und nebensächliche Einzelheiten bezogen ist.

Besteht die Problematik mit deiner Mutter nur im Umgang mit dir oder haben auch andere Mitmenschen Schwierigkeiten mit deiner Mutter auszukommen? Ist sie in ihrem alltäglichen Leben durch die Charakterausprägung irgendwie eingeschränkt?

Weiterführender Link: http://pingelig.org/pedantisch/

Antwort
von alegna796, 172

Es ist eine charakteristische Eigenschaft, in diesem Sinne keine Krankheit. Es könnte allerdings zu einer psychischen Verhaltensstörung führen, wenn derjenige z.B. keinerlei andere Meinung mehr zulässt und nur noch von seinem Verhalten geprägt wird.

Antwort
von pippo88, 158

Pedantisch bedeutet so viel wie ordnungsverliebt zu sein oder einen Hang dazu zu haben, speziellen Prinzipien treu zu bleiben und diese auch zu vertreten. Menschen, die pedantisch sind, werden häufig in der Fachsprache als Pedant bezeichnet.

Innerhalb der Umgangssprache wird jedoch auch häufig das Wort Korinthenkacker verwendet, welches eher eine abwertende Bedeutung besitzt. Sollte ein Mensch pedantisch sein, so bedeutet dies nicht, dass er an einer Krankheit leidet, sondern diese Art von Verhalten kann viel mehr als ein charakterlicher Tick angesehen werden.

(Quelle: http://pedantisch.com/ )

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