Frage von Lennylein1998, 8

Habe Zwänge, bin traurig und irgendwie fern von mir!!! Was kann ich tun?

Hallo liebe Community. Ich hoffe ihr wisst Rat, denn ich weiß nicht mehr weiter! Es fing alles damit an, dass ich an einem schönen Tag durch das Dorf ging. Zeiten zuvor habe ich mich sehr oft mit Gemeinden und derer Grenzen auseinandergesetzt...fand es einfach interessant. Doch an diesem einen Tag schaute ich auf den Wald, wo unsere Gemeinde grenzt und bekam diesen Kloß im Hals. Warum...keine Ahnung...irgendwie beschäftigte es mich, das da eine Grenze ist. Tage darauf wurde ich noch trauriger...ich konnte kaum allein sein, auch konnte ich keine Fotos mehr anschauen, von glücklichen Tagen, wo ich alles genoss. Den Frühling, die ganzen Blüten, die Geräusche und auch die Abendluft, die so schön riecht...all das kann ich nicht mehr genießen. Es baut sich Druck auf..ich bekomme Durchfall und nehme dadurch entsprechend ab. Ich hatte irgendwie immer den Drang, zu dem Wald zu schauen, wo das Dorf grenzt...und wenn ich da war, dann wurd ich nur noch trauriger...es lassen konnt ich aber auch nicht...dann wurde ich zappelig nervös und bekam wieder Durchfall. Eines Tages hielt ich diesen Teufelskreis nicht mehr aus und ich ging zu meinem Psychologen. Er meinte, es hätte was mit meiner Vergangenheit zu tun (dazu später noch was)...es hat mir geholfen und den Druck etwas genommen...ich habe drüber nachgedacht, auch geweint, was befreiend war. Es ging mir immer besser. Ich konnte sogar durch den Wald gehen, allerdings nur, wenn ich irgendein gerät hatte, womit man die stimme aufnehmen kann, sodass ich über die dinge reden kann, die mich belasten und mir auch sachen eingestehe und vor augen führe. Es ging mir schon wieder richtig gut, doch war irgendetwas doch anders. Ich fuhr mit meiner Tante und meinem Onkel nach Sylt, und es war eine sehr tolle Zeit, nur leider beschlich mich im Zug nachhause wieder dieses Traurige gefühl. Es ging zuhause aber wider und ich konnte alles wieder tun, was halt so routine ist, wie zurechtmachen etc. Aber habe ich dann auch wieder etwas anderes gemacht. Ich bin seit 2012 essgestört durch falsche Freunde (ich weiß für Jungen eher untypisch), jedenfalls habe ich kalorien gezählt und versucht abzunehmen. Doch iirgendwann kam der Druck dann wiedetr und ich wurde traurig...wiegesagt machen mich schöne gedanken noch trauriger und lieder sowieso. Ich lebe quasi...in der Gegenwart, bin irgendwie betäubt und frenab von mir. Ich nehm mich selbst nicht mehr wahr, nur noch die Gedanken. Da der Druck so stark war, habe ich nahc beratschlagung mit einer guten Freundin, meinen Psychologen einfach mal gesagt, was los ist. Ich bin seit 2011 bisexuell, finde also an beiden Geschlehtern was tolles, doch wollt ich mir das damals nicht eingestehen..ich habe versucht zwanghaft nur mädchen toll zufinden. Letzendlich habe ich mich auch vor meiner Mutter geoutet, da der Druck nicht weggeht...und diese Stumpfheit auch nicht. Ich habe danach sehr geweint...es war befreiend. Doch die Druckgefühle und der Durchfall sind noch da. Kann man mir noch helfen??

Antwort
von yoradem, 4

Hey, zuerst mal ist es für mich schwer dir aus der Ferne zu antworten, da ich nur deine Worte zu lesen bekommen, dich aber nicht als Person vor mir stehen habe. Meinem Empfinden nach, geht da ein Großteil an Kommunikation verloren. Das bitte ich dich bei meiner Antwort zu beachten. Es kann also sein, dass ich dich hierdurch nicht hundertprozentig verstehe und eine Antwort schreibe, die demnach auch dir nicht gerecht wird. Es bleibt dir also nichts anderes übrig, als das, was ich dir schreibe, selbst auszutesten und dann zu überprüfen, ob du das auch so siehst oder nicht.

