Frage von Tanja28, 77

Basis-Bolus (70/30) Therapie - Unterzucker?

Mein Lebensgefährte hat jetzt mit der Basis-Bolus Therapie (70/30) begonnen. Heute in der Früh war sein BZ auf 120. Wir haben nach dem messen 10 EH Insulin (70/30) gespritzt. Zum Frühstück hat er einen größeres Stück Wurstbrot gegessen. 2 1/2 Stunden später war sein BZ auf 63. Kann mir vielleicht jemand helfen? Um wie viel sinkt der BZ bei dem 70/30 Insulin? Bzw. wie viele KE/BE muss man zu sich nehmen das der BZ stabil bleibt und in keine Unterzuckerung fällt?

Vielen Dank für eure Hilfe.

Liebe Grüße

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Antwort
von niaweger, 57

So etwas wie eine »Basis-Bolus-Therapie 70/30« ist mir absolut unbekannt. Es gibt Mischinsuline, die mit der Bezeichnung »70/30« typisiert werden - das hat aber mit einer Basis-Bolus-Therapie gar nichts zu tun. Eine Basis-Bolus-Therapie beruht darauf, dass eine relativ stabile Dosis an Verzögerungsinsulin ein- oder zweimal täglich gespritzt wird, und zu den Mahlzeiten wird die benötigte Dosis an schnellwirkendem Insulin anhand der beabsichtigten Mahlzeit und dem vorher gemessenen Blutzuckerwert immer aktuell von dem Diabetiker berechnet. Nach welcher Formel hier genau gerechnet werden muss, muss zu Beginn der Behandlung erst mal Schritt für Schritt herausgefunden werden - diese Formel ist für jeden Diabetiker individuell verschieden, und sie kann sich zum Beispiel durch Gewichtsschwankungen oder auch für Arbeits- oder Urlaubstage auch bei ein und demselben Diabetiker immer mal wieder verändern. Aber das alles sollte einem, der diese Therapie als »Neuling« beginnt, vor Beginn der Therapie in einer intensiven Schulung beigebracht werden. Es gibt aber leider immer noch Ärzte, die von der Diabetes-Behandlung leider nicht allzuviel verstehen und trotzdem versuchen, die Diabetiker ohne Unterstützung eines erfahrenen Facharztes (eines sogenannten »Diabetologen«) alleine auf Insulintherapie einzustellen. Das ist unverantwortlich, und meiner Meinung nach sollte diesen Ärzten mit sofortiger Wirkung ihre Zulassung entzogen werden.

Antwort
von GeraldF, 49

Ihr Lebensgefährte und Sie sollten noch mal eine Schulung für Diabetiker besuchen.

1. Ein Mischinsulin 70/30 ist keine Basis-Bolus Therapie. Eine Therapie mit einem Mischinsulin ist immer ein Kompromiss und einer echten intensivierten Therapie (Basis-Bolus) unterlegen. Dafür ist sie einfacher umzusetzen und es muss seltener kontrolliert und gespritzt werden.

2. Da es sich nicht um eine intensivierte Therapie handelt, wird die Dosis im Regelfall nicht dem präprandialen BZ-Wert angepasst. Es gibt ein festes Regime, dass nur bei extremen Abweichungen korrigiert wird. Somit macht es auch keinen Sinn, die KHEs oder BEs der Mahlzeit zu bestimmen. 

3. Ein Mischinsulin 30/70 enthält 30% des Insulins als kurzwirksamen Anteil. Bei 10 IE sind das also 3 IE. Um wieviel mg/dl der Blutzucker durch 3 IE kurzwirksames Insulin gesenkt wird, lässt sich nur beim Typ I Diabetiker einigermaßen genau sagen (1 IE senkt um ca. 30mg/dl). Ihr Lebensgefährte hat aber einen Typ II und damit eine Insulinresistenz, die lässt sich nicht ohne weiteres berechnen lässt. Daher funktioniert diese einfache Rechnung hier nicht. Beim Typ II spielen Erfahrungswerte und vorangegangene Messungen eine große Rolle. Notieren sie alle gemessenen Werte und gespritzten Einheiten und zeigen Sie das dem Diabetologen. Er kann dann evtl. die Dosis verändern. 63mg/dl sind keine Hypoglykämie.

