Frage von capricorne, 118

Bin ich vielleicht psychisch krank?

Hallo liebe Community,

Momentan fühle ich mich einfach so alleine. Fast jede Nacht muss ich mir das Heulen verkneifen. Ich habe das Gefühl das mich niemand wirklich wahrnimmt, das ich langsam aus den Köpfen anderer verschwinde weil ich denen nicht so wichtig bin, denke ich.

Ich habe das Gefühl, das ich einfach zu ersetzen bin und nur für sie eine Rolle spiele wenn es ihnen scheiße geht oder wenn einer ihrer Freunde keine Zeit hat. Ich sehe das ja an einer Freundin, ich habe versucht für sie da zu sein als ihr Ex sie verlassen hat. Wir haben in der Zeit auch viel miteinander gemacht, was in der Zeit als sie mit ihm zusammen war, nicht so war. Anscheinend geht es ihr wieder besser, postet ständig Bilder mit einer ihrer anscheinend neuen Freundin, wie sie zusammen Zeit verbringen und was trinken gehen, was sie mir vor langer Zeit auch versprochen hat, es aber bis heute nicht passiert ist. Vielleicht möchte sie mit mir ja nicht mehr so viel unternehmen wie mit ihren anderen Freundinnen, weil ich eben nun mal ein ruhiger Typ bin und wahrscheinlich auch langweilig und sie es mit den anderen einfach besser krachen lassen können als mit mir. Aber ich kann auch mal laut und lustig sein, das müssten sie eigentlich wissen, nur fällt mir das einfach schwer, da es mir seit Monaten schon nicht gut geht (Zukunftsangst, habe mich selbst verletzt, habe es seit dem einen Mal aber nicht wieder getan) und ich noch ruhiger als sonst geworden bin. Mir fällt es auch schwer mich anderen anzuvertrauen, wenn es mir schlecht geht. Ich habe Angst, dass sie mich nicht verstehen würden und dann nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Es gibt niemanden der mich fragt wie es mir geht, wie mein Tag war oder sonst was. Mir fehlt einfach eine Person, die mich ja.. sozusagen "auffängt".

Ich habe so oft Nächte, in denen ich realisiere, wie alleine ich doch bin und ich nicht wirklich jemanden habe zu dem ich gehen und mich ausheulen könnte. Seit Monaten kann ich nicht mehr gescheit einschlafen, liege teilweise noch bis 4 oder 5 wach im Bett, was wahrscheinlich daran liegt das ich keinen geregelten Tagesablauf mehr habe. Ich hab das Gefühl ich bin für die anderen nicht so wichtig, dass ich leicht zu vergessen bin, das sie immer jemanden besseren haben, der ihnen wichtiger ist. Ich habe mir oft gewünscht tot zu sein oder das mich ein Auto anfährt, sodass alles einfach vorbei ist. Wobei es vor ein paar Monaten mit diesen Gedanken schlimmer war als jetzt. Mit den Gedanken mir wirklich etwas anzutun, habe ich nie gespielt. Ich habe aber Angst das es bald passieren könnte.

Tut mir leid für den etwas langen Text. Ich freue mich auf ein paar Antworten und evt auch Ratschläge. Bin übrigens 20 und w.

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von Buddhishi, 55

Liebe Capricorne,

Deine Worte gehen mir richtig zu Herzen, weil ich weiß, wie es ist, sich so wie Du zu fühlen. Inzwischen habe ich es aber überwunden und weiß auch, dass es ganz vielen Menschen leider so geht.

Anscheinend greift das Symptom 'Einsamkeit' wie eine 'neue Pest' um sich. Immer mehr Menschen bleiben für sich, vermissen zurecht Anerkennung und Zuwendung. Bei Dir kommt leider wie bei mir damals noch hinzu, dass Du zu den empathischen und sensiblen Menschen zählst, die gerne helfen.

Und damit gehören wir in dieser leistungsorientierten, oft gefühlsarmen und von Egoismus geprägten Welt zu einer Art 'Exoten' werden, zu denen man greift, wenn man sie braucht und dann schnell wieder vergißt, weil sie ja durch ihre Hilfe die schwache oder dunkle Seite in dem Menschen, dem sie geholfen haben, gesehen haben. Vor lauter Scham und Peinlichkeit wendet man sich dann lieber wieder ab.