Was du schreibst mit dem neben sich stehen und sich betäubt fühlen, oder diese Stumpfheit.... Ich habe das auch erlebt. Das Problem ist, dass dich die Eltern & die Gesellschaft in ein "Korsett" zwingen. Es gibt also Teile von dir, die akzeptiert werden und andere sollst du verdrängen. Du sollst dich auf eine bestimmte Weise benehmen und alle Reaktionen und Gefühle die dem widersprechen, oder eine Gefahr für die Eltern oder die Gesellschaft darstellen, weil der Ausdruck dieser Gefühle, Grundsätze auf denen die Gesellschaft aufgebaut ist oder die Überzeugungen deiner Eltern in Frage stellen könnten, musst du von dir wegstoßen. Deswegen dieses Gefühl der Taubheit, als ob ein Teil von dir fehlt. Der Teil der fehlt, macht dir Druck, weil er sich dir zeigen will, er will von dir entdeckt und verstanden werden. Und das was du schreibst, dass du nur noch Gedanken hören kannst und das du versuchst zwanghaft nur Mädchen tollzufinden, dass ist der Teil, den du wahrnehmen kannst, weil er von deinen Eltern und der Gesellschaft gestattet wird.

Ich war auch mal bei einem Psychologen. Er kann dir helfen, jedoch nur soweit, wie er sich selbst gegenüber aufgeschlossen ist. Die Teile, die er bei sich selbst abstößt, wird er auch bei dir nicht erlauben oder als "krankhaft" bezeichnen.

Wenn du herausfinden willst, was mit dir los ist, was diese Trauer bedeutet oder dieser Druck, dann ist der einzige Weg, es selbst zu erforschen. Die Gesellschaft und deine Eltern haben kein Interesse daran. Wenn du mit "normalen" Menschen über diese Sachen sprichst, wirst du höchstwahrscheinlich auf Abwehr treffen und ausgegrenzt werden. Du musst also heimlich der Sache nachgehen ;)

Was du mit neben sich stehen und der Trauer erlebst, habe ich letztens mit Wut erlebt. Ich bin dann in den Wald gegangen, wo keiner war und habe dann um mich geschrien und auf einen Boxsack eingeschlagen, den ich mir dorthin mitgenommen habe. Dann habe ich darüber meditiert.

Meditieren hilft mir sehr, vor allem geht es weiter, als das was ein Psychologe dir sagen kann, denn meditieren ist nicht auf den Raum beschränkt, den dir die Eltern, Gesellschaft, Freunde oder der Psychologe erlauben. Mit Meditation kannst du die Sachen erforschen, die sich darüber hinaus befinden. Und du bist von niemandem abhängig, du kannst es selbst machen, dir selber ein Urteil bilden, selbst überprüfen, was du von einer Sache, einer Situation, was auch immer, hälst.

Ich versuche dir Meditation mit Worten zu beschreiben, aber in Worten ist es schwer auszudrücken. Es ist ein beobachten, von dem was im Innern vor sich geht. Gefühle, Gedanken, egal, was auch immer. Ein erforschen deines Inneren. So als ob es noch keinen Menschen gegeben hat, der dir sagt was wie sein soll, wie man sich benehmen soll, was gut oder schlecht ist und so weiter. Meditation ist, als ob du der erste Mensch bist, der diese Sachen erforscht und dann selbst entscheidest, womit du einverstanden bist und womit nicht. Also auch, mit dem, was ich dir schreibe. Ich kann mich ja auch irren. Ich schreibe dir, einfach aus meinem besten Verständnis. Aber du musst selber überprüfen, selber schauen, ob du mit den Dingen, die ich geschrieben habe, einverstanden bist oder nicht. Vielleicht kommst du ja zu einem anderen Verständnis? Vielleicht bist du mit manchen Sachen einverstanden und anderen nicht?

Was ich dir noch sehr empfehlen kann, ist, les mal im Internet über Osho oder schau dir Videos von ihm auf YouTube an. Ich hab noch nie einen Menschen, mit so einer Austrahlung gesehen, oder bin ich so jemandem in meinem Leben begegnet. Kannst ja schaun, ob er was für dich ist. Die englischen Texte von ihm finde besser als die deutschen Übersetzungen, weil er in englischer Sprache geredet hat und ich finde dass durch die Übersetzung was an Ausdruck verloren geht.

