Frage von elfchen88, 306

BSV weiter arbeiten?

Hallo, seit Monaten habe ich Kribbeln, Taubheitsgefühle bis in die Zehen im linken Bein. Teilweise starke Schmerzen über den Po ausstrahlen, hinten am Oberschenkel und Wade entlang. Vor 6 Wochen hatte ich laut Arzt einen akuten " Hexenschuss" . Dieser wurde mit Schmerzemitteln und 1 Woche krank behandelt. Ganz gut war es aber nicht und somit habe ich nebenher Ibus genommen und dachte ich wäre zu zimperlich. Vorab der erste Orthopäden Termin war im Januar, bereits da hatte ich Missempfindungen. Der Orthopäde meinte aber, das würde von Verspannungen kommen und mein Röntgenbild wäre ok. So, gestern hatte ich endlich einen MRT Termin. Diagnose BSV in der LWS. Das mit 26 ! Ich bin gelernte Heilerziehungspflegerin und arbeite in der Pflege. Aktuell in der Psychiatrie, sodass ich zum Glück nicht viel schwer heben muss. Der Arzt knallte mir die Diagnose hin und dann wurde ich gebeten alles weiter mit dem Orthopäden zu besprechen. Dieser ist im Urlaub, bei der Vertretung habe ich für Donnerstag einen Termin. Die Sprechstundenhilfe meinte, bis dahin solle ich mich vom HA krank schreiben lassen. Da auch dieser im Urlaub ist, war ich gerade bei seiner Vertretung. Diese schrieb mich nicht krank, meinte, da ich ja schon länger damit rum laufe, würde das die 2 Tage auch noch gehen. Nun bin ich mir unsicher. Ich möchte nichts noch schlimmer machen. Aus meiner Umgebung war man geschockt, dáss ich so arbeiten gehen soll. Ich muss ehrlich sagen, dass ich keine Lust habe hier rum zu sitzen. Was meint ihr dazu? Nehme ich das auf die leichte Schulter und kann arbeiten gehen, oder solle ich mich von nem anderen Arzt bis Donnerstag krank schreiben lassen ?!

Übrigens hat die Ärztin keine MRT Befunde, da diese an den Orthopäden gingen.

Ich hoffe auf hilfreiche Antworten,

elfchen

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Antwort
von Winherby, 237

Hallo elfchen,

da fällt mir zuerst nur ein: diese schei.... Urlaubszeit. Die halbe Nation liegt flach, ein Teil am südl. Strand in der Sonne, der andere im Bett. Mich hat die kollektive Urlauberei auch immer gestört, aus sehr unterschiedl. Gründen. Aber nun zu Dir.

Ich würde an Deiner Stelle weiter arbeiten, aber dabei möglichst ergonomisch korrekte Haltung waren. Schon mal gut, dass Du nicht viel schwer heben musst. Aber wenn, dann möglichst immer mit nach vorn durchgedrückten Rücken heben, das entlastet die Bandscheiben, belastet die Beine dafür entsprechend mehr.

Dann sollte der Orthopäde Dich zu einem Neurochirurgen überweisen, das sind die Fachärzte für solche Fälle wie Deinem. Aber keine Angst, die wollen nicht sofort operieren. Es stehen eine ganze Reihe physiologischer und physikalischer Anwendungen als Hilfe zur Verfügung, die Ärzte müssen nur die geeigneteste Therapie für Dich in ausreichender Anzahl verordnen. Da tun sich leider viele Ärzte schwer, dem Gesundheitsbudget seis gedankt. Gemeinsam sollte mal über eine baldiste Reha zur " Erhaltung der Teilhabe am Arbeitsleben " (amtsdeutsch) nachgedacht werden. In so einer Reha würdest Du Dich wundern, wieviele junge Menschen mit BSV , -operiert oder noch nicht -, Du dort vorfindest. Vor Jahren las ich in einer Statistik, dass das Durchschnittsalter bei Männern mit einer Bandscheiben-OP bei 28 Jahren lag.

Wichtig wäre auch zu wissen, wie der Zustand Deiner restlichen Bandscheiben ist, - auch und vor allem die der Halswirbelsäule. Denn wer untenrum BS-Probleme hat, der hat immer auch welche am entgegengesetzten Ende, - manch einer merkt es nur noch nicht, oder kennt den wahren Grund seiner durchaus vorhandenen Symptome nicht. ( Kopfschmerzen, Kribbeln/Zucken in der Schulter-/Nacken-/Oberarmmuskulatur, pelzige Finger, muskuläre Schwäche im Arm, Herzprobleme, Hustenreiz, etc. )

Sollte der Rest der BS auch bereits mehr oder weniger beschädigt sein, dann gilt es über die berufliche Zukunft nachzudenken. Noch bist Du jung genug um zu in einen Beruf zu wechseln, der Deiner WS gerecht wird.

Desweiteren gehören Deine sportlichen Aktivitäten auf den Prüfstand. Je nach Sportart kann es sein, dass die BS zu stark beansprucht werden. Machst Du aber überhaupt keinen Sport, dann solltest Du damit anfangen. Im jetzigenZustand aber noch nicht, warte erst mal ab, was bei der Sache rauskommt, kannst dann nochmal hier nachfragen, oder frag Deinen Physiotherapeuten.

Überprüft werden muss alles, was Deine Ergonomie betrifft: Matratzenhärte, Stuhlhöhen daheim und auf Arbeit, Autositzhaltung, Arbeit teilweise auch im Bücken?, usw., halt alles, was die Muskeln und Wirbelkörper belastet.

