Frage von momo33, 82

Einnässen bei Kindern?!

Guten Morgen! Meine Tochter ist jetzt 5,5 Jahre alt. Sie wars tagsüber und nachts mit ca. 2 3/4 Jahren sauber. Seit einem halben Jahr nässt sie ständig ins Bett ein. Angefangen hat es mal mit nur ab und dann und hat sich dann stetig gesteigert. Seit 4 Monaten ist es ständig jede Nacht. Tagsüber ist es nur phasenweise. Ich war jetzt schon beim KA und beim Urologen. Der KA meinte "Ja ja das gibt sich von selbst" der Urologe hat Ultraschall gemacht und sie untersucht. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, sie hat eine Reifeverzögerung der Blase, d. h. die Blase wäre für Ihr Alter zu klein. Sie hat Tabletten bekommen. Einmal die Desmotabs zur kurzfristen Therapie und einmal die Mictonetten zur längerfristen Therapie. Solang wir die Desmotabs genommen haben, war es eben nur jede 2. Nacht. Die sollten wir dann absetzen und nur noch die Mictonetten geben. Dann ging es wieder los. Er meinte die Desmotabs könne man dann nur noch geben wenn man mal auf Reisen ist, aber es ist nicht gut sie längerfristig einzunehmen. Wir waren jetzt im Urlaub und komischerweise hat sie 10 Tage überhaupt nicht ins Bett gemacht. Nach dem Urlaub ging es aber sofort wieder los. Dann hat sie mal bei Oma geschlafen und auch da war das Bett am Morgen trocken. Ich versteh das nicht. Ich bin langsam mit meinem Latein am Ende. Ich hab auch schon versucht mit ihr darüber zu reden, aber sie meint, sie merkt es nachts nicht. Was ich eben nicht verstehe, wenn sie woanders schläft passiert auch nichts. Ich habe jetzt in Ihrem Bett unter dem Laken schon eine Inkontinenzauflage und über dem Laken noch eine Auflage liegen, morgens ist immer alles komplett nass, auch die Bettdecke. Bin jeden Tag nur noch am Waschen. Mich macht das ehrlich gesagt komplett fertig. Ich hab ihr auch schon erklärt, dass es auch Windelhöschen gibt für größere Kinder die eben krank sind. Jetzt will sie solche Windeln, aber ich bin da skeptisch, nicht dass sie denkt jetzt kann das ewig so weiter gehen. Auch mit Belohnungskalender schon versucht, aber alles hilft nicht. Soll ich mit Ihr nochmal in die Uniklinik gehen und sie nochmal durchchecken lassen oder was kann ich noch tun..nicht nur sie sondern auch ich gehe langsam daran kaputt. Wäre schön wenn mir jemand helfen könnte. Danke schon im Voraus!!!

Antwort
von gerdavh, 82

Hallo, da der Urologe die Diagnose "Zu kleine Blase" bereits gestellt hat, dürfte es sich schon mal nicht um ein grundlegendes psychisches Problem handeln. Ich könnte mir vorstellen, dass sie zu Hause entspannter schläft und nicht auf die Signale des Körpers achtet, der sie bei voller Blase dann ja weckt. Habt ihr schon mal über eine Klingelhose nachgedacht? Da ist ein Sensor eingebaut, der den Schläfer weckt, sowie etwas Flüssigkeit in der Hose ist. Vielleicht könnte sie ja auf diese Weise ihre Blase trainieren. Natürlich kannst Du zusätzlich auch noch mal in die Uniklinik gehen, evtl. könnten die ein Medikament verordnen, das dem KA nicht geläufig ist. Aber ich denke, Du müsstest mit ihr ein angeleitetes Blasentraining durchführen. Auch da könntest Du Dir Rat bei erfahrenden Kinderärzten in der Uniklinik einholen. Alles Gute. lg Gerda

Antwort
von bethmannchen, 50

Ich denke auch, dass es gar nicht körperlich ist. Sie war doch schon 2 Jahre lang trocken, da entwickelt sich doch nichts zurück! Ich denke, dass da mit Tabletten für die Blase nur die Seele mundtot gemacht wird.

