Frage von FluffInTheNavel, 157

Gibt es eine intensive Reha für inkomplett Querschnittsgelähmte mit über 50 % Chance zum Laufen? Wenn ja, würdet ihr sie in Anspruch nehmen?

Die Frage bezieht sich auf eine Diskussion, die ich gerade mit einem Familienangehörigen führe. Er/Sie behauptet, dass die Chance "mehr als 50 %" hoch sei, bei einer inkompletten Querschnittslähmung mit Restfunktionen (d.h. man kann einige seiner Muskeln noch bewegen, aber nicht alle) wieder laufen zu können. Er/sie beruft sich dabei auf eine Aussage einer Telefonistin einer Reha, der/die behauptete, dass es fast ausschließlich darauf ankommt, wie sehr man für das Wiedererlangen des Laufens kämpfen würde und die Zahl der laufenden Querschnittsgelähmten nur deshalb relativ gering sei, weil die meisten sich mit dem Rollstuhl abfinden würden und somit weder die Zeit, noch das Interesse haben an weiteren intensiven Rehamaßnahmen, die sie dann vollständig auf die Beine bringen würden, teilzunehmen. Ich weiß nun nicht, ob diese Aussage wahrheitsgemäß ist oder nur ein Versuch war einen neuen Rehapatienten an Land zu ziehen und ihm unrealistische Hoffnungen zu machen. Deshalb hier die Frage an Rollstuhlfahrer: Wenn ihr mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit WÜSSTET, dass euch eine intensive Reha von 1 oder vielleicht 2 Jahren wieder vollständig auf die Beine bringen würde (ungefähr zu dem Gangbild, das Markus Holubek hat), würdet ihr das zeitlich in euer Leben einbauen können bzw. wäre euch das so wichig, dass ihr dafür den Beruf vorerst vernachlässigen würdet oder ist es tatsächlich so, dass, so wie mein Angehöriger es behauptet, die meisten querschnittsbedingten Rollstuhlfahrer hauptsächlich wegen Bequemlichkeit, Akzeptanz ihrer neuen Situation und familiär oder beruflich bedingtem Zeitmangel sich nicht so sehr für ein Wiedererlangen der Lauffähigkeit interessieren und bemühen. Wie wichtig wäre euch ein Wiedererlangen der Gehfähigkeit im Verhältnis zu euren aktuellen Lebensumständen? Würde euer Leben ein zeitintensives Training zulassen oder würdet ihr euch im Falle des Falles dafür Zeit in eurem Leben verschaffen? Oder aber ist euch die Gehfähigkeit gar nicht so wichtig, sodass sich dieser Aufwand für euch gar nicht lohnen würde? Mir ist klar, dass das Laufen nicht für jeden das wichtigste auf der Welt ist. Muss es auch nicht. Doch wenn schon die hypothetische Gewissheit bestünde, dass sich der Einsatz am Ende durch eine Gehfähigkeit auszahlt, würdet ihr diese sehr intensive monatelange oder jahrelange Arbeit auf euch nehmen? Schätzt ihr die Chance für inkomplett Querschnittsgelähmte ebenfalls auf über 50 %, dass (rein anatomisch betrachtet) eine Wiedererlangung der Gehfähigkeit ohne Hilfsmittel möglich wäre? Ich weiß, dass jeder Querschnitt anders ist und es auf den Einzelfall ankommt, aber trotzdem kann man doch einen allgemeinen Erfolgsfaktor einschätzen wieviel Prozent der inkomplett Querschnittsgelähmten diese "guten Aussichten" haben und wieviel nicht.

Falls ihr jemanden aus eurem Bekanntenkreis kennt, der nach einer Querschnittslähmung das Laufen wieder "erlernt" hat, oder ihr selbst eines solcher Fälle seid, bitte ich ebenfalls um Info.

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Antwort
von Nelly1433, 76

Und wenn die Chance nur 10 % wäre, würde ich die Reha machen. Man hat doch nichts zu verlieren. Und das hat auch nichts damit zu tun, ob einem das 'Gehen können' extrem wichtig ist. Jeder Mensch will sich doch so lange wie möglich selbst helfen können und nicht ständig auf andere angewesen sein.

Kommentar von FluffInTheNavel ,

Danke für die Antwort. Könntest du bitte noch kurz dazu sagen, ob du selbst betroffen bist oder ob es nur deine Einschätzung als Gesunder ist und du dich in die Situation hineinversetzt?

Vielen Dank!

Antwort
von Mahut, 73

Ich würde auf jeden Fall die REHA machen, denn es stimmt das bei einer inkompletten Querschittslähmung der Patient das Laufen wieder erlangen kann,

Ich hatte einen Kollegen, der war nach einem schweren Unfall, Querschnittgelähmt und hat nach der intensiven REHA, wieder seine Bewegung erlangt. Wie lange es gedauert hat, weiß ich nicht, aber das ist doch egal, die Hauptsache ist, man versucht es.

