Frage von Malteeesch, 111

Falsche Diagnose - Was tun?

Hallo,

folgende Situation: Ich hatte im November letzten Jahres einen Unfall beim Handball, wobei ich mir den Daumen gebrochen habe. Leider bin ich erst nach 3 Wochen zum Hausarzt, dieser hat einen Bänderanriss oder Bänderriss diagnostiziert. Für diese Diagnose hat er den Daumen betrachtet, betastet und eine Ultraschall Untersuchung durchgeführt. Nach 1,5 Monaten Ruhigstellung durch eine abnehmbare Schiene waren die Muskeln im Damen so zurück gebildet, dass ich 3 Monate lang zur Krankengymnastik musste, um die Muskeln wieder aufzubauen. Inzwischen wurde zwar eine MRT Untersuchung gemacht, jedoch vom falschen Bereich, was dem Arzt nicht auffiel und er daher keine Verletzung diagnostiziert hat. Da die Beschwerden (dauerhafter Schmerz) nicht weggingen, war ich erstmals bei einem Chirurgen zum Röntgen. Dieser stellte fest, dass mein Daumen gebrochen und später schief angewachsen ist. Meine Gelenkfläche und der Knorpel haben dabei einen großen Schaden erlitten, was ich im Juni bei einem Chirurg im Krankenhaus erfahren habe. Aufgrund der falschen Diagnose (also dass der Bruch nicht erkannt wurde) wurde ich falsch behandelt und habe nun weiterhin Schmerzen. Folge: Der Daumen muss gerichtet werden.

Welche Schritte kann man in diesem Fall einleiten? Aus meiner Sicht hat der Arzt eine völlig falsche Diagnose gestellt. Was könnt ihr mir raten?

Antwort
von gerdavh, 102

Hallo, Du hast die Möglichkeit Deinen Hausarzt zu verklagen, wobei Du Dir hier selbst den Vorwurf machen kannst, nicht auf der Stelle zu einem Unfallarzt bzw. Sportarzt gegangen zu sein. Du kannst dem HA vorwerfen, Dich nicht zum Röntgen überwiesen zu haben und aufgrund seiner Untersuchungsmethode eine Fehldiagnose gestellt zu haben. Da brauchst Du alle Unterlagen der anderen Ärzte, wo die richtige Diagnose aufgeführt ist, und damit gehst Du zu einem Anwalt Bereich Rechtsmedizin. Nur ein Anwalt kann Dir sagen, wie groß die Chancen sind, dass es in diesem Fall zu einer Verhandlung kommt und für Dich dabei ein Schmerzensgeld herausspringt. lg Gerda

Antwort
von StephanZehnt, 63

Hallo Malteeesch,

es hat wirklich wenig Sinn da etwas zu tun. Denn es müsste ein bleibender / dauerhafter Schaden entstanden sein - der Dich in Deinem Alltag schwer behindert. So das Du u.U. Deinen Beruf aufgeben musst odgl.. Die Anwälte des Arztes werden Dir sofort vorhalten, das Du deutlich zu spät zum Arzt bist (drei Wochen). Zum Schluss hast Du dann noch drauf gelegt (Kosten Deines Anwalts usw. und Gerichtskosten wenn Du verlierst).

Man wird ein Gutachten machen in dem stehen könnte das ein Bruch nach drei Wochen nicht mehr zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Ja und schon ist es kein grober Behandlungsfehler mehr.

http://www.datentransfer24.de/Broschuere-Schmerzensgeld.html

hier einmal ein paar Beispiele aus der Hamburger Morgenpost

  • Querschnittslähmung nach ärztlichem Behandlungsfehler: 61355,03 Euro
  • Vergewaltigung: 5112,92 Euro
  • Tiefer Hundebiss in Wade: 1278,23 Euro
  • Gehörschädigung nach zu lautem Rockkonzert: 4000 Euro
  • Salmonellenvergiftung nach Restaurantbesuch: 511,29 Euro
  • Für eine geschwollene Nase nach einem Faustschlag: 51,13 Euro

Dies sind keine Richtwerte die können sich mit jeden Verfahren ändern...!

VG Stephan

Antwort
von Malteeesch, 49

Schon mal vielen Dank für eure Antworten!

Ich nehme mal Bezug... :) Dass ich erst 3 Wochen nach der Verletzung zum Arzt gegangen bin, ist ein grober Fehler und ich ärger mich auch sehr darüber. Dies lag daran, dass ich schon seit Jahren Handball gespielt habe und die Symptome als leichte Prellung wahrgenommen habe. Erst nachdem die Schmerzen nicht weggingen, bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, der auch Sportmediziner (!!!) ist.

Es war übringens auch eine Sportverletzung beim Handball.