Nur Mut und viel Glück!!! yoradem

Kommentar von Lennylein1998 ,

Hallo yoradem :) Danke für deine Antwort, sie hat mich auf jeden Fall sehr ermutigt. Bist du denn aus dieser Phase wieder herausgekommen und bist wieder der, der du auch vorher warst? Gab es bei dir relevante Beweggründe, die diese Taubheit auslösten? Was du meinst mit dem Korsett, das kann sehr gut sein. Ich habe schon Angst vor Abstoß, wenn ich weitere Freunde einweihe. Es ist einfach so, wenn ich mich bei einer Person geoutet habe, geht es mir für kurze Zeit besser. Dann brech ich in Tränen aus, die aber erleichternd sind. Doch kurze Zeit danach kommt wieder dieses Gedankenkarussell, sodass man sich selbst gar nicht mehr wahrnimmt und auch quasi wie dement ist. In diesem Zustand vergess ich viel und bekomme viel durcheinander, vergess die Zeit und alle Routinen. Ich schreibe dann manchmal darüber und versuche dadurch zu verstehen. Meine Eltern meinen, ich steigere mich viek zu sehr da hinein...aber es lässt mich einfach nicht los..ich kann ja an nichts anderes denken und wenn ich mich an schöne sachen, wie ausflüge etc. erinner, kommt da wieder die trauer, die panik und der druck. Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren mit der meditation...vielleicht hilft es ja. danke und schöne Grüße. Lennylein1998

Kommentar von yoradem ,

ich bin noch nicht komplett aus dieser Phase wieder rausgekommen, bzw. ich weiß nicht, wie weit ich jetzt da raus gekommen bin, denn, dass denke ich zumindest, um das beurteilen zu können, müsste man ja zuerst wieder komplett draußen sein.

Aber ich fühle mich schon bedeutend freier. Das, was ich nun hinter mir gelassen hab, das kann ich sehen. Aber ich kann keine Aussagen treffen, über das, was noch passieren kann oder was noch in mir drin ist. Da bin ich auch noch ratlos und selbst am nachforschen.

Ich bin noch nicht, der, der ich auch vorher war. Auch meine Ausdrucksweise und die wiederholte Benutzung des Wortes "noch" in den letzten drei Abschnitten, ist keine Garantie, dass ich ankomme und auf jeden Fall wieder der sein werde, der ich war. Es ist nur der Versuch in Worte auszudrücken, dass ich es hoffe und ich es versuche ...

Relevante Beweggründe waren auch Depressionen als ich 15/16 Jahre alt war, ein Gefühl von eingesperrt sein im Elternhaus, zu wenig Möglichkeiten, sein Leben selbst zu gestalten, ständig den Anforderungen der Gesellschaft entsprechen zu müssen. Jetzt bin ich 23. In dem Sinne bin ich jetzt frei vom Elternhaus, kann es besuchen oder auch nicht, es ist jetzt meine Entscheidung. Ich bin nicht mehr gezwungen mich dort aufzuhalten, so wie früher. Das kann ich dir sagen, ist auf jeden Fall toll, wenn du irgendwann ausziehen kannst, in eine eigene Wohnung, da hast du mehr Privatsphäre, die bei den Eltern faktisch nicht gegeben ist (war bei mir jedenfalls so). Aber es gibt dann auch ein Haufen neuer Probleme ... dennoch, es ist schön.

Mit den Freunden, weißt du, es gibt Grenzen, wie weit auch der Andere bereit ist eingeweiht zu werden. Das ist nicht nur eine Frage, wie sehr du dich aussprechen möchtest, sondern auch, wie viel Verständnis dir der Andere entgegenbringen kann. Leider ist es so, nach meiner Erfahrung, dass je weiter du in diese Gegenden vordringst, du auf immer weniger Menschen treffen wirst, die dir zuhören und dich verstehen werden können. Denn um dich verstehen zu können, müssen sie ja auch in diese Gegenden vorgedrungen sein. Und ja, das ist traurig. Eventuell wirst du feststellen, dass deine Eltern nicht den Schritt gewagt haben. Für mich war das und ist teilweise sehr erschütternd und dann auch mal wieder amüsant festzustellen, dass ich in manchen Sachen "älter" bin, als meine eigenen Eltern. Aber so ist das. Das ist die Entscheidung die du treffen musst. Entweder du verdrängst alles, was dir die Eltern oder die Gesellschaft nicht erlauben und darfst teil der Masse bleiben. Oder du brichst auf und gehst den Dingen selbst auf den Grund, wirst zu eigenen Erkenntnissen gelangen und immer mehr alleine sein und auf immer weniger Menschen treffen, die dich verstehen können.