Kommentar von FluffInTheNavel ,

Danke für die Antwort. Meinst du mit "seine Bewegungen wieder erlangt", dass er nun wieder laufen kann? Wenn ja, mit oder ohne Hilfsmittel wie Krücken oder Rollator? Was für ein Unfall war das denn genau und bist du sicher, dass es eine echte Querschnittslähmung war?
Sorry für die vielen Fragen, aber das Thema ist mir wichtig.

Vielen Dank vorab!


Kommentar von Mahut ,

Der Kollege läuft ganz normal ohne Hilfsmittel, ja es war eine Querschittslähmung.

Kommentar von FluffInTheNavel ,

Dankeschön. Und was für ein Unfall war es denn genau? Dann lasse ich dich in Ruhe :)

Kommentar von Mahut ,

Er hatte einen Motorrad Unfall

Kommentar von FluffInTheNavel ,

Weißt du noch, welcher Bereich der Wirbelsäule betroffen war? Hals, Brust oder Lendenbereich?

Antwort
von StephanZehnt, 56

Hallo ..,

das hört sich an wie die Frage einer Medizinstudentin!

Es ist aber schon die Frage wie stark und in welchen Bereich das Rückenmark geschädigt ist.

http://www.der-querschnitt.de/archive/1455

Nun ist es so je mehr Reize ankommen um so mehr versuchen Nervenzellen Kontakt zu bekommen in die Umwelt. Man hat z.B. bei anderen Nerven den Versuch gemacht und bei einem getrennten Nerv eine Verbindung geschaffen mit einem Ersatznerv geschaffen d der durchtrennte Nerv hat diesen Ersatznerv als "Steighilfe"  benutzt und ist wieder zusammengewachsen.

ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-man-Nerven-wieder-wachsen-lassen-kann,nerven103.html

Dies funktioniert allerdings nur wenn der Nerv gefordert wird. Nicht zufällig haben viele Rehakliniken ein Warmwasserbecken weil in solchen Becken das Körpergewicht deutlich verringert wird  und da spezielle Übungen mit Physiotherapeuten möglich sind.

Das Thema Rehakliniken ist aber eins für sich da spart man im Moment am Meisten obwohl das für die Patienten die oft zu früh entlassen werden (Kliniken) ein Segen ist. (Von Mutter -Knd-Kuren gar nicht zu reden)

http://www.rehakliniken.de/

Dies noch zum lesen in Zusammenhang mit dem Thema !

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/526818/Steh-auf-und-lauf

Gruss Stephan

Kommentar von FluffInTheNavel ,

Danke für deinen Beitrag. Das mit dem Zusammenwachsen der Nerven und den guten Aussichten gilt jedoch nur für periphere Nerven, das heißt diese, die AUSSERHALB des Rückenmarks liegen, die sich in die Gliedmaßen und Körperteile verteilen. Rückenmarksnerven sind hingegen ganz andere Zellen, die sich bei Schädigung anders verhalten, als die peripheren. Es ist zum Beispiel bekannt, dass die Enden des geschädigten Rückenmarks eine Art Freitod begehen bzw. entsprechende hemmende Enzyme absondern, gerade UM zu VERHINDERN, dass die Enden des Rückenmarkes von alleine zusammenwachsen, weil die Nerven dort so eng und fein abgestimmt entlanglaufen, dass ein wildes Zusammenwachsen zu falschen Befehlsimpulsen führen würde. Die peripheren Nerven, um die es auch in deinem Artikel ging, haben diesen Mechanismus nicht, weil dort mehr Platz ist und ein Wiederzusammenwachsen der Nerven höhere Erfolgsaussichten hat.

Ich bin übrigends keine Medizinstudentin, sondern einfach nur Betroffener, und außerdem ein Kerl ;)

Kommentar von StephanZehnt ,

Man macht inzwischen Versuche auch im Bereich Rückenmark natürlich mit sehr bescheidenen Erfolgen.

wie z.B. hier nachzulesen

http://www.berliner-zeitung.de/wissen/revolutionaere-operationsmethode-querschni...

PS . Es ist für uns nicht immer ganz so einfach von dem Nicknamen auf m/w zu tippen.  Mitunter kann man es dann im Profil nachlesen falls ..oder muss die Glaskugel fragen! Meine ist aber gerade kaputt ...

Antwort
von FluffInTheNavel, 80

Hoppala. Ich habe versehentlich zu früh auf Senden gedrückt. Falls der Moderator das sieht, bitte ich darum die komplette Abstimmung aus der Frage zu entfernen und dann auch diesen Kommentar hier. Danke.

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