Ich möchte nicht gegen den Arzt vorgehen, weil ich mich über dessen Fehldiagnose ärgere, sondern weil ich immer noch Schmerzen (vor allem beim Schreiben, Hämmern o.ä. Aktivitäten) habe. Laut dem Chirurgen aus dem Krankenhaus sollte ich mich operieren lassen.

Vielen Dank, bin gespannt auf weitere Antworten!

Antwort
von walesca, 46

Hallo Malteeesch!

Nach so einem Sportunfall erst nach 3 Wochen zum Arzt zu gehen, ist schon sehr leichtsinnig!! Welche Möglichkeiten Du aber wegen der falschen Diagnose hast, kannst Du sehr gut mal bei der Unabhängigen Patientenberatung erfragen. Die geben Dir sicher eine rechtlich korrekte Einschätzung der Lage und Tipps für das ggf. weitere Vorgehen. Anruf genügt!!! Ich habe dort auch schon so manchen guten Rat bekommen.

http://www.patientenberatung.de/beratung-vor-ort/

Alles Gute wünscht walesca

Kommentar von Nic129 ,

Ganz beiläufig,.. gerade weil er sich 3 Wochen nach dem Unfall erst vorgestellt hatte, kann man bzw. wird man Ihm (im Fall der Fälle) einen Strick daraus drehen. Man kann es drehen und wenden wie man möchte, zu einem Ergebnis wird es höchstwahrscheinlich nicht kommen.

Kommentar von walesca ,

Lieber Nic, dass er erst nach 3 Wochen zum Arzt gegangen ist, darf doch auf die Art der Diagnosefindung keinen Einfluss haben!! Fakt ist doch: es wurde nicht sofort eine Röntgenaufnahme gemacht, was bei derartigen Sportverletzungen nach meiner Erfahrung üblich ist. Und dass der Arzt nicht gemerkt hat, dass die MRT für einen falschen Bereich angefertigt wurde, ist auch nicht auf den verspäteten Arztbesuch zurück zu führen!! Sollte alles ausgehen wie das "Hornberger Schießen", so wird es auch die UPD so feststellen und genau erklären! Es muss doch nicht immer gleich auf einen Prozess hinauslaufen - aber erkundigen darf man sich doch noch!! LG

Antwort
von Nic129, 33

Hallo,

fangen wir mal an:

  1. Sie stellen sich nach 3 Wochen erst vor. Das wäre der erste Fehler.
  2. Wenn es ein Sportunfall - z.B. im Verein war - ist der Hausarzt die falsche Anlaufstelle, das gibt im weiteren Verlauf Probleme mit der Unfallversicherung. Für Sie zwar uninteressant, da die Krankenkasse ja - wie immer - in die Bresche springen muss.
  3. Was glauben Sie, wie viele Patienten mit Schmerzen kommen, aber eine Prellung oder einen Bänderriss als Diagnose erhalten, sich später aber eine Fraktur herausstellt?! Da gibt es genügend. Beide Diagnosen liegen vom Beschwerdebild recht nah.

Zu Ihrer anderen Sache:

Zwar mache ich Ihnen keine Hoffnung, da ein Erfolg recht unwahrscheinlich ist. Aber wenn Sie es sich leisten können, dann müssen Sie es eben versuchen. Sie brauchen aber sehr viel Geduld (rechnen Sie mit 1 bis 2 Jahren) und das nötige Kleingeld (rechnen Sie mit einem Betrag deutlich im 4- bis 5-stelligen). Denn es wäre im Fall der Fälle eine reine Zivilklage. Haben Sie keinen Erfolg, bleiben Sie auf den gesamten Kosten sitzen.

Die Frage ist auch:

Haben Sie aufgrund der falschen Behandlung zum aktuellen Zeitpunkt erhebliche Einschränkungen (Probleme bei der Arbeit?, Probleme bei alltäglichen Dingen?)? Oder ist es nur das Wissen, dass bei Ihnen eine Fraktur vorlag? Das wäre unter anderem in der späteren Bewertung ein wichtiger Punkt.

Wenn Sie sich sicher sind, diesen Weg zu gehen, dann wenden Sie sich an die Schlichtungsstelle der Ärztekammer. Entbinden Sie all Ihre behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht und der Fall wird geprüft. Nach 6 - 12 Monaten erhalten Sie ein Gutachten und dazu die Empfehlung. Das ist kostenfrei und eine gute Möglichkeit, die Chancen für ein späteres Verfahren zu erfahren.

Freundliche Grüße

Antwort
von hermannheester, 37

Nicht jeder Medizinmann ist wirklich ein guter Arzt. Nicht ohne Grund fahren wir hier nach mehr als 1 Jahr immer noch zum alten Hausarzt nach Hannover (30km). Die Suche davor dauerte Jahre. Das Verbot von Irrtümern hat auch den Heilberuf immer noch nicht ereilt deswegen sollte man bei Sportunfällen besser gleich zum Sportmediziner mit einschlägigen Erfahrungen gehen.

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