Aber Du kannst etwas daran ändern, indem Du anfängst, Dich selbst zu lieben, zu achten und wertzuschätzen, denn dazu hast Du wirklich allen Grund! Nehme Dich an, wie Du bist. Du bist gut, genauso wie Du bist :-)

Weiterhin erwarte bitte künftig keinen Dank oder eine Anerkennung von anderen, denn damit machst Du Dich selbst klein, abhängig von anderen und gehst weiterhin von einer Enttäuschung zur nächsten.

Wenn Du wieder jemandem geholfen hast, danke Dir selbst, dass Du helfen konntest, durftest und auch getan hast.

Bitte suche Dir auch Menschen, die Dir guttun. Es gibt viele von 'unserer Art', Du wirst sie auch finden. Sei es über ein Hobby, ein gemeinsames Interesse oder eine Plattform, wie z. B. 'spin.de', wo man kostenlos und unverbindlich interessante Leute kennenlernen kann. Es gibt auch viele gute Gruppen dort.

Ich wünsche Dir von ganzem Herzen alles Liebe und Gute und:

bitte bleibe am Leben, die Welt braucht Menschen wie Dich :-)

Buddhishi

Kommentar von Buddhishi ,

Vielen Dank für den Stern :-) Ich hoffe, es geht Dir inzwischen besser. LG

Antwort
von AliceF, 67

ich glaube nicht, dass Du psychisch krank bist. Ganz in Gegenteil, von dem was Du schreibst: Bewundernswert!

Der von Dir geschilderte Zustand werden viele gehabt haben bzw. haben es aktuell, was nicht zuletzt dem giftigen "Cocktailmix" in dem wir uns verfangen geschuldet ist.

Es gibt bekanntlich immer mehr Single. Die Bekanntschaften oder gar Freundschaften sind oft oberflächlich.
Wenn Du etwas sensibler bist als die Menschen in Deinem Umfeld fühlst Du Dich öfter nicht verstanden, ausgegrenzt... Ist Dein jetziges Umfeld gut für Dich? Lohnt sich vielleicht ein Wechsel? Auch wenn es schwer fallen mag: "Wenn der Schuh Dir nicht passt, dann ist das nicht Dein Schuh..."

Von „psychisch krank“ zu reden ist verkehrt, höchstens hast Du eine depressive Stimmung. Sollte Dein Zustand länger andauern und Dir sorgen machen, gebe es die Möglichkeit einer Gesprächstherapie (gibt es auch Kurzzeittherapie) bei einem "Psychologischen Psychotherapeuten" Deines Vertrautes vor Ort. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse, sofern der Therapeut einen Bedarf sieht.

Kommentar von TimoW ,

Vielleicht hast du auch einen Vitamin D Mangel, welcher auch Depressionen oder auch Burnout verursacht. Ist übrigens weit verbreitet.

Lass deinen Vitamin D Spiegel mal untersuchen.

Ein Super Buch über Vitamin D Mangel geschrieben von

Eberhard J. Wörner / Vitamin D

Aber wenn du ihn auch nicht haben solltest. Mach dir nicht zu viele Gedanken. :-) Es geht immer weiter. Egal wie. ;-) Und wenn den passenden Mann mal gefunden hast, dann wird er dir gerne zuhören. Auch wenn manche Männer das erst erlernen müssen. :-)

Antwort
von Rawir, 21

Hallo Capricorne

Um wirklich sagen zu können, ob das eine sog. "depressive Episode" oder eine "Depression" ist, fehlen ein paar Informationen. Sei's drum. Es scheint jedoch eher eine von mehreren depressiven Episoden - also keine seelische Erkrankung - zu sein.

Erstens: Ratschlag? Ratschläge haben so was brutales. Wieso sollte ich dich mit einem Rat verprügeln? Tipps oder "Eigenerfahrungsberichte" sind da besser :-) Und nu im Ernst: Jemandem einen Ratschlag geben bringt meiner Erfahrung nach nichts. Denn mit einer großen Wahrscheinlichkeit hat der Ratschlag zwar dem Geber geholfen, aber dem Nehmer muss das nu in keinster Weise was bringen.

