Frage von jessicaalina, 96

Der Aufwand ist sinnlos

Hallo Ihr Lieben,

ich habe seit drei Jahren Krankheitsängste durch die Erkrankung und den Verlust meiner besten Freundin. (Krebs) Seit diesem Zeitraum mache hin und wieder Therapie. Früher war es 1x/Woche. Mittlerweile alle paar Monate.

Das Hauptproblem sind auch nicht mehr die Krankheitsängste. Auch, aber nicht im Vordergrund.

Es ist einiges passiert und ich habe vieles erlebt.

Ich habe auch extreme Angst vor der Zukunft. Denn ich bin nicht mehr klein oder das junge Mädchen, was sich auf seine Eltern verlassen kann. Ich habe ständig Angst, dass mir meine Arbeit gekündigt wird und ich kein Geld mehr habe für Alles. (Dafür gibt es eig. keinen Grund) Generell mache ich mir zu viele Gedanken über Alles.

Eine gute Bekannte hat Depressionen und das ist auch bekannt. Sie hatte vor einem Jahr den total Zusammenbruch und kam in eine Psychiatrie. Nach dieser Therapie ist es nicht besser...."Die Seele stirbt zwar nicht, aber das Herz weint trotzdem weiter"...

So ist es auch bei mir. All dieser Aufwand bringt NICHTS. Tief im Inneren werde ich IMMER diese Angst haben, IMMER diese Leere spüren (tote Freundin).... es wird sich nichts ändern.

Daher meine Frage: Was bringt der Aufwand eigentlich regelm. zur Thera zu gehen !?!?

Antwort
von Lydia304, 87

Ich beantworte diese Frage mal, obwohl bisher eigentlich schon sehr gute Antworten gegeben wurden. Ich lese heraus, dass Du die falsche Erwartung an eine Therapie hast. Keine Psychotherapie kann Dir den Schmerz um Deine Freundin oder Deine Ängste wegnehmen oder ausradieren, das ist auch gar nicht der Sinn. Anscheinend hast Du Schwierigkeiten, als Erwachsene die Verantwortung für Dein Leben und Deine Gefühle zu übernehmen. Du hast Recht, als Erwachsene kannst Du Dich nicht mehr auf Deine Eltern verlassen, solltest Du auch nicht mehr. Es wird Zeit, sich dem Leben zu stellen und zu lernen, selbständig damit umzugehen. Auch wenn schmerzliche Ereignisse und unangenehme Gefühl aufkommen, die gehören nämlich zum Leben dazu! Eine Psychotherapie ist dazu da, sich den Gefühlen zu stellen und zu lernen, damit umzugehen. Sich mit der Angst zu konfrontieren und lernen, sie zu bewältigen. Ein guter Therapeut kann Dir dazu Strategien anbieten. Im Alltag umsetzen musst Du sie allerdings selber, das liegt wirklich an Dir! Und sie werden Dir die Angst nie vollständig nehmen. Angst gehört zum Leben dazu, sie schützt uns vor Gefahren und ermahnt uns, (in Deinem Fall) sich wichtigen existentiellen Themen zu stellen. Es ist auch wichtig, Dich Deiner Trauer zu stellen, sie zuzulassen und zu verarbeiten, damit sie irgendwann in den Hintergrund treten kann. Trauergruppen sind dazu auch nicht schlecht. Wenn Du meinst "es wird sich nichts ändern", kann ich Dir bei dieser Formulierung fast zustimmen. Von selbst ändern sich die wenigsten Dinge. Wesentlich ist, was Du änderst. Was Du von der Therapie in den Alltag mitnimmst und umsetzt. Und wenn Du den falschen Therapeuten haben solltest, der Dir nicht die passenden Hinweise gibt, warum Du nicht den Therapeuten wechselst. Und inwiefern Du der Sache eine Chance gibst, denn tief im Innneren scheinst Du auch nicht daran zu glauben. Und was Deine Freundin mit den Depressionen anbelangt: Ein Akutaufenthalt in der Psychiatrie ist nicht dazu da, alles therapeutisch zu lösen, das ist unmöglich. Das sollte eine ambulante Anschlusstherapie bringen. Und auch bei Deiner Freundin wird ihre Mitarbeit für den Erfolg ein wesentlicher Faktor sein.