Möglicherweise wird sie durch irgendwelche Umstände zuhause oder in ihrem Umfeld verunsichert. In dem Alter können Kinder auch noch nicht genau ausdrücken, was es ist. Es hat also kaum Zweck, das durch Fragen aus ihr herausholen zu wollen.

Meine Tochter hatte in dem Alter auch so eine Phase. Es war nicht nur Einnässen, plötzlich tat sie so, als ob sie alles möglich nicht mehr konnte. Ich bekam fast den Eindruck, sie würde sich sogar zurück-entwickeln. "Ich kann das nicht, musst du machen..." kam sehr häufig vor, sogar mit ganz einfachen Sachen wie Perlen auffädeln, einen Knopf zumachen, mal etwas ausschneiden, sogar Bilder anmalen "konnte sie auf einmal nicht mehr".

Dann habe ich mal zusammenaddiert, was in ihrem Leben gerade so passiert: Wir hatten zu der Zeit finanzielle Probleme (schlug wohl doch zu ihr durch), ihre große Schwester zog damals gerade näher an ihren Arbeitsplatz, sie kam in einen neue Kindergartengruppe, wo sie sich einen neuen Freundeskreis aufbauen musste. Jeder fragte sie, ob sie sich schon auf die Schule freut (in England beginnen Kinder in dem Halbjahr, in dem sie 5 Jahre alt werden)...

Jedes für sich genommen, sollte ein Kind verdauen können, aber bei so viel auf einmal, geht das einfach nicht mehr, besonders wenn es ein sensibles Kind ist. Meins hatte sich auf seine ganz eigene Weise gegen diese Überforderung zur Wehr gesetzt. (von einem Baby wird ja nicht so viel verlangt)

Ich habe diese ganzen Out-Points vollkommen ignoriert, bin nicht darauf eingegangen, und auch nicht von Arzt zu Arzt gelaufen mit ihr. Das hätte ihr ja nur noch stärker das Gefühl gegeben, dass mit ihr was nicht in Ordnung ist.

Stattdessen habe ich angefangen sie wieder nachts "abzuhalten", also wenn ich ins Bett ging, sie noch einmal ganz undramatisch auf die Toilette geschickt. Dann auch nicht viele Worte gemacht, auch nicht gesagt, damit heute Nacht nichts passiert, nur einfach darauf bestanden, dass sie noch mal geht.

Und dann habe ich dafür gesorgt, dass sie im Kindergarten Anschluss findet. Hab ihr immer wieder im Gespräch Tipps gegeben, wie man Freundschaften schließt, Streit schlichtet, und ihr im wesentlichen das hier beigebracht:

http://www.gutefrage.net/tipp/schuechternheit-kommt-von-innen

Ds muss man natürlich altersgerecht anpassen und selbst reichlich Fantasie aufbringen, aber es geht. Dazu muss man sich ernsthaft für die Dinge interessieren, die das Kind gerade bewegt. Was einem Erwachsenen ganz banal erscheint, kann ein Kind bis ins innerste verunsichern oder erschüttern. Deshalb muss man ganz genau hinhören, um die Zwischentöne nicht zu verpassen

Und dann habe ich jeden kleinen Erfolg gelobt, ganz gleich, wie klein der war. Dabei habe ich genau darauf geachtet, dass es nicht unecht kommt, also keine langatmigen Lobeshmynen, sondern nur: Das kannst du aber gut. Das ist mal eine gute Idee. ...

Vier Wochen später war wieder alles im Lot.

Also komm von der Sache an sich weg, und kümmere dich um die überforderte Seele. Und ganz wichtig ist dabei, dass diese Sache Einnässen den 10-jährigen Sohnemann da überhaupt nichts angeht. Der muss da völlig außenvor bleiben.

