Frage von gerdavh, 163

Heute wurde hier eine Frage bezüglich Behindertenausweis gestellt und dabei kam mir der Gedanke, dass das evtl. auf mich zutrifft?

Ich habe Hashimoto, eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Ich habe Tinnitus, ich habe zwei Hörgeräte, ich habe starke Geruchs- und Geschmacksstörungen und ich habe jetzt - meine neueste Errungenschaft - ein schmerzhaftes Lipödem. Brauche ich für diesen Antrag jetzt von allen Ärzten eine schriftliche Bescheinigung, um den Antrag stellen zu können? Wieviel Prozent bekommt man denn da, grob geschätzt? Danke für Eure Antworten. lg Gerda

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von StephanZehnt, 129

Hallo Gerda,

in der Regel geht man zur Kommunalen Verwaltung wo man einen Antrag bekommt. Der Hausarzt kann dann dazu Stellung nehmen. Bei einem GdB von 50 bekommt man dann einen Schwerbehindertenausweis befristet.

Für ca. drei Jahre oder so.   Wenn noch ein halbes Prozent Hoffnung besteht, dass sich etwas bessert.

Es gibt so ganz grobe Einschätzungen wie diese hier

http://landingpages.wolterskluwer.de/media/landingpages/schwerbehindertenver/gdb...

Wie schon Anna schrieb werden die GdB zum Schluss nicht addiert. E>s kommt auch auf den / die  Sachbearbeiter / in  an es kann dadurch zu deutlich unterschiedlichen Endresultaten kommen.

Dabei liest der Sachbearbeiter genau ob es bei Gutachten udgl.. so Nebensätze gibt wie Patient arbeitete nichtensprechend mit... udgl..

Die Gutachter udgl. zu denen man geschickt wird werden dafür bezahlt sind also nicht unbedingt neutral um das Milde zu sagen.

Also Antrag holen Berichte udgl. mit dazu und dann bekommt man u.U.Post mit dem Hinweis Termin beim Arzt XY ...

Ab einem GdB von 20 bekommt man etwas Steuererleichterung wenn man noch arbeitet. (bzw. arbeiten kann).

VG Stephan


Kommentar von anna61 ,

die Berichte musst du nicht gleich mitschicken. Das Versorgungsamt holt sich die Berichte auf jedenfall direkt vom Arzt, denn sonst kannst du ihnen ja nur die Berichte weitergeben die zu deinen Gunsten ausfallen

Kommentar von Lexi77 ,

Ich empfehle trotzdem, alle Befunde und Berichte, die man zuhause hat, mitzuschicken. Dadurch kann man den Verfahrensablauf erheblich beschleunigen. Denn wenn erstmal alle Ärzte angeschrieben werden müssen und um die Versendung von Kopien gebeten wird, dann kann das dauern... Und wenn das Versorgungsamt meint, das wäre nicht ausreichend oder wenn es Zweifel gibt, dann fordern die bei den Ärzten noch weitere Auskünfte an. Ich würde alles, was ich habe, mitschicken. Bei meinem Erstantrag war das auch alles ausreichend und innerhalb kürzester Zeit konnte eine Entscheidung getroffen werden, auch ohne dass alle Ärzte angeschrieben werden mussten.

Antwort
von Lexi77, 90

Hallo!

Grundsätzlich bekommt man einen Grad der Behinderung zuerkannt, wenn eine gesundheitliche Störung im Alltag einschränkt. Zuständig dafür sind die Versorgungsämter. Festgelegt wird er anhand der sog. "versorgungsmedizinischen Grundsätze" (http://www.gesetze-im-internet.de/versmedv/BJNR241200008.html). Hier werden zu vielen Erkrankungen verschiedene GdB-Sätze beschrieben. Allerdings sind das immer nur Anhaltswerte, natürlich muss der Sachbearbeiter/Amtsarzt immer auch die individuellen Erkrankungen, Einschränkungen und Behinderungen berücksichtigen. Es werden dort ja auch nicht alle möglichen Erkrankungen aufgeführt.

Bei mehreren Erkrankungen werden aber nicht einfach die Einzelwerte addiert, sondern recht kompliziert (und in der Regel kaum nachvollziehbar) festgelegt. Es wird halt immer auch geguckt, ob die einzelnen Erkrankungen sich gegenseitig beeinflussen oder getrennt voneinander zu berücksichtigen sind. Deswegen kann man im Grunde auch nicht selber berechnen, welchen Grad der Behinderung man bekommen könnte. Ergänzend zum GdB gibt es bei einigen Behinderungen auch sog. Nachteilsausgleiche, die dann gesondert festgestellt werden und ggf. auf dem Behindertenausweis vermerkt werden (z.B. G für Bewegungsfähigkeit erheblich eingeschränkt, H für Hilflos, Bl für Blind oder Gl für Gehörlos). 