Antwort
von Winherby, 52

Es gibt Menschen, die sagen zu allen möglichen Problemen die auf sie einstürmen, "- ach egal". Ein wenig von dieser Einstellung brauchst Du. Diese genannte Ach-egal-Gruppe sind Menschen welche kiffen. Im Mariuhana sind die hauptverantwortlichen Wirkstoffe das THC und CBD. Diese Stoffe verändern die synaptischen Prozesse im Gehirn. Dies bewirkt die veränderte (lockere) Lebenseinstellung. Dies habe ich jetzt extrem verkürzt erzählt, aber es funktioniert so gut, dass es mittlerweile THC-haltige Medikamente gibt, die ebenfalls diese Wirkung hervorrufen, Du musst also jetzt nicht zur Kifferin werden. Darauf würde ich den Arzt mal ansprechen. Es gibt aber auch andere Arzneien pflanzl. Ursprungs, die stimmungsaufhellend wirken, z. B. das bekannt Johanniskraut. Es gibt aber noch weitere Anxiolytika (Angstlöser). Sprich mit Deinem Arzt darüber, es müssen nicht immer die teuren und zeitaufwändigen Therapiestunden bei Dr. Freud sein, alles Gute

Antwort
von StephanZehnt, 54

Hallo Jessica,

unser leben ist ein Wechselbad von Ängsten und Glücksmomenten. Unser Körper ist darauf seit Urzeiten eingestellt darauf zu reagieren. Gerade hat die Seele noch gejubelt man lag bei der Frau im Arm ..... Ja und nun geht es zur Jagd und diesmal hat man den Bär nicht erwischt und muss fliehen vor ihm!

Dazu kommt das Frau / Kinder Hunger haben, nun wenn dann nichts ran kommt gibt es Ärger. Also ist man immer irgendwie im Stress.mal positiv mal negativ!

Du hast so ein wenig Angst davor Dich dem Leben zu stellen. Im Normalfall ist so eine Leere von der Du schreibst sehr schnell gefüllt. Da gibt es irgendwann die eigene Familie. Ja und man muss es lernen mit solchen Vorfällen umzugehen.

Es wird immer Zeiten geben wo es einen Verlust gibt. Ob es die Oma ist die mit 83 J. stirbt nach einer Krankheit oder der Arbeitskollege der etwas zu schnell auf der Autobahn unterwegs .... Wenn man damit nicht klar kommt gibt es Vereine die einem bei der Trauerbewältigung helfen! Aber irgendwann muss man sagen nun genug getrauert und muss das Leben weiter gehen!

Wenn Du jetzt sagst nun Therapie bringt nichts wie wäre Deine Reaktion? Ich schätze Du würdest eine Etage tiefer rutschen, ja und u.U. Deine Arbeit verlieren udgl.. Du müsstest Dich jetzt dem Leben stellen und sagen OK ich habe nun getrauert um meine Freundin. Auch sie hätte nicht gewollt das ich nun Zeit meines Lebens um sie trauere. Ich weis nicht was passiert wenn Du einmal zu einer Familie kommst also schwanger wirst was dann passiert.... Oder Du in meiner Lage kämst wo Du bedingt durch einen .... so gut wie von der Aussenwelt abgeschlossen wärst!

Nun ich weis nicht ob Du nun das Gefühl hast, dass hat doch alles keinen Sinn! Aber Du bist es Deinem Leben schuldig, das Beste daraus zu machen. Du bist ansonsten noch körperlich gesund. Sonst tausche ich einmal mit Dir eine Woche ...!

VG Stephan

Antwort
von Caillin, 40

Leider blockierst du dich selber mit deiner Haltung, dass alles nichts bringt, denn entsprechend gehst du dann ja mit den therapeutischen Maßnahmen um. Was bei einer Therapie sehr wichtig ist, ist eben, dass man mit Offenheit und dem Willen, sehr an sich zu arbeiten herangeht, und da blockiert der Gedanke, alles bringe nichts mitunter sehr.

Nun gäbe es mehrere Möglichkeiten. Du könntest mal besprechen, ob es sinnig wäre, zusätzlich zu einem Psychiater zu gehen, der dir Medikamente aufschreibt (ein Psychologe darf i.d.R. nichts verordnen, da er kein Arzt ist. Es sei denn die Therapie ist bei einem Psychiater, der ist Arzt und kann auch etwas verordnen), nicht auf Dauer, sondern erst einmal zur Stabilisierung, damit du die Therapie besser annehmen kannst. Je nachdem, wie schlecht es dir geht, können Antidepressiva mitunter sinnig sein, damit Du überhaupt die Kraft für eine Therapie hast. Die Kombination aus Medikamenten und Therapie hat Studien zufolge auf lange Sicht größere Erfolgsaussichten als nur eines von beidem.

Dann käme auch ein Therapiewechsel in Frage. wenn du nach drei Jahren deine Trauer noch nicht bewältigen kannst und meinst es bringt alles nichts, ist es vielleicht auch einfach die falsche Form von Therapie oder der falsche Therapeut. Es gibt ja verschiedene Ausrichtungen (Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Psychoanalyse), und wenn dir die eine nichts bringt, ist vielleicht eine andere besser für dich. Das ist ganz individuell, manche kommen mit dem einen besser klar, andere mit etwas anderem, versuche es doch mal mit einem Wechsel.