Antwort
von Irene1955, 47

Hm. Die Tatsache, dass sie im Urlaub und bei der Oma trocken bleibt, lässt mich aufhorchen. Ich weiß nicht, wie ich das formulieren soll ... aber anscheinend gibt es bei dir zuhause irgendetwas, was sie möglicherweise verunsichert/stresst. Was auch immer das sein könnte - das kannst nur du herausfinden.

Einnässen ist sehr oft ein Zeichen für psychische Belastungen. Mit ihr reden wird nicht viel bringen, sie ist noch zu klein, um so ein "erwachsenes" Gespräch führen zu können. Und wahrscheinlich setzt man sie damit nur noch mehr unter Druck. Daher wirst du wohl selbst auf Ursachensuche gehen müssen. Was ist zuhause da, was woanders fehlt? Was war im Urlaub nicht da, was ist bei der Oma nicht da? Auf diese Weise kommst du vielleicht hinter den Auslöser (Kindergartenstress, Familienmitglieder, Nachbarschaft, kommt alles in Frage). Ich drücke euch die Daumen, dass ihr die Gründe finden und eliminieren könnt :)

Kommentar von momo33 ,

Danke Irene, das hab ich mir auch schon überlegt, aber alles ist beim Alten, also nix neues oder so. Mit dem Kindergarten hab ich auch schon gesprochen, da ist auch alles ok... das Einzige was ich mir höchstens denken kann, ist dass es im Urlaub eben streßfreier zu geht wie zu Hause. Daheim muss man arbeiten, Haushalt machen und so weiter, wir haben aber dennoch genug Zeit für unsere Kinder. Aber im Urlaub haste eben keinen Streß, Du musst kein Frühstück machen oder sonst der gleichen und hast den ganzen Tag Zeit für die Kinder. Aber ich kann jetzt doch nicht einfach aus meinem "alltäglichen Leben" ein "Urlaubsleben" machen ;-)

Kommentar von Irene1955 ,

Das stimmt wohl :). Aber eigentlich sollte sie dann ja zumindest am Wochenende entspannter sein.

Kann es evt. sein, dass DU unter Stress stehst ... und sich das auf deine Kleine überträgt? Ich kenne einen Fall, da hat das Kind bis zum 10. Lebensjahr ins Bett gemacht, weil die Eltern ständig miteinander gestritten haben - als der Vater schließlich ausgezogen ist, war auch das Bettnässen erledigt, und zwar über Nacht. Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass ihr Eheprobleme habt ... das soll nur verdeutlichen, welche "Umwege" Spannungsbewältigung bei Kindern oft nehmen kann. Oder anders ausgedrückt: eventuell solltest/könntest du ja deine Belastungen ein wenig reduzieren. Aber ich bin kein Psychologe :-).

Kommentar von momo33 ,

Ich sag mal so, Streit kommt in jeder Ehe mal vor, aber bei uns ist es recht entspannt und wenn wir mal diskutieren, dann nur wenn die Kinder nix mitbekommen. Ich habe mir halt gedacht, ich gehe nochmal in die Uni und lass nochmal vorsichtshalber organisch alles abklären und falls sich dann nichts daraus ergibt, werden die mir sicher sagen können, was ich machen kann.

Einen Gedanken hab ich noch zum Thema Stress. Mein Sohn ist 10 Jahre alt und ist wirklich total genervt von seiner Schwester, klar 5 Jahre Unterschied merkt man schon. Er hat andere Interessen wie sie, aber sie vergöttert ihn eben. Die zwei streßen oft und heftig miteinander, vielleicht liegt es auch daran, aber puh da bin ich dann überfordert, was ich da machen könnte. Hab auch schon versucht mit ihm zu reden, er meint immer nur seine Schwester nervt und er hätte lieber einen Bruder gewollt. Das kann natürlich auch sein, dass sie das belastet, aber wie kann ich ihm das schonend beibringen??? Mich belasten diese Streitereien auch sehr heftig und die gehen schon morgens nach dem Aufstehen los.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten