Frage von Lexi77, 263

Heparin-Block bei Port ja oder nein? - Nochmal eine Frage an die Profis

Hallo! Morgen wird mein Port erstmal für eine Woche (Urlaub) "stillgelegt". Laut Pflegedienst wird ganz normal mit Kochsalzlösung gespült, wie immer, und dann die Nadel entfernt. Mein Hausarzt meinte aber jetzt, dass man vor Entfernen der Nadel mit einer Heparinlösung spülen sollte, damit sich an dem Katheder nichts festsetzt.

Jetzt habe ich mal ein bisschen dazu gegoogelt (auch auf "Fachseiten" z.B. ein Forum für Pflegepersonal) und da sind ja die Meinungen sehr gegensätzlich. Mal lese ich "unbedingt machen" mal "auf gar keinen Fall, viel zu gefährlich". Was meint ihr denn dazu? Oder wie macht ihr es vielleicht auch selber? Was wäre am Heparin-Block so gefährlich?

Vielleicht gibt es ja hier jemanden, der mir dazu was sagen kann. Das wäre super!

Vielen Dank schon mal und viele Grüße, Lexi

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von GeraldF, 256

Ein kontrovers diskutiertes Thema. Formal ist es so, wie Alois geschrieben hat: Es gelten die Herstellerangaben.

Aber das kann (und muss) man natürlich auch hinterfragen. Im Ergebnis ist die Datenlage äußerst dünn. Der Heparinblock bei Portsystemen wurde aus der Pflege von anderen zentralvenösen Kathetersystemen einfach übernommen. Doch auch dort gab es nie Studien, die einen Vorteil einer heparinisierten Lösung gegenüber einer Kochsalzlösung nachgewiesen hätten. Es wurde eben einfach gemacht (auf Grundlage bestimmter Annahmen) und nie durch entsprechende Untersuchungen untermauert.

Die Verwendung von Heparin zu diesem Zweck ist ein "off-label-use", d.h. ein Medikament wird für einen Zweck eingesetzt, für den es offiziell keine Zulassung hat. Das ist nicht verboten, sollte aber mit dem Patienten abgesprochen werden. Im Haftungsfall ist ein "off-label-use" durchaus relevant.

Beim Heparinblock muss man davon ausgehen, dass das Heparin nicht komplett im Portsystem verbleibt, sondern zu einem Teil in den Blutkreislauf gelangt. Heparin kann (selten) eine gefährliche Gerinnungskomplikation auslösen (HIT II), die, wenn sie unerkannt bleibt, fatal enden kann. Diese Störung tritt nicht unmittelbar nach der Heparingabe auf und genau darin liegt die Gefahr: Das Krankheitsbild (Microembolien in allen denkbaren Organsystemen) ist so diffus, dass man klinisch nicht so schnell drauf kommt, insbesondere wenn der Auslöser eine Portspülung vor 10 Tagen war.

Mittlerweile liegen Erfahrungen über längere Zeiträume mit der reinen Kochsalzspülung vor und die Ergebnisse scheinen nicht schlechter zu sein als früher, aber eine Studie hierzu ist mir nicht bekannt. Ich persönlich spüle Portsysteme nur mit Kochsalzlösung.

Antwort
von Alois, 196

Meine liebe "Lexi77",

diese Frage entspricht in etwa der, wie oft und womit genau der Ölwechsel bei einem Auto zu erfolgen hat - klingt komisch, ist aber so:

Der Hersteller des Ports gibt nämlich die genauen Vorschriften vor, ob und ab welcher Stillegungszeit ein Heparinblock empfohlen oder gar vorgeschrieben ist!

Die sog. Gefahren hierbei betreffen Langzeitwirkungen von Heparin auf den Stoffwechsel; aber erstens sind diese noch nie wirklich untersucht worden und zweitens müsste man da schon öfter Heparinlösungen verwenden als nur ab und zu.....

Grundsätzlich ist es aber ein Erfahrungswert, dass Heparinspülungen für die Durchgängigkeit von Vorteil sind - aber wie gesagt, der beste Weg ist das Einholen der Herstellerempfehlungen.

Liebe Grüße vom Alois

Kommentar von Lexi77 ,

Lieber Alois,

vielen Dank für deine Antwort. Ich habe gerade mal die Gebrauchsanleitung von meinem Port herausgeholt. Da steht folgendes drin:

Bei der Ablaufbeschreibung von Injektionen:

"Schließen Sie eine weitere Spritze , die mit einer (heparinisierten (100 I.E./ml)) Kochsalzlösung gefüllt ist, an die Nadel an. Injzieren sie 5 ml dieser Lösung in den Port. Dies bewirkt einen Verschluss (Heparin-Lock) ..."

und später bei Pflege:

"Wir empfehlen den C-Port CT regelmäßig mit (heparinisierter (100 I.E./ml))Kochsalzlösung zu spülen. Die Häufigkeit des Spülens ist Ansichtssache."

Als Anmerkung steht dann noch: "Auch andere Konzentrationen von heparinisierten Kochsalzlösungen (10 bis 1000 I.E./ml) können effektiv sein. Die Festlegung der geeigneten Konzentration und des Volumens sollte auf Grundlage des medizinischen Zustands des Patienten, der Laborwerte, von vorhandenen Erfahrungen und den Richtlinien der medizinischen Einrichtung individuell erfolgen."

Grundsätzlich steht aber drin "Die Richtlinien Ihrer medizinischen Einrichtung für die Pflege und Anwendung des Ports können sich von den Richtlinien, die in dieser Gebrauchsanleitung vorgeschlagen werden, unterscheiden. In diesem Fall muss das hierfür verantwortliche medizinische Personal in Ihrer Einrichtung entscheiden, welchen Richtlinien Sie folgen sollen..."

Eigentlich auch keine wirklich klare Aussage, meiner Meinung nach...

Ich habe auch nochmal mit meinem zuständigen Liefer-Berater für die parenterale Ernährung gesprochen. Und dieser meinte, der Heparin-Block wäre absolut veraltet und schon lange nicht mehr üblich. Dort wo er arbeiten würde (er arbeitet auf einer Intensivstation), würde man das schon seit Jahren nicht mehr machen. Und man hätte bisher keine negativen Erfahrungen gemacht, wenn man aufs Heparin verzichten würde. Außerdem gebe es kein Heparin in dieser Dosierung, was für diesen Zweck überhaupt zugelassen wäre.

Also wirklich sehr uneinheitlich die ganzen Meinungen...

LG, Lexi

Kommentar von Alois ,

Hallo Lexi77,

naja, gerade auf diesem Gebiet gibt es leider viele "Möchtegern-Spezialisten" (wie in anderen Bereichen auch) - und die will man eben nicht vergraulen, da sie bei der Entscheidung für eine Firma bzw. einen Porthersteller eben auch "mitwirken" können......

Dennoch: Die Angaben des Herstellers sind am zuverlässigsten - unter Garantie!

Liebe Grüße, Alois

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