Hat (einstige) beste Freundin Borderline?
Von 1993 bis 2000 war ich (männlich, 36 Jahre) mit einer jungen Frau platonisch befreundet, die als Kind vom Großvater sexuell mißbraucht worden ist. Anfang 2000 sind wir uns - nachdem sie zuvor mehrere chaotisch verlaufende Beziehungen gehabt hatte - auch emotional nähergekommen und hätten vermutlich eine Beziehung miteinander begonnen, wenn sie nicht - relativ plötzlich - mit ihrem späteren Ehemann zusammengekommen wäre. Von da an hat sie mir gegenüber eine komplette 180-Grad-Drehung vollzogen: Selbst belanglose Bemerkungen nahm sie mir zutiefst übel, und im Spätsommer 2000 geschah es dann: Sie erklärte telefonisch, unsere Freundschaft bis auf weiteres beenden zu wollen, und es war mir, als wolle sie sogar eine besondere Betonung darauf setzen, daß sie mich mit diesem Schritt im Stich läßt (später kam mir der Gedanke, daß sie mir auf diese Weise vielleicht "helfen" wollte, mich quasi zu "entlieben"... Was meint Ihr?). Sie betonte aber auch, daß die Distanz nur vorübergehend andauern sollte.
2005 habe ich erstmals wieder brieflich Kontakt zu ihr aufgenommen und gefragt, ob wir die Freundschaft evtl. wieder aufnehmen könnten (durch Zeitungsanzeigen wußte ich, daß sie inzwischen mehrere Kinder mit dem bereits erwähnten Partner hatte); in einem Antwortbrief (ohne Absenderadresse) verneinte sie und bestritt außerdem, mir jemals eine Aussicht auf Wieder-Annäherung gestellt zu haben. Irritiert und wütend versuchte ich nachzuhaken (über Briefe, die ich an ihr Elternhaus sandte), doch kam keine Antwort mehr; als ich sie telefonisch zur Rede stellen wollte, legte sie auf, sobald sie meinen Namen hörte (ich möchte hierbei betonen, daß sie nie gestalkt habe, sondern nur aus Empörung über ihr Verhalten eine Zeitlang "dranblieb").
Vor zirka einem Monat las ich durch Zufall, daß sie in einem Gemeindehaus nahe meiner Uni eine Theatergruppe leitet. Kurz zuvor hatte ich nur knapp einen Herzstillstand überlebt (bedingt durch einen anaphylaktischen Schock), und ich beschloß - auch um diesen Teil meines Lebens endlich hinter mir zu lassen -, noch einen letzten Klärungsversuch zu starten: Als ich sie schließlich beim Gemeindehaus aufsuchte, sah sie mich nur eine Sekunde lang an, sagte "Hallo", anschließend packte sie ihre Sachen und ignorierte mich vollständig. Es war, als hätte sie ihren Körper quasi auf Autopilot geschaltet, und als ich sie ansprach, sagte sie (fast roboterartig): "Ich habe kein Interesse, danke!" Ich muß sagen, daß ich selten einen so gruseligen Moment erlebt habe (es war fast, als würde ein Vergewaltigungsopfer seinem Peiniger wiederbegegnen, und ich habe ihr wirklich nie etwas angetan...!!!).
Meine Fragen also: Was meint Ihr, warum sie sich so verhält? Was empfindet sie (mutmaßlich) in den Momenten, wenn sie mir begegnet oder von mir hört? Welche Rolle spielt ihre (offenbar ja recht stabile) Ehe dabei? Könnte sich unser Verhältnis noch einmal zum Positiven hin verändern?
Danke für's Lesen und für sämtliche Antworten!
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Ich wüßte nicht, was es helfen sollte, wenn Sie hier eine Diagnose genannt bekommen?
Abgesehen davon, dass es gar nicht möglich ist, aufgrund Ihrer Angaben eine Diagnose zu stellen - es ist auch verboten das hier zu tun.
Ich fürchte, Sie müssen einen Weg finden, mit der Zurückweisung irgendwie umgehen zu lernen. Die Freundin scheint sich nicht dafür zu eignen, dass sie Ihnen dabei hilft? Es ist gar nicht so einfach, mit diesen Zurückweisungen zu leben, nicht wahr?
Wenn Sie es alleine nicht schaffen, dann gönnen Sie sich dazu doch ein paar Sitzungen bei einem Therapeuten. Gehen Sie es an - Sie schaffen das schon.
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Es ist nicht selten, dass sexueller Mißbrauch bei jungen Mädchen in deren weiterem Leben zu einer psychischen Erkrankung, wie das Borderline-Syndrom eine ist, führen kann. Ebenso haben Frauen, die so etwas erlebt haben, sehr häufig Beziehungprobleme und Schwierigkeiten in und mit partnerschaftlichen Beziehungen. Ich weiss, wovon ich rede;) Teilweise sind sie mehr oder weniger beziehungsunfähig. Dem kann oft nur durch eine langwierige Psychotherapie entgegengewirkt werden.
Andererseits kann es sein, dass eure Beziehung nicht auf gleicher Ebene stattfand und sie es dir durch ihr Verhalten tatsächlich leichter machen wollte. Vielleicht hat sie sich sogar bedrängt gefühlt und gemerkt wie du ihr gegenüber empfindest. Dann solltest du ihr damaliges und jetziges Verhalten akzeptieren und es auch dabei belassen, ohne eine "Schuld" bei dir oder ihr zu suchen.
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Antwort von Rfleisch 14.04.2013
Kenn ich, hat damit zu tun, dass ihr euch tatsaechlich emotional naehergekommen wart. Das ist oft fur missbrauchte Menschen ein Ausloeser, um auf Abwehr zu schalten. Jeder weitere Annaeherungsversuch wird nun systematisch "verwechselt, gewechselt", die Frau erlebt Panik, konfusion, Kaelte und Verwirrung. Und Hoffnungslosigkeit. Psychdynamisch wird ihr Inneres System dadurch stabil, dass du ab jetzt die Rolle des Taeters belegst. Eine Abwehr, denn es ist leichter dich zu attackieren als den psychotischen Durchbruch eigener chaotischster Panilgefuehle zu erleiden. Du bleibst leider mit deinen Gefuehlen von Liebe, Lust und deiner Kreativitaet allein, und verstehst nicht, was da abgeht. Bekommst keine Metakommunikation hin und fuehlst dich mies. Betrachte es als Geschenk, wenn du kannst: du hast ihr unfreiwillig ein halbwegs geordnetes Leben ermoeglicht, da sie dir die Taeterolle ankleben konnte, war hier fuer sue "Ruhe", um abzuspalten und woanders sich gut fuehlen zu koennen. Schenk ihr das. Obwohl es nur die Fortsetzung des Missbrauchs mit ihr in der Taeterrolle ist. Meditiere und mach dir klar, dass vermutlich deine echten Gefuehle waren, die sie eben nicht erwidern kann. Entdecke, wie die dich innerlich davon entbindennkannst und freu dich dass dir ein Co- dependentes Dasein auf Dauer erspart blieb. Wende dich anderen Dingen zu, ich weiss wie scheer das ist: es heisst Abschied von der Illusion, machen zu koennen dass man als liebenswerter Mensch auch geliebt wird, von jm der das eben mit sich selbst nicht kann.
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