Kommentar von Tanja28 ,

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Mein Lebensgefährte hat Diabetes Typ 1.

Aber wie kann es sein, dass wenn 10 EH gespritzt wurden der BZ so drastisch abfällt obwohl er Kohlenhydrate zu sich genommen hat?

Bei einem Wert von 63 geht es ihm eben nicht sehr gut (Zittern, Schwitzen, Schwindelig,..)

Kommentar von GeraldF ,

Ups ! Ich bin schon lange dabei, aber ein Typ I mit einem Mischinsulin ist eine Rarität. 

Die 3 IE kurzwirksames Insulin senken den Blutzucker um ca. 90mg/dl. Das heißt, wenn er nichts essen würde, dann würde er sich bei einem Ausgangswert von 120mg/dl auf einen Blutzucker von 30mg/dl herunterschießen (also in einen Hypo). Aber er hat ja gegessen. Je nach Tageszeit benötigt man ungefähr 1-2 IE Insulin um eine KE der geplanten Nahrung "abzudecken". Er muss also 1,5-3 KE essen, damit er bei 3IE kurzwirksamem Insulin ungefähr dort landet, wo er herkommt. Versuchen Sie mal zu abzuschätzen, ob die eingenommene Mahlzeit dem entspricht. 

Erschwerend kommt hier natürlich hinzu, dass er ja Zeitgleich zusätzlich 7 IE eines Verzögerungsinsulines gespritzt hat, dass nach ~ 2,5 h Stunden auch bereits eine Wirkung zeigt. 

Bei 63mg/dl sollte er eigentlich noch nichts merken. Wieso hat er kein klassisches intensiviertes Schema ? Was machen Sie mittags ? Spritzen sie da nur ein kurzwirksames Insulin ?

Kommentar von Tanja28 ,

Nein, das Mischinsulin was er bekommen hat ist ein 70/30. Kein 30/70. 70 Essensinsulin und 30 Basisinsulin. Kann man nachlesen, ist erst seit kurzem auf dem Markt. Also bestimmt ein Fortschritt.

Kommentar von GeraldF ,

Auch das NovoMix70 wird fast ausschließlich bei Typ II Diabetikern verwendet. Von der Rechnung ist es das gleiche: 7 IE des kurzwirksamen Anteils senken den BZ um ca. 210 mg/dl. Dann müsste er zu der Mahlzeit sogar ~ 7KE einnehmen um nicht postprandial abzufallen.

Kommentar von niaweger ,

Mein Lebensgefährte hat Diabetes Typ 1.

Ein Arzt, der heute noch einen Typ-1-Diabetiker mit einem Mischinsulin einzustellen versucht, sollte nicht mehr auf Patienten losgelassen werden. Ich habe schon seit 1980 Typ-1-Diabetes, und bereits damals war dieses Therapiekonzept für Typ-1-Diabetes längst veraltet und wurde nur noch bei älteren Diabetikern, denen eine Umstellung zu kompliziert gewesen wäre, weiter fortgeführt. Neueinstellungen wurden nur noch dort mit einem solchen Konzept gemacht, wo man sich nicht wirklich für Diabetes oder Diabetiker interessiert hat. Dieses Konzept kann nur dann halbwegs funktionieren, wenn der entsprechende Diabetiker einen absolut strengen Zeitplan bedingungslos einhält und somit auf ein »normales« Leben eigentlich verzichtet. Man müsste täglich um die gleiche Uhrzeit aufstehen, um die jeweils gleiche Uhrzeit eine jeweils annähernd gleich zusammengesetzte Mahlzeit zu sich nehmen, die körperliche Betätigung, die man an Arbeitstagen hat, müsste man auch im Urlaub bzw. an jedem Wochendende möglichst genau in Intensität und Dauer nachahmen und all so was. Was hat das mit normalem Leben zu tun? Solche Ärzte machen mich aggressiv!!!

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