Frage von Jess100, 58

Angst vor der Zukunft und sterben zu müssen!

Hallo,

ich bin momentan an einem Tiefpunkt in meinem Leben angelangt, an dem ich niemals glaubte anzukommen. Ich habe die letzten 6 Monate viel mitgemacht. Ich hatte 6 Operationen innerhalb von 3 Wochen und einen Kindsverlust im 6. Monat und kämpfe seit dem mit den Folgen der Operationen und Sorgen um weitere Operationen und körperliche Probleme. Ich bin 26 Jahre alt. Es ist lange noch nichts wie es mal war. Ich kann eigentlich froh sein, dass es so gekommen ist, da es hätte schlimmer kommen können. Ich bin 2 oder 3 Mal auf der Kippe gestanden. Ich weiß einfach nicht wie ich mit allem umgehen soll. Ich weine jeden Tag und habe Todesangst. Eigentlich habe ich keine Angst vor dem Tod, nur Angst meine geliebte Familie zurückzulassen. Ich weiß wie weh sowas tut. Jeden Tag gehe ich wie benebelt durch die Welt und genieße jeden Windstoß, jedes Geräusch, jeden Blick zu meinem Mann und meiner Familie. Ich denke in letzter Zeit sehr oft an meine Kindheit und an alle Erinnerungen die ich mit meinem Mann habe. Ich habe Angst, diese Erinnerungen nicht auf diese Weise weiterführen zu können, wie ich es bisher getan hab. Ich will weiterleben, aber eben ganz normal und gesund. Ich will niemandem zur Last fallen und auch kein eingeschränktes Leben führen, weil das auch meine Angehörigen einschränkt. Ich stelle mir immer vor wie es wäre wenn ich in 3 Jahren oder so sterben würde (Anlass gäbe es dazu in meinen Augen). Danach breche ich in Tränen aus und bin am Ende. Ich will doch noch so viel erleben! Ich habe ständig das Gefühl alles falsch im Leben gemacht zu haben und nichts genossen zu haben und jetzt soll es auf einmal eingeschränkt oder vorbei sein? Ich weiß, dass ich an dem was kommt, nichts ändern kann und das bestmöglich daraus machen muss aber damit kann ich mich nicht abfinden. Wenn ich andere Menschen anschaue werde ich schon fast neidisch. Ich kann meine Verzweiflung einfach nicht in Worte fassen.

LG Jess

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Antwort
von gerdavh, 58

Hallo, erstmal mein herzlichstes Beileid zum Verlust Deines Kindes. Da gibt es nicht sehr viel zu sagen - auch ich habe vor Jahren ein Kind verloren. Allein diese Tatsache führt bei den allermeisten Frauen zu starken Depressionen. Zu den Operationen habe ich mal eine Frage: Was waren das für OP´s? Hast Du eine schlechte Prognose bekommen? Hast Du begründete Angst, sterben zu müssen? Meiner Ansicht nach brauchst du ganz dringend profesionelle Hilfe. Wer sich täglich seinen eigenen Tod ausmalt und deshalb ständig in Tränen ausbricht, sollte einen Psychiater oder Psychologen aufsuchen. Sprich mit einen Arzt Deines Vertrauens über diesen schrecklichen Zustand; evtl. kann er Dir einen guten Ansprechpartner empfehlen. Alternativ bzw. zusätzlich hast Du die Möglichkeit, zu einer klassisch arbeitenden Homöopathin zu gehen. Die Homöopathie kennt dieses Krankheitsbild der Seele - "Ständiges Denken an den bevorstehenden Tod" bzw. "Angst vor plötzlichem Tod". Dieses Symptom habe ich schon bei mehreren Krankheitsbildern gelesen. Leider kann ich Dir hier keine Mittelempfehlung geben; psychische Erkrankungen müssen von einer guten Homöopathin behandelt werden. Ich wünsche Dir alles Gute. lg Gerda

Antwort
von StephanZehnt, 39

Hallo Jess,

in der Regel sagt man sich zur Hochzeit in guten wie in schlechten Tagen .... Das heißt es ist absolut schlecht wenn Du versuchst die Geschehnisse selbst sprihc allein zu verarbeiten! Das müssten Deine ersten Ansprechpartner sein Deine Familie. Deine eigene Familie kann eher sich in Deine Lage versetzen weil sie im Normalfall eher weis und Zusammenhänge kennt. Neben einem Psychologen wäre dies noch eine Möglichkeit für Euch http://www.leben-ohne-dich.de/

Da gibt es Selbsthilfegruppen die ein ähnliches Schicksal haben und ebenfalls ein Kind verloren haben. Ihr beide Du und Dein Mann sollten nach Möglichkeit dies nutzen.

Damit Dein Mann versteht was in Dir vorgeht. Als Fremder kann man das eher vermuten und sagt noch etwas Falsches. Es ist auch wichtig das Du von solchen Gedanken Abschied nimmst den anderen zur Last zu fallen. Wo stünde denn Deine Familie jetzt ohne Dich. Das ist ja nicht nur der Haushalt - die Kinder usw..