Aber von dem, was ich bisher erlebt habe kann ich dir sagen, dass es nur am Anfang sehr schwer ist alleine zu sein. Man fühlt sich sehr einsam. Aber diese Einsamkeit vergeht mit der Zeit und dann ist sehr schön alleine zu sein. Du bist dann Alleine und ohne Einsamkeit. Es fühlt sich ein bisschen so an, als ob du ein Abenteurer bist, der ins Unbekannte vordringt. Du fühlst dich sehr lebendig, voller Tatendrang und Neugier. Nach und nach brauchst du immer weniger Bestätigung und Zuspruch von außen und bekommst diese immer mehr von innen.

Es ist jedoch ein risikoreiches Unterfangen und es geht nicht immer alles glatt. Und das ist jetzt nicht irgendso ein Spruch, den ich zitiere, sondern ich berichte dir, aus meinen eigenen Erlebnissen. Tiefschläge sind auch dabei.

Zum Reinsteigern kann ich dir leider keinen Ratschlag geben. Das ist auch eine Sache die mich beschäftigt.

Antwort
von Lennylein1998, 3

Was meine Vergangenheit angeht. Meine Oma ist 2013 wenige Tage nach dem Tod ihrens Bruders an einer herzinsuffizienz gestorben, quasi "innerlich ertrunken", es ging in der Zeit vorm Tod immer auf und ab, mal hoffnung mal nicht. Opa erzählt immer von seinen Leiden und will mit in den Urlaub...und meine anderen großeltern haben schulden

Antwort
von Rappelkiste, 3

Das klingt nach ganz heftigen Depressionen. Und: ja, dir kann man sicherlich noch helfen!

Zuerst solltest du dich körperlich untersuchen lassen - in manchen Fällen können Depressionen nämlich tatsächlich auch rein körperliche Ursachen haben (Schilddrüse z.B.), so banal das klingen mag.

Bei dir klingt es zwar nicht unbedingt danach, aber es sollte auf alle Fälle abgeklärt werden - nicht, dass man eine Psychotherapie beginnt, obwohl in Wirklichkeit "nur" z.B. eine Stoffwechselstörung dahintersteckt.

Ist eine körperliche Ursache ausgeschlossen, so solltest du ganz dringend eine Gesprächstherapie beginnen. Vielleicht ist dafür ein Ortswechsel nötig (falls es bei euch im Dorf keinen Psychotherapeuten geben sollte), doch ich habe so das Gefühl, dass genau dieser Ortswechsel auch schon eine therapeutische Wirkung auf dich haben könnte ...

Also, gib dich auf keinen Fall auf, Hilfe ist nötig und möglich! Wende dich an einen Arzt deines Vertrauens, lass mögliche körperliche Ursachen ausschließen und beginne mit einer Therapie. Ich bin überzeugt, dass es dir dann bald besser gehen wird! Viel Glück in deinem zukünftigen Leben!

Kommentar von Lennylein1998 ,

Hallo Rappelkiste :) Danke erstmal für deine Antwort, ich hätte niemals gedacht dass ich jeh so etwas bekommen könnte, weil ich früher ja immer so glücklich war. Aber ich glaube ich werde deinen Rat beherzigen und mal einen Artz aufsuchen, der meine Schilddrüse untersucht oder was auch immer. Eine Therapie mach ich schon..leider nur all 2wöchendlich, das kommt mir teils viel zu lang vor, weil ich es manchmal nicht aushalte. Es ist auch die Sorge, ob man mich heilen kann, oder nur medikamentös sedieren.

Antwort
von Fiena, 3

Hallo,ersteinmal toll das Du Dich bekannt hast zu Deinem Problem!Alle Achtung nicht einfach so ein schritt. Vielleicht brauchst du auch nur jemand vertrautes dem Dumal all deine Probleme schildern kannst,jemand der dich nicht unbedingt kennen muss aber dir tips und Ratschläge wenn du depressionen hast geben kann. Lenke Dich ab,ich hoffe du hast Freunde die das akzeptieren können. LG

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten