Frage von cruxus, 79

Ausgestandene Herzmuskelentzündung: Höhenluft gut oder schlecht?

Der 15 jährige Freund meiner Nichte hat gerade eine Herzmuskelentzündung überstanden. Nun darf er erst einmal für längere Zeit keinerlei Sport treiben und anstrengende Tätigkeiten vermeiden. Wir haben kurz nach Weihnachten einen Skiurlaub gebucht, bei dem er mitfahren soll. Bis dahin sind es ja noch über 4 Monate. Aber dennoch, stellt denn die Höhenluft (bis ca. 2000m) ein Gesundheitsrisiko für ihn dar, auch wenn bis dahin alle Nachwirkungen der Herzerkrankung abgeklungen sind?

Antwort
von baumbart, 53

Wie es nach der Abheilung einer Herzmuskelentzündung mit Höhenluft aussieht kann ich dir nicht konkret sagen, wohl aber etwas dazu, welche Wirkung Höhenluft generel auf Menschen mit akuten Herzerkrankungen haben kann:

Aufenthalte in großen Höhen können bei manchen Herzerkrankungen zu massiven Problemen führen. Denn der geringere Sauerstoffgehalt in der Höhe bedeutet für den Herzmuskel eine Zusatzbelastung, die das Herz unter bestimmten Bedingungen schädigen kann.

Vorsichtig sollten vor allem Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen sein (koronare Herzkrankheit). Denn der verminderte Sauerstoffgehalt in der Höhe kann dazu führen, dass einzelne Herzmuskelbereiche, die aufgrund der koronaren Herzkrankheit sowieso schon minderdurchblutet werden, nicht mehr ausreichend Sauerstoff erhalten. Als Folge können Angina pectoris-Anfälle auftreten und im Extremfall auch Herzinfarkte. Auf Urlaube in den Bergen nicht generell verzichten!

Trotz dieser Problematik sollten Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit keinesfalls generell auf Skifahren und Wandern in den Bergen verzichten. Im Gegenteil: Bewegung ist eines der besten Mittel, um ein Voranschreiten dieser Herzerkrankung zu verhindern. Statt eines generellen Verzichts sollte vielmehr auf ein paar Vorsichtsmaßnahmen geachtet werden, mit denen sich Überbelastungen des Herzmuskels zuverlässig verhindern lassen, die in dünner Höhenluft ansonsten schnell auftreten können. Zu empfehlen ist vor dem Höhenaufenthalt insbesondere ein kurzer Check beim Hausarzt oder Herzspezialisten mit Durchführung eines Belastungs-EKGs. Werden dabei 120 bis 150 Watt problemlos erreicht, kann der Arzt seine Zustimmung geben und dem Urlaub steht nichts im Wege. Tipp: Simple Pulsuhr besorgen

Empfehlenswert sind Belastungs-EKGs auch deshalb, weil sich damit die Pulsobergrenze ermitteln lässt, bis zu der körperliche Belastungen sicher möglich sind. Beim Skifahren oder Wandern wird dann einfach eine kleine Pulsuhr am Handgelenk getragen, die mit akustischen Signalen vor zu hohen Herzfrequenzen und somit vor Überbelastungen des Herzens warnt.

Genau hinsehen sollten Herzpatienten auch bei der Wahl des Urlaubsortes. Als unproblematisch gelten je nach Grunderkrankung Mittelgebirgslagen bis 1.500 Meter, wenn dabei eine Anpassungszeit von zwei bis drei Tagen mit Spaziergängen oder anderen ähnlich leichten Belastungen eingeplant wird. Bei der maximalen Berghöhe, die es nicht zu überschreiten gilt, sind für viele Betroffene 2.500 Meter zu empfehlen. Zudem sollte bei gefährdeten Patienten die Außentemperatur nicht unter minus fünf Grad Celsius betragen, da sich extreme Kälte ebenfalls negativ auf das Herz auswirken kann. Quelle: http://www.herzstiftung.de/aktuelles_feb08_hoehenluft.php

Es sollte aber auf jeden Fall vom Arzt eine Unbedenklichkeit für ihn geben, bevor es in den Urlaub geht!

Antwort
von bienchen75, 36

Auf alle Fälle würde ich da mal bei seinem behandelnden Arzt nachfragen. Und wenn er auch zu Weihnachten normalerweise noch keinen Sport treiben darf, dann wird er wohl auch nicht Skifahren, sondern euch nur begleiten, denke ich.

Ich vermute auch mal, dass eure Unterkunft während des Skiurlaubes nicht auf 2.000 m Höhe ist, sondern eher weiter unten. So gesehen würde ich jetzt mal kein Problem dabei sehen, solange er sich weder überanstrengt noch in allzu großen Höhen rumturnt.

Ansonsten enthält die Höhenluft ja weniger Sauerstoff als die Luft weiter unten. Meiner Erfahrung nach merkt man gleich, ob einem das gut tut oder nicht. Er soll aufmerksam auf seine Körperreaktionen achten, ansonsten sehe ich da jetzt mal kein vergrößertes Risiko, wenn all seine Nachwirkungen bis dahin tatsächlich abgeklungen sind. Aber wie schon gesagt, auf alle Fälle beim Arzt nachfragen.

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