Ja und nun wäre die Frage wie kann Deine Familie Dir helfen damit Du wieder gesund wirst so weit wie möglich zumindest und dabei spielt die Psyche eine Riesen Rolle. Da wäre z.B. die Frage neben der Selbsthilfegruppe besteht die Möglichkeit das Du eine Kur bekommst !

Deine Gedanken sollten darum gehen ..ich habe jetzt soviel durchgestanden soll das nun alles umsonst gewesen sein! Meine Familie muss mir ein Stück helfen damit ich zumindest wieder an mich selbst glauben kann an die Zukunft. Nicht wenige Fremde würde sagen Du hast gerade ein dicke Depression. Dann geht man zum Arzt und bekommt schöne bunte Pillen. Ob man so leben will? Ein Termin bei einem Psychologen ist extrem schwer zu bekommen. Aber wenn man sich an die Krankenkasse wendet könnte es deutlich eher....

Zitat - Ich will niemandem zur Last fallen und auch kein eingeschränktes Leben führen, weil das auch meine Angehörigen einschränkt.

Es ist nicht mehr weit hin bis zur Weihnachtszeit was ja früher ein christliches Fest war. Die Christen sagen

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Das sollte zumindest hier gelten! Du solltest Dich trauen auch einmal den Anderen zur Last zu fallen! Vor allem in Deiner näheren Umwelt!

Alles Gute Stephan

Kommentar von walesca ,

Lieber Stephan, mit Deinen mitfühlenden Worten hast Du genau das ausgedrückt, was ich in Kurzform auch so gemeint habe. Der Rat wg. einem Arztbesuch bzgl. einer Depression sollte auch nur eine Überbrückung sein!

Du solltest Dich trauen auch einmal den Anderen zur Last zu fallen! Vor allem in Deiner näheren Umwelt

Damit hast Du völlig Recht!! Wenn das man nur nicht so schwierig wäre! Aber in einer so harmonischen Familie, wie sie @Jess schildert, sollte der Mut dazu da sein. LG

Kommentar von StephanZehnt ,

Danke für Deine ... wir haben fast gleichzeitig geschrieben so das ich Deine AW. (Walesca) erst danach gelesen habe!

Antwort
von Jess100, 34

Hallo alle zusammen,

ich danke euch vielmals für eure Antworten und Ratschläge.

Walesca: Vielen Dank für den Bachblüten Tipp, das werde ich mal versuchen, da ich sowieso dagegen bin, immer gleich harte Sachen zu nehmen.

Stephan: Einige deiner Sätze haben mich zum weinen gebracht, da ich mich über mich selbst ärgere weil es ja eigentlich so einfach sein könnte. Ich habe versinke so oft in Gedanken wie "Ich kann meine Familie nicht alleine lassen", "Ich schaffe den Rest auch noch, da ich schon viel schwerer dagelegen habe"... aber dann im nächsten Moment ist mir das alles egal und ich denke nur noch an die negativen Dinge, die mir solche Angst machen. Meine Familie ist alles für mich und umgekehrt aber sie bekommen durch diese ganze Geschichte selbst psychische Probleme, da sich mich so leiden sehen. Einen Psychologen will ich zwar in Anspruch nehmen aber ich glaube einfach, dass meine psychischen Probleme erst dann verschwinden, wenn meine vielen körperlichen Beschwerden endlich weg sind, sodass ich mich wieder gesund fühle. Manchmal denke ich selbst von mir, dass ich einen "Schuss" habe, weil ich mir so viel schlimme Sachen ausmahle: "Was wäre, wenn ich behindert wäre, das könnte ich meinem Mann nicht antun", "Was wäre wenn ich mich weiteren Operationen unterziehen muss, dann kann ich nie wieder richtig die alte werden (kann ich ja vielleicht so schon gar nicht mehr)...

Hooks: Danke auch für deinen Beitrag. Ich weiß nur nicht genau, ob ich das momentan versuchen sollte, da ich momentan Probleme mit Eierstockzysten habe. Meine Frauenärztin hatte mir gesagt, dass Östrogene die Zysten evtl. wachsen lassen.

Gerda: Hallo Gerda, ich wurde 5 Mal am Bauch operiert. Grund war der ursprüngliche Kaiserschnitt, der immer wieder notoperiert werden musste. Danach wurde ich noch am Herzen operiert (offene Herz OP). Aufgrund meines Blutverdünners, den ich nehmen muss, ergibt sich schonmal ein großer Risikopunkt, der mir Angst macht. Die Beschwerden, die ich nach den Operationen davongetragen habe und deren operative Behandlung noch offen ist, nehmen mir nicht gerade diese Angst. Es ist für mich einfach ein ewiger Kreislauf.

Antwort
von walesca, 27

Hallo Jess100!