Soviel vorab in Kürze, es gäbe noch viel zu sagen, gute Besserung u. LG

Kommentar von elfchen88 ,

Hallo Winherby, vielen lieben Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort. Sie hat mir etwas Mut gemacht :)

Seit geraumer Zeit habe ich tatsächlich Nacken- Schulterbeschwerden. Manchmal wach ich mit eingeschlafenem Arm auf. Links habe ich seit einer Woche einen schmerzenden Zeigefinger, welcher beim beugen schmerzt. Pelzigkeitsgefühle habe ich dort auch schon bemerkt :/ Vor Jahren hatte ich eine Lungenentzündung in danach lange Zeit ( 2 Jahre mind) Atembeschwerden/ Blockaden. Diese wurden vielfach von Orthopäden und Lungenärzten abgeklärt. Diagnosen : gereizter Zwischenrippennerv, Einrenken von Wirbeln. Lunge vollkommen in Ordnung. Können denn solche Atemproblem auch von der HWS kommen?

Ich habe früher viel Leistungssport gemacht, u.a Kickboxen, hatte aber nie Probleme. Gelegentlich gehe ich joggen.

Kann ich neben einer Reha noch arbeiten gehen?

Ich hoffe es sind nicht zu viele Fragen ;) Bin nur neugierig und bis Donnerstag erscheint es mir noch lange...

Sei herzlichst gegrüßt.

Kommentar von Nelly1433 ,
Kann ich neben einer Reha noch arbeiten gehen?

Wohl kaum, weil
a) eine vernünftige Reha mehrere Stunden des Tages beansprucht
b) eine Reha nur selten 'vor der Haustür' stattfindet
c) eine Reha der Verbesserung der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit gilt und nicht so nebenher läuft

Erst einmal abwarten, was Donnerstag herauskommt. Dann kann man weitersehen. Die 2 Tage gehen auch noch um...

Kommentar von Winherby ,

Hallo elfchen, ich nochmal, ich versuche so gut ich kann Deine verständliche Neugier zu befriedigen:

Also die genaue Höhe der Innervation habe ich jetzt nicht im Kopf, aber über ein Nervengeflecht in Höhe der unteren HWS und der oberen BWS werden viele Organe des oberen Brustraumes versorgt, auch die Bronchien. Und der Plexus Brachialis versorgt die Arme. Kribbelnde oder pelzige Finger haben noch lange nichts mit dem oft zitierten Karpaltunnelsyndrom zu tun. Die Lungen haben keinerlei Versorgungsnerven. Das Knacken der Wirbelsäule wird im Sport oft gemacht und hat langfristig einen erhöhten Verschleiss der kl. Wirbelgelenke zur Folge.

Kickboxen ist allerdings eine Sportart die der Gesundheit des Körpers nur zeitweise zuträglich ist, besonders beim Gegner. Joggen ist für die meisten Jogger ebenfalls sinnlos, denn es kommt nämlich drauf an, was die Joggerei bewirken soll. Ich persönlich bevorzuge und empfehle entweder Intervall-Lauftraining, oder aber gezielten Kraftsport, denn dann kommt die Wirkung sozusagen gezielt an, - dort wo man´s braucht.

Eine Reha ist ein ernst zu nehmendes Programm. Ich bin ein Verfechter der heimatfernen Reha. Körper, Geist und Seele sind eine untrennbare Einheit. Jede Erkrankung des Körpers hat seine Ursache, dabei spielt auch die Seele immer eine gewisse Rolle, auch wenn das nicht jeder auf Anhieb versteht. Daher: raus aus der gewöhnten Umgebung, also Milieuwechsel. Auch der Reiz eines Klimawechsels ist wichtig. Wer eher nördlich beheimatet ist sollte weit in den Süden und umgekehrt. Und dann ist natürlich die Intensität und Qualität der Anwendungen entscheidend. Daher kann das optimale Ergebnis einer Reha nur fern der Heimat, - auch ohne Wochenendbesucherei! -, erzielt werden. Glaub mir, ich kenne beruflich beides, ambulante und stationäre Reha, die Unterschiede der Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache. Nun beantwortet sich die Frage nach der „Nebenher-Reha“ von selbst.

Du bist mit 26 Jahren noch sehr jung, nimm die bereits eingetretenen gesundheitlichen Probleme ernst, - kann ich Dir raten. Schlimmer wird es später sowieso von ganz allein, trotz aller Bemühungen gesundheitserhaltend zu leben. So, ich hoffe, dass mein Beitrag Dir weiterhilft, lG, Winherby

Kommentar von elfchen88 ,

Du hast mir sehr weitergeholfen. Vielen Dank nochmals dafür !

Antwort
von walesca, 235

Hallo elfchen88!

Ich kann alle Aussagen von @Winherby nur in vollem Umfang bestätigen!!! Ergänzend möchte ich nur noch erwähnen, dass nicht jeder BSV auch gleich operiert werden muss. Lass Dich auf keinen Fall zu einer OP drängen, solange nicht alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft sind!!! Dazu gehören KG, Osteopathie, Wassergymnastik, ggf. Nervenwurzel-Infiltrationen, Denervation mit Radiofrequenzen, ggf. Kryotherapie usw. usw. Der Besuch einer Schmerzambulanz wäre auch sehr sinnvoll. Zur Osteopathie hier noch ein informativer Tipp. Übrigens: eine Reha weit weg von zu Hause kann ich wirklich nur empfehlen. Da kann man sich mal nur auf sich selbst konzentrieren - ohne irgendwelche Verpflichtungen - herrlich!!!

http://www.gesundheitsfrage.net/tipp/manuelle-therapie-oder-osteopathie-wo-ist-d...

Alles Gute wünscht walesca

Kommentar von walesca ,

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