Frage von Rosanna, 190

Asperger/Autismus+ Lernbehinderung?

Hallo,

Ich weiß zwar wirklich nicht ob sich hier irgendjemand damit auskennt und ob es überhaupt das Richtige ist, diese Frage hier zu stellen, aber ich weiß nicht an wen ich mich sonst noch wenden soll.

Vor 5 Jahren wurde ich in einer Klinik zwei Monate lang teilstätionär untersucht und es wurde schon damals bei mir Autismus diagnostiziert. Deshalb bin ich seit zwei Jahren bei einem bestimmten Psychiater (der mich schon von damals kennt) und einer Psychologin in Behandlung.

Nun hatte ich heute ein Gespräch mit der Psychologin, (die mit mir ein Mal dieses und ein Mal letztes Jahr zwei IQ Tests gemacht hat) und wir hatten viel über Autismus gesprochen. Zuerst hatte sie mir erklärt was Autismus genau ist und vor allem woran man es genau erkennt
Dann hatten wir über meine alte Diagnose ( die von früher )und über meine jetzige Krankheit ( die bei mir von der Psychologin vor kurzem diagnostiziert wurde) gesprochen.

Kurz gesagt meinte sie dass es eventuell sein kann, dass ich das Asperger- Syndrom und auch zusätzlich eine klassische Lernbehinderung habe (mit einem IQ-Wert von 85)

Meiner Meinung nach hört sich das Ganze so an als wäre es bei mir eine Mehrfachbehinderung, da die meisten Asperger- Autisten ( so wie ich mich im Internet darüber informiert habe) normal bis überdurchschnittlich intelligent sind, meistens hochbegabt.

Meine Frage: Kann es sein dass ich wirklich mehfachbehindert bin oder kann auch das Asperger-Syndrom auch mit so einem niedrigen IQ-Ergebnis auftreten?

PS: Bin 18 und weiblich

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Antwort
von bethmannchen, 129

Menschen mit Aspergber Syndrom und Autisten haben nicht per se eine überdurchschnittliche Intelligenz. Häufig kommen da Inselbegabungen vor. Dann ist jemand auf bestimmten Gebieten ein Genie, kommt mit anderen Bereichen des Lebens aber überhaupt nicht zurecht. Dahinein fallen z.B. die so genannten Nerds. Alles was nicht mit Computern zu tun hat, fällt dann hinten herunter. 

Ich z.B. interessiere mich nicht die Bohne für Sport. Wenn Deutschland die Fussball WM gewinnt, kann auch ich das ja nicht überhören, aber wer in welcher Minute das entscheidende Tor schoss... und so etwas auch noch Wochen danach wissen ??? Dann kommt von anderen: Man, bist du blöd, so was weiß man doch! - Tja, ich eben nicht. 

Andererseits habe ich mir z.B. Nähen selbst angeeignet. Da gibt es etliche Fachbegriffe, die mir nun durchaus etwas sagen. Unterhalte ich mich mit anderen darüber, dann fällt vielleicht so etwas wie: einhalten, Webkante, Schrägstreifen, abnähen, Stoffbruch... Dann kann ich denken: Man, sind die doof, so was weiß man doch! - Tja, die eben nicht.

Albert Einstein war ja ein geisiges Genie, bekam einen Nobelpreis für seine Forschung, tat sich aber nicht leicht mit der Schule. Alles was nicht Naturwissenschaften war, viel ihm schwer. Für sein Abitur brauchte er mehrere Anläufe. Und später war er der Inbegriff des zerstreuten Professors. 

Er war mit seinen Gedanken im Gebiet physikalischen Theorien zuhause, andere Dinge waren so unwichtig, dass sie für ihn komplett hinten herunter fielen. Es konnte sein, dass er in Schlafrock und Pantoffeln losgezogen wäre, wenn ihn nicht jemand darauf aufmerksam gemacht hätte. Hätte es damals den Begriff schon gegeben, würde man ihn wohl auch als Nerd bezeichnen. 