Es ist in der Regel auch so, dass man für Erkrankungen, die gut behandelbar sind, bzw. die durch eine entsprechende Therapie gut eingestellt sind und dann unter der Therapie so gut wie keine Beschwerden machen, auch keine Prozente bekommt (also vermutlich z.B. dein Hashimoto, wenn du medikamentös gut eingestellt bist).

Einen Antrag stellst du wie gesagt beim zuständigen Versorgungsamt. Im Kommentar schicke ich dir einen Link mit einer Übersicht zu den Versorgungsämtern. In NRW kann man auch einen Online-Antrag ausfüllen (Link kommt auch als Kommentar). 

Wenn du das ganze Prozedere beschleunigen möchtest, dann würde ich dir empfehlen, alle wichtigen Arztbriefe, die du zu den Erkrankungen hast, mit zu schicken. Dann haben die erstmal alles vorliegen und können direkt mit der Prüfung beginnen. Wenn das Versorgungsamt erstmal alle Unterlagen bei den verschiedenen behandelnden Ärzten, die du im Antrag angeben musst, anfordern muss, dann dauert das natürlich alles entsprechend länger. Sind die Berichte ausreichend, dann muss man auch nicht zwangsläufig zu einer Begutachtung. Bei meinem Erstantrag hatte ich auch alle Berichte dem Antrag beigefügt. Ich bekam dann recht schnell den Bescheid, dass mein Antrag bearbeitet wird und schon 2 Tage später bekam ich den Bescheid über den zuerkannten Grad der Behinderung.

Wenn du noch weitere Fragen dazu hast, kannst du dich gerne melden. Ich bin da gerade ein wenig im Thema drin, weil ich jetzt einen Änderungsantrag stellen werde.

Viele Grüße, Lexi

Kommentar von Lexi77 ,

Hier der Link zu den Versorgungsämtern: http://www.versorgungsaemter.de/Antraege_index.htm

Kommentar von Lexi77 ,

... und hier der Link zum Online-Antrag (nur für NRW): https://www.elsa.nrw.de/elsa/cgi-bin/elsa.php

Kommentar von Lexi77 ,

Hier noch ein Link zum Antragsformular (ebenfalls für NRW): http://www.versorgungsaemter.de/Antragsformulare/Nordrhein_Westfalen/Behinderung...

Antwort
von anna61, 63

Hallo Gerdavh,

ob du eine Schwerbehinderung anerkannt bekommst kann dir hier niemand sagen denn das entscheidet alleine das Versorgungsamt.

Die Anzahl der Erkrankungen spielt in aller Regel auch keine Rolle, denn alles was unter einem GdB von 10 fällt pro Erkrankung fällt eh weg.

Hashimoto wird normalerweise mit 10 bewertet da man es ja medikamentös gut einstellen kann... fällt also schon mal weg.

Bei Lipödem kannst du hier mal nachlesen

Grad der Behinderung bei Lymphödem an einer Gliedmaße:

ohne wesentliche Funktionsbehinderung, Erfordernis einer
Kompressionsbandage...........................................................0–10

mit stärkerer Umfangsvermehrung (mehr als 3 cm) je nach
Funktionseinschränkung.......................................................20–40

mit erheblicher Beeinträchtigung der Gebrauchsfähigkeit der....50-70
betroffenen Gliedmaße, je nach Ausmaß

bei Gebrauchsunfähigkeit der ganzen Gliedmaße ......................80


wenn deine Schwerbehinderung durch die Hörgeräte behoben werden kann gibt es auch nix....

Ich will dich jetzt aber nicht entmutigen sondern vor zu hohen Erwartungen schützen.

Ich kann dir nur raten: Stelle einen Antrag... du wirst dann ein Schreiben bekommen wo du deine Ärzte auflistest und eine Schweigepflichtsentbindung unterschreibst.. das Versorgungsamt holt sich die Unterlagen dann bei den Ärzten.

Ob und wie hoch dein GdB sein wird kann dir keiner sagen, aber beantragen würde ich den SBA auf jedenfall mal, denn mehr als nein sagen können sie ja nicht.

Ich drück dir die Daumen und wünsche dir viel Erfolg


LG Anna

Und die einzelnen Grade werden nicht einfach addiert...

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