Oh je, da hast Du ja wirklich auch viel mitgemacht in der letzten Zeit. Da ist es wirklich kein Wunder, wenn Dich das so sehr aus der Bahn geworfen hat!! Das kann ich gut verstehen! Als erste "Notfall-Hilfe" empfehle ich Dir mal für eine Weile "Bachblüten-Rescue-Tropfen" anzuwenden. Die gibt es jetzt auch als Lutschtabletten. Die beruhigen erst einmal Deine so angespannten Nerven und Du kannst die Ereignisse dann evtl. eher verkraften! (Aber länger als 2 Wochen sollte man sie nicht ohne Pause anwenden.) Wenn Du dann wieder halbwegs klar denken kannst solltest Du mal zum Hausarzt gehen und ihm alles so schildern, wie Du es hier geschrieben hast. Er wird Dir sicher auch über diese Depression helfen. Vielleicht findest Du aber auch über diesen Link einen Ansprechpartner, mit denen Du mal über alles sprechen kannst. Ich wünsche Dir und Deiner ganzen Familie viel Kraft und Energie, diese schwere Zeit gemeinsam durchzustehen und dass Du bald wieder neuen Lebensmut empfinden kannst. Mit Deinen Gefühlen bist Du sicher nicht allein - lass Dir helfen!!

http://www.veid.de/

Alles Gute wünscht Dir walesca

Antwort
von Hooks, 21

Du hast ein Kind verloren. Dadurch entsteht im Körper ein plötzlicher Östrogenabsturz, der in den letzten Zyklustagen jeweils verstärkt wird.

Ich hatte nach der Fehlgeburt eine solch schwarze Depression, daß ich zu gar nichts mehr fähig war.

Dann fiel mir das ein mit dem Östrogenmangel, und nach der Einnahme von ein paar Brennesselsamen war alles wieder gut. Die sind sehr stark östrogenhaltig, und Du mußt keimfähige essen. Wenn Du keine im Haus hast, kannst Du sie auch phytofit.de kaufen, habe ich gesehen. Ich habe nachgefragt, die sind keimfähig.

Die Idee habe ich aus dem Buch "Erbarmen mit den Männern" von Sophie Ruth Knaak. Sie empfhiehlt die Einnahme von 1 TL jeweils im Abstand von 8 Std., evtl. im Wechsel mit roher Hefe. Samen mit weichem Eigelb (als Hormonstarter), Hefe mit weißem Joghurt (falls jemand Angst vor Pilzen hat).

Wenn ich mich recht erinnere, hat mir die Einnahme von 1 TL BS bereits geholfen. Du solltest aber gegen Zyklusende immer wieder auf Östrogenmangelzeichen achten (depressiv, Beckenboden schwächelt bis hin zur Inkontinenz, Haare fallen aus oder werden stumpf) und dann ggf wieder etwas nehmen.

Antwort
von madmo, 24

Hallo Jess,

man kann das Leben nicht vorhersagen. Daher kommt es (leider) vor, dass man schwere Zeiten durchmacht. Für die einen ist es der Jobverlust, für den anderen die schwere Krankheit, für den nächsten der Tod einer geliebten Person. Davor ist niemand bewahrt und es kann jederzeit jeden treffen. Dass es dich in dieser kurzen Zeit so schwer getroffen hat, tut mir Leid. Doch so blöd es klingt: Das gehört zum Leben dazu. Nur durch Verlust lernen wir das zu schätzen, was wir haben. Und das was wir hatten, wiegt dann selbstverständlich schwerer. Du hast eine Menge durchgemacht. Daher ist es verständlich, dass du Zweifel, Sorgen und Ängste hast. Einige der (hormonellen) Ursachen wurden ja bereits genannt. Dennoch darfst du einige Dinge nicht vergessen: Du bist mit 26 noch sehr jung. Du hast einen Mann, der offensichtlich zu dir hält. Und du hast eine Familie, die dich sicherlich so liebt, wie du sie scheinbar liebst. Du sagst "Jeden Tag gehe ich wie benebelt durch die Welt und genieße jeden Windstoß, jedes Geräusch, jeden Blick zu meinem Mann und meiner Familie"... Würdest du wirklich "wie benebelt" sein, z.B. durch Medikamente, dann würdest du nichts davon "genießen"... du wärst einfach in deiner Blase gefangen und der Rest wäre dir egal. Ist es aber nicht, und das ist auch gut so. Aber tu dir bitte einen Gefallen: "ganz normal" gibt es nicht. "Ganz normal" ist ein statistischer Mittelwert und kein Leben soll "Durchschnitt" sein und kein Leben kann Durchschnitt sein. So wie du schreibst, scheinst du durch die OPs durchaus beeinträchtigt zu sein, gibst aber keine weitere Info hierzu. Daher rate ich dir dringend, unverzüglich eine psychologische Betreuung aufzusuchen... Du musst wieder an das Leben geführt werden und brauchst aktive Unterstützung bei der Bewältigung deines Schmerzes. Das können wir dir hier im Forum nicht bieten und keine Internetseite... Ruf bei deinem Hausarzt und deiner Krankenkasse an... Du brauchst jemanden fernab deiner Familie, der dich bei der Hand nimmt und stützt - dann kann dein Wunsch Realität werden. Ich wünsche dir, deinem Mann und deiner Familie alles Gute! Du schaffst das!

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