Ganz wichtig dabei ist aber: Du musst es wollen und bereit sein, an dir zu arbeiten. Ansonsten bringt es nämlich tatsächlich nichts. Bedenke: der Großteil der Arbeit bei einer Therapie liegt beim Patienten. Der Therapeut kann dir den Weg weisen, aber gehen musst du selbst.

Antwort
von timsgloeckchen, 34

Die Frage ist, welche Ansprüche du an deine Therapie stellst. Eine Therapie kann NIEMALS all deine Trauer, all deine Schmerzen nehmen. Das ist einfach unmöglich. Eine Therapie ist dazu da dir zu zeigen wie du besser damit umgehen kannst und besser mit dem Leben klar kommst, OBWOHL es dunkle Seiten hat. Es lohnt sich in die Therapie zu gehen, weil es dir zumindest einen Teil der Last nimmt. Natürlich nicht alles, das geht auch nicht, aber einen Teil und es zeigt dir Strategien wie du mit Angst umgehst, damit es dich nicht zu sehr einschränkt. Du musst dich aber natürlich auch fragen, ob du den richtigen Therapeuten hast. Wenn ja, dann solltest du auf kleine Verbesserungen achten, nicht auf das große Wunder- das gibt es nämlich nicht.

Antwort
von Ostsee31, 30

Daher meine Frage: Was bringt der Aufwand eigentlich regelm. zur Thera zu gehen !?!?

Eine regelmäßige Therapie bringt etwas wenn man sich selbst auch Zeit gibt und du selbst gehst ja auch nicht regelmäßig zur Therapie denn das wäre 1x/Woche.

Du schreibst deine Freundin war in einer Psychiatrie wg. einem Nervenzusammenbruch. Es kommt darauf an auf was für einer Station deine Freundin war. Bei einem Nervenzusammenbruch könnte es eine offene Aktutstation gewesen sein wo nunmal AKUTmedizin praktiziert wird und keine Langzeittherapie. Einen Nervenzusammenbruch kann man auch nicht mit einer Angsterkrankung vergleichen! Wenn DU etwas in deinem Leben positiv verändern möchtest dann kann der Weg nur über einen für dich passenden Therapeuten führen. Therapeuten sind aber nicht dafür da mit dem Zauberstab zu wedeln und dann sind deine Probleme weg. Der Therapeut kann nur unterstützend für dich da sein. Den Hauptanteil für einen guten Therapieerfolg trägst du selbst.

Kommentar von jessicaalina ,

Das weiß ich alles, aber es hat nichts einen Sinn.

Ich lerne seit drei Jahren, wie ich besser mit dem Tod meiner Freundin umgehen kann. Und ich weiß auch, wie ich es tun könnte, aber ich kann es nicht. Tief in mir, wird es mich immer komplett umhauen.

Wenn ich unser Lieblingslied höre, ihren Name höre (unabhängig von ihr), oder nur ihre Krankheit höre, da kommt alles hoch und ich bin einfach nur fertig. Es wird nicht besser........es tut so sehr weh. :-(

Kommentar von Ostsee31 ,

Ich würde dir eine EMDR Therapie empfehlen, du kannst dich diesbezüglich bei deinem/einem Psychiater informieren oder es gibt auch psychologische Psychotherapeuten die dafür geschult sind. Das ist gerade im Bezug auf Trauerverarbeitung eine gute Therapieform mit sehr guten Behandlungserfolgen.

Antwort
von demosthenes, 29

Was bringt der Aufwand eigentlich regelm. zur Thera zu gehen !?!?

Unter den geschilderten Bedingungen müsstest Du entweder eine intensive Therapie machen - also drei Termine die Woche - oder es ganz lassen, denn dieses "ab und an" ist sinnlos.

Kommentar von jessicaalina ,

Ich sage ja, es bringt nichts.

Ich sehe es an der Bekannten. Sie ging sogar für 2 Monate in die Psychiatrie, freiwillig nach Ihrem Zusammenbruch. Und es ist nicht besser, das sagt sie selbst. Man wird immer diese Probleme mit sich und seinem Leben haben. Daher frage ich mich, wozu verfahre ich soviel Benzin um jedes Mal zur Therapie zu kommen? Unnötig Geld all die Jahre über...

Wozu opfere ich meine Zeit? Es ist fast schlimmer, als vor der Therapie.

Dreimal die Woche kann ich nicht, ich muss arbeiten.

Kommentar von Winherby ,

Deine Bekannte als Benchmark für Deine Meinung zu nehmen ist falsch. Jeder Fall liegt anders, jeder reagiert auf Therapien anders.

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