Zweitens: Du sprichts mehrere Dinge gleichzeitig an:
- Gutes Herz / Gutmütigkeit + Enttäuschung / Ernüchterung
- Einsamkeit / Partnerwunsch (damit verbunden: Idealvorstellung, die verkleidet als "Normalität" propagiert wird)
- Sich schneiden (geht in Richtung Selbstbestrafung) -> Bei sich selbst die Schuld suchen

oder

- Sich schneiden, damit man überhaupt noch etwas fühlt (Hinweis auf Borderline -> dann ist dringend eine Therapie nötig! Borderline kann mörderisch sein.)
- Sterbewunsch: Einer der Faktoren auf eine Depression... aber eben nur einer.
- Last but not least: Angst, dass du direkter über Selbsttötung nachdenken könntest -> Dies ist tatsächlich alarmierend, denn dabei bereitet sich dein Unterbewusstsein genau darauf vor, "reeler" über eine Selbsttötung nachzudenken.

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Du siehst: Es würde einen Roman füllen, das alles in einem kleinen Post zu beantworten.

Meine Erfahrung:
Ich habe seit etwa dem 15. Jebensjahr selbst Depressionen. Auch diese haben ein Auf und Ab wie jede Stimmungen. In den besten Tagen ging es mir sogar ziemlich normal, in den schlimmsten habe ich Selbsttötungsversuche unternommen. Seit dem 15. Lj habe ich ständig mit Depressionen gelebt. Ich habe ein "chronische Depression 2. Grades" -> mit Tabletten behandlungsbedürftig. Inzwischen lerne ich, meine Depression ersten "zu mir gehörend" also auch als positives Grundkonzept zu akzeptieren und zu nutzen. Inzwischen bin ich ja auch nahe an die 50 Jahre alt.

Gesundheit definiert sich aus Körper, Geist und Umfeld - also physisch, psychisch und sozial. Zu physisch kann ich hier nichts sagen, da veweise ich auf den folgenden Tipp. Zu psychisch: Eindeutig negativ! Du weißt zwar noch nicht wie, aber du kannst da Vieles tun. Zu sozial: Das war ja eigentlich deine wirkliche Frage: Wenn du dich selbst als "Nicht Existent" siehst, gibst du diese Info unmerklich und dir unbewusst andauernd nach außen ab. Folglich wird deine Umgebung "deinen Erwartungen entsprechend" genauso reagieren, als wärest du nicht da. Das ist keine Frage von "Schuld oder nicht", sondern ein ganz einfacher Fakt... so wie 2 + 2 = 4 ist. Was ich damit meine: Die Außenwelt hat dich mal schlecht behandelt und irgendwann hast du geglaubt, dass "sie" recht hätten. Haben sie aber nicht! Es ist nur dumm gelaufen, dass du daraus einen ganzen "Glaubenssatz" gemacht hast, den dein Unterbewusstsein nun ständig "zu erfüllen" versucht. Eigentlich will dein Unterbewussstsein dir nur einen Gefallen tun... Es ist dieser Gedanke, der geändert werden muss! Und genau dafür sind z.B. Psychotherapeuten da! Die behandeln nicht nur Irre, sondern auch Normalos, bei denen einfach gerade was schief läuft. (Übrigens helfen da evtl. auch Pfarrer / Pastoren - auch wenn ich mit dem christlichen Glauben nur gar nix am Hut habe.)

Mein Tipp:
Geh' als erstes mal zu deinem Hausarzt - wenn du ihm vertraust! - und rede mit ihm über deine Probleme ganz offen. Er hat nämlich das Wissen, wie man methodisch nachprüfen kann, ob du nu unter einer von mehreren depressiven Episoden oder unter einer Depression leidest.

Mein Tipp 2:
Suche dir (möglichst professionelle) Hilfe. Bei deinen Problemen hilft schreiben nur bedingt. Da aber beim Reden viel mehr Informationen "übertragen" werden, brauchst du dringend jemanden, mit dem du reden kannst.

Gruß Rawir

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