So ein IQ-Test soll ja gestreut gewichtet sein, dabei sollen alle Aspekte gleichermaßen betrachtet werden. Ich finde dieses "alles über einen Kamm" als eine völlig ungerechte Bewertung. Wo bleiben Begabungen und Fähigkeiten, die man vergessen hat, da mit hinein zu nehmen? Ich z.B. werde die Fußballregeln im Leben nicht begreifen. Manche können das Privatleben von irgendwelchen Stars und Sternchen herunterbeten - ich nicht. (Im Grunde sind so etwas doch alles Dinge, die die Welt nicht bewegen)

Jetzt aber per se zu behaupten, ich hätte eine Lernschwäche, wäre zu weit gegriffen, denn ich kann eben etwas anderes besser. Beruflich gibt es für mich immer wieder etwas neues zu lernen, und das verstehe ich viel leichter. Es fällt ja auf schon vorhandenen Humus, da muss ich es nur richtig in meine bisherigen Kenntnisse einordnen, und dann werde ich das nicht so leicht vergessen, weil es für mich Hand und Fuß bekommen hat. 

So wie du schreibst, kann ich mir kaum vorstellen, dass dein IQ tatsächlich nur bei 85 liegen soll. Aber auch wenn, 85 ist nicht wenig, nur weil es unter 100 liegt. Es haben ungefähr 2/3 (genauer 68,27 %) aller Personen einen IQ zwischen 85 und 115. Ich würde der ganzen Bewertung gar nicht so viel Bedeutung zurechnen. Lernen kann man im ganzen Leben immer das, was man lernen will, und am besten die Dinge, die einem dazu auch wichtig genug sind.

Antwort
von Lydia304, 148

Hallo Rosanna,

es stimmt, meist sind Asperger-Autisten durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent, aber eben nur meistens. Das heißt, es ist nicht unmöglich, dass er mit Minderbegabung kombiniert ist. Wenn man davon ausgeht, dass die Psychologin bei Dir eine vernünftige ausführliche Diagnostik betrieben hat (was sich so anhört), dann wird es bei Dir wahrscheinlich so sein. Wenn Du es genau wissen möchtest, könntest Du noch eine spezialisierte Autismus-Ambulanz aufsuchen, falls es an Deinem Wohnort so etwas gibt, aber es fragt sich, ob das Not tut. In dem Punkt gebe ich gregmendel recht, die Diagnose ist eigentlich nicht das wichtigste, am wichtigsten ist, dass Du Methoden findest, mit Deiner Veranlagung und Deinen Einschränkungen bestmöglich zu leben. Ist ja schon mal gut, dass Du in Behandlung bist!

Antwort
von gregmendel, 109

Hallo Rosanna,

Autismus ist keine eindeutige Diagnose wie etwa Schnupfen oder ein Beinbruch. In dieser Schublade landen alle Leute, die irgendwie anders sind und auf die sonst keine Diagnose passt.

Meine eigene Erfahrung: Jeder Autist ist anders. Und auch Du bist vermutlich ganz besonders - es gibt vielleicht niemand anderen, der genau die gleichen Probleme hat wie Du.

Mein Vorschlag: Halt Dich nicht an Worten fest - Asperger, Autismus, lernbehindert oder was auch immer. Derartige Diagnosen helfen Dir vermutlich kaum weiter.

Such lieber nach Methoden oder Therapien, die Dich im Leben und im Alltag weiterbringen. Wenn Dir ein Arzt konkret weiterhilft, ist er ein guter Arzt. Wenn er Dich nur in Schubladen steckt, such Dir schleunigst einen anderen.

Antwort
von Fuchur, 92

Hallo,

also ich muss dir schon mal bestätigen, dass das, was du geschrieben hast, sich nicht nach einem IQ von 85 liest. Ich habe auch noch nicht gehört, dass Menschen mit Asperger einen geringen IQ haben. Vielleicht holst du dir doch einfach mal eine Zweitmeinung ein?
Freundliche Grüße  :)